Start Aktuelles Japan aktuell: Fukushima-Betreiber machte falsche Angaben zur Meerwasserbelastung

Japan aktuell: Fukushima-Betreiber machte falsche Angaben zur Meerwasserbelastung

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TEPCO-Zentrale in Tokyo (Foto: Yusuke Kawasaki cc-by)
TEPCO-Manager heute angeklagt (Symbolfoto: Yusuke Kawasaki cc-by)
TEPCO-Zentrale in Tokyo (Foto: Yusuke Kawasaki cc-by)
TEPCO machte falsche Angaben zur Meeresbelastung (Foto: Yusuke Kawasaki cc-by)

Für Atomkraftgegner war das Herunterfahren von Japans einzig aktivem Reaktor ein Grund zur Freude und Anlass für Proteste.

Dagegen konnte der Betreiber des AKW Fukushima aktuell zwar einige Werte nach unten korrigieren, muss jedoch auch gleichzeitig andere Angaben anheben.

Auch der Taifun-Alarm wird die Ereignisse auf der Anlage von Fukushima heute vermutlich noch eine Zeit lang bestimmen.

Neben den Fukushima News, befassen wir uns auch mit dem Ausfall von Technik an einem weiteren AKW. Einzelheiten jetzt im Spreadnews Japan-Ticker vom 16. September 2013.

  • Fukushima-Betreiber muss Meeresbelastung nach oben korrigieren
  • TEPCO senkt Angaben zum Fluss radioaktiven Wassers ins Meer
  • Tokyo-Proteste von 8.000 Atomkraftgegnern
  • Alle Atomreaktoren in Japan vom Netz gegangen
  • Erdbeben in der Präfektur Fukushima
  • AKW Fukushima löst Taifun-Alarm aus
  • Ausfall der Datenübertragung am AKW Monju
  • Taifun Man-yi fordert Todesopfer

Fukushima-Betreiber muss Meeresbelastung nach oben korrigieren: In einem Expertenbericht vom Freitag, gab die Atomaufsichtsbehörde NRA überraschende Informationen bekannt.

Verstrahltes Meer (Originalfoto: jaybergsan cc-by)
AKW Fukushima: Cäsiumbelastung zu niedrig ausgewiesen (Originalfoto: jaybergsan cc-by)

Der Betreiber des AKW Fukushima Daiichi hat offenbar die Menge von radioaktivem Cäsium im Meerwasser nahe der Anlage bislang zu gering angegeben.

Die Diskrepanz zwischen den tatsächlichen Werten und den bisherigen Angaben des Unternehmens, war beim ersten Expertentreffen zum Thema einfließender Substanzen aufgedeckt worden. TEPCO wurde über den Fehler informiert und macht eine Fehleinschätzung zur Auswirkung von Radioaktivität in der Umwelt für die Fehlkalkulation verantwortlich.

Zwischen Juli 2011 und Mai 2013 habe es fehlerhafte Informationen gegeben.

Für diesen Zeitraum hatte TEPCO die Meerwasserbelastung mit Cäsium-137 etwa drei Kilometer südlich eines Abflusses des AKW regelmäßig mit Werten zwischen einem und zehn Becquerel pro Liter angegeben. Wie jetzt deutlich wurde, liegen die bisherigen Schätzungen mehrere Becquerel unter den tatsächlichen Werten.

Vertreter des Unternehmens erklärten, der Fehler sei korrigiert worden, da Werte ab Juni 2013. nach einer neuen Methode berechnet werden. Dennoch sprachen Experten auf dem Treffen vergangener Woche von einem ganz grundlegenden Fehler und forderten, diese Angelegenheit dürfe nicht mehr dem Elektrizitätserzeuger alleine anvertraut werden.

Das berichteten jiji und NHK.

TEPCO senkt Angaben zum Fluss radioaktiven Wassers ins Meer: Der Kraftwerksbetreiber TEPCO hat die Schätzungen zur Menge an radioaktivem Wasser die täglich ins Meer gelangt, nach unten korrigiert. Den neuen Angaben zufolge gelangten 100 Tonnen weniger an kontaminiertem Wasser pro Tag ins Meer, als bislang vermutet.

Schwimmende Barrieren am 6. Mai 2011. (Foto: TEPCO)
Aufnahme vom Mai 2011: Erste Barrieren gegen Kontamination von Meerwasser (Foto: TEPCO)

Basierend auf den Untersuchungen von TEPCO, war das  Industrieministerium bislang davon ausgegangen, das täglich etwa 1.000 Tonnen an Grundwasser von den nahe gelegenen Bergen unter das Gelände der Anlage fließen. Der Kraftwerksbetreiber korrigierte diese Schätzungen nun auf 800 Tonnen pro Tag.

Auch die Menge an Wasser, die radioaktives Material aufnimmt,. bevor es in das Meer gelangt, wurde nach unten korrigiert. Sie betrage statt 300 Tonnen lediglich 200 Tonnen.

