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Japan aktuell: Fukushima-Arbeiter sollen trotz überschrittener Strahlungsgrenzwerte weiterarbeiten

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AKW Fukushima: Erdbebenschutzgebäude: Wandverkleidung mit Bleiplatten am 26. April 2012 (Foto: TEPCO)
AKW Fukushima: Erdbebenschutzgebäude: Wandverkleidung mit Bleiplatten am 26. April 2012 (Foto: TEPCO)
AKW Fukushima: Erdbebenschutzgebäude: Wandverkleidung mit Bleiplatten am 26. April 2012 (Foto: TEPCO)
AKW Fukushima: Erdbebenschutzgebäude: Wandverkleidung mit Bleiplatten gegen Radioaktivität am 26. April 2012 (Foto: TEPCO)

Die Angestellten des Energiekonzerns TEPCO, die im havarierten AKW Fukushima aktuell weiterhin arbeiten, gelten vielfach als Kanonenfutter der Atomindustrie.

Wenn der AKW-Betreiber nun erklärt, man werde einige Arbeiter trotz überschrittener Grenzwerte weiterhin einsetzen, gleichzeitig jedoch mehr für deren Sicherheit tun, dann scheint dies der Einschätzung von Kritikern zunächst Recht zu geben.

Welche Schutzmaßnahmen TEPCO dabei trifft und weitere Fukushima News werden im Folgenden berichtet – im Spreadnews Japan-Ticker vom 27. April 2012.

Unsere heutigen Themen:

  • Fukushima-Arbeiter sollen trotz Verstrahlung arbeiten
  • Möglichst wenig Entscheidungsträger für alle AKW-Neustarts

Fukushima-Arbeiter sollen trotz Verstrahlung arbeiten: Die so genannten „Fukushima 50“ gelten einerseits als beispielloser Loyalität und Pflichterfüllung, andererseits hängt ihnen jedoch auch der Ruf an, es habe sich vor allem um Obdachlose und Schuldner gehandelt, die von Japans Verbrechersyndikaten, der Yakuza, zur Arbeit im AKW Fukushima gezwungen worden seien. Wieviel Legendenbildung hieran auch beteiligt sein mag – die Bedingungen vieler Arbeiter besserten sich erst nach Reportagen über die Zustände bei Unterbringung und Arbeit der Angestellten.

Angesichts der akuten Krise hatte sich das Gesundheitsministerium zum damaligen Zeitpunkt dazu entschlossen, den jährlichen Grenzwert für die radioaktive Belastung der Arbeiter auf 250 Millisievert zu erhöhen. Dies ermöglichte, Personal länger als zuvor in der Anlage arbeiten lassen zu können. Doch Ende diesen Monats soll die Grenzwert-Notfallregelung aufgehoben werden. Dann gelten wieder die bisherigen Grenzwerte von 50 Millisievert pro Jahr und 100 Millisievert als Maximum für einen Fünf-Jahres-Zeitraum.

Das stellt den Betreiber TEPCO nach eigenen Angaben vor Probleme, handelt es sich doch bei 16 Angestellten, die bereits jetzt eine Belastung von mehr als 100 Millisievert ausgesetzt waren und daher künftig nicht mehr eingesetzt werden dürften, um Fachpersonal mit langjähriger Erfahrung, die bei der Bedienung von Gerät und Strahlungskontrollen eingesetzt würden. Aufgrund dieser Umstände werde man diese Arbeiter weiterhin dort beschäftigen.

Strahlungsschutz durch Bleiplatten: Um eine weitere Belastung der Arbeiter so gering wie möglich zu halten, werde TEPCO eine Reihe von Maßnahmen durchführen. So soll etwa im erdbebensichere Gebäude, das als Notfallzentrale dient, einige der Bereiche einen zusätzlichen Strahlungsschutz erhalten.

Strahlungsschutz am Boden des Erdbebengebäudes am 26. April 2012 (Foto: TEPCO)
AKW Fukushima: Abschirmung des Bodens im Erdbebenschutzgebäude am 26. April 2012 (Foto: TEPCO)

Bislang gibt es in dem Gebäude noch Stellen die als „unkontrollierte Bereiche“ eingestuft sind – Areale bei denen eine Überschreitung der Grenzwerte für einen oder mehrere der Faktoren (externe Strahlung, Belastung von Oberflächen, Konzentration in der Luft) entweder bereits eingetreten ist, oder vermutlich eintreten wird.

Als Gegenmaßnahme gegen erhöhte Strahlungswerte in diesem Gebäude werden nun Teile der Wände und Decken, sowie die Fenster mit Bleiplatten gegen Strahlung abgeschirmt. Zusätzliche Maßnahmen sind etwa die Reinigung von Luftfiltern, und die Kontrolle von Anhaftung radioaktiven Materials an der Ausrüstung. TEPCO erklärte, die notwendigen Schritte würden bis zum Ablauf der Grenzwert-Notfallregelung am 30. April 2012 fertiggestellt.

Möglichst wenig Entscheidungsträger für alle AKW-Neustarts:
Die von Yoshihiro Murai, Gouverneur der Präfektur am gestrigen Donnerstag gemachte Aussage, für den Neustart eines AKW sei lediglich die Zustimmung der Präfektur und der Ortschaft, auf dessen Gebiet sich die Anlage befinde erforderlich, mag für die Pläne der Regierung in Tokyo zunächst positiv klingen, bringt jedoch auch Spannungen mit sich.

Murai hatte nach Angaben der Nachrichtenagentur jiji bei einer Rede in Sendai erklärt, der Genehmigungsprozess werde endlos, wenn man die Zahl der Gemeinden, die an der Entscheidung beteiligt sind, weiter erhöhe. Die Anzahl der Parteien, welche um Genehmigung gebeten würden, müsse so gering wie möglich gehalten werden. Das Einvernehmen der Präfektur und unmittelbar betroffener Gemeinden sollte hierfür ausreichen.

Auch wenn er sich besonders auf das AKW Onagawa bezog, das zwischen der Stadt Ishinomaki und der Ortschaft Onagawa liegt, könnten seine Äußerungen eine Auswirkung auf die bisherige Linie bezüglich des Neustarts von Reaktoren am AKW Oi haben. Nachdem deren Sicherheit durch die Regierung bestätigt worden war, ist die Rücksicht auf die Meinung der Bevölkerung freiwillig und juristisch nicht bindend.

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