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Japan aktuell: Fukushima-Betreiber lockert Pflicht für Schutzkleidung

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Fukushima-Arbeiter: Schutzmaske mit Aktivkohle-Filter (Foto: TEPCO)
Strahlungsbelastung bei Arbeiter nachgewiesen (Symbolfoto: TEPCO)
Fukushima-Arbeiter: Schutzmaske mit Aktivkohle-Filter (Foto: TEPCO)
Fukushima-Arbeiter: Bisherige Atemmaske mit Aktivkohle-Filter (Foto: TEPCO)

Gestern begann der Artikel mit der Meldung über den Drogenmissbrauch eines Journalisten der Asahi Shimbun, heute können wir dagegen melden, dass der NHK für ihre Berichterstattung über Japans jüngste Krise ein britischer Journalistenpreis verliehen wurde.

Auch wenn eine derartige Ehrung, trotz des Umstandes, dass wir seit Beginn der Krise aus Fukushima aktuell wochentags täglich berichten, für uns noch aussteht, so gibt es auch heute wieder Fukushima News, sowie weitere Meldungen aus Japan.

So geht es unter anderem um die Arbeitsbedingungen der Fukushima-Arbeiter, Hacking und Walfang. Die Meldungen im Detail gibt es nun im Spreadnews Japan-Ticker vom 23. Februar 2012.

Unsere heutigen Themen

  • TEPCO lockert Pflicht für Schutzkleidung
  • Aufbereitung von Brennstäben teurer als direkte Entsorgung
  • Kronprinz Naruhito mit Geburtstagskonferenz
  • Tofu aus Paraguay für japanische Katastrophenopfer
  • Sea Shepherd behindert Japans Walfänger erneut
  • Webseiten-Angriffe nach Leugnung des Nanking-Massekers

TEPCO lockert Pflicht für Schutzkleidung: TEPCO hat eine Pressemeldung herausgegeben, in der die Lockerung der Schutzkleidungspflicht erklärt. Ursprünglich mussten die Arbeiter auf dem gesamten Gelände des AKW Fukushima Daiichi neben den Schutzanzügen auch Atemschutzmasken tragen die das gesamte Gesicht bedeckten. Bereits im November 2011 war die Plicht dann erstmals gelockert worden, da der Grad an Radioaktivität abnehme.

Fukushima-Arbeiter: Schutzmaske mit Staubfilter (Foto: TEPCO)
Fukushima-Arbeiter: Neue Atemmaske mit Staubfilter (Foto: TEPCO)

Nun teilt das Unternehmen mit, bislang hätten die Arbeiter Masken mit Filtern aus Aktivkohle getragen, die dazu dienen, radioaktives Jod und weitere Partikel zu filtern, da es sich nach Ausbruch der Krise um das am stärksten vorhandene radioaktives Material gehandelt habe. Außerhalb des Hauptgebäudes und der Aufenthaltsbereiche habe auf dem gesamten Gelände eine Pflicht zum tragen von geschlossenen Ganzkörperschutzanzügen aus Materialien wie Tyvek® bestanden.

Da eine weiterhin fallende Tendenz bei radioaktivem Material festgestellt worden sei – seit September vergangenen Jahres hätten etwa die Werte für Jod unterhalb der messbaren Werte gelegen – habe man sich entschieden, die Handhabung von Schutzanzügen und Aktivkohle-Filtermasken anzupassen.

  • Filtermasken: In bestimmten Bereichen wird der bisherige Schutzmasken-Filtertyp durch einen Staubfilter ersetzt werden, in dem sich dann die verbleibenden Partikel sammeln.
  • Schutzanzüge: In den gleichen Bereichen wird auch der geschlossene Ganzkörper-Schutzanzug durch allgemeine Arbeitskleidung ersetzt werden.

Um welche Bereiche es sich dabei handelt ist auf Karten des Kraftwerksgeländes ersichtlich. Die Änderung der Konzepte für die Arbeitsbedingungen wurde TEPCO zufolge der Atomenergiesicherheitsbehörde (NISA), die dem Ministerium für Wirtschaft, Handel und Industrie untersteht mitgeteilt. Die NISA akzeptierte die geplanten Konzeptänderungen. Die neue Regelung, welche die Arbeiter weiter entlasten soll, wird daher am 1. März 2012 in Kraft treten, so der Energiekonzern.

