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Japan aktuell: Fukushima-Arbeiter werden Opfer von Diskriminierung

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Fukushima-Arbeiter vor Abfahrt des Busses am 7. Oktober 2011 (Foto: TEPCO)
Aktuelle Strahlungsbelastung der Arbeiter bekannt gegeben (Symbolfoto: TEPCO)
Fukushima-Arbeiter vor Abfahrt des Busses am 7. Oktober 2011 (Foto: TEPCO)
Fukushima-Arbeiter: Ablehnung und Diskriminierung in der Gesellschaft (Fotto: TEPCO)

Hibakusha, die Opfer der Atombomben auf Hiroshima und Nagasaki werden auch heute noch vielfach diskriminiert. Nun scheint es, als würde den Arbeitern von Fukushima aktuell das selbe Schicksal wiederfahren.

Aus diesem Grund ist die Diskriminierung und ihre psychischen Folgen auch eine der wichtigen Meldungen, die im Zusammenhang mit dem AKW Fukushima heute bekannt wurden.

Doch natürlich gibt es neben den Fukushima News auch weitere Meldungen, wie üblich im Spreadnews Japan-Ticker vom 15. August 2012.

Unsere heutigen Themen:

  • Fukushima-Arbeitern drohen nach Diskriminierung nun Depressionen
    • Testergebnisse zeigen psychische Belastung der Fukushima Arbeiter
    • Diskriminierung der Fukushima-Arbeiter
    • TEPCO vernachlässigt psychologische Hilfe für Fukushima-Arbeiter
  • Festnahme von chinesischen Aktivisten auf Japanischer Insel
  • Russland will umstrittene Inseln besuchen
  • Japanische Minister besuchen Yasukuni-Schrein
  • Japanische Soldatenflagge kehrt nach Hause zurück

Fukushima-Arbeitern drohen nach Diskriminierung nun Depressionen: Nach dem Tsunami des Tohoku-Erdbebens und dem Beginn der Krise am Atomkraftwerk Fukushima Daiichi kämpften die Angestellten des Kraftwerksbetreibers TEPCO gegen die Zeit, steigende Temperaturen und gefährliche Druckverhältnisse im Inneren der Anlage, um die Nuklearkatastrophe abzuwenden.

Jetzt leiden viele von ihnen an psychischen Problemen – auch aufgrund von Diskriminierung, der sie in der Gesellschaft ausgesetzt sind. Das ist das offizielle Ergebnis einer Studie über die psychologischen Folgen, die Arbeiter zwischen Mai und Juni 2011 nach dem Unglück im vergangenen Jahr zeigten.

In der Studie fanden die Forscher unter der Leitung des Psychiaters Jun Shigemura und des Professors für Gesundheitswesen, Takeshi Tanegawa heraus, dass unter den 1.495 Personen, die an der Befragung teilnahmen, mehr als 40 Prozent der Arbeiter von psychischen Problemen, aufgrund von sozialer Ausgrenzung betroffen sind.

Die einst als „Fukushima 50“ gefeierten Helden sehen sich in Wirklichkeit persönlichen Angriffen von Personen ausgesetzt, die sie für die Atomkatastrophe verantwortlich machen. Diese Diskriminierung bestehe nach Ansicht von Shigenuma weiterhin und derartige massive persönliche Attacken könnten letztlich sogar den Fortschritt der Arbeiten am Kraftwerk beeinträchtigen.

Testergebnisse zeigen psychische Belastung der Fukushima Arbeiter: Die befragten Angestellten an den AKW Fukushima Daiichi und Fukushima Daini mussten Fragebögen ausfüllen, in denen sich acht Fragen auf ihre persönlichen Erfahrungen während der Akutphase der Krise bezogen.

  • 45 Prozent gaben an, sie seien knapp dem Tod entkommen (623 Personen)
  • 26 Prozent gaben an, bei den Explosionen am AKW Fukushima dabei gewesen zu sein.
  • 13 Prozent gaben an, „Bashing“ erlebt zu haben (191 Personen)

Diskriminierung der Fukushima-Arbeiter: Zu den „Bashings“ die sie erleben mussten, gehörte nach Angaben der 191 Angestellten das Anbringen von Schriftzügen wie „TEPCO verschwinde“ und körperliche Angriffe, etwa durch Bewerfung mit Gegenständen.

Auch sei es ihnen vielfach nicht möglich Wohnungen zu mieten, oder medizinische Behandlung zu bekommen, wenn bekannt ist, dass sie nach Ausbruch der Krise an einem der beiden Fukushima-Kraftwerk beschäftigt waren.

Bei der psychologischen Beurteilung nach der Kessler-Skala wurde im Rahmen des „K6“ Tests, mit dem der psychologische Zustand anhand von sechs Fragen bestimmt wird festgestellt, dass 43 Prozent der Befragten in der Kategorie „Vorsicht erforderlich“  13 Punkte oder mehr erreichten. Davon waren 47 Prozent am AKW Fukushima Daiichi beschäftigt.

