Start Aktuelles Japan aktuell: Fukushima-Betreiber überging bei Taifun neue Sicherheitsregeln

Japan aktuell: Fukushima-Betreiber überging bei Taifun neue Sicherheitsregeln

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Regenfälle während des Taifuns Wipha am 16. Oktober 2013 (Foto: TEPCO)
Regenfälle während des Taifuns Wipha am 16. Oktober 2013 (Foto: TEPCO)
Regenfälle während des Taifuns Wipha am 16. Oktober 2013 (Foto: TEPCO)
Regenfälle während des Taifuns Wipha am 16. Oktober 2013 (Foto: TEPCO)

Ein erst gestern gemeldeter Strahlungsrekord eines Abwassergrabens wurde am AKW Fukushima heute bereits wieder übertroffen.

Auch an einem Grundwassermessposten werden vom Betreiber der Anlage in Fukushima aktuell neue Rekordwerte berichtet.

Die Überschreitung von Sicherheitsrichtlinien fügt sich somit in eine Reihe von anderen Problemen ein. Weitere Fukushima News jetzt im Spreadnews Japan-Ticker vom 18. Oktober 2013.

Unsere Themen zum Wochenende:

  • TEPCO ignorierte bei Taifun neue Sicherheitsregeln
  • Neue Strahlungsrekorde an Grundwassermessposten
  • Neuer Strahlungsrekord an weiterem Abwassergraben
  • Ölleck an schwerem Gerät am AKW Fukushima
  • Weitere Fukushima-Fischer beginnen Testfang
  • Forschungsschiff für Tohoku-Katastrophenfolgen vorgestellt
  • China verärgert über Yasukuni-Besuch von Minister

TEPCO ignorierte bei Taifun neue Sicherheitsregeln: Kraftwerksbetreiber TEPCO hatte bereits eingeräumt, aufgrund der besonderen Umstände durch den Taifun Wipha die Vorschriften zur Entsorgung von radioaktivem Wasser verletzt zu haben (Spreadnews berichtete am 16. Oktober 2013). Nun gibt es Einzelheiten.

AKW Fukushima: Ableiten von Wasser währen des Taifuns Wipha am 16. Oktober 2013 (Aufnahme: TEPCO)
AKW Fukushima: Ableiten von Wasser währen des Taifuns Wipha am 16. Oktober 2013 (Aufnahme: TEPCO)

Aufgrund der schweren Regenfälle hatte der Elektrizitätskonzern die erst zuvor eingeführte Sicherheitsregel übergangen, der zufolge auch Regenwasser, dass sich hinter den Betonbarrieren um die Lagertanks ansammelt, erst in einen separaten Behälter zu pumpen und auf Strahlungsbelastung zu prüfen, bevor es in die Umwelt entlassen wird.

TEPCO verzichtete jedoch nicht gänzlich auf Kontrollen, sondern führte die Messungen an Wasserproben von verschiedenen Stellen durch, die miteinander gemischt wurden. In Fällen, in denen der Grenzwert zur sicheren Verklappung in die Umwelt überschritten wurde, habe man das Wasser aus Zeitgründen provisorisch unter anderem in unterirdische Lagertanks gepumpt.

Dagegen sei Regenwasser, das innerhalb der vorgeschriebenen Werte lag, in die Umwelt abgelassen worden, so dass es im Boden versickern konnte.

Die reguläre Nutzung der unterirdischen Lagertanks war nach dem Auftreten von Lecks im April 2013 eingestellt worden. Bei dem jetzt zweckentfremdeten Tank hätten damalige Sicherheitskontrollen keine undichten Stellen nachweisen können.

Insgesamt wurden 1.400 Tonnen an kontaminiertem Regenwasser in Behältern gesichert. Um den Anstieg dieser Zahlen durch weitere Regengüsse zu verhindern, will TEPCO nach Angaben der Asahi Shimbun bis Ende des Jahres höhere Betonbarrieren von 60 bis 130 Zentimeter Höhe, als Ergänzung zu den bislang 30 Zentimeter hohen Begrenzungen errichten.

