Start Aktuelles Japan aktuell: Fast 10.000 Fukushima-Arbeiter mit erhöhtem Leukämie-Risiko

Japan aktuell: Fast 10.000 Fukushima-Arbeiter mit erhöhtem Leukämie-Risiko

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Fukushima-Arbeiter vor Abfahrt des Busses am 7. Oktober 2011 (Foto: TEPCO)
Aktuelle Strahlungsbelastung der Arbeiter bekannt gegeben (Symbolfoto: TEPCO)
Fukushima-Arbeiter vor Abfahrt des Busses am 7. Oktober 2011 (Foto: TEPCO)
Viele Fukushima-Arbeiter mit Leukämie-Risiko (Foto: TEPCO)

Finanzielle Leistungen durch den Arbeitgeber sind in der Regel gerne gesehen. Wenn es jedoch, wie im Fall einer großen Zahl von Arbeitern am AKW Fukushima aktuell um Zahlungen geht, welche bei möglichen Gesundheitsschäden gezahlt werden sollen, ist dies gewiss kein freudiger Grund.

Das sich möglicherweise viele der potentiell Geschädigten nicht einmal ihrer Ansprüche bewusst sind, mag die Tragik dieser Fukushima News noch steigern.

Einzelheiten, sowie weitere Neuigkeiten abseits des AKW Fukushima heute im Spreadnews Japan-Ticker vom 5. August 2013.t

Unsere Themen zu Wochenbeginn:

  • Fast 10.000 Fukushima-Arbeiter bis zur Leukämie-Entschädigung verstrahlt
  • Feueralarm an gemeinsamen Fukushima-Lagerbecken
  • Einzelheiten zu rätselhaftem radioaktiven Material
  • TEPCO will gegen Grundwasseranstieg kämpfen
  • Gestrandetes Schiff wird nicht als Denkmal erhalten

Fast 10.000 Fukushima-Arbeiter bis zur Leukämie-Entschädigung verstrahlt: Im vergangenen Monat veröffentlichte Zahlen des Kraftwerksbetreibers TEPCO belegen, dass insgesamt 9640 Personen, die zwischen dem 11. März 2011 und dem 31. Dezember 2011 am AKW Fukushima Daiichi beschäftigt waren, Belastungen von fünf Millisievert oder darüber ausgesetzt waren.

Das bedeutet für diese fast 10.000 Arbeiter, dass sie ein höheres Risiko haben, an Leukämie zu erkranken und dadurch das Recht auf finanzielle Entschädigung haben, sollten sie ein Jahr, nachdem sie ihre Arbeit an der Anlage aufnahmen, tatsächlich an dieser Krebsart erkranken.

Die Zahlen zeigen, dass im Zeitraum März bis Dezember 2011 insgesamt 19.592 Personen dort beschäftigt und einer durchschnittlichen Belastung von 12,18 Millisievert ausgesetzt waren.

Allerdings haben bislang lediglich vier Personen, die am AKW Fukushima Daiichi beschäftigt und in Folge an Krebs erkrankt waren, auch entsprechende Anträge auf Entschädigungszahlungen eingereicht. Diese werden derzeit geprüft. Offenbar ist diese Entschädigungsregelung unter den Arbeitern nicht allgemein bekannt.

Nach der Fukushima-Katastrophe waren auch Richtlinien für die Entschädigungen bei anderen Krebsformen erlassen worden, allerdings dürften auch diese nur wenigen Arbeitern bekannt sein. Das Gesundheitsministerium räumte ein, über kein System zu verfügen, das allen Arbeitern diese Informationen zugänglich machen würde, so dass derzeitig die Verbreitung von Handzetteln erwogen werde.

Aktuellen Angaben zufolge, waren bis Ende Juni 2013 insgesamt 13.667 Arbeiter über den Wert von fünf Millisievert verstrahlt. Die Zahl dieser Personen wird voraussichtlich noch weiter ansteigen, da die neuen Aufgaben, etwa im Zusammenhang mit dem radioaktiven Grundwasser, zu einer höheren Strahlungsbelastung der Fukushima-Arbeiter führen wird.

Dennoch werden schätzungsweise 90 Prozent dieser Angestellten nicht in den Vorteil kostenloser Krebsvorsorge durch das Gesundheitsministerium und TEPCO kommen, da diese auf Arbeiter beschränkt sind, die mehr als 50 Millisievert pro Jahr oder mehr als 10 Millisievert in fünf Jahren ausgesetzt waren und somit nicht als AKW-Arbeiter eingesetzt werden dürfen. Über diese Zustände berichtete die Asahi Shimbun.

Feueralarm an gemeinsamen Fukushima-Lagerbecken: Am heutigen Montag ertönte gegen 16:13 Uhr ein Feueralarm. Dieser meldete einen Brand im dritten Stock des gemeinsamen externen Lagerbeckens auf dem Gelände des AKW Fukushima Daiichi. Gegen 16:22 Uhr wurde der Zwischenfall an die Feuerwehr gemeldet.

Eine Untersuchung durch eine Webkamera ergab jedoch keine Spuren auf einen Brand, Rauch der ähnliches, so dass man nach einer Kontrolle durch einen TEPCO-Angestellten um 16:48 Uhr zu dem Schluss kam, dass es sich um einen Fehlalarm gehandelt habe, da auch kein Einfluss auf Kühlleistung oder Strahlungsdaten festgestellt wurde.

