Start Aktuelles Japan aktuell: Früherer AKW-Arbeiter klagt wegen Strahlungsfolgen gegen die Regierung

Japan aktuell: Früherer AKW-Arbeiter klagt wegen Strahlungsfolgen gegen die Regierung

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Atomschädel
UN-Vertreter: Langfristige Risiken der Fukushima-Krise werden verharmlost (Grafik: pd)
Atomschädel
Radioaktivitätsschäden: AKW-Arbeiter fordert Anerkennung

Das Wochenende begann bereits am Freitag künstlerisch, mit der Vorstellung drei japanischer Filme auf der Berlinale. Am Samstag schloss sich dann eine Veranstaltung zum 150. Geburtstag des japanischen Autors Mori Ogai (1862 – 1922) an, der vier Jahre in Deutschland als Militärarzt studiert hatte und dessen Aufenthalt dort auch Grundlage für spätere Werke war.

Doch an Freitag und Samstag gab es auch neue Informationen, die mit dem AKW Fukushima aktuell in Zusammenhang stehen. So geht es in den Fukushima News heute um Atom-Lobbyismus, Neuigkeiten zu den Naturkatastrophen  und den Versuch eines einzelnen Arbeiters für gesundheitliche Probleme entschädigt zu werden. Diese und zusätzliche Meldungen jetzt bereits am Samstag – im Spreadnews Japan-Ticker vom 18. Februar 2012.

Unsere heutigen Themen:

  • Details zur Klage des Ex-AKW-Arbeiters
  • Tsunami erreichte in Sendai 25 km/h
  • Atom-Werbegruppe in Fukushima aufgelöst
  • Herz-Op des Tenno erfolgreich
  • Japans Katastrophen auf der Berlinale


Details zur Klage des Ex-AKW-Arbeiters gegen die Regierung:
Der 76 Jahre alte Ryusuke Umeda reichte beim Gericht in Fukuoka am 17. Februar eine Klage gegen die Regierung ein, mit der er die Anerkennung seiner gesundheitlichen Beschwerden als Folge der Tätigkeit an Atomkraftwerken und damit die Zahlung von Entschädigungen erzwingen will (Spreadnews berichtete am Freitag).

Ein Artikel der Mainichi Shimbun vom Samstag enthält nun weitere Details:

Demnach sei er bei seiner Arbeit an den AKW Tsuruga und Shimane im Jahr 1979  nicht ausreichend über Risiken aufgeklärt worden. Auch habe er aus Gründen der Effektivität ohne Atemschutz und Dosimeter gearbeitet. Seine Folgebeschwerden, Nasenbluten und Übelkeit, werden seit dem Fukushima-Unglück immer wieder mit radioaktiver Belastung in Verbindung gebracht.

Im Jahr 2008 forderte er bei einem Büro in Matsue, dass mit der Überprüfung von Arbeitsrichtlinien betraut ist, Schadensersatz ein, nachdem ihm ein Arzt im Universitätsklinikum Nagasaki nach einer Untersuchung erklärt hatte, dass seine Beschwerden zumindest teilweise durch Radioaktivität ausgelöst worden sein könnten.

Das Büro lehnte die Forderung unter Hinweis auf die Regelung der Internationalen Strahlenschutzkommission (ICRP) ab, der zufolge andere Krankheiten als Krebs nicht als Folgen der Strahlung gelten, wenn die Dosis unter 100 Millisievert liege.

Die offiziell gemessene externe Belastung von Umeda bei seiner Arbeit betrug jedoch lediglich 8,6 Millisievert, was dieser darauf zurückführt, dass er oft ohne Dosimeter gearbeitet habe und die damals erfassten Daten aus diesem Grund nicht den tatsächlichen Sachverhalt wiederspiegeln.

Außerdem fordert er die Anerkennung des kausalen Zusammenhangs zwischen der Strahlenbelastung und seinem Herzinfarkt im Jahr 2000 und  beruft sich dabei auf Richtlinien der Regierung zur Anerkennung von Krankheiten bei Atombombenopfern. In diesen werden auch Herzinfarkte als gesundheitliche Folgen gelistet.

Die Regierung hat sich zu dem aktuellen Fall bislang nicht geäußert und verwies lediglich darauf, man habe die Klage noch nicht erhalten. Sollte Umeda mit seiner Forderung erfolgreich sein, könnte dies besonders im Bezug auf die Fukushima-Krise zu einer Klagewelle von Bürgern mit ähnlichen Symptomen führen.

Tsunami erreichte Geschwindkeiten von 25km/h in Sendai: Ein Forscherteam am Forschungszentrum für Katastrophenschutz der Tohoku-Universität hat anhand von Luftaufnahmen, die von der NHK eine Stunde nach dem Erdbeben an der Mündung des Flusses Natori gemacht worden waren ermittelt, dass der Tsunami auf einem offenen Gebiet, etwa einen Kilometer von der Küste an der Stadt Sendai, eine Geschwindkeit von 25 Kilometern pro Stunde erreicht habe.

Dieses Ergebnis bedeutet, dass selbst Menschen, die nach dem ersten Erblicken des Tsunami sofort um ihr Leben liefen, fast keine Chance hatten zu entkommen. Wissenschaftler verglichen dies mit der Geschwindigkeit eines-Top-Marathonläufers.  Selbst nachdem der Tsunami durch das Mitreissen von Erdreich und Objekten etwas abgebremst worden war, lag seine Geschwindigkeit immer noch beim Doppelten der Schrittgeschwindigkeit eines Durchschnittbürgers.

In der Stadt Natori und damit zwei Kilometer von der Küste entfernt, erreichte der Tsunami 8 km/h. Das berichtet die NHK.

Atombefürworter in Fukushima geben auf: Eine 1981 gegründete Organisation, welche bislang die Vorteile der Atomenergie und deren Sicherheit öffentlich bewarb, hat nun ihre Auflösung erklärt. Toshitsuna Watanabe, Vorsitzender der Vereinigung und Bürgermeister der Stadt Okuma, die Fukushima-Krise und ihre Auswirkungen machten es unmöglich, weiterhin die Sicherheit der Atomanlagen zu bewerben.

Der Verband war 1981 mit finanziellen Zuwendungen der Präfekturleitung und 11 Gemeindeverwaltungen in Höhe von 20 Millionen Yen gegründet worden, mit dem Ziel, PR für die Atomenergie zu betreiben. Nach der formalen Anerkennung der Auflösung, werden die Finanzmittel wieder den örtlichen Verwaltungen zufließen und die Präfektur Fukushima künftig selbst für die Werbemaßnahmen sorgen.

Das Budget für das Fiskaljahr 2010 betrug etwa 100 Millionen Yen, die für die regelmäßige Veröffentlichung einer Zeitschrift und die Ausrichtung des jährlichen „Atomenergietags“ am 26. Oktober verwendet wurden. Auch einige andere Präfekturen hatten derartige Atom-Werbeagenturen unterstützt, anstatt selbst Werbung zu machen.

Nach Angaben des Amts für natürliche Ressourcen und Energien erhielten im Fiskaljahr 201o insgesamt 15 Präfekturen für die Durchführung von Atomenergie-PR eine Summe von 1,05 Milliarden Yen. Für das Jahr 2012 hatten die Präfekturalverwaltungen 1,47 Milliarden Yen beantragt. Das berichtet die Asahi Shimbun.

Heisei Tenno Akihito am 17. April 2011 (Foto: pd)
Der Tenno am 17. April 2011 (Foto: pd)

Herz-Op des Tenno verlief erfolgreich: Einer ersten Bekanntgabe durch das kaiserliche Hofamt zufolge, hat der Tenno die Bypass-Operation am heutigen Samstag gut überstanden. Der Eingriff begann etwa 9:30 Uhr und endete um 15:30 Uhr. Die Operation wurde bei schlagendem Herzen durchgeführt, da einer Herz-Lungen-Maschine den Körper stärker belastet hätte.

Nachdem ein Kardiogramm am 11. Februar eine Verengung an zwei der drei Koronaraterien gezeigt hatte, wurden bei der Operation am Samstag zwei Blutgefäße aus einem anderen Teil verpflanzt und als Bypass genutzt, um die verengten Arterien zu umgehen.

Neben seiner Gemahlin Kaiserin Michiko, welche die Nacht in der Klinik verbrachte, begleitete auch deren Tochter, Sayako Kuroda, die ihren Status als Prinzessin Nori durch Heirat mit einem Bürgerlichen abgelegt hatte, bis zum Operationssaal. Unterdessen nutzten viele Bürger die Gelegenheit, an einer dafür eingerichteten Stelle am Sakashitamon, einem Tor des kaiserlichen Palastes, Genesungswünsche und Gebete für einen positiven Verlauf der Operation zu hinterlassen.

Auf einer Pressekonferenz am Abend erklärte der Hauptarzt des kaiserlichen Hofamtes, Ichiro Kanazawa, die Operation sei problemlos gewesen. Es seien keine Komplikationen oder größere Blutungen aufgetreten und der Eingriff wie geplant verlaufen.

Japans Katastrophen auf der Berlinale: Neben dem arabischen Frühling ist auch das Tohoku-Erdbeben vom 11. März 2011 ein Thema verschiedener Filme, die bei den 62. Internationalen Filmfestspielen in Berlin präsentiert wurden. Insgesamt drei japanische Dokumentationen wurden hierzu vorgestellt.

Bei den Filmen handelt es sich um „No Man’s Zone“ (Regie: Toshifumi Fujiwara), sowie “Nuclear Nation” (Regie: Atsushi Funahashi) und “friends after 3.11,” (Regie Shunji Iwai). Alle drei wurden in der gemeinsamen Sparte für „Avantgarde, experimentelle und unbekannte Cinematographie“ vorgestellt

Am Freitag erregte mit „663114“ ein kurzer Animationsfilm des 39 Jahre alten Isamu Hirabayashi, der sich mit der dreifachen Krise in Japan befasst, besondere  Aufmerksamkeit.

Der Film erzählt in einer Art Parabel die Geschichte einer Zikade, die alle 66 Jahre hervorkommt und nachdem sie seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs durch die Atombombe von Hiroshima insgesamt 66 Jahre unter der Erde verbrachte, wieder aufsteigt – nur um dann die Atomkatastrophe 11. März zu erleben.

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