Noch wichtiger ist jedoch die geplante Einführung eines neuen Rinnensystems, das eine Ansammlung von Regenwasser hinter den Barrieren um die Lagertanks künftig verhindern soll.

Neue Strahlungsrekorde an Grundwassermessposten: Gestern meldete TEPCO, in einem Abwassergraben. der sich 150 Meter vom Meer entfernt befindet, habe man Betastrahler wie Strontium in Höhe von 1.400 Becquerel pro Liter nachgewiesen.  Heute wurde dieser Wert an einem Kontrollposten übertroffen.

AKW Fukushima: Grundwasser-Kontrollpunkt 1-1 vom 16. Juli 2013 (Foto: TEPCO)
AKW Fukushima: Grundwasser-Kontrollpunkt 1-1 vom 16. Juli 2013 (Foto: TEPCO)

Den Angaben des Unternehmens zufolge wurden dort 400.000 Becquerel an Betastrahlern entdeckt. Die Probe war am gestrigen Donnerstag entdeckt worden und weist somit eine um das 6500-fach höhere Strahlung auf, als am Mittwochmorgen gemessen wurde.

Nachdem am Kontrollpunkt bislang nur hohe Tritiumwerte gemessen worden war, vermutet TEPCO nun, dass aus Lecks stammendes kontaminiertes Wasser den Messposten erreicht haben könnte. Die Stelle befindet sich etwa zehn Meter nördlich des Tanks, an dem im August ein Leck aufgetreten und mit 200 Millionen Becquerel belastetes Wasser ausgelaufen war.

Man untersuche die genauen Umstände, ein weiteres Leck am Tank wurde laut  Meldung der Asahi Shimbun jedoch nicht entdeckt.

Neuer Strahlungsrekord an weiterem Abwassergraben: In einem anderen Bereich des Abwassergrabens wurden deutlich mehr als die gestern gemeldeten 1.400 Becquerel pro Liter nachgewiesen. Die gestern dort entnommenen Proben wiesen Werte zwischen 28.000 und 34.000 Becquerel pro Liter an Betastrahlern auf. Damit liegt der Wert zehnmal höher als am Tag zuvor.

Als Erklärung für die deutlichen Strahlungsanstiege der letzten Tage führt TEPCO an, das durch den Taifunregen herausgelöstes radioaktives Material in den Abwassergraben gelangt sei. Da sich der Fundort 700 Meter vom Meer entfernt befindet, ist es nach Betreiberangaben plausibel, dass das Wasser durch die Sandsäcke angestaut wurde und sich dort auch das Material konzentrieren konnte.

Über den aktuellen Fund berichtete die Asahi Shimbun.

Ölleck an schwerem Gerät am AKW Fukushima: Gegen 8:94 Uhr entdeckte der Angestellte eines Partnerunternehmens bei einem Test vor Inbetriebnahme, dass Öl aus einem 50 Tonnen schweren Kran austrat, der sich auf dem Fahrzeuggelände auf der Südseite eines Hügels befand.  austrat. Gegen 9:15 Uhr wurde die Feuerwehr Tomioka informiert. TEPCO kündigte an, nach einer Untersuchung weitere Informationen zu liefern.

Später korrigierte und ergänzte der Betreiber seine Angaben:

Demnach fuhr ein Arbeiter den Kran zunächst vom Gelände und zur Einssatzstelle vor der Sporthalle und entdeckte dort Öltropfen. Nach der Rückkehr auf das Fahrzeuggelände wurde festgestellt, dass es sich um Leichtöl aus dem Kraftstofffilter handelte. Um 10:40 Uhr wurde ein Stopp des Ölaustritts bestätigt.

Auf dem Boden des Fahrzeugbereichs wurde eine 50 x 50 Zentimeter große Ölspur festgestellt. Deren Beseitigung durch Adsorptionsmatten wurde die gegen 9:40 Uhr abgeschlossen. Weiteