Start Aktuelles Japan aktuell: Fukushima-Arbeiter langfristig durch Strahlung gefährdet

Japan aktuell: Fukushima-Arbeiter langfristig durch Strahlung gefährdet

1284
0
TEILEN
Trefoil: Radioaktivitäts-Warnsymbol
AKW Fukushima: Strahlung an Anlagengrenze übersteigt zulässigen Wert (Grafik: pd)
Trefoil: Radioaktivitäts-Warnsymbol
Langfristige Strahlungsgefährdung bislang unterschätzt (Grafik; pd)

Das Sprichwort vom steten Tropfen der den Stein höhlt, scheint sich im Zusammenhang mit dem AKW Fukushima aktuell zu bewahrheiten.

Nicht allein, dass es dort ein weiteres Leck gab, sondern auch neue Erkenntnisse zu Strahlungsfolgen bewahrheiten diese Redensart offenbar.

Neben diesen Fukushima News zeigen andere ungelöste Probleme in Japan, dass das Land nach den Tohoku-Katastrophen und einer Reaktorkatastrophe immer noch entfernt ist von Sicherheit und Stabilität.

Mehr zu dem, was es vom AKW Fukushima heute zu berichten gibt und den übrigen Neuigkeiten, jetzt im Spreadnews Japan-Ticker vom 12. November 2012.

Unsere heutigen Themen :

  • Leukämie-Gefahr für Fukushima-Arbeiter durch geringe Strahlungsdosis
  • Arbeitermangel in Katastrophengebieten
  • 30 Prozent der Japaner leben in Erdbeben-Gefahrgebieten
  • Atomkraftgegner-Großdemonstration in Tokyo
  • Baum der Hoffnung stabiler als gedacht
  • Langfristig geringe Strahlungsdosis ist Leukämie-Gefahr
  • Politik und Sport gemeinsam im Inselstreit
    • Chinesische Schiffe in Grenzzone
    • Südkorea erhöht Propaganda-Etat
    • Japanische Läufer von Peking-Marathon ausgeschlossen
    • Japanische Läufer doch beim Peking-Marathon dabei
    • Kein Anruf von Obama bei Noda

Leukämie-Gefahr für Fukushima-Arbeiter durch geringe Strahlungsdosis: Ergebnisse einer Studie über 20 Jahre, lassen einen Zusammenhang zwischen langfristiger Belastung durch geringe Strahlungsdosen bei Reparaturarbeiten an AKW und einem signifikant erhöhten Risiko an Leukämie zu erkranken, erkennen.

Toshiba-Arbeiter bei Endoskopie in Reaktor 2 am 26. März 2012 (Foto: TEPCO)
Angestellter von Toshiba bei Endoskopie in Fukushima-Reaktor 2 am 26. März 2012 (Foto: TEPCO)

Bis 2006 durchgeführte Untersuchungen an 110.645 Arbeitern, die nach der Tschernobyl-Katastrophe 1986 bei Hilfsmaßnahmen beteiligt gewesen waren, wiesen 137 Fälle von Leukämie nach. In 16 Prozent dieser Fälle konnte ein Zusammenhang zu den Arbeiten in Tschernobyl hergestellt werden.

Dieses Untersuchungsergebnis, dass vergangene Woche im Wissenschaftsjournal „Environmental Health Perspectives“ vom 8. November veröffentlicht worden war, macht deutlich, dass das Risiko einer langfristigen Belastung durch kleine Strahlungsmengen bislang falsch eingeschätzt und unterbewertet worden war.

Nicht zuletzt war vom Betreiber TEPCO die geringe Strahlungsbelastung von Arbeitern als Argument genannt worden, es bestehe keine Gesundheitsgefährdung. Die Vorstellung, nur eine hohe Strahlungsdosis stelle eine Gesundheitsgefahr dar, scheint jetzt jedoch widerlegt.

Tropfwasser nach Kühlsystem-Neustart: Am Freitag stellte gegen 17:00 Uhr ein TEPCO-Mitarbeiter auf einem Kontrollgang fest, dass um 16:33 Uhr am neu gestarteten Kühlsystems des Lagerbeckens von Fukushima-Reaktor 3 stetig gefiltertes Wasser aus dem Behälter tröpfelte.