Aufbereitung von Brennstäben teurer als direkte Entsorgung: Eine Untergruppe von Japans Atomernergiekommission, gab am heutigen Donnerstag bekannt, dass man aufgrund von Berechnungen zu dem Schluss gekommen sei, dass die Wiederaufbereitung abgebrannter Brennelemente teurer ist, als ihre Entsorgung.

Nach Abschluss der Auswertungen von fünf vorgeschlagenen Möglichkeiten zum zukünftigen Verlauf von Japans Brennelemente-Kreislauf stellte die Gruppe fest, dass die Wiederverwendung von Brennstäben ein effektiver Weg sei, um Japans begrenzte Uranquellen zu nutzen. Allerdings würde eine Entsorgung des Materials nur die Hälfte der Kosten verursachen, die bei einem Wiederaufbereitung anfällt, berichtet die Nachrichtenagentur jiji.

Hauptsächlich auf diesem Ergebnis basierend, sollen nun innerhalb der Gruppe Diskussionen erfolgen, so dass man frühestens im April die ermittelten Möglichkeiten für die Zukunft der Brennstäbe-Verarbeitung in Japan präsentieren kann.

Japans Kronprinz Naruhito im Jahr 2008 (Foto: Antonio Cruz/ABr cc-by)
Kronprinz Naruhito im Jahr 2008 (Foto: Antonio Cruz/ABr cc-by)

Kronprinz Naruhito mit Geburtstagskonferenz:  In einer Pressekonferenz zum Anlass seines heutigen Geburtstags, sprach Kronprinz Naruhito unter anderem auch über die Entlastung seines Vaters. Angesichts des Alters von 78 Jahren sei es angebracht, die Belastung des Tenno durch öffentliche Verpflichtungen zu verringern.

Während er in Bezug auf eine Altersbegrenzung für Japans Herrscher erklärte, es gebe mehrere Möglichkeiten, äußerte er sich nicht zu der jüngst viel diskutierten Überlegung, weiblichen Mitgliedern der kaiserlichen Familie die bürgerlich heiraten, die Etablierung eines eigenen Familienzweiges zu ermöglichen, anstatt diesen abgeben zu müssen.

Die Naturkatastrophen des 3/11 würden ihn beschäftigen, so der Kronprinz. Es sei wichtig, dass die Menschen weiterhin an jene denken, die mit den Folgen des Tohoku-Erdbebens und der Folgekrisen immer noch zu kämpfen hätten, und ihnen wann immer möglich zu helfen. Er und seine Gemahlin, Kronprinzessin Masako, würden weiter mit den Opfern fühlen und auf einen schnellen Wiederaufbau hoffen. Dies berichteten NHK und Kyodo.

Sea Shepherd behindert Japans Walfänger erneut: Gestern erst wurde der niederländische Aktivist Erwin Vermeulen von einem japanischen Gericht freigesprochen, schon melden Kyodo und NHK eine weitere Störaktion der radikalen Umweltschutzorganisation Sea Shepherd. Die Mitglieder der Gruppierung warfen Flaschen mit übelriechender Buttersäure und Farbe auf das japanische Harpunenschiff  „Daisan Yushin Maru“ (Yushin Maru 3).

Die Störaktion, die um 11:25 Uhr begann und in deren Verlauf erneut versucht wurde, die Schiffschraube durch Taue zu blockieren, dauerte fünf Stunden an und wurde von drei kleinen Booten aus durchgeführt.

Nach Angaben der japanischen Fischereibehörde wurde ein Mannschaftsmitglied des Walfängers von Buttersäure im Gesicht getroffen, erlitt jedoch keine Verletzungen. Die Japaner reagierten auf die Attacke mit mehr als 50 Farbkugeln zunächst mit Warnungen, bevor Wasserkanonen zum  Einsatz kamen, so die Fischereibehörde.

Die seit Januar andauernden Blockadeversuche der Umweltaktivisten gegen den Walfang Japans, der offiziell  nur wissenschaftlichen Zwecken dienen soll, werden von den japanischen Behörden als inakzeptabel bezeichnet, da sie das Leben der Mannschaften auf den Walfangschiffen gefährdeten.

Handgemachter Tofu aus Higashinaruse, Präf. Akita (Foto: Chanmarsan cc-by)
Tofu aus Higashinaruse, Präf. Akita (Foto: Chanmarsan cc-by)

Tofu aus Paraguay für japanische Katastrophenopfer: Am Tofu, der asiatischen Spezialität, die aus einer Sojabohnenmasse gewonnen und dann in Blockform gepresst wird, scheiden sich die Geister. Vegetarier und Veganer schätzen ihn als Quelle für pflanzliches Protein, in mehreren asiatischen Kochtraditionen ist er Standardzutat. Andererseits führen Vorurteile, falsche Erwartungen an Fleischimitatprodukte und schlechte Zubereitung auch zu Ekelreaktionen.

