Start Aktuelles Japan aktuell: Fast 2000 Fukushima-Arbeiter weisen erhöhtes Krebsrisiko auf

Japan aktuell: Fast 2000 Fukushima-Arbeiter weisen erhöhtes Krebsrisiko auf

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Ganzkörperzähler am AKW Fukushima im November 2011 (Foto: TEPCO)
Ganzkörperzähler am AKW Fukushima (Foto: TEPCO)
Ganzkörperzähler am AKW Fukushima im November 2011 (Foto: TEPCO)
AKW Fukushima: Viele Arbeiter mit höherem Krebsrisiko (Foto: TEPCO)

Die Gesundheit der Kraftwerksarbeiter war von Beginn an besonderen Risiken ausgesetzt.

Wenn der Betreiber des AKW Fukushima heute allerdings einräumen muss, dass deutlich mehr Arbeiter als bislang öffentlich bekannt ein gestiegenes Krebsrisiko haben, ist das allerdings eine unangenehme Überraschung.

Somit ist die Gesundheit der Angestellten in Fukushima aktuell von besonderem Interesse.

Einzelheiten, sowie weitere Fukushima News und sonstige Meldungen, jetzt im Spreadnews Japan-Ticker vom 19. Juli 2013.

Unsere Themen zum Wochenende:

  • Fast 2.000 Fukushima-Arbeiter mit erhöhtem Krebsrisiko
  • Dampfaustritt an Fukushima-Reaktor 3 beendet
  • Verwerfungskontrollen an AKW Monju werden Zeit brauchen

Fast 2.000 Fukushima-Arbeiter mit erhöhtem Krebsrisiko: TEPCO musste die Angaben zur Zahl der Angestellten, deren Strahlungswerte über dem Sicherheitswert für Schilddrüsen liegen, auf 1.973 und damit um mehr als das Zehnfache der ursprünglich bekannt gegebenen Zahl korrigieren. In diesen Fällen besteht ein erhöhtes Risiko an Schilddrüsenkrebs zu erkranken.

Fukushima-Arbeiter vor Abfahrt des Busses am 7. Oktober 2011 (Foto: TEPCO)
Mehr Fukushima-Arbeiter mit erhöhtem Krebsrisiko eingeräumt (Foto: TEPCO)

Im Dezember hatte TEPCO die Daten von 522 Arbeitern an die Weltgesundheitsorganisation WHO übermittelt und lediglich bei 178 der Personen eine Überschreitung des Schilddrüsengrenzwerts gemeldet (Spreadnews berichtete am 3. Dezember 2012).

Wie die Asahi Shimbun heute meldet, hatte TEPCO damit nur einen Teil der Zahlen übermittelt, nachdem bekannt geworden war, dass die WHO die Zahlen veröffentlichen würde.

Nachdem sowohl in Japan, als auch beim Wissenschaftskomitee zur Auswirkung von Atomkernstrahlung der Vereinten Nationen deutliche Zweifel an den Zahlen von TEPCO aufgekommen waren, wies die Regierung den Kraftwerksbetreiber und dessen Partnerunternehmen an, die Belastung der Arbeiter neu zu beurteilen

Insgesamt hat TEPCO 19.592 Arbeiter entsprechenden Gesundheitskontrollen unterzogen. Mit 16.302 Personen handelte es sich bei der Mehrzahl um die Angestellten von Partnerunternehmen. Bei den neuen Zahlen wurden nun nicht nur die bisherigen Schilddrüsenwerte neu beurteilt, sondern das Feld der Arbeiter noch erweitert.

Dies geschah, indem die Schilddrüsenbelastung bei Arbeitern, in deren Fällen keine Daten für die Menge an radioaktivem Jod verfügbar waren, durch Schätzungen auf Basis der an den jeweiligen Arbeitstagen aufgenommenen Menge von radioaktivem Cäsium und dem Verhältnis von Jod-zu-Cäsium in der Atemluft, nachträglich nun ebenfalls kalkuliert wurden.

