Start Aktuelles Japan aktuell: Fehlalarm in Fukushima-Reaktor Vier

Japan aktuell: Fehlalarm in Fukushima-Reaktor Vier

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Fukushima Reaktor 4 am 7. November 2011 (Foto: TEPCO)
Fukushima Reaktor 4 am 7. November 2011 (Foto: TEPCO)
Fukushima Reaktor 4 am 7. November 2011 (Foto: TEPCO)
Fukushima Reaktor 4 am 7. November 2011 (Foto: TEPCO)

Nachdem TEPCO aufgrund der Mängel der Notfall-Anweisungen nicht wusste, wie mit der Lage am AKW Fukushima Daiichi umzugehen sei, versuchen jetzt sowohl das Unternehmen als auch die japanische Regierung um so mehr die erfolgreiche Kontrolle der weiteren Entwicklungen zu demonstrieren. Doch Meldungen über Verzögerungen und Zwischenfälle, die rund um die Lage am Atomkraftwerk Fukushima aktuell zu hören sind, lassen dies fraglich erscheinen. Auch jenseits der Atomkrise geht das Leben in Japan weiter, daher neben den Fukushima News auch einige weitere Informationen im Spreadnews Japan-Ticker vom 18. November 2011.

Lecks an Leitungen und Fehlalarm in Fukushima-Reaktor 4: Wie TEPCO mitteilte,  löste das zirkulierende Kühlsystem am Abklingbecken von Reaktor 4 am Donnerstag einen Alarm aus, worauf sich das System automatisch abschaltete. Nachdem sichergestellt worden sei, dass der Halt des Systems auf einen Fehlalarm an einem Wärmetauscher, der vor einem vermeintlichen Leck gewarnt hatte, zurückzuführen sei und kein Leck vorhanden war, habe man das System neu gestartet.

Kein Fehlalarm war dagegen der Bericht eines Subunternehmens, der TEPCO darüber informierte, dass bei einem Kontrollgang einen Wasseraustritt an der Frischwasser-Leitung und weitere Lecks an drei Punkten der Leitung für belastetes Wasser nach der Entsalzung festgestellt worden sei. Während die Zufuhr des Frischwassers nicht unterbrochen werden musste, die Arbeit anderer Einheiten nicht beeinträchtigt wurde, habe es keine besonderen Einschränkungen hierdurch gegeben. Die dort ausgetretene Wassermenge habe etwa ein Liter betragen.

Die Leitung für das übrige Wasser, wird derzeit nicht genutzt und auch hier erfolgten Arbeiten an den Lecks, bei denen Reparaturband verwendet wurde. Eine Überprüfung habe eine ausgetretene Wassermenge von 25 Litern ergeben. Die Strahlung in der Umgebungsluft der Leckstellen habe sich nicht wesentlich vom übrigen Gelände unterschieden. Die Schlauchleitung soll später ausgetauscht werden.

Strahlungsüberwachung verzögert sich: Japans Wissenschaftsministerium teilte mit, dass sich dass Projekt zur Echtzeit-Erfassung der Ausbreitung von radioaktiver Strahlung  verzögern wird. Statt wie zuvor geplant Mitte Oktober, hat sich der Start nun auf Mitte Februar verschoben. Grund hierfür ist eine Vertragskündigung der japanischen Regierung, die dem Unternehmen K.K. Alpha Tsushin aufgrund der Fristverletzung einer Problemlösung kündigte. Das Unternehmen hatte eine Ausschreibung für das Projekt gewonnen und den Beginn zum 17. Oktober versprochen.

Das Projekt sieht den Einbau von Strahlungsaufzeichnungsgeräten in Grundschulen, Parks und Gemeindehäusern in der Präfektur Fukushima vor, deren Daten dann ausgewertet werden. Das meldet die Nachrichtenagentur jiji.

TEPCO holzt Bäume für Wassertanks ab: Vor der Katastrophe vom 11. März 2011 war das Kernkraftwerk Fukushima Daiichi in vergleichsweise idyllischer Lage. Das Yacho-no-mori (Wildvogel-Wald) genannte Areal umfasste 370.000 Quadratmeter und war Heimat für viele Vogelarten. Doch die Bäume fielen der steigenden Menge von kontaminiertem Wasser zufolge. Um das abgepumpte Wasser lagern zu können, wurden Wassertanks gebraucht, welche wiederum Platz benötigten. Somit trifft man dort statt sattem Grün nur noch graue und blaue metallische Wassertanks.