Die neuen Angaben beruhen laut TEPCO auf den Daten von Grundwasserkontrollpunkten und der Beurteilung durch Wissenschaftler. Das berichtet die NHK.

Tokyo-Proteste von 8.000 Atomkraftgegnern: Einen Tag vor dem Herunterfahren von Japans derzeit einzig aktiven Atomreaktor, gingen am Samstag etwa 8.000 bis 9.000 Demonstranten auf die Straßen von Japans Hauptstadt Tokyo.

Da weiterhin Neustarts von Reaktoren möglich sind, protestierten die Bürger für eine endgültige Abschaltung und Stilllegung aller Anlagen.

Tokyo: Anti-Atomproteste um das Parlamentsgebäude am 29. Juli 2012 (Foto: Hajime Nakano cc-by)
Bislang bekanntester Protest in Tokyo: Menschen um das Parlamentsgebäude am 29. Juli 2012 (Foto: Hajime Nakano cc-by)

Zu den Organisatoren der Proteste, die unter anderem im Bezirk Koto stattfanden, gehörte auch Literaturnobelpreisträger Kenzaburo Oe.

Dieser erklärte in einer Rede, auch wenn jeder über die kommenden Olympischen Spiele spreche, so werde man weiter darüber reden, was in Fukushima geschehe.

Auch andere Redner bezogen sich auf das für 2020 anstehende Sportereignis und die Aussage von Premier Shinzo Abe, die Situation sei unter Kontrolle.

Über die Demonstration berichtete die Kyodo und die Asahi Shimbun.

Alle Atomreaktoren in Japan vom Netz gegangen: Am späten Sonntag wurde mit Reaktor 4 am AKW Oi, der Zweite, der beiden letzten aktiven Reaktoren, für Standardwartungen heruntergefahren.

Damit ist Japan zum zweiten Mal seit der Katastrophe am AKW Fukushima ohne aktive Atomreaktoren.

Bis mindestens Ende des Jahres wird es nun voraussichtlich keine Neustarts mehr geben. Sowohl die Sicherheitskontrollen nach den neuen Richtlinien, als auch die Bemühungen, das Verständnis der jeweiligen Bevölkerung zu gewinnen, werden Zeit brauchen. Hierüber berichteten praktisch alle Medien, wie etwa Kyodo und NHK.

Erdbeben in der Präfektur Fukushima: Am Sonntag erschütterte gegen 7:43 Uhr ein Erdbeben mit einer durchschnittlichen Stärke von 3,6 die Präfektur Fukushima. Das Epizentrum befand sich in Aizu und einer Tiefe von zehn Kilometern. Die Wetterbehörde gab keine Tsunamiwarnung aus.

Berichte über Verletzte oder bauliche Schäden gab es unmittelbar nach dem Erdbeben nicht.

AKW Fukushima löst Taifun-Alarm aus: Am stark beschädigten AKW Fukushima Daiichi bereitete man sich am Sonntag auf die Ankunft des Tropensturms Man-yi vor. Die Ankunft des Sturms in der Präfektur wurde für den heutigen Montag prognostiziert. Am Sonntagnachmittag brachte der Sturm in einer Ortschaft nahe der Anlage schwere Regenfälle von 41,5 Millimetern pro Stunde.

Fukushima Livecam: Taifun Man-yi über der Anlage am 16. September 2013 (Foto: TEPCO)
Fukushima Livecam: Taifun Man-yi über der Anlage am 16. September 2013 (Foto: TEPCO)

Teil der nun verschärften Sicherheitsmaßnahmen ist das Aufstocken der Zahl an Kontrollgängen, um sicherzustellen, dass kontaminiertes Wasser nicht aufgrund der schweren Regenfälle überläuft.

Insbesondere soll das Eindringen von Regenwasser in die Kellergeschosse der Turbinengebäude und unterirdischen Tunnel verhindert werden, da sich dort stark radioaktives Wasser angesammelt hat.

Zusätzlich wurden Rohre und Leitungen, die zur Wassereinspeisung in Reaktoren dienen, mit Seilen gesichert. Auch Krananlagen, die genutzt werden, um Trümmer an den Reaktorgebäuden zu transportieren, wurden von Angestellten beschwert, um ein Umkippen während des Sturms zu verhindern.

In Wasserproben, die am Sonntag hinter der Barriere um den Tank entnommen wurde, aus dem im August 300 Tonnen radioaktives Wasser ausgetreten war, wurden 170.000 Becquerel an Strontium und weiteren Substanzen pro Liter Wasser nachgewiesen.

Dieses Wasser gelangte jedoch nicht außerhalb des abgegrenzten Bereichs.

Man werde das Wasser in einen nahe gelegenen Tank abpumpen und ebenso verfahren, sollte es an anderer Stelle ähnliche Probleme geben.

