Japan aktuell: Fälle von Schilddrüsenkrebs bei Fukushima-Kindern bestätigt

Japan aktuell: Fälle von Schilddrüsenkrebs bei Fukushima-Kindern bestätigt

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Schilddrüse mit Strahlungsbelastung (Symbolbild, pd)
Kinderfreundlicher Schilddrüsenschutz bei AKW-Krisen entwickelt (Symbolbild, pd)

Schilddrüse mit Strahlungsbelastung (Symbolbild, pd)
Strahlungsbelastung der Schilddrüse (Symbolbild, pd)

Erneut ist es am AKW Fukushima aktuell zum Austritt von radioaktiv kontaminiertem Wasser gekommen.

Etwas positiver ist die Meldung, dass nun Experten einer Behörde den Reaktor 1 besichtigen konnten, nachdem sie vorher von Angestellten des Betreibers davon abgehalten worden waren.

Keineswegs positiv sind dagegen die Meldungen zur gestiegenen Zahl von Kindern mit Schilddrüsenkrebs, über die wir in den heutigen Fukushima News berichten.

Weitere Nachrichten befassen sich neben den Folgen von Fukushima heute auch mit technischen Entwicklungen, die am Kraftwerk helfen sollen. Die Einzelheiten nun im Spreadnews Japan-Ticker vom 5. Juni 2013.

Unsere heutigen Themen:

  • Bestätigte Fälle von Schilddrüsenkrebs in Fukushima
  • Erneuter Austritt von kontaminiertem Wasser am AKW Fukushima
  • NRA inspiziert erstmals vierten Stock von Fukushima-Reaktor 1
  • Autopilot-Helikopter zur Strahlungsmessung entwickelt
  • Überarbeitete Katastrophenrichtlinien für AKW-Unfälle vorgelegt

Bestätigte Fälle von Schilddrüsenkrebs in Fukushima: Die bisherigen Zahlen einer laufenden Studie von 174.000 Personen die zum Zeitpunkt der Katastrophe 18 Jahren oder jünger waren, zeigen 12 bestätigte Fälle von Schilddrüsenkrebs bei Minderjährigen. In 15 weiteren Fällen besteht der Verdacht auf Krebs. Die Testpersonen waren bereits zuvor auf Strahlungsbelastung getestet worden.

Damit stieg die Zahl der Krebsfälle im Vergleich zu einem Bericht vom Februar 2013 deutlich. Damals waren nur bei drei minderjährigen Patienten Krebs diagnostiziert worden. Im Fall der Verdachtsfälle, betrug die Zahl zum selben Zeitpunkt nur sieben. Diese haben sich somit vervierfacht bzw. verdoppelt.

Wissenschaftler der medizinischen Universität Fukushima, sowie Hokuto Hoshi, Leiter des Gesundheitsausschusses der Präfektur erklärten jedoch, die jüngsten Fälle hätten vermutlich keinen Bezug zur Fukushima-Katastrophe und führen nach Meldung der Kyodo die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl 1986 an. Damals waren erst nach vier oder fünf Jahren Fälle von Schilddrüsenkrebs aufgetreten.

Zum Vergleich:

Im Fiskaljahr 2011 war nach bestätigten Testergebnissen von 40.000 Kindern nach einer medizinischen Beurteilung insgesamt 205 weitergehenden Untersuchungen unterzogen und die sieben Krebsfälle, vier Verdachtsfälle und ein Fall von gutartigem Tumor festgestellt worden.

Im Fiskaljahr 2012 wurden von 134.000 Kindern anhand erster Untersuchungen, 935 weitergehenden Kontrollen unterzogen und fünf Fälle von Schilddrüsenkrebs und elf Verdachtsfälle entdeckt worden.

Erneuter Austritt von kontaminiertem Wasser am AKW Fukushima: Am heutigen Mittwoch entdeckte ein Kraftwerksarbeiter um 12:15 Uhr, dass Wasser durch einen Spalt zwischen dem dritten und vierten Abschnitt des Wasserbehälters Nummer 9 (vom Boden aufwärts gezählt) drang.

AKW Fukushima: Leck an temporärem Grunwasser-Lagertank am 5. Juni 2013 (Foto: TEPCO)
AKW Fukushima: Leck an temporärem Grundwasser-Lagertank am 5. Juni 2013 (Foto: TEPCO)

Die Flüssigkeit trat in einer Rate von etwa einem Tropfen alle vier Sekunden aus. Das Leck hörte jedoch auf, als der Wassertransfer in den Behälter gestoppt wurde.  Als Sicherheitsmaßnahme wurde auch der Transfer in die anderen Behälter ausgesetzt und die Bolzen des Behälters werden nach Meldung von TEPCO nun fester angezogen.

Es handelt sich um einen jener Behälter die im Mai gebaut worden waren, um das Wasser aus den leckgeschlagenen unterirdischen Lagertanks einzulagern. Das Wasser aus diesen Tanks enthält Strontium und anderes Beta-Strahlung aussendendes Material. Radioaktive Substanzen die Gamma-Strahlung verbreiten, wurden bereits herausgefiltern.

Das bereits ausgetretene Wasser, konnte durch ein Absorptionsmittel wieder gebunden werden und erreicht den Betonboden nicht. Das mehr befindet sich in 400 Metern Entfernung, so dass eine Kontamination als unwahrscheinlich angesehen wird. Wie TEPCO mitteilte werden derzeit die genauen Umstände des Lecks untersucht.

NRA inspiziert erstmals vierten Stock von Fukushima-Reaktor 1: Die Atomaufsichtsbehörde NRA veröffentlichte gestern eine Reihe von Aufnahmen aus dem Inneren des vierten Stockwerks. Darauf zu sehen ist unter anderem der als Notkühlsystem genutzte Isolationskondensator, an dessen Leitungen die NRA Schäden vermutet.

AKW Fukushima Reaktor 01 am 12. März 2011 (Foto: TEPCO)
AKW Fukushima: Reaktor 1 am 12. März 2011 (Foto: TEPCO)

Auch jene Stellen in der Nähe des Isolationskondensators, an denen Berichten von Arbeitern zufolge unmittelbar nach dem schweren Tohoku-Erdbeben Wasser geschossen sei, wurden von dem Expertenteam dokumentiert.

Die Untersuchungen, die am 30. und 31. Mai 2013 durchgeführt worden waren, sind der erste Fall, in dem eine Kontrollinstanz den vierten Stock des Reaktors betritt. In der Vergangenheit hatte TEPCO mit Falschbehauptungen über totale Finsternis und hohe Strahlung, eine Inspektion verhindert.

Nach Angaben der NRA werde man nun die aufgezeichneten Inhalte auswerten und frühestens auf einem Expertentreffen Ende Juni eine erste Einschätzung zu der bisherigen Hypothese, schwerwiegende und entscheidende Schäden am AKW Fukushima Daiichi könnten nicht erst durch den Tsunami, sondern bereits durch das Erdbeben entstanden sein, abgeben.

Sollte sich diese Annahme über Schäden am Isolationskondensator, die von TEPCO bestritten wird, als wahr erweisen, könnte dies das aus für die Atomkraftwerke des Landes bedeuten, da dies nahe legen würde, dass die Reaktoren nicht geeignet sind, um derartig schweren Erdbeben standzuhalten. Über die Inspektion berichteten Mainichi Shimbun, NHK und Asahi Shimbun.

Autopilot-Helikopter zur Strahlungsmessung entwickelt: Technikern der Universität Chiba haben unter Leitung von Professor Kenzo Nonami einen unbemannten Helikopter von gerade einmal 1,5 Metern Länge entwickelt, der bis zu zehn Kilogramm an technischer Ausrüstung tragen kann und für Strahlungsmessungen am AKW Fukushima Daiichi eingesetzt werden kann.

Der wohl wichtigste Unterschied zu den bisher genutzten Robotern und ähnlichen Geräten ist dabei, dass das Gerät aufgrund eines Autopiloten nicht einmal ferngesteuert zu werden braucht, da es anhand eines GPS-Systems die genaue Position selbst bestimmen kann.

Einem Bericht der Mainichi Shimbun zufolge, geht die Entwicklung des Helikopters, der beispielsweise bei Strahlungsmessungen und zur Ausbringung von Chemikalien eingesetzt werden kann, auf die Anfrage eines Bürgers des Ortes Iitate (Präf. Fukushima) zurück, der Professor Nonami im Dezember darum gebeten hatte, ein Fluggerät zu entwickeln, mit dem die Strahlung auch in hoch gelegenen Gebirgszügen zu messen sei.

Nach ersten Tests im vergangenen Monat, arbeitet das Team nun an einer technischen Verbesserung der Batterie, die derzeit nur 15 Minuten Leistung bietet, sowie einer größeren Traglast von bis zu 20 Kilogramm, um die schnellere Erkundung von nicht zugänglichen Gebieten zu ermöglichen.

Überarbeitete Katastrophenrichtlinien für AKW-Unfälle vorgelegt: Im Februar hatte die japanische Atomaufsichstbehörde NRA sich für eine überarbeitete Fassung der bisherigen Richtlinien für Krisenfälle in Atomkraftwerken entschieden. Nun gab die Behörde weitere Details der Neuregelung für Einwohner bekannt.

Kaliumiodid: Grundlage der Jodtabletten (Foto: pd)
Kaliumiodid: Grundlage der Jodtabletten (Foto: pd)

Zusätzlich zu den bereits bekannten Maßnahmen wie der Ausweitung des Evakuierungsgebiets auf einen Umkreis von 30 Kilometern und die Verteilung von Kaliumjodidtabletten vor einem möglichen Unfall in einem Umkreis von fünf Kilometern, gab es nun weitere Angaben zur Verbesserung der Kommunikation und dem Gesundheitsschutz der Einwohner.

Um Kommunikationsprobleme und Verwirrung über widersprechende Meldungen zu verhindern, soll nach dem Willen der NRA künftig die Verantwortung für die Überwachung der Strahlungshöhe in den Gebieten, bei der Regierung in Tokyo und nicht länger bei den Gemeinden liegen.

Zu diesem Zweck soll in der Nähe jedes Atomkraftwerks ein entsprechendes Messzentrum eingerichtet werden und sowohl Betreiber als auch örtliche Verwaltungen angwiesen werden, Daten zusammenzutragen, die dann von der Regierungsstelle ausgewertet werden können.

Zur Gesundheitsvorsorge sollen die Gemeinden künftig Akten darüber führen, bei welchen Einwohnern mögliche Nebenwirkungen der Jodgabe zu erwarten sind. Auch müssen künftig Ärzte die Bürger vor der Austeilung die Einwohner über richtige Aufbewahrung und Verwendung der Jodtabletten in Kenntnis setzen.

Gemeinden außerhalb des fünf-Kilometer-Radius sollen nicht auf die Austeilung warten, sondern ausreichend Jodmedikamente einlagern.

Eine Lieferung in diese Gebiete kann jedoch dann erfolgen, wenn die schnelle Verteilung vor Ort durch geographische Besonderheiten eingeschränkt ist.Über die aktuellen Änderungen berichteten jiji und NHK.

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