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Japan aktuell: Familie von Suizidopfer will Fukushima-Betreiber verklagen

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jizo Statue (Foto: Chris Gladis cc-by-nd)
Statue des Jizo: Er begleitet nach Volksglauben die Seelen der Toten (Foto: Chris Gladis cc-by-nd)
jizo Statue (Foto: Chris Gladis cc-by-nd)
Statue des Jizo: Er begleitet nach Volksglauben die Seelen der Toten (Foto: Chris Gladis cc-by-nd)

Nach dem gestrigen Bericht über den Tod eines früheren AKW-Arbeiters geht es heute erneut um einen Todesfall.

Diesmal ist die Todesursache jedoch bekannt – und für die Angehörigen auch der Verantwortliche, so dass dem Betreiber des AKW Fukushima aktuell eine weitere Klage aufgrund eines Suizids droht.

Daneben sind die Folgen der Katastrophe von Fukushima heute auch in anderem Zusammenhang ein Teil der Fukushima News.

Weitere aktuelle Meldungen befassen sich mit einer eher ungewöhnlichen Sachspende von Lady Gaga und groben Zusammenstößen bei Japans Walfangflotte.

Alle Neuigkeiten nun im Spreadnews Japan-Ticker vom 20. Februar 2013.

Unsere heutigen Themen:

  • Familie von Suizidopfer will TEPCO verklagen
  • Wakame-Ernte in Katastrophenregion
  • Katastrophenpräfektur erhält Teetasse von Lady Gaga
  • Gewaltsamer Zusammenstoß mit Sea Shepherd

Familie von Suizidopfer will TEPCO verklagen: Die Angehörigen des Milchbauern Shigekiyo Kanno, der sich im Juni 2011 in Soma (Präf. Fukushima) das Leben nahm, kündigten auf einer heutigen Pressekonferenz in Tokyo an, den Kraftwerksbetreiber TEPCO zu verklagen.

Die Katastrophe am Atomkraftwerk Fukushima Daiichi hatte die Familie zur Flucht gezwungen. In einem Abschiedsbrief hatte sich Kanno auf die Reaktorkatastrophe bezogen. Als Grund für den Selbstmord führt seine Witwe die Trennung von der Familie, sowie den Verlust des Hauses und der Milchfarm an.

Aufgrund der Nuklearkatastrophe konnte er die produzierte Milch nicht mehr verkaufen und auch der Kompost, für dessen Lager er Kredite aufgenommen hatte, weil er die Möglichkeiten der Farm ausweiten wollte, fand praktisch keine Abnehmer. Aufgrund des fehlenden Einkommens, konnte er die Darlehen nicht zurückzahlen.

Vanessa Kanno, die von den Philippinen stammt, wurde Mitte April 2011 von der philippinischen Regierung gedrängt, mit ihren beiden Söhnen in ihre Heimat zurückzukehren, blieb jedoch mit ihrem Ehemann, mit dem sie mehr als zehn Jahre lang verheiratet war, telefonisch in Kontakt.

Er versuchte zu ihr zu ziehen, hatte jedoch Probleme mit der fremden Sprache, so dass er nach Japan zurückkehrte

Am 10. Juni 2011 erhielt sie früh am morgen einen Anruf ihres Mannes aus Japan, in dem er sie bat, gut auf die Kinder aufzupassen. Sie müsse nicht mehr nach Japan zurückkehren. Am folgenden Tag fand der Mitarbeiter einer landwirtschaftlichen Kooperative den Milchbauern erhängt im Kompostlagers auf.

Nach diesen tragischen Ereignissen und ihrer Rückkehr nach Japan kündigte sie jetzt an, sie werde im kommenden Monat den Betreiber des AKW Fukushima Daiichi vor dem Bezirksgericht in Tokyo auf 110 Millionen Yen Schadensersatz verklagen, melden NHK und Asahi Shimbun.

Zuvor hatte sie mit dem Geld aus der Lebensversicherung ihres Mannes seine Schulden beglichen und lebt derzeit arbeitslos vom verbliebenen Geld. Eines der beiden Kinder ist häufig krank, so dass sie nach eigenen Angaben keine Arbeitsstelle annehmen kann.

Der Milchbauer Kanno, der neben seiner Frau, auch zwei Söhne im Alter von acht und sechs Jahren hinterlässt, gehört somit zu den mindestens 21 Personen, die sich einer Regierungsuntersuchung zufolge, zwischen Juni 2011 und Dezember 2012 aufgrund der Naturkatastrophen und des Fukushima-Unglücks das Leben nahmen.

TEPCO wiederum entschuldigte sich zwar bislang bei Hinterbliebenen, wehrt sich jedoch gleichzeitig dagegen, einen Zusammenhang zwischen Suizid und Fukushima-Katastrophe anzuerkennen (Spreadnews berichtete etwa am 19. September 2012).