Für die Überlebenden des Tohoku-Erdbebens und des damit verbundenen Tsunami wurde er jedenfalls zu einem kostbaren Geschenk – und das im wahrsten Sinne des Wortes.  Japanische Tofuhersteller in Südamerika verarbeiteten insgesamt 100 Tonnen von Landwirten aus Paraguay gespendete Sojabohnen zu einer Gesamtzahl von einer Million Paketen Tofu. Das berichteten Mitglieder des Hilfsprojekts.

Die Kosten für Herstellung und Transport aus Paraguay wurden dabei gänzlich von japanischen Gemeinschaften in Paraguay und der Regierung des Landes getragen, berichtet die Mainichi Shimbun unter Bezug auf die Nachrichtenagentur Kyodo. Gegenwärtig produzieren etwa 750 Japaner und Einwohner Paraguays mit japanischer Herkunft dort Sojabohnen.

Insgesamt 30 Tonnen an Sojabohnen sind bislang noch nicht genutzt, so dass die Mitglieder des Projekts eine weitere Versorgung der Katastrophenopfer in Japan anstreben, obwohl das gesetzte Ziel von einer Million Pakete bereits erreicht ist.

Webseiten-Angriffe nach Leugnung des Nanking-Massekers:  In China berichtet die staatliche Nachrichtenagentur Xinhua, über die Reaktionen auf die Äußerungen des Bürgermeisters der japanischen Stadt Nagoya. Takashi Kawamura hatte bei einem Treffen mit Vertretern der chinesischen Partnerstadt Nanking, die dort während des Zweiten  Weltkriegs von der kaiserlichen japanischen Armee verübten Kriegsverbrechen geleugnet und als reguläre Kampfhandlungen bezeichnet.

Luo Zhaohui, Leiter der Abteilung für asiatische Angelegenheiten im chinesischen Außenministerium, sprach bei einem Treffen mit Shinsuke Sugiyama, Generaldirekter des Büros für asiatische und ozeanische Angelegenheiten des japanischen Außenministeriums, von einer Kränkung der Gefühle der Chinesen.

Sugiyama entschuldigte sich und erklärte, es habe sich um eine „persönliche Meinung“ des Bürgermeisters gehandelt, die in keiner Weise die Haltung und Sichtweise der japanischen Regierung wiederspiegeln würde, so die Meldung der Xinhua.

Japans Chefkabinettssekretär Osamu Fujimura sagte am Mittwoch, diese Angelegenheit betreffe die beiden Partnerstädte Nanking und Nagoya, die Regierungen des Staates sollten sich aus dem Konflikt heraushalten.

Während einer Dauer von sechs Wochen tötete die kaiserliche japanische Armee im Jahr 1937 tausende von Zivilisten und Kriegsgefangenen und vergewaltigte Frauen und Mädchen. Nach Ansicht Chinas betragen die Zahlen der Todesopfer mehr als 300.000, während Japan unter Berücksichtigung mehrere Schätzungen von 20.000 bis 30.000 Opfern spricht.

Unterdessen nehmen verärgerte Chinesen das Gesetz offenbar in die eigene Hand. Wie die Stadt Nagoya nach Angaben der Nachrichtenagentur Kyodo meldet, kam es zu einem Angriff auf die Webseite eines öffentlichen, von der Stadt betriebenen Zoos. Dabei wurde die Webseite durch ein so genanntes Defacement verunstaltet.

Statt des üblichen Angebots prangten auf der Webseite Schriftzüge in chinesischer und japanischer Sprache, in denen Geschichtsmanipulation und die Anerkennung des Nanking-Massakers hervorgehoben werden.

Die Geschehnisse der jüngsten chinesischen Vergangenheit, in der sich mehrere tibetische Mönche und Nonnen selbst anzündeten, um gegen die Unterdrückung ihrer Kultur nach der Zwangsweisen Eingliederung Tibets in die Volksrepublik China zu demonstrieren und die Verstöße gegen Menschenrechte beim Umgang mit Systemkritikern zeigt jedoch, dass sich das moderne China keineswegs auf einer empörten Opferrolle ausruhen kann.