Start Aktuelles Japan aktuell: Fragwürdiges Vorgehen bei Entschädigung von Fukushima-Opfern

Japan aktuell: Fragwürdiges Vorgehen bei Entschädigung von Fukushima-Opfern

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50 Yen Münze (Foto: pd)
Rückkehrwille trotz finanzieller Nachteile gering (Symbolfoto: pd)
50 Yen Münze
Entschädigungsanträge bei TEPCO: Halbgar und hinterhältig

Während der von All Nippon Airways georderte Boeing Dreamliner 787 heute auf dem Flughafen Haneda in Tokyo landete, schafft man es an anderer Stelle weniger hoch hinaus. So muss sich etwa eine der vielen japanischen Firmen, die ihren Kunden gegen monatliche Beiträge falsche Alibis verschaffen (ein Dienst der vor allem von Frauen im Nachtgewerbe genutzt wird, um ihre wahre Beschäftigung durch ein vorgetäuschtes Arbeitsverhältnis zu verbergen) nun für die Unterstützung eines Darlehensbetrugs durch eine Arbeitslose verantworten.

Doch auch in den Fukushima News gibt es keine Höhenflüge, lediglich Videoaufnahmen aus den Reaktorgebäuden 2 und 3 bringen neue Einblicke. Neben dem was in Fukushima aktuell geschieht auch weitere Meldungen im Spreadnews Japan-Ticker vom 28. September 2011.

TEPCO will Anträge für Entschädigungen vereinfachen: Nachdem die Anträge für die Einforderung von Entschädigungszahlungen für Geschädigte der Atomkatastrophe aufgrund ihres Umfangs von 60 Seiten und 160-seitigem Handbuch für Empörung gesorgt hatten (Spreadnews berichtete) entschuldigte sich Naomi Hirose, bei TEPCO zuständig für die Entschädigungszahlungen, das Unternehmen wolle die Anträge innerhalb von zwei Wochen vereinfachen und verständlicher machen. Zudem sollten vermehrt Hilfestellungen in Form von Kursen und privaten Anleitungen angeboten werden. Das meldet die NHK.

METI soll Zahl der AKW-Neustartgegner untertrieben haben: Streit gibt es um eine Internetumfrage des zum Neustart des AKW Genkai, die im Rahmen eines Internet Broadcast gestartet worden war. So sollen rund 100 Stimmen die nach der Frist zur Abgabe eingegangen sind, nicht mehr berücksichtigt worden sein, andernfalls hätte die Zahl jener die gegen den Neustart des AKW sind, jene der Befürworter übertroffen .

Zudem wird dem Kernkraftwerksbetreiber Kyushu Electric vorgeworfen, Angestellte zur Teilnahme und positiven Abstimmung aufgefordert haben. Tatsächlich mussten die Zahlen korrigiert werden, da 141 Stimmen sehr wahrscheinlich von Angestellten stammten.

Eine Unterbehörde des Ministeriums für Wirtschaft, Handel und Industrie (METI) wehrt sich gegen den Vorwurf, man habe Stimmen von Atomgegnern ausklammern wollen. Vielmehr seien die Stimmen während des Broadcasts gezählt, ausgewertet und das Ergebnis noch während der Sendung bekannt gegeben worden. Von insgesamt  589 Antworten hätten sich nach offizieller Darstellung 286 für und 163 gegen den Neustart des AKW ausgesprochen.

Reisfelder trotz Salzwasser des Tsunami geerntet: Einem Reisbauern in Ishinomaki (Präf. Miyagi) ist es gelungen Reis von einem Feld zu ernten, dass im März vom Tsunami überschwemmt worden war. Ein Teil seiner Nutzfläche ist nach wie vor mit Meerwasser und Schlamm bedeckt, insgesamt wurden 1800 Hektar der örtlichen Reisfelder durch Salzwasser beschädigt. Auf mehr als der Hälfte der städtischen Reisfelder sind Pflanzungen aufgrund der hohen Salzkonzentration nicht möglich, durch erfolgreiche Entsalzungsmaßnahmen ist auf der verbleibenden Fläche jedoch wieder Anbau möglich.

Auch über die radioaktive Belastung gibt es positives zu berichten so die NHK –  wurden doch bei den gestern abgeschlossenen Tests in der Nachbarpräfektur Iwate keine radioaktiven Substanzen gemessen. Zuvor hatte die Präfektur freiwillig einen einmonatigen Lieferstopp für Reis eingehalten.

Kirin nimmt Arbeiten in Brauerei Sendai wieder auf: Mehr als sechs Monate nachdem sie durch das Erdbeben beschädigt worden war, ist in Sendai die Anlage der Brauerei Kirin wieder in Betrieb genommen worden. Lieferungen sollen bereits am zweiten November wieder erfolgen. In den Geschäften werden die Produkte der Firma, die vor allem für ihr gleichnamiges Bier bekannt ist, voraussichtlich ab dem neunten November verfügbar sein.

Als Besonderheit wird es eine Limited Edition  des Fassbiers der Marke Ichibanshibori geben, bei dessen Herstellung Hopfen aus der ebenfalls vom Erdbeben stark betroffenen Präfektur Miyagi verwendet wurde und in einer Auflage von 1,6 Millionen Flaschen vertrieben werden wird. Das berichtet die Asahi Shimbun (im übrigen keinerlei Bezug zur Biermarke Asahi) .

Warnung vor Entschädigungsklausel in TEPCO-Vereinbarung: Die Ortschaft Iitate (Präf. Fukushima) warnt ihre Bürger, vorsichtig bei der Unterzeichnung eines kursierenden TEPCO-Dokuments zu den Entschädigungszahlungen zu sein. An alle 2.500 Haushalte sollen schriftliche Warnungen erfolgen.

Mit der Unterschrift erklärt die Person, sie verzichte auf das Recht zur Einlegung von Widersprüchen, nachdem sie die Zahlung erhalten habe. Die Verwaltung von Iitate kritisiert TEPCO für die Aufforderung zur Zustimmung dieser Klausel, noch bevor der Schaden vollständig bemessen werden kann. Bürger werden vor dem Unterschreiben gewarnt, da sonst vermutlich weitere Schadensersatzforderungen abgelehnt würden, berichtet die NHK.

Stadt in Saitama wird Magnet für Anime-Fans: Während besonders in den Krisenregionen der Tourismus, speziell aus dem Ausland schwere Einbrüche erlitt, kann sich einer Meldung der Nachrichtenagentur Kyodo zufolge, die Stadt Chichibu (Präf. Saitama) über einen zehnfachen Anstieg der Besucher freuen. Grund hierfür ist die Ausstrahlung einer populären Anime-Serie im Fernsehen, deren Handlung in Chichibu spielt.

Nun hofft die Stadt, die mit ihren Tempeln fast ausschließlich Anziehungspunkt für ältere Menschen und Pilger gewesen war, auch nach einem möglichen Abflauen der Anime-Begeisterung den Besucherstrom durch Bewerbung der bisherigen Sehenswürdigkeiten zu erhalte.

Mädchen stirbt bei Exorzismus: Am gestrigen Dienstag war der Teufel los, jedenfalls wenn man den Worten eines 50-jährigen Manns sowie eines Priesters der neuen buddhistischen Bewegung Nakayama-shingo-shoshu Glauben schenkt, die festgenommen worden waren, nachdem die 13 Jahre alte und sowohl psychisch als auch physisch kranke Tochter des Mannes bei einem Exorzismusversuch durch Ertrinken verstarb.

Die Prozedur die an die Foltermethode des Waterboarding erinnert, fand in einem Tempel der Sekte in Kumamoto statt, wo das Mädchen auf einen Stuhl gefesselt und mit nach oben gerichtetem Gesicht aus zwei Metern Höhe mit Grundwasser aus einer Pumpe ertränkt worden war, während der Priester heilige Schriften rezitierte.

Dieses Vorgehen soll, unter Zuhilfename von Gürteln und Klebeband zur Fixierung des Mädchens. bereits 100 Mal zuvor bei ihr angewandt worden sein. Sektenpriester und  Vater bestreiten einen Tötungsvorsatz –  man habe das Mädchen von bösen Geistern befreien wollen.

Die Sekte, die 1952 als religiöse Organisation anerkannt worden war und über 305 555 Mitglieder, sowie 350 Tempel im ganzen Land verfügt (Stand Dezember 2008), teilt auf ihrere Webseite mit, dass der Zweigtempel in dem sich der Vorfall ereignete, unmittelbar nach dem Geschehen geschlossen wurde. Offizieller und einigermaßen makaberer Grund sind „Schäden durch Regen„.

Ein Sprecher des Haupttempels der Nakayama-Shingo-Shoshu in Kiyama (Präf. Saga) erklärte, das Wasserritual diene der Erfüllung von Wünschen, man könne damit nicht exorzieren, auch das Fesseln während des Rituals werde nicht gelehrt.

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