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Japan aktuell: Fukushima-Betreiber fürchtet Ausbreitung des radioaktiven Wassers

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AKW Fukushima: Wassertanks im Bereich H1 am 23. Juli 2013 (Foto: TEPCO)
AKW Fukushima: Wassertanks im Bereich H1 am 23. Juli 2013 (Foto: TEPCO)
AKW Fukushima: Wassertanks im Bereich H1 am 23. Juli 2013 (Foto: TEPCO)
AKW Fukushima: Wassertanks im Bereich H1 am 23. Juli 2013 (Foto: TEPCO)

Nach der Menge des radioaktiven Wassers fürchtet TEPCO nun auch die Ausbreitung des radioaktiven Wassers in andere Richtungen.

Gleichzeitig sieht sich der Betreiber des AKW Fukushima aktuell mit einer Klagewelle konfrontiert.

Ebenfalls Thema der Fukushima News sind Versuche, die Dekontamination zu erleichtern.

Mehr zum Thema Fukushima heute wie gewohnt im Spreadnews Japan-Ticker vom 27. August 2013.

Unsere heutigen Themen:

  • TEPCO fürchtet Ausbreitung des ausgetretenen Wasser
  • Große Fukushima-Klagewelle in Westjapan
  • Dekontaminationsabsichten des Umweltministeriums

TEPCO fürchtet Ausbreitung des ausgetretenen Wassers: Der Betreiber des AKW Fukushima Daiichi vermutet, das aus dem bereits bekannten Leckbehälter geflossene Wasser könnte sich auch in die entgegengesetzte Richtung ausgebreitet haben.

Offizielles Standardfoto des Atomkraftwerks Fukushima Daiichi (Foto: TEPCO)
AKW Fukushima: Verbreitung radioaktiven Wassers befürchtet (Symbolfoto: TEPCO)

Zu diesem Schluss sei man gelangt, da Arbeiter am vergangenen Donnerstag auch auf der Südseite an einem offenen Ventil nun Werte von 16 Millisievert pro Stunde gemessen hätten.

Auch wenn dort offenbar keine Flüssigkeit nachgewiesen wurde, fürchtet TEPCO, dass auch dort kontaminiertes Wasser ausgetreten sein könnte und hat angeordnet, in einem größeren Bereich die Erdschichten abzutragen, da das Wasser im Erdboden versickert sein könnte.

Über das mögliche Ausmaß konnte das Unternehmen nach Meldung der NHK keine Angaben machen.

Die Krise an den Stahltanks war zu Beginn der vergangenen Woche bekannt geworden. Zu diesem Zeitpunkt waren an einem Tank im Nordosten mehr als 300 Tonnen an radioaktivem Wasser ausgetreten und trotz einer niedrigen Barriere, durch ein offenes Ventil zum Ablassen von Regenwasser und einen Abwassergraben ins Freie gelangt.

Ob die jetzt geplante Taskforce mit mehr als 100 Mitarbeitern in acht Teams, von denen die Hälfte am AKW stationiert wird, tatsächlich Ergebnisse liefern kann, bleibt abzuwarten. Die Taskforce steht unter direkter Aufsicht des TEPCO-Präsidenten Naomi Hirose, sein Vize  Zengo Aizawa wird vor Ort die Leitung übernehmen. Hierüber berichteten Kyodo, Asahi Shimbun und NHK.

Nachdem die Arbeitsgruppe zu den Lecks bereits zu dem Schluss kam, es sei unmöglich, das ganze Wasser aus den potentiell unsicheren Behältern in Stahltanks zu transferieren, muss nun  nach Ergänzungen zu dieser Maßnahme gesucht werden.

Große Fukushima-Klagewelle in Westjapan: Mehrere Personen, die bei Ausbruch der Fukushima-Katastrophe bis in die Region Kansai geflohen waren, planen für den 17. September eine gemeinsame Klage vor einem Gericht in Osaka. Das gaben ihre Rechtsanwälte gestern bekannt.

Japan: Japanische Yen-Banknoten (Foto: pd)
Klagewelle gegen Fukushima-Betreiber (Symbolfoto: pd)

Aufgrund der psychischen Belastung, des Auseinanderbrechens persönlicher Beziehungen und materieller Verluste verlangen sie von der Regierung in Tokyo und dem AKW-Betreier eine finanzielle Entschädigung von jeweils 15 Millionen Yen.

Als Begründung führen sie an, bereits 2002 habe eine Untersuchung der Regierung die Möglichkeit schwerer Erdbeben nahe des AKW Fukushima gezeigt und die Regierung habe TEPCO nicht ausreichend dazu gedrängt, die Katastrophenschutzmaßnahmen der Anlage zu überarbeiten. Dies ist auch einer der Klagepunkte gegen den Atomkonzern.