Derartige Werte machen eine Behandlung erforderlich. Die Hauptursachen für die psychischen Störungen sind nach Angaben der Wissenschaftler Mobbing, Diskriminierung und verbale Angriffe. Personen die diese Erfahrungen machen mussen, haben ein zwei- bis dreimal höheres Risiko, ernsthafte psychische Schäden zu erleiden.

Sollten die betroffenen Fukushima-Arbeiter nicht ausreichend psychologisch therapiert werden, so drohen Depressionen, eine Posttraumatische Belastungsstörung (PTSD), oder Suchterkrankungen wie Alkoholismus. Hierüber berichteten die Asahi Shimbun und die Nachrichtenagentur Kyodo.

TEPCO vernachlässigt psychologische Hilfe für Fukushima-Arbeiter: In einem Artikel der Japan Times kommt mit Hideki Yabuhara der Leiter eines Unternehmens, dass sich mit Gutachten zur geistigen Gesundheit und Verbesserung von Kommunikation in Unternehmen befasst, zu einem ähnlichen Schluss und bemängelt, aufgrund von Kostendenken, würden die Arbeiter nicht ausreichend betreut.

Banner mit Durchhalte-Parole in Tokyo (Foto: KJ)
Banner mit Durchhalte-Parole in Tokyo (Foto: KJ)

Obwohl viele Fukushima-Arbeiter selbst Familienangehörige verloren hätten und durch die Arbeit unter hohem Druck stehen, finde keine ausreichende psychologische Unterstützung statt. Auch hätten sich die Lebensumstände der Angestellten aller anderslautenden Behauptungen zum Trotz nicht verbessert. So mangele es immer noch an Privatsphäre.

Yabuhara, der seit Oktober 2011 mit 250 Arbeitern sprach und ehrenamtlich psychologische Hilfe leistet, wollte zunächst Kraftwerksleiter Masao Yoshida helfen, doch dieser bat ihn darum, sich auch um den Rest des Teams zu kümmern.

Ursprünglich hatte er von Beginn der Krise an helfen wollen, sein Anliegen sei vom damaligen Premierminister Noda unter Verweis auf die chaotischen Zustände, zunächst abgelehnt worden. Durch Beziehungen gelang es Yabuhara doch, mit einem Verantwortlichen in Kontakt zu kommen und Hilfe zu leisten.

Er selbst lehnt auch das Angebot von TEPCO seine Fahrtkosten zu erstatten ab, um jeden Eindruck zu vermeiden, er stünde unter Kontrolle des Unternehmens.

Festnahme von chinesischen Aktivisten auf Japanischer Insel: Die Zahl ausländischer Provokationen gegen japanische Gebietsansprüche reisst nicht ab. Während Japans Premierminister Yoshihiko Noda die von Korea verlangten  Entschuldigungsforderung für Kriegsverbrechen kritisierte und erklärte, dies sei unverständlich und enttäuschend, handeln nun auch China und Russland unangemessen.

Der von der Nachrichtenagentur jiji gemeldete Protest einer Gruppe von 20 nationalistischen chinesischen Aktivisten vor der japanischen Botschaft in Peking, bei der in Sprechchören gerufen wurde, dass die Senkaku-Inseln (chin. Diaoyu) und die Präfektur Okinawa zu China gehören, ist durch die Meinungsfreiheit gedeckt.

Schiff der japanischen Küstenwache (Foto: pd)
Schiff der japanischen Küstenwache (Foto: pd)

Eine Verletzung japanischen Territoriums beging dagegen eine weitere Gruppe von Hongkong-Chinesen, die mit einem kleinen Fischerboot von China aus, in Richtung der Senkaku-Inseln aufgebrochen waren und nach Meldung der Kyodo und der NHK heute zunächst in japanisches Hoheitsgebiet eindrang und schließlich die umstrittene Insel Uotsuri betrat.

Nach Angaben der Chinesen seien sie in einer Distanz von 27 Kilometern vor den Inseln von neun Schiffen der japanischen Küstenwache verfolgt worden. Während eines der japanischen Schiffe das chinesische Boot mit einer Wasserkanone beschossen habe, hätte ein anderes Küstenwachschiff versucht, ihren Weg zu kreuzen, vermutlich um das Schiff zu entern und Festnahmen durchzuführen. Dennoch sei es gelungen, die Inseln zu betreten.

Wie die japanische Polizei mitteilte, wurden fünf männliche Aktivisten festgenommen. Zuvor hatte Japan nach bekannt werden der Aktion, Chinas Botschafter Cheng Yonghua, in das Außenministerium in Tokyo zitiert. Nun berichtet Chinas staatliche Nachrichtenagentur Xinhua, das chinesische Außenministerum habe wegen der Festnahmen Kontakt aufgenommen.