Einzelheiten zu rätselhaftem radioaktiven Material: In der Vergangenheit hatte Spreadnews mehrfach über nicht näher identifiziertes, jedoch stark radioaktives Material berichtet, das an verschiedenen Stellen außerhalb der Kraftwerks entdeckt worden war (etwa am 4. und 8. Juli 2013). Nun befasst sich auch die Asahi Shimbun näher mit dem Thema.

Radioaktive Fundstücke von Juni bis Juli 2013 (Fotos: TEPCO)
Radioaktive Fundstücke von Juni bis Juli 2013 (Fotos: TEPCO)

Dabei werden die bereits bekannten Geschehnisse noch einmal zusammengefasst und mögliche Erklärungsmodelle der unterschiedlichen radioaktiven Fundstücke beurteilt, weshalb sie durchaus von Interesse sein könnten.

  • Am 18. Juni entdeckte ein Vorarbeiter in der Ortschaft Naraha ein erdartiges Objekt, möglicherweise Gummi, mit einer Gesamtstrahlung von einem Millisievert pro Stunde.
  • Am 2. Juli war ein Objekt, das an Baumrinde erinnerte, entdeckt worden. Es wies eine Gesamtstrahlung von 2,4 Millisievert pro Stunde auf.
  • Am 5. Juli folgte der Fund eines Gegenstandes in Form einer schwarzen Kunststofffolie mit einer Gesamtstrahlung von 3. Millisievert und eines Holzstücks mit 0,78 Millisievert.

Die genaue Herkunft der Objekte ist bislang ungeklärt.

Theorien, es könnte sich um nicht entsorgtes Material aus medizinischer Nutzung handeln, das Material könnte den Fluss Idegawa entlang getrieben sein, aus dem AKW Fukushima ins Meer gespült und aufgrund ihres geringen Gewichts wieder an Land gelangt, oder als Reaktorteile von der Explosion dorthin geschleudert worden sein, sind bislang unbewiesen.

So ist die Existenz einer früheren medizinischen Einrichtung nicht belegt und aufgrund der Distanz aller Fundorte zum Flussufer ist auch die zweite Theorie unwahrscheinlich. Da man keine vergleichbaren Objekte in Bereichen die näher am AKW Fukushima liegen entdeckt hatte, wirkt auch die Reaktorteil-Theorie laut Meldung der Asahi Shimbun nicht plausibel.

Die genauen Hintergründe versucht der Kraftwerksbetreiber TEPCO derzeit zu ergründen, auch wenn mancher eine Untersuchung durch unabhängige Experten lieber sehen würde.

TEPCO will gegen Grundwasseranstieg kämpfen: In der heutigen Pressekonferenz erklärte Kraftwerksbetreiber TEPCO, angesichts der Tatsache, dass die unterirdischen Barrieren durch chemische Bodenaushärtung nicht den gewünschten Erfolg gebracht, sondern vielmehr zu einem Anstieg des kontaminierten Grundwassers führten, wieder auf eine konventionelle Maßnahme zurückzugreifen.

AKW Fukushima: Temporärer Lagertank für Grundwasser am 28. Februar 2013 (Foto: TEPCO)
AKW Fukushima: Temporärer Lagertank für Grundwasser am 28. Februar 2013 (Foto: TEPCO)

Ein Hochpumpen von über 100 Tonnen an radioaktivem Grundwasser, das zusätzlich zu der bereits seit Jahren täglich anfallenden Menge von 420 Tonnen aus den Untergeschossen der Turbinengebäude eingelagert werden müsste, könnte das Unternehmen jedoch bereits vor neue Probleme stellen – würde dies die ohnehin bereits eingeschränkten Lagerkapazitäten weiter belasten.

Die verfügbare Kapazität betrage nach ungefähren Schätzungen derzeit etwa 60.000 Kubikmeter und die Menge an kontaminiertem Wasser steige wöchentlich zwischen 2.500 und 3.000 Kubikmetern an. Durch das zusätzliche Heraufpumpen des radioaktiven Grundwassers und die Lagerung im gleichen Behälter müssten täglich zwischen 100 und 150 Kubikmeter zusätzlich aufbereitet werden.

Geht man von diesen ungefähren Einschätzungen und der bisherigen Auslastung aus, so wäre im Normalbetrieb Mitte Dezember die Lagerkapazität erreicht. Sollte kein alternatives Lagerkonzept für das nun zusätzlich anfallende Grundwasser gefunden werden, könnten die Tanks bereits im November ihre Kapazität erschöpfen.

Gestrandetes Schiff wird nicht als Denkmal erhalten: Das 330 Tonnen schwere Fischereischiff Kyotoku Maru Nr. 18, das durch den Tsunami des Tohoku-Erdbebens 2011 in der Ortschaft Kesennuma (Präf. Miyagi) mehr als 600 Meter weiter an Land geworfen worden war, wird nicht als Denkmal erhalten.

Trümmer in Kesennuma am 11. Juni 2011 (Foto: Hajime Nakano cc-by)
Trümmer in Kesennuma am 11. Juni 2011 (Foto: Hajime Nakano cc-by)

Die Stadtverwaltung hatte das 60 Meter lange Schiff zum Gedenken an die Katastrophe erhalten wollen. Doch nachdem bei einer Umfrage mit 68.3 fast 70 Prozent der Bürger, die gültige Antworten abgegeben hatten, eine Beseitigung befürworteten, wird der einstige Betreiber, die Gisuke Fishery Corporation, es nun verschrotten.

Über das Schicksal des Schiffes berichteten Mainichi Shimbun, jiji und NHK.

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