Start Aktuelles Japan aktuell: Forderung nach Dekontamination durch Fachleute

Japan aktuell: Forderung nach Dekontamination durch Fachleute

722
0
TEILEN
Ionenaustauscheinheit-für Abklingbecken von Reaktor 4 am 29.11.2011 (Foto: TEPCO)
ionenaustauscheinheit-für Abklingbecken von Reaktor 4 am 29.11.2011 (Foto: TEPCO)
Ionenaustauscheinheit-für Abklingbecken von Reaktor 4 am 29.11.2011 (Foto: TEPCO)
ionenaustauscheinheit-für Abklingbecken von Reaktor 4 am 29.11.2011 (Foto: TEPCO)

Während sich ein japanischer Barkeeper angesichts seiner Ernennung zum Gewinner des World Cocktail Championship in Polen sehr gerührt zeigte und Affen im Zoo von Okazaki (Präf. Aichi) eine Vorliebe für gegrillte Süßkartoffeln entdeckten, gibt es zum AKW Fukushima aktuell keine Fortschritte zu melden. Man pumpt, probiert, versucht, berät – Ausgang und Erfolge wie üblich fraglich.

Während TEPCO der Presse unter anderem das Foto einer Ionen-Austauscheinheit bei der Wiederaufnahme der Entsalzung am Abklingbecken von Reaktor 4 zeigt (siehe Abbildung links), gibt es andernorts Probleme mit Wasser. Mehr Fukushima News jetzt im Spreadnews Japan-Ticker vom 29. November 2011.

Forderung nach Dekontamination durch Fachleute: Eine Expertenkommission des Ministeriums für Gesundheit, Arbeit und Soziales kommt zu dem Schluss, dass Dekontaminationsarbeiten in stark radioaktiv belasteten Gebieten ausschließlich vom Fachpersonal entsprechend qualifizierter Firmen durchgeführt und diese Unternehmen zu sorgfältigen Kontrollen der Strahlenbelastung ihrer Mitarbeiter verpflichtet werden sollen.

Wie die Mainichi Shimbun berichtet, will das Ministerium nun ausgehend von diesen Empfehlungen neue Bestimmungen und Richtlinien unter den Vorgaben des Industrial Safety and Health Act ausarbeiten.

Da Einschätzungen des Ministeriums zufolge mehrfach im Jahr durchgeführte Arbeiten in Gebieten mit einer Strahlung zwischen 0,23 und 2,5 Mikrosievert nicht zu einer höheren jährlichen Belastung als 1 Millisievert führt, werden die Bestimmungen auch Einwohnern und Freiwilligen eine Durchführung von Dekontaminationsarbeiten in derartigen Bereichen erlauben. Angestellte von Unternehmen, die mit der Dekontamination dort beauftragt sind, müssen vom Arbeitgeber nicht auf Belastung getestet werden.

Damit treffen die geplanten Regulierungen vor allem für Arbeiter zu, die einer Jahresdosis von mehr als einem Millisievert ausgesetzt sind. In Gebieten die weniger als 2,5 Mikrosievert pro Stunde aufweisen wären demnach einfach Überprüfungen ausreichend. Bei Arbeiten in Bereichen oberhalb dieses Wertes oder Aufgaben in Gebieten die als Evakuierungszonen gelten, muss die Sicherheit der Arbeiter durch das Tragen von Dosimetern und gründliche Überprüfungen der Strahlunsbelastung der Arbeiter gewährleistet werden.

Tätigkeiten, bei denen eine Inkorporation durch Einatmung von Staub wahrscheinlich ist, oder in Bereichen mit stark kontaminiertem Erdboden und Abfall müssen Schutzkleidung und Atemmasken getragen werden, hier arbeitende Angestellte müssen alle drei Monate auf interne Belastung getestet werden.

Modellprojekt zur Dekontamination in Minamisoma: Ebenfalls mit der Dekontamination befasst sich ein Modellprojekt zur Dekontamination von Großflächen, dass am heutigen Dienstag in Minamisoma begonnen wurde. Auch wenn bereits ähnliche Projekte im Wirkungsbereich des AKW stattfanden, handelt es sich bei dem Versuch in Minamisoma um das erste Projekt, bei dem bereits Dekontaminationsarbeiten laufen.