Eine Kontrolle ergab, dass die Öffnung aus der das Wasser für gewöhnlich dringt, verstopft war. Eine Reinigung der Öffnung beendete das Tropfen des Wassers, so dass das System nach Angaben von TEPCO wieder im Normalbetrieb läuft.

Arbeitermangel in Katastrophengebieten: In den Katastrophengebieten der Tohoku-Region gehen die Arbeiten zum Wiederaufbau nur langsam voran. Einer der Gründe ist der gravierende Mangel an Arbeitern und Helfern. Mehr als 30 Prozent der Stellen in Wiederaufbauprojekten in 52 Gemeinden sind unbesetzt.

Trümmer in Minamisanriku (Foto: youngfield cc-by)
Trümmer in Minamisanriku (Foto: youngfield cc-by)

Nach Angaben der Präfekturverwaltungen von Fukushima, Iwate und Miyagi werden insgesamt 1.538 neue Arbeiter für die Projekte benötigt. Somit fehlen mindestens noch Helfer in 486 Projektstellen. Bislang konnten nur 1.052 Stellen durch das Anwerben und Zeitarbeitern aus anderen Präfekturen gedeckt werden.

Den größten Arbeiterbedarf hat die Präfektur Miyagi, hier fehlen 290 zusätzliche Arbeiter (30,3 Prozent aller benötigten Arbeiter fehlen). Auch die Präfektur Fukushima weist mit 106 offenen Stellen – 50,5 Prozent der benötigten Stellen sind vakant – große Mängel auf. In der Präfektur Iwate werden immerhin noch 90 weitere Arbeitskräfte benötigt.

Wie die jiji am Samstag berichtete, ist dieser schwere Mangel an Arbeitskräften vor allem auf die allgemeine Reduzierung von Arbeitern im Rahmen von Verwaltungsreformen zurückzuführen.

30 Prozent der Japaner leben in Erdbeben-Gefahrgebieten: Die japanischen Inseln sind seismologisch alles andere als inaktiv, was die immer wiederkehrenden kleinen Alltagsbeben beweisen. Neue Forschungsergebnisse zeigen nun jedoch, dass insgesamt sechs Prozent von Japans Gesamtgebiet besonders anfällig sind.

Für die Bevölkerung bedeutet dies nach Angaben der NHK, dass laut Einschätzung des nationalen Forschungsinstituts für Geowissenschaften und Katastrophenschutz etwa ein Drittel der japanischen Bevölkerung in besonders gefährdeten Gebieten lebt – zählen doch die Kanto-Ebene um die Hauptstadt Tokyo ebenso dazu wie Osaka, Nagoya und Sapporo.

Atomkraftgegner-Großdemonstration in Tokyo: Trotz des Regens versammelten sich am Sonntagabend mehrere tausend Gegner der Atomenergienutzung im Regierungsviertel, um dort zu protestieren. Eine für den selben Tag geplante Veranstaltung im Hibiya Park war untersagt worden (Spreadnews berichtete am 9. November).

Während die Mainichi Shimbun von etwa  100.000 Teilnehmern sprach, versammelten sich nach Angaben der Asahi Shimbun etwa 7.000 Teilnehmer vor dem Parlamentsgebäude. Die Veranstaltung fand zusätzlich zu den jeden Freitag stattfindenden Demonstrationen statt, um daran zu erinnern, das am 11. März, vor 20 Monaten, die Fukushima-Krise begonnen hatte.

Nach der Versammlung vor dem Parlamentsgebäude kurz nach 17:00 Uhr und den Protestmärschen vor dem Büro des Premierministers und des Ministeriums für Wirtschaft, Handelt und Industrie (METI), bei denen  mit Slogans wie „Saikado Hantai“, der Atomkraft eine Absage erteilt wurde, endete die Veranstaltung friedlich um 19:00 Uhr.

Auch wenn die Ajisai Kakumei (Hortensien-Revolution) nicht mehr so präsent zu sein scheint, wie etwa bei den Protesten gegen den Neustart der Reaktoren am AKW Oi, so seien doch Bürgersteige und Fußgängerüberwege von den Menschenmassen überfüllt gewesen.

Baum der Hoffnung stabiler als gedacht:Der „Baum der Hoffnung“, der als einziger eines ganzen Waldes in Rikuzentakata den Flutwellen des Tsunami widerstand und so zum Symbol des Wiederaufbaus wurde, starb schließlich aufgrund der Schäden, die das salzige Meerwasser den Wurzeln zugefügt hatte und soll in konserviertem Zustand wieder an seinem alten Standort errichtet werden.

Kiseki no ippon matsu - Die wundersame Kiefer der Hoffnung (Foto: Jacob Ehnmark cc-by)
Baum der Hoffnung in Rikuzentakata ist stark (Foto: Jacob Ehnmark cc-by)

Dazu muss der Stamm unter anderem zerlegt und ausgehöhlt werden, damit weitere Maßnahmen, wie etwa die Einführung eines Karbonstabs, durchgeführt werden können. Dabei bestand Sorge, dass das Holz splittern oder anderweitig beschädigt werden könnte.

Doch nach Meldung der Asahi Shimbun vom Samstag ist der Baum immer noch für ein Wunder gut.

So berichtete nun der Betreiber des Sägewerks Yatomi Seizai, dass der Stamm eine derartige Stabilität aufwies, dass die Aushöhlung ohne das Risiko von Schäden durchgeführt werden konnte, eine weiteren Verarbeitung steht nichts im Wege.

Für die vollständige Restauration werden Mittel von 150 Millionen Yen benötigt. Bis Ende Oktober gingen aus der ganzen Welt 47 Millionen Yen an Spenden ein.

Politik und Sport gemeinsam im Inselstreit: Die Politik macht auch vor dem Sport nicht halt, wie die Entwicklungen in China am Wochenende zeigten. Einzelheiten zu den aktuellen Ereignissen zwischen den Beteiligten im Inselstreit um Senkaku und Takeshima jetzt im Kurzüberblick:

Japan und Korea im Disput um Takeshima-Inseln (Grafik: spreadnews.de)
Korea erhöht Propaganda-Etat zum Takeshima-Disput (Grafik: spreadnews.de)

Chinesische Schiffe in Grenzzone: Am heutigen Montagmorgen sind um 8:30 Uhr vier chinesische Schiffe in die Grenzzone zu japanischen Hoheitsgewässern vorgedrungen. Damit sind den 24. Tag in Folge Chinas Schiffe in der Zone nahe der Senkaku-Inseln.

Südkorea erhöht Propaganda-Etat: Das Außenministerium Südkoreas hatte ursprünglich für das Fiskaljahr 2013 Gelder in Höhe von 4,2 Milliarden Won für Takeshima-Propaganda vorgesehen. Diese Summe soll nun auf 6,2 Milliarden erhöht werden.  Das Geld soll dann der Einflussnahme auf internationale Medien und Rechtsexperten dienen.

Japanische Läufer von Peking-Marathon ausgeschlossen: Am Samstag wurde bekannt gegeben, dass die Teilnahme japanischer Läufer am Peking-Marathon 2012 nicht möglich sei – aus Sicherheitsgründen wie es offiziell heisst. Japanische Sponsoren haben sich bereits vom Shanghai-Marathon im Dezember zurückgezogen.

Japanische Läufer doch beim Peking-Marathon dabei: Noch am selben Tag wurde die Entscheidung, offenbar aufgrund von Kritik durch chinesische Medien und Internetproteste jedoch wieder rückgängig gemacht und japanische Läufer konnten sich nun normal registrieren, wie es den übrigen Teilnehmern bereits seit Donnerstag möglich war.

Kein Anruf von Obama bei Noda: Trotz einer Gratulation von Japans Premierminister Yoshihiko Noda zur Wiederwahl des US-Präsidenten Barack Obama, gehört Japan nicht zu den 12 Staaten, mit deren Führung der US-Präsident nach seiner Wahl telefonierte, um seinen Wunsch zur Kooperation zu bekräftigen. In Japan hofft man dennoch auf gute Zusammenarbeit, sind die USA doch ein wichtiger Verteidigungspartner Japans.

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here