Unabhängig von dieser Klage werden möglicherweise bereits im kommenden Monat, weitere Personen, die in die Präfektur Hyogo flohen, Klage vor dem Gericht in Kobe einreichen, während für den 17. September eine Gruppe von 31 Flüchtlingen, die jetzt in der Präfektur Kyoto leben, dort eine vergleichbare Klage über fünf Millionen Yen pro Person folgen lassen.

Insgesamt werden somit etwa 140 Kläger ihre Forderungen vor Gerichten im Westen Japans geltend machen. Die Gesamtklagesumme aller Verhandlungen beläuft sich auf schätzungsweise eine Milliarde Yen. Es handelt sich um die ersten Entschädigungsklagen dieser Art in der Region Kansai. Im Osten Japans, etwa in Tokyo, klagen bereits 1.650 Flüchtlinge.

Die Personen stammen unter anderem aus Minamisoma, Namie und Tomioka (alle Präfektur Fukushima) sowie aus der vom Tsunami schwer getroffenen Katastrophenpräfektur Miyagi und der Präfektur Ibaraki. Über die zahlreichen Klagen berichteten Mainichi Shimbun und Asahi Shimbun.

Dekontaminationsabsichten des Umweltministeriums: Nachdem das Umweltministerium gestern eingeräumt hatte, in sieben Orten der Präfektur Fukushima werde es zu Verzögerungen kommen, betonte die Behörde auch die Fortschritte. Tatsächlich habe man das Ziel der Strahlungssenkung in einem großen Bereich der Region Tohoku bis zum Großraum Tokyo erreicht.

Dekontamination mit Gebläse am 25. Juni 2012 (Foto: TEPCO)
Dekontamination mit Gebläse am 25. Juni 2012 (Foto: TEPCO)

Eine erste provisorische Analyse von Daten an 11.500 Einrichtungen, die bis Ende März vollständig dekontaminiert wurden, habe gezeigt, dass die Bemühungen, die Strahlungsbelastung in Bereichen von unter 20 Millisievert pro Jahr, für Erwachsene um 50 und für Kinder um 60  Prozent zu senken,  mit 61 bzw. 64 Prozent erfolgreich gewesen seien.

Zu den angekündigten Maßnahmen zur Beschleunigung der Arbeiten gehören Reinigungsgeräte, die das Wasser, dass sie zur Entfernung radioaktiven Materials nutzen, wieder aufnehmen, so dass die Flüssigkeit nicht mehr separat aufgesaugt werden muss. Auch die Zahl der Arbeitskräfte soll erhöht werden.

Besonderes Gewicht legt man offenbar darauf, Dekontaminationsmaßnahmen in Bereichen zu wiederholen, in denen es seit dem offiziellen Abschluss der Arbeiten wieder zu Anstiegen der Strahlung gekommen sei. Falls erforderlich, werde man auch die 20-Meter-Bereiche der Waldgebiete um Ortschaften, in denen Äste gekürzt und Laub gesammelt wird, ausdehnen.

Bereits dekontaminierte Ortschaften können beispielsweise durch Regenfälle und Laub, an dem sich noch radioaktives Material befindet, wiederholt kontaminiert werden. Daher sollen bereits dekontaminierte Bereiche künftig weiter auf potentielle Strahlungsanstiege kontrolliert und in Gebieten, die oft von Kindern genutzt werden, Sofortmaßnahmen erfolgen.

Dekontaminationsarbeiten: Abtragung von Asphaltschichten (Foto: TEPCO)
Dekontaminationsarbeiten in Fukushima: Abtragung von Asphaltschichten (Foto: TEPCO)

Diese Pläne wurden unterschiedlich aufgenommen und tatsächlich gab es beispielsweise Kritik, auch erneute Dekontaminationen würden langfristig erfolglos bleiben, wenn man mit den selben Methoden fortfahre.

Auch müsste erst überall die erste Dekontamination überall abgeschlossen sein, bevor man an unterschiedlichen Orten bereits die zweite Runde beginne.

Tatsächlich sind viele Probleme ungelöst, stehen doch etwa in Orten die als dekontaminiert gelten, nun große Plastiksäcke mit kontaminiertem Erdreich ohne weiteren Schutz auf Privatgelände herum. So lange kein Standort wie ein Zwischenlager gefunden ist, werden die Einwohner in der Nachbarschaft zum radioaktiven Müll leben müssen.

Über die Ankündigungen des Umweltministeriums berichteten Asahi Shimbun und NHK.

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