Die  Japan Atomic Energy Agency (JAEA) hofft mit dem Modellprojekt die Methoden und Effektivität der Abtragung radioaktiver Substanzen auf weiteren Bereichen untersuchen zu können. In einem 4 Hektar messenden Bereich war ein Team von etwa 10 Mitgliedern damit beschäftigt, mit Frontladern die oberste Erdschicht eines Parkplatzes abzutragen, während gleichzeitig Wasser versprüht wurde um ein Aufwirbeln radioaktiver Substanzen im Staub zu verhindern. Als erstes Ergebnis bleibt festzustellen, dass die an der Oberfläche gemessene Strahlung von 110 Mikrosievert auf 3 Mikrosievert fiel.

Beratung über Einfluss von Alterung auf Reaktorsicherheit: Zudem begann die Atomsicherheitsbehörde NISA heute mit Gespräch darüber, ob möglicherweise auch das Alter der Nuklearanlage einen Einfluss auf die Atomkatastrophe am Kernkraftwerk Fukushima Daiichi hatte. Der Reaktor 1 stand vor seinem 40. Dienstjahr, als die Krise begann. Die Reaktoren 2 und 3 sind über 30 Jahre alt.
Ein Bericht der Gespräche zwischen der JAEA und Experten für Reaktortechnik, sowie weiteren Personen soll zu Beginn kommenden Jahres veröffentlicht werden.

Tenno mit erstem öffentlichen Auftritt: Nachdem der Tenno am Donnerstag vergangener Woche die Klinik verlassen konnte, in der er zuvor 18 Tage aufgrund einer Lungenentzüdungen und hohen Fiebers verbleiben musste, war eine weitere Erholung auf dem Gelände des Kaiserpalastes vorgesehen.

Doch als  Symbol des Staates liess es sich der Tenno nicht nehmen, an einer Gedenkfeier zu Ehren der mehr als 239 Feuerwehrleute und freiwilligen Feuerwehrmänner teilzunehmen, die während ihres Einsatzes zur Zeit des Tohoku-Erdbebens und des folgenden Tsunami ihr Leben liessen, und ihnen seinen Respekt zu zollen. Auch 226 weiteren Opfern wurde im Rahmen der Zeremonie gedacht.

Neben dem Tenno und dessen Gemahlin nahmen 700 Personen, darunter auch Hinterbliebene an den Feierlichkeiten teil. Bei diesem Ereignis handelt es sich um die erste öffentliche Veranstaltung, die der Tenno seit seiner Entlassung aus dem Krankenhaus besucht. Das kaiserliche Hofamt teilte mit, es habe seinem besonderen Bedürfnis entsprochen, seine Anteilnahme zu bekunden. In welchem Umfang der Tenno jedoch seine administrativen Aufgaben wieder schrittweise wahrnehmend wird, hänge vom gesundheitlichen Zustand und dem Grad der fortlaufenden Genesung ab, erklärte das Amt. Entsprechende Berichte gab es etwa von der NHK.

TEPCO mit weiteren Meldungen über kleinere Lecks: Am gestrigen Nachmittag löste ein Messgerät zur Strahlungsbelastung der Luft vor dem Anti-Erdbebengebäude einen Alarm aus. Als Reaktion wurden alle Personen angewiesen, Sicherheitsmasken die das gesamte Gesicht bedecken überzuziehen. Die Messung der Luft ergab jedoch keine signifikanten Änderungen in den Angaben der Messeinheit .

Man wechselte den Filter des Aufzeichnungsgeräts und startete die Einheit erneut. Nachdem festgestellt worden war, dass die Belastung der Luft jedoch unter dem Grenzwert zum Tragen einer vollen Schutzmaske lag, wurde etwa eine Stunde später die Aufforderung zur Schutzmaskenpflicht aufgehoben.

Am selben Tag wurden zudem zunächst auch ein Wasserleck an den Verbindungen zwischen der Entsalzungseinheit und den Tanks festgestellt, jedoch an anderer Stelle als bei einem ähnlichen Zwischenfall am 25. November. Während nun die Arbeiten zur Auswechselung der leckenden Teile anliefen, wurde ein weiteres Leck an  einer weiteren Leitung entdeckt, das jedoch mit Sicherheitsband abgedichtet werden konnte. Auch diese Leitung wird ausgewechselt werden. Da es genug bereits entsalzenes Wasser gegeben habe, habe es keine Probleme bei der Kühlung gegeben, eine Messung der Radioaktivität in der Luft vor Ort habe keine Anomalien aufgezeigt.

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here