Wakame-Ernte in Katastrophenregion: In der Sanriku-Küstenregion, die am 11. März 2011 besonders schwer vom Erdbeben und Tsunami betroffen war, begann die Ernte von Wakame, einer essbaren Braunalge, die in der traditionellen japanischen Küche, etwa als Suppeneinlage Verwendung findet.

Gekochte Wakame-Alge (Foto: pd)
Wakame-Zucht erholt sich von Katastrophen (Foto: pd)

In Minamisanriku ist die Ernte in den Bezirken Tokura und Utatsu im vollen Gang, obwohl der Tsunami praktisch den gesamten Küstenort verwüstet hatte. Auch wenn die Mitobe Aquakulturvereinigung nur noch über sieben Mitglieder und zwei Schiffe verfügt, hält man dort an der Arbeit fest.

In einigen Gebieten der Region hat die Wakame-Ausbeute fast das Niveau vor den Naturkatastrophen erreicht. Durch die landesweite Unterstützung konnte die Zucht der Braunalgen im Bezirk Utatsu vergleichsweise schnell wieder aufgenommen werden.

Während im vergangenen Jahr nur die Hälfte des bisherigen Ertrags erzielt werden konnte, sieht man nun positiver in die Zukunft und rechnet damit, etwa 80 Prozent des Ertrags vor der Katastrophe erzielen zu können.Das meldeten  Mainichi Shimbun und Asahi Shimbun.

Katastrophenpräfektur erhält Teetasse von Lady Gaga: Nachdem der Zahnarzt Akihisa Yumi auf einer Wohltätigkeitsauktion für 65.000 US-Dolllar eine Teetasse mit dem japanischen Schriftzug „Wir beten für Japan“, dem Lippenstiftabdruck und einem Autogramm der Pop-Sängerin Lady Gaga ersteigert hatte, spendete er die Tasse nun der Präfektur Miyagi.  

Der 54 Jahre alte Yumi, der sich an freiwilligen Hilfsarbeiten in der Präfektur, wie etwa der Identifikation von Opfern durch Zahnabdrücke beteiligte, bevor ihn eine unheilbare Lungenkrankheit dazu zwang seine Aktivitäten aufzugeben, entschloss sich zur Spende, damit möglichst viele Menschen die Tasse sehen können.

Da er aufgrund seines Krankenhausaufenthalts nicht selbst erscheinen konnte, überreichte seine Schwester Koto Cho am heutigen Mittwoch die Tasse an den Gouverneur der Präfektur Miyagi, Yoshihiro Murai. Cho erklärte, sie hoffe, dass die Tasse die Liebe von Lady Gaga und ihres Bruders für die betroffenen Menschen materiell greifbar mache.

Für die Zukunft wird erwogen,  die Tasse in einem Gedenkpark auszustellen, so dass sie, wie von Yumi gewünscht, von möglichst vielen Menschen als Zeichen der Ermutigung betrachtet werden kann. Über die ungewöhnliche Sachspende berichteten jiji und NHK.

Gewaltsamer Zusammenstoß mit Sea Shepherd: Japans Fischereibehörde meldet, das Flagschiff der Walfangflotte, die Nisshin Maru, sei gegen 11:00 Uhr während eines Auftankens, von drei Schiffen der radikalen Umweltaktivisten attackiert worden. Der Bug des Schiffes sei verbeult und die Reling beschädigt worden.

Sea Shepherd Schiff "Steve Irwin" (Foto: Melburnian cc-by)
Sea Shepherd: Kapitän der "Steve Irwin" tritt von Ämtern zurück (Foto: Melburnian cc-by)

Sea Shepherd erklärte dagegen, ihre beiden Schiffe, die „Steve Irwin“ und die „Bob Barker“ seien von der „Nisshin Maru“ gerammt und zudem Schockgranaten auf die Schiffe geworfen. Bei der „Bob Barker“ sei nun Wasser im Maschinenraum gefunden worden. Dennoch hielten beide Schiffe ihre Positionen.

Während die Umweltschützer ein australisches Marineschiff anforderten um die Spannung zu lösen, erklärte Japan, die australische Regierung müsse Schritte gegen die Aktivisten einleiten, da sich dort ihr Heimathafen befindet. Es ist die zweite Störaktion der Umweltschützer, seit eine einstweilige Verfügung erlassen wurde, die solche Aktionen untersagt.

Allerdings sind auch das Rammen von Schiffen, sowie der Transport von Schweröl durch antarktische Gewässer nach internationalem Recht verboten, was wiederum Japan in Schwierigkeiten bringen könnte. Bislang hat sich die japanische Regierung nicht zu den Vorwürfen der Aktivisten geäußert. Hierüber berichteten NHK und Asahi Shimbun.

 

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