Die Pläne, das Wasser bis Ende des Jahres endgültig aus den Gebäuden auszupumpen und vollständig durch einen Kühlkreislauf der auf dekontaminiertem Wasser basiert zu ersetzen, sind nicht zuletzt aufgrund des unerwarteten Einflusses von Grundwasser in Keller als vermutlich gescheitert anzusehen. Mittlerweile enthalten die Tanks 90.000 Tonnen Wasser, damit sind 80 Prozent ihrer Kapazität bereits erschöpft und die Behälter fast voll. Schätzungen zufolge sind jedoch noch weitere 80.000 Tonnen radioaktiv kontaminiertes Wasser in den Kellern der Reaktorgebäude 1 bis 4 enthalten. Das meldet die Asahi Shimbun.

Tenno leidet an leichter Bronchialpneumonie: Das kaiserliche Hofamt teilte heute mit, der Tenno habe eine leichte Bronchialpneumonie. Das Fieber sei jedoch heruntergegangen und die Antibiotika zeigten bereits Wirkung. Das berichtet die Nachrichtenagentur Kyodo und die NHK. Zunächst von einer Bronchitis ausgehend, befindet sich Akihito nun seit dem 6. November in der Klinik.

Todesstrafe in vorletztem Giftgas-Sektenprozess bestätigt: Am 16. November berichtete Spreadnews von der baldigen Entscheidung über die Todesstrafe in zwei Fällen, die Mitglieder der Sekte Ōmu Shinrikyō betreffen.  Am heutigen Freitag fiel das Urteil gegen den Mediziner Tomomasa Nakagawa. Der oberste Gerichtshof erklärte Klage und Strafmaß der bishrigen Instanzen für gültig –  damit ist Nakagawa rechtskräftig zum Tode verurteilt. Dieser hatte vor dem Urteil drei Gedichte verfasst und diese von seinem Anwalt vorlesen lassen.

Tomomasa Nakagawa war 1989 an dem Attentat gegen den Rechtsanwalt Tsutsumi Sakamoto, der an einer Sammelklage gegen die Glaubensgemeinschaft arbeitete, beteiligt. Dessen 29 Jahre alte Frau und der 14 Monate alte Sohn wurden durch die  Injektion von Kaliumchlorid getötet. Er selbst starb zunächst nicht und wurde daher erdrosselt.

Weltweit bekannt wurde die Sekte jedoch durch den Anschlag auf U-Bahnlinien von Japans Hauptstadt Tokyo im Jahr 1995. Damals starben 13 Menschen. Einige Überlebende weisen heute noch Behinderungen auf.

Die zweite ausstehende Entscheidung über das Schicksal des früheren Sektenmitglieds Seiichi Endo, der an der Entwicklung des Kampfstoffs beteiligt gewesen war, wird am 21. November endgültig gefällt. Auch in diesem Fall kann mit einer Bestätigung der Todesstrafe durch das oberste Gericht gerechnet werden. Entsprechende Berichte gab es etwa bei der Nachrichtenagentur jiji, der Asahi Shimbun und der NHK.

Auch wenn die so genannten AUM-Prozesse damit nach 16 Jahren ein Ende finden – Mitglieder der Sekte, die sich nach wie vor auf der Terrorismusliste vieler Staaten findet, sind entweder in den Untergrund gegangen, oder haben sich der Nachfolgeorganisation der Sekte, die nach sich nun „Aleph“ nennt angeschlossen. Der Kult ist nach wie vor in Japan und Russland aktiv, wird jedoch von den japanischen Behörden überwacht.

Zudem sehen sich die Mitglieder auch privaten Repressalien ausgesetzt, da viele Arbeitgeber und Vermieter sich weigern, Mitglieder der Sekte einzustellen oder sie Objekte anmieten zu lassen. Ebenso wie Friedensaktivisten sind auch Sektenmitglieder Ziel von Aktionen der japanischen Ultrarechten (Uyoku).

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