Die Arbeiter selbst sagen, von TEPCO wenige oder sogar gar keine Angaben zur Belastung ihrer Schilddrüsen erhalten zu haben. Insbesondere Angestellte von Partnerunternehmen hätten bereits ihre Arbeit an dem Kraftwerk aufgegeben.

TEPCO bemüht sich um Schadensbegrenzung und erklärt, man werde Arbeitern, die aufgrund einer Belastung von über 100 Millisievert eine Berechtigung hierzu haben, die Kosten für eine lebenslange jährliche Schilddrüsenkontrolle zahlen und diese durchführen. Die entsprechenden Kraftwerksarbeiter seien bereits informiert worden.

Allerdings musste der Kraftwerksbetreiber einschränken: Dem Unternehmen sei nicht bekannt, wie viele Arbeiter die ein Anrecht auf die Tests hätten, bereits vorab untersucht worden waren, um diese Berechtigung nachzuweisen.

Unter Berufung auf Quellen kommt die Asahi Shimbun zu dem Schluss, dass höchstens die Hälfte dieser Personen überhaupt Schilddrüsentests erhalten hatten.

Dampfaustritt an Fukushima-Reaktor 3 beendet:  Nach Angaben von Kraftwerksbetreiber TEPCO ergab eine Untersuchung mit einer Kamera, dass am heutigen Freitagmorgen um 7:55 Uhr kein dampfartiges Gas mehr aus dem Mittelbereich des fünften Geschosses von Fukushima-Reaktor 3 austrat. Mit Stand von 8:00 Uhr beträgt die Lufttemperatur vor Ort 22,9°Celsius und die Luftfeuchtigkeit bei 78,5°Celsius.

Fukushima-Reaktor 3: Beobachtung von Dampf am 18. Juli 2013 (Foto: TEPCO)
Fukushima-Reaktor 3: Beobachtung von Dampf am 18. Juli 2013 (Foto: TEPCO)

Am gestrigen Tag war einem Arbeiter bei der Vorbereitung von Räumarbeiten der Dampf aufgefallen. Der Verlauf der Räumarbeiten wurde daraufhin eingestellt. Als Ursache vermutet TEPCO weiterhin, dass Regen, der am Mittwoch und Donnerstag gefallen, und aufgrund der Wärme des Sicherheitsbehälters kondensiert war (Spreadnews berichtete am gestrigen Donnerstag).

Die Kraftwerksangestellten können keine direkten Untersuchungen vor Ort durchführen, da die Radioaktivität in diesem Bereich über dem Sicherheitsbehälter zu hoch ist, so dass die Räumarbeiten dort durch ferngesteuertes Gerät erfolgen. Dennoch werde man den Status vor Ort weiterhin genau beobachten, teilte TEPCO mit.

Unterdessen bestätigte die Atomaufsichtsbehörde NRA in einer heutigen Presseerklärung die Angaben des Reaktorbetreibers, man habe keine bemerkenswerten Veränderung in den Parametern vor Ort feststellen können. Hierüber berichtete die Kyodo.

Verwerfungskontrollen an AKW Monju werden Zeit brauchen: Nach der zweitägigen Kontrolle vor Ort, sind die Experten noch nicht so weit, eine Einschätzung über die Aktivität einer geologischen Verwerfung unter dem Forschungsreaktor treffen zu können, da noch weitere Untersuchungen erforderlich seien.

Eine Verwerfung wird dann als aktiv eingestuft, wenn es in den vergangenen 120.000 bis 130.000 Jahren zu Bewegungen in den Gesteinsschichten gekommen war.

So lautete auch die Erklärung der Teamleitung nach der Inspektion des Reaktors, der aufgrund nachlässiger Sicherheitskontrollen durch den Betreiber vorerst keine Neustartgenehmigung erhalten wird, berichtete die Kyodo.

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