Russland will umstrittene Inseln besuchen: Auch Russland begann nun mit Provokationen und plant nach Angaben der jiji mit zwei Kriegsschiffen, den Besuch mehrerer Inseln die von Japan und Russland gleichermaßen beansprucht werden. Unter Berufung auf die russische Nachrichtenagentur Interfax wird berichtet, dass Admiral Nevelskoi, Kapitän eines russischen Landungsschiffs, zwischen dem 25. August und dem 17. September einige Inseln besuchen will.

Grund seien Gedenkveranstaltungen für russische Soldaten, die im Zweiten Weltkrieg bei Offensiven auf die Inselgruppe der Kurilen und der Insel Sachalin gefallen seien. Zu den geplanten Besuchen gehörten auch Kunashiri und Etorofu, zwei der vier umstrittenen Inseln.

Von den koreanischen Schwimmmern die aufgebrochen waren, um schwimmend die Inselgruppe Takeshima zu erreichen wird berichtet, das die Schwimmer Schwierigkeiten hätten.

Japanische Minister besuchen Yasukuni-Schrein: Allen Forderungen des Nachbarn Südkorea zum trotz, haben heute anlässlich des 67. Jahrestages der japanischen Kapitulation im Zweiten Weltkrieg, zwei Minister der Regierung Noda, den umstrittenen Yasukuni-Schrein in Tokyo besucht, um dort der Kriegstoten zu gedenken.

Der Yasukuni-Schrein in Tokyo
Der Yasukuni Jinja in Tokyo: Hier werden die Seelen der Kriegstoten verehrt (Foto: Miki Yoshihito cc-by)

Transportminister Yuichiro Hata und Jin Matsubara, der für Verhandlungen mit Nordkorea im Fall der seit Jahren entführten japanischen Staatsbürger betraut ist, sind die ersten Minister überhaupt, die seit der Regierungsübernahme durch die Demokratische Partei Japans 2009 den Schrein besuchen.

Auch wenn Premierminister Noda nicht an dem Besuch teilnahm, sondern stattdessen auf dem Nationalfriedhof Chidorigafuchi, auf dem 352.297 unidentifizierte Kriegstote beigesetzt sind, Blumen niederlegte, so dürfte der Besuch des Yasukuni-Schreins auch in diesem Jahr für Protest bei den asiatischen Nachbarstaaten führen.

Da in dem Schrein neben anderen Gefallenen auch Personen verehrt werden, die von den Alliierten als Kriegsverbrecher hingerichtet wurden, wird Japan immer wieder eine mangelnde Bereitschaft zur Aufarbeitung der eigenen Geschichte, etwa in der Frage der Zwangsprostituierten im Zweiten Weltkrieg, und des Nanking-Massakers, vorgeworfen.

Aufgrund der politischen Brisanz des Besuchs, über den japanische Medien berichteten, ist es unwahrscheinlich, dass andere Regierungsmitglieder dem Beispiel von Hata und Matsubara folgen werden.

Japanische Soldatenflagge kehrt nach Hause zurück: Unterdessen zeigt die Geschichte einer Flagge, dass man auch angemessen mit dem Gedenken an Kriegstote umgehen kann. Wie die Asahi Shimbun zunächst am 11. August berichtete, hatte ein nicht identifizierter Niederländer Mitte 20, einen Geschenkladen vor dem Sengakuji besucht.

Dieser Tempel ist bekannt, da sich dort die Gräber der 47 Ronin befinden – jener herrenlosen Samurai, die den Tod ihres Fürsten, der durch eine Intrige zum rituellen Selbstmord gezwungen worden war rächten, bevor sie pflichtgetreu ihrerseits rituellen Selbstmord begingen.

Der Niederländer händigte dem 63 Jahre alten Besitzer des Geschäfts eine alte Nationalflagge (Hinomaru) aus. Diese habe er von einem Bekannten erhalten – er konnte jedoch keine Angaben über den Ursprung der Fahne machen. Nun bat er den Ladenbesitzer Yoichi Koizumi, den rechtmäßigen Besitzer, oder dessen Angehörige ausfindig zu machen.

Auf der Flagge waren ein Name, sowie verschiedene Sätze mit ermutigenden Parolen geschrieben. Derartige Fahnen, auf denen Angehörige der Soldaten neben ihrem Namen auch gute Wünsche für Sieg und Gesundheit schrieben, waren als „hinomaru yosegaki“ bekannt und zur Zeit des kaiserlichen Japan im Zweiten Weltkrieg ein Glücksbringer für Soldaten.

Eine derartige Suche nach einer möglicherweise verstorbenen Person erweist sich oft als schwierig, doch tatsächlich konnte die Asahi Shimbun bereits zwei Tage später melden, dass die Flagge wieder in rechtmäßige Hände gelangt war. Der ursprüngliche Besitzer Naosuke Takahashi aus Shiroishi (Präf. Miyagi) war zwar bereits 1984 im Alter von 75 Jahren verstorben, doch die Flagge konnte seinem 68 Jahre alten Neffen übersandt werden.

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