Start Aktuelles Japan aktuell: Extreme Schilddrüsenbelastung durch Strahlung bei Fukushima-Arbeitern

Japan aktuell: Extreme Schilddrüsenbelastung durch Strahlung bei Fukushima-Arbeitern

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Fukushima-Arbeiter vor Abfahrt des Busses am 7. Oktober 2011 (Foto: TEPCO)
Aktuelle Strahlungsbelastung der Arbeiter bekannt gegeben (Symbolfoto: TEPCO)
Fukushima-Arbeiter vor Abfahrt des Busses am 7. Oktober 2011 (Foto: TEPCO)
Hohe Schilddrüsenbelastung bei Fukushima-Arbeitern (Foto: TEPCO)

Mit möglichen illegalen Beschäftigungen und hohen radioaktiven Belastungen bei Angestellten beginnen die Meldungen aus Fukushima heute die Woche.

Auch das kürzlich veröffentlichte Videomaterial lässt den Betreiber des AKW Fukushima aktuell alles andere als gut aussehen.

Dabei bemüht sich der Konzern um rasche Fortschritte bei der Stilllegung der Anlage.

Doch neben den Fukushima News gibt es auch aktuelle Informationen zur Ermittlung zu geologischen Risiken an anderer Stelle, sowie sonstige Berichte, wie üblich auch zu Wochenbeginn im Spreadnews Japan-Ticker vom 3. Dezember 2012.

Unsere Themen zu Wochenbeginn:

  • Über 100 Fukushima-Arbeiter mit hoher Schilddrüsen-Strahlungsbelastung
  • Hälfte der Fukushima-Beschäftigungsverhältnisse von TEPCO-Partnerunternehmen illegal
  • Brennstäbe-Entfernung in Fukushima soll beschleunigt werden
  • Videomaterial: TEPCO reagierte nicht auf Warnungen vor radioaktiven Wasserlecks
  • Untersuchung von Verwerfung am AKW Tsuruga
  • Senkaku, Takeshima und Nordkorea
    • Takeshima nicht mehr vor Jahresende vor Gericht
    • USA sind nicht neutral im Senkaku-Streit
    • Koreanischer Fußballer erhält FIFA-Sperre
    • Gespräche gegen Raketentest

Über 100 Fukushima-Arbeiter mit hoher Schilddrüsen-Strahlungsbelastung: Untersuchungen an 522 Fukushima-Arbeitern ergaben bei 178 Kraftwerksarbeitern eine Schilddrüsenbelastung von über 100 Millisievert, was als Grenzwert für gesundheitliche Auswirkungen auf die Schilddrüse, insbesondere in Form von Krebs gilt.

In zwei Fällen liegen sogar Belastungen über 10.000 Millisievert vor. Dieser Wert wäre als Ganzkörperbelastung tödlich, da er jedoch in der Schilddrüse gemessen wurden, ist hiermit nicht zwangsläufig eine Schädigung des übrigen Körpers verbunden. Allerdings besteht ein stark erhöhtes Risiko für Schilddrüsenkrebs.

Die höchste nachgewiesene Schilddrüsen-Strahlungsbelastung eines Arbeiters beträgt 1.800 Millisievert. Diese Einschätzungen und Zahlen wurden von der WHO veröffentlicht, nachdem der Kraftwerksbetreiber TEPCO nach Aufforderung, die Schilddrüsendaten von 522 Angestellten und Arbeitern von Subunternehmen ausgehändigt hatte.

Persönliche Informationen, wie etwa das Alter, die genaueren Aufschluss über das Risiko einer Krebserkrankung geben würde, legte das Unternehmen nicht offen. Lediglich das Alter des am schwersten belasteten Kraftwerksangestellten wurde bekannt gegeben. Demnach handele es sich um einen Mann zwischen 30 und 39 Jahren.

Er zeige keine Krankheitssymptome und sei immer noch in einem Beschäftigungsverhältnis, wenn auch nicht mehr in einer Tätigkeit mit Bezug zur Radioaktivität. Er weise mit 678,8 Millisievert auch die höchste Ganzkörperbelastung (intern und extern) aller getesteten Arbeiter auf.

Die WHO hat zur Risikokalkulation von Krebserkrankung lediglich die Vergleichsdaten der Opfer der Atombombenabwürfe von Hiroshima und Nagasaki. Ausgehend von diesen Werten nutzt die Organisation ein dreistufiges Altersschema von 20, 40 und 60 Jahren zum Zeitpunkt der radioaktiven Belastung.

Ein Vergleich bei der höchsten gemessenen Belastung von 11.800 Millisievert:

  • 20 Jahre alt: Die Gefahr innerhalb von 15 Jahren an Schilddrüsenkrebs zu erkranken, steigt von durchschnittlich  0,02 auf 0,69 Prozent und  damit um das 34-fache. Das lebenslange Risiko steigt von 0,21 auf 3,8 Prozent.
  • 40 Jahre alt: Die Gefahr innerhalb von 15 Jahren an Schilddrüsenkrebs zu erkranken, steigt von durchschnittlich 0,05 auf 0,36 Prozent und damit um das siebenfache. Das lebenslange Risiko steigt von 0,19 auf 1,1 Prozent.

Bei 163 Angestellten wurde eine Belastung von über 200 Millisievert nachgewiwesen, was bei zwanzig Jahre alten Personen die Gefahr für einen Zeitraum von 15 Jahren um 55 Prozent auf eine Chance von 0,03 erhöht und das lebenslange Risiko um ein Drittel auf 0,27 Prozent steigen lässt.

Kritiker fordern von TEPCO größere Transparenz und medizinische Schritte. Das Unternehmen ist zwar nicht verpflichtet die Daten der Regierung zugänglich zu machen und erklärte, man überwache zwar die gesundheit der Arbeiter durch Ganzkörpermessungen, veröffentliche diese jedoch nicht, da anders als bei Ganzkörperwerten keine Standards für Grenzwerte bestehen.

Über die Angaben der WHO berichtete die Asahi Shimbun am Samstag.

Hälfte der Fukushima-Beschäftigungsverhältnisse von TEPCO-Partnerunternehmen illegal: Fast die Hälfte aller 4.000 Angestellten die im Auftrag von 27 Vertragspartnern am AKW Fukushima Daiichi arbeiten, könnte möglicherweise illegal eingesetzt worden sein. Dies enthüllte einer heute veröffentlichte Untersuchung des Kraftwerksbetreibers TEPCO.

  • 47,9 Prozent gaben an, bei ihrem Arbeitergeber handele es sich nicht um den Lohnzahler
  • 36 Prozent gaben an, weder schriftliche noch mündliche Erklärungen zu ihren Beschäftigungsverhältnissen erhalten zu haben

Sollten diese Punkte zutreffen, so  handelt es sich um Verstöße gegen das Beschäftigungsschutzgesetzt und das Arbeitsstandardsgesetz. Von TEPCO heisst es diesbezüglich, man wisse nicht, ob Verletzungen gesetzlicher Bestimmungen vorlägen, sei jedoch der Ansicht, dass es Fälle geben könnte, die der Verbesserung bedürften.

Nach Angaben der jiji will TEPCO nun seine Geschäftspartner anweisen, die Einhaltung gesetzlicher Regelungen sicherzustellen und will die Fortschritte dokumentieren. Die Befragungen fanden zwischen September und Oktober diesen Jahres statt.

Brennstäbe-Entfernung in Fukushima soll beschleunigt werden: Regierung und  Betreiber planen, die Entfernung abgebrannter Brennelemente am AKW Fukushima Daiichi voranzutreiben. Das gaben beide Parteien in einer Überarbeitung der mittel- bis langfristigen Pläne zur Reaktorstilllegung am heutigen Montag bekannt.

Bereits ein Jahr früher als bislang geplant, nämlich bis Dezember 2014 sollen nun die Brennstäbe aus Reaktor 4 der Anlage geborgen sein. Um diesen Zeitplan zu ermöglichen werden auch die ersten Brennstäbe einen Monat früher als geplant, nämlich bereits im November 2013 entfernt – vorausgesetzt, es läuft alles nach Plan.

Videomaterial: TEPCO reagierte nicht auf Warnungen vor radioaktiven Wasserlecks: Wie Übersetzungen des jüngst veröffentlichten Videomaterials zeigen, hat das Unternehmen während der Akutphase der Krise, die Gefahr des Austritts von radioaktiv kontaminiertem  Wasser zumindest unterschätzt.

Am 27. März 2011 war entdeckt worden, das in einer Grube zwischen Turbinengebäude und dem Meerwasser austrat. In den beiden Videokonferenzen am 30. März erklärte Kraftwerksleiter Masao Yoshida seine Verzweiflung angesichts der  Gefahr durch Wasserlecks.

So forderte er etwa entschieden die Anbringung von Kameras in den Turbinengebäuden der Reaktoren 1 bis 4, um einen möglichen Austritt von Wasser und einen Anstieg des Wasserstands beobachten zu können und versuchte die Unternehmensführung in Tokyo vom Ernst der Lage zu überzeugen.

Ich kann nicht anders, aber ich habe das Gefühl, als warteten wir untätig auf den Tod“ und „Beim Gedanken an die Wasserstände bleibt mir förmlich das Herz stehen„.

Die Zentrale in Tokyo reagierte schleppend und genehmigte die Anbringung von Kameras erst, nachdem es alarmierenden Entwicklungen gegeben hatte.

Am 2. April war gegen 11:00 Uhr bekannt geworden, dass kontaminiertes Wasser ins Meer gelangt sei. Tage zuvor hatte Ichiro Takekuro, einer der Leiter im Hauptbüro, Yoshida noch abgewimmelt: „Ich denke, wir werden möglicherweise morgen in der Lage sein die Dinge zu diskutieren und konkrete Ziele zu setzen“.

Radioaktives Wasser dringt durch Riss in Baugrubendwand nahe Reaktor 2 ins Freie
Radioaktives Wasser dringt am 2. April 2011 durch Riss ins Freie (Foto: TEPCO)

Der Wasseraustritt erfolgte durch einen Riss in einer Baugrubenwand nahe der Wasserförderung für Fukushima-Reaktor 2. Der Zustand wurde dann als „Worst-Case Situation“ bezeichnet, da Wasser mit Belastungen über 1.000 Millisievert pro Stunde in die Umwelt gelangt seien.

Bis zum 6. April, als der Riss abgedichtet werden konnte, waren schätzungsweise 520 Kubikmeter kontaminiertes Wasser ins Meer gelangt.

Bereits bei Beginn der notfallmäßigen Wasserkühlung hatten TEPCO und Regierung zweifelhafte Entscheidungen getroffen und sich in Verharmlosungen versucht.

Nachdem Kraftwerksleiter Yoshida im Bezug auf Reaktor 4 bemerkt hatte: „Wir werden sterben, wenn er explodiert!„,  reagierte Regierungsberater Goshi Hosono mit einem Beruhigungsversuch, der einigermaßen trocken wirkt: „Wir werden weiterhin Anstrengungen unternehmen, um derartige Risiken so weit wie möglich zu reduzieren„.

Obwohl Yoshida dann auf die Frage von Hosono, ob man Wasserkühlung vom Boden aus wünsche, bejaht und den Einsatz von Feuerwehrfahrzeugen gefordert hatte, beschloss die Regierung im Wesentlichen zu warten, bis man Militärhelikopter zur Kühlung aus der Luft nutzen konnte.

Über die Inhalte des Videomaterials berichteten Yomiuri Shimbun, Asahi Shimbun und Mainichi Shimbun.

Untersuchung von Verwerfung am AKW Tsuruga: Das vierköpfige Expertenteam von Japans Atomaufsichtsbehörde führte am Wochenende eine zweitägige Kontrolle des AKW Tsuruga (Präf. Fukui) durch. Von Interesse ist dabei, ob eine geologische Formation, die an den Reaktoren des Kraftwerks verläuft, ein Sicherheitsrisiko darstellt.

Die Verwerfung ist die einzige an einem Kernkraftwerk, die offiziell als aktiv gilt, da sie vor 4.000 Jahren Aktivität aufwies. Sollten die Wissenschaftler nach ihren Grabungen zu dem Schluss kommen, dass die Bruchzone D-1, der sich in der Nähe befindet, bei einem Erdbeben ebenfalls verschieben könnte, würde dies voraussichtlich ein Betriebsverbot zur Folge haben.

Es ist zu erwarten, dass auf der gemeinsamen Besprechung am 10. Dezember keine definitive Entscheidung gefällt, sondern die Betreiberfirma zu weiteren Untersuchungen aufgefordert werden wird. Über die Untersuchungen am AKW Tsuruga berichteten NHK, Yomiuri Shimbun und Kyodo.

Zu den weiteren Kraftwerken die ebenfalls noch einer Kontrolle unterzogen werden sollen, gehören:

  • AKW Higashidori (Präf. Aomori)
  • AKW Mihama (Präf. Fukui)
  • AKW Monju (Prüäf. Fukui)
  • AKW Shika (Präf. Ishikawa)
  • AKW Oma (Präf. Aomori), im Bau befindlich

Wie schnell in diesen Fällen eine Einigung zu erreichen sein wird, bleibt ebenfalls abzuwarten, jedoch ist auch hier eine Aufforderung an die Betreiberfirmen, zunächst weitere Daten zu liefern, als wahrscheinlich anzusehen.

Senkaku, Takeshima und Nordkorea: Auch wenn die Nachbarstaaten weiterhin wegen Inselgruppen im Streit liegen, so ist man im Bezug auf Nordkoreas Raketenprogramm gemeinsam kritisch. Details jetzt im Kurzüberblick zusammengefasst:

Takeshima nicht mehr vor Jahresende vor Gericht: Anders als zunächst geplant wird Japan den Disput mit Südkorea über die Inselkette Takeshima nicht mehr in diesem Jahr vor den Internationalen Gerichtshof bringen.

USA sind nicht neutral im Senkaku-Streit: US-Diplomat Richard Armitage erklärte in einem Interview mit dem Wall Street Journal, die USA seien nicht neutral, wenn ihr Verbündeter das Opfer von Zwang, Einschüchterung oder Gewalt werde, und bezog sich mit dieser Aussage auf Japan und die Verpflichtung zur Verteidigung durch das Sicherheitsabkommen.

Koreanischer Fußballer erhält FIFA-Sperre: Die patriotische Propaganda-Aktion von Südkoreas Mittelfeldspieler Park Jong-woo nach dem 2:0 Sieg der südkoreanischen Manschaft gegen Japan bei den Olympischen Spielen, als er eine Flagge mit nationalistischem Slogan emporgehalten hatte,  hat jetzt weitere Folgen.

Nachdem er bereits von der Medaillenzeremonie ausgeschlossen worden war, hat der Weltfußballverband FIFA den Spieler nun zu einer Sperre von zwei Spielen und einer Strafe in Höhe von 3.500 Schweizer Franken verurteilt. Außerdem warnte die FIFA, ein erneuter Fehltritt werde schwerere Konsequenzen nach sich ziehen.

Gespräche gegen Raketentest: Diplomatische Vertreter von Japan, Südkorea, China, den USA und Russland haben  aufgrund der Ankündigung eines nordkoreanischen Raketenstarts  sich zu gemeinsamen Gesprächen zusammengefunden.

Japan hat bereits zwei Transportschiffe, die Kunisaki und die Otsumi, mit Boden-Luft-Raketen vom Patriot-Typ (PAC-3) zum möglichen Abschuss der Rakete nach Okinawa entsandt und auch das Verteidigungsminister Satoshi Morimot erklärte am Samstag, die Selbstverteidigungsstreitkräfte sollten auf einen Abschuss der Rakete vorbereitet bleiben.

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