Fukushima Livecam: Weitere Taifunaufnahmen vom 16. September 2013 (Foto: TEPCO)
Fukushima Livecam: Weitere Taifunaufnahmen vom 16. September 2013 (Foto: TEPCO)

Dass die gegenwärtigen Schutzmaßnahmen sinnvoll sind, zeigt ein Zwischenfall am Sonntagnachmittag, als Wasser entdeckt wurde, dass über die niedrigen Barrieren um einen anderen Lagertank nahe Reaktor 4 floss. TEPCO leitete eine Untersuchung des Wassers ein, um es auf Kontamination zu testen.

Es habe 37 Becquerel an Betastrahlern pro Liter enthalten und sich lediglich um übergelaufenes Regenwasser gehandelt.

TEPCO kündigte am Sonntag an, abhängig vom Wetter, würden die begonnenen Arbeiten bei der Demontage eines Wassertanks möglicherweise einige Zeit lang eingestellt. Am heutigen Montag folgte dann die Erklärung von TEPCO, das Unternehmen habe die Demontage und den Bau von sicheren Stahlbehältern tatsächlich unterbrochen.

Aktuell ist auch die Bekanntgabe, Regenwasser, das sich während des Taifun zwischen den niedrigen Betonbarrieren angesammelt hatte, sei gezielt ins Meer gepumpt worden. Vorangegangene Tests hatten ergeben, dass die Menge an radioaktiven Substanzen den zulässigen Grenzwert nicht überschreitet.

Das Unternehmen machte heute auch Informationen zum Wasser, das sich innerhalb der Barrieren angesammelt hatte. Die Belastungen lagen zwischen 5 und 15 Becquerel pro Liter. Der höchste nachgewiesene Wert lag bei 20 Becquerel und wurde in einer Ansammlung im Osten von Bereich C nachgewiesen.

Man habe das Wasser gezielt durch die Barrieren abgelassen und größtenteils durch Abflussgräben abgeleitet. Über die Maßnahmen des Betreibers berichteten Kyodo, jiji und NHK.

Ausfall der Datenübertragung am AKW Monju: Wie die Atomaufsichtsbehörde NRA heute mitteilte, kam es noch vor 3:00 Uhr zu einem Ausfall der Übertragung von Daten aus dem Forschungsreaktor Monju, an das Katastrophenschutzsystem der Behörde. Ob ein kausaler Zusammenhang mit dem schweren Taifun bestehe, stand zunächst nicht fest.

Atomkraftwerk-Symbol (Grafik: Hendrik Tammen cc-by)
AKW Monju: Ausfall der Standard-Datenübertragung (Grafik: Hendrik Tammen cc-by)

Bis auf Weiteres gibt es keine Aussicht darauf, dass die Verbindung schnell wiederhergestellt werden könne, da das Gebiet um die Anlage in Tsuruga (Präf. Fukui) durch Erdrutsche und umgestürzte Bäume noch nicht wieder erreichbar ist.

Allerdings bezieht die NRA alle notwendigen Daten vom Betreiber des Reaktors, der Japanischen Atomenergiebehörde JAEA.

Der Reaktor ist nicht in Betrieb und eine Stilllegung scheint wahrscheinlich, da über Jahre hinweg schlampige Sicherheitskontrollen durchgeführt, oder sogar unterlassen wurden. Über den jüngsten Zwischenfall berichtete die Kyodo.

Taifun Man-yi fordert Todesopfer: Der Sturm sorgte jedoch nicht nur um das AKW Fukushima Daiichi für erhöhte Alarmbereitschaft. Nachdem der Taifun kurz vor 8:00 Uhr in der Präfektur Aichi auf Land getroffen war, wurden sintflutartige Regenfälle, Überschwemmungen, Erdrutsche und heftige Winde von West- bis Ostjapan gemeldet.

Während die Wetterbehörde für die Präfekturen Kyoto, Fukui und Shiga einen schweren Wetteralarm erliess, kam es in letzterer zum ersten Todesopfer.

Neben der Leiche einer 71 Jahre alten Frau, die in Ritto (Präfg. Shiga) unter den Trümmern ihres Hauses geborgen wurde, starb auch eine 77 jährige Frau in Mihama (Präf. Fukui), nachdem es hinter ihrem Haus zu einem Erdrutsch gekommen war. Der 19 Jahre alten Enkel der Frau aus Ritto blieb unverletzt. Gegen Mittag wurde die Warnung für die drei Präfekturen aufgehoben.

Zwei Männer, die in den Präfekturen Aichi und Fukushima von Flüssen fortgespült worden waren, gelten offiziell noch als vermisst.

Der Taifun ist der erste Anlass, der zum Einsatz des neuen Evakuierungsalarms führt. Dieser dient dazu, Bürger zur sofortigen Flucht in sichere Bereiche aufzufordern und war erst am 30. August in Betrieb gegangen.

Für mindestens 270.000 Personen erging eine Evakuierungsaufforderung. In mehreren tausend Haushalten kam es zu Stromausfällen. Zahlreiche Sachschäden, wie geborstene Fenster und Gebäudeschäden durch Erdrutsche, wurden gemeldet.

Über den Taifun und seine Folgen berichteten unter anderem Kyodo, Asahi Shimbun, jiji und NHK.

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