Start Aktuelles Japan aktuell: Fukushima-Betreiber stoppt löcheriges ALPS-Filtersystem für drei Monate

Japan aktuell: Fukushima-Betreiber stoppt löcheriges ALPS-Filtersystem für drei Monate

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AKW Fukushima: Fund bei der Untersuchung des ALPS-Tanks vom 3. Juni 2013 (Foto: TEPCO)
AKW Fukushima: Fund bei der Untersuchung des ALPS-Tanks vom 3. Juni 2013 (Foto: TEPCO)
AKW Fukushima: Fund bei der Untersuchung des ALPS-Tanks vom 3. Juni 2013 (Foto: TEPCO)
AKW Fukushima: Fund bei der Untersuchung des ALPS-Tanks vom 3. Juni 2013 (Foto: TEPCO)

Gebäude des Ise-Schreins werden alle 20 Jahre neu errichtet und nun wurde diese Zeremonie zum 62. Mal durchgeführt.

Eine derartige Verjüngungskur dürfte sich auch TEPCO für sein AKW Fukushima aktuell herbeiwünschen, werfen doch neue Probleme die Arbeiten zeitlich zurück.

Somit gibt es vom AKW Fukushima heute praktisch keine positiven Meldungen und auch die Fukushima News aus der gleichnamigen Präfektur sind keineswegs positiv. Einzelheiten jetzt im Spreadnews Japan-Ticker vom 26. Juli 2013.

Unsere Themen zum Wochenende:

  • TEPCO wird ALPS-Filtersystem wegen Löchern temporär abstellen
  • Räumarbeiten in Fukushima-Reaktor 3
  • TEPCO gesteht schlechte Risikoeinschätzung bei radioaktivem Wasser
  • Anstieg der Kindesmisshandlungen nach Tohoku-Evakuierungen

TEPCO wird ALPS-Filtersystem wegen Löchern temporär abstellen: Kraftwerksbetreiber TEPCO will weiteren Problemen mit den Behältern an Filteranlagen entgegenwirken, indem drei Anlagen die diese Tanks nutzen, ab kommendem Monat für insgesamt 90 Tage aus dem Betrieb genommen werden, um Maßnahmen zum Korrosionsschutz durchzuführen.

AKW Fukushima: Markierte Ergebnisse der ALPS-Wassertankuntersuchung am 2. Juli 2013 (Foto: TEPCO)
AKW Fukushima: Markierung der Ergebnisse der ALPS-Wassertankuntersuchung am 2. Juli 2013 (Foto: TEPCO)

Im Juni war bei einer Kontrolle der Taukondensation an einem Behälter des ALPS-System zunächst braunes Wasser aufgefallen. Nach einer Leerung des Tanks waren mehrere kleine Löcher mit einem Durchmesser zwischen zwei bis fünf Millimetern entdeckt worden (Spreadnews berichtete am 17. Juni und 3. Juli 2013).

Da diese Perforationen offenbar auf eine chemische Reaktion zwischen einer Kombination von Hypochlorsäure und Chloridionen im kontaminierten Meerwasser und den Schweißnähten im Inneren des Behälters zurückgeführt wurde, sollen im oben genannten Zeitraum sowohl Reparaturen durchgeführt, als auch eine Gummierung im Inneren aufgetragen werden.

Diese erforderlichen Maßnahmen stellen einen schweren  Rückschlag dar, da der Betreiber gehofft hatte, das Multinuklid-Filtersystem ALPS bereits kommenden Monat in regulären Betrieb nehmen zu können.

Aufgrund seiner Fähigkeit, eine große Zahl radioaktiver Substanzen filtern zu können, hatte man unter anderem auch gehofft, mehr Zustimmung für eine Verklappung des gereinigten Wassers zu finden. Über die Entscheidung des Konzerns berichteten Asahi Shimbun und NHK.

Räumarbeiten in Fukushima-Reaktor 3: Nachdem in den vergangenen Tagen vor allem die Dampfentwicklung im fünften Stock des Gebäudes Aufmerksamkeit erregte, veröffentlichte TEPCO am heutigen Freitag  einige Videoaufnahmen aus dem Gebäude.

Fukushima-Reaktor 3: Räumarbeiten durch den ASTACO-SoRa Roboter am 25. Juli 2013 (Foto: TEPCO)
Fukushima-Reaktor 3: Räumarbeiten durch den ASTACO-SoRa Roboter am 25. Juli 2013 (Foto: TEPCO)

Das Material zeigt, wie durch den Einsatz von ferngesteuertem schweren Gerät, Trümmer aus dem ersten Stockwerk von Fukushima-Reaktor 3 geräumt werden.

Der Einsatz menschlicher Arbeiter ist aufgrund der hohen Radioaktivität in vielen Bereichen der Kraftwerksanlage nicht möglich.

Das ASTACO-SoRa genannte Gerät ist sowohl mit einer Frontschaufel zur großflächigen Räumung vor dem Fahrzeug, als auch mit einem Greifarm ausgestattet, der es ermöglicht, Trümmerteile gezielt anzuheben. Durch den Umstand, dass es sich um ein Kettenfahrzeug handelt, wird das Risiko sich an einem Hindernis zu verkannten, niedrig gehalten

Weitere Angaben, etwa zur Einsatzdauer, machte der Kraftwerksbetreiber zunächst nicht.

TEPCO gesteht schlechte Risikoeinschätzung bei radioaktivem Wasser: In seiner ersten Vierteljahresschrift, die das Unternehmen heute veröffentlicht, wird man das nachlässige Risiko-Management im Bezug auf die radioaktiven Abwässer an der Anlage eingestehen. Dies berichtete die NHK bereits vorab.

TEPCO-Zentrale in Tokyo (Foto: Yusuke Kawasaki cc-by)
TEPCO-Führung räumt schlechte Risikoeinschätzung ein (Foto: Yusuke Kawasaki cc-by)

Grundlage des Dokuments ist die Erkenntnis, dass das Verständnis von Sicherheit, wie es von TEPCO gepflegt wird, sich wesentlich von der Vorstellung unterscheidet, die in der allgemeinen Bevölkerung vorherrscht.

In dem Bericht wird deutlich werden, dass insbesondere die 20.000 Tonnen an radioaktivem Wasser, die sich in einem Versorgungstunnel der Anlage angesammelt haben, darauf zurückzuführen sind, dass man es verabsäumt habe, rechtzeitig über gezielte Maßnahmen zur Handhabung dieser Wassermassen nachzudenken.

Japans Atomaufsichtsbehörde hatte die Möglichkeit, dass der Versorgungstunnel, der zwischen einem Turbinengebäude und dem Meer verläuft, für die radioaktive Kontamination des Meeres verantwortlich sein könnte, da das Meerwasser möglicherweise durch den Kies am Boden des Tunnels gedrungen war, bereits am Mittwoch geäußert.

Der Elektrizitätskonzern räumt in dem Bericht auch ein, nicht ausreichend Bereitschaft zur freiwilligen Veröffentlichung der hohen radioaktiven Grundwasserbelastung gezeigt, sondern die Zusammenstellung von Berichten und Daten abgewartet zu haben. Als Ergebnis der Ereignisse kommt das Dokument zu dem Schluss, TEPCO müsse seine Reformen deutlicher vorantreiben und auch die Kontrollen durch Dritte deutlich verstärken.

Anstieg der Kindesmisshandlungen nach Tohoku-Evakuierungen: Etwa ein Jahr nach den Tohoku-Naturkatastrophen und dem Beginn der Fukushima-Krise im März 2011, stieg die Zahl der Fälle von Kindesmisshandlungen insbesondere in den drei Präfekturen, die am stärksten von den Katastrophen betroffen waren, deutlich an.

Eingang eines Übergangshauses (Copyright: Andreas Teichert/DTRG e.V.)
Eingang eines Übergangshauses (Copyright: Andreas Teichert/DTRG e.V.)

Nach Angaben der Präfekturleitung Fukushima stieg die Zahl der Fälle, in denen Maßnahmen wie Beratung, oder Sorgerechtsentzug durchgeführt wurden, von 224 Fällen im Fiskaljahr 2010 in den kommenden beiden Jahren zunächst auf 259 und schließlich zu 311 Fällen an.

Die Kinderberatungsstelle in Natori (Präf. Miyagi), die für die Küstenregion zuständig ist, berichtet einen Anstieg der Fälle von Kindesmisshandlung zwischen 2010 und 2012 von 339 Fällen im Fiskaljahr 2010 auf 374 im Fiskaljahr 2012. Vor der Katastrophe seien derartige Fälle dort seltener gewesen. Dieser Anstieg von zehn Prozent spiegelt auch die landesweiten Zahlen wieder.

Im Fiskaljahr 2012 wurden in ganz Japan 66.807 Fälle von Kindesmisshandlung gemeldet – das sind 6.888 Fälle mehr, als im Jahr 2011. Als Gegenmaßnahme steigt insbesondere in den Katastrophenpräfekturen der Einsatz von Unterstützungsgruppen für Familien, die von Evakuierungen betroffen sind.

Als Ursache für die Zahl gestiegener Meldungen, werden zum einen ein tatsächlicher Anstieg der Taten genannt, die vor allem auf psychische Belastungen nach der Evakuierung zurückgeführt werden.

Familienmitglieder, die sich zuvor gegenseitig bei der Kinderbetreuung halfen, wohnen nun getrennt und die dünnen Wände der Übergangshäuser machen ein Zusammenleben mit Nachbarn schwierig.

Zum anderen ist der Anstieg der Zahlen aber auch auf den Umstand zurückzuführen, dass aufgrund der räumlichen Enge, eine bereits bestehende Dunkelziffer, die bislang nicht bekannt geworden war, nun ans Licht kommt. Über diese Entwicklungen berichtete die Asahi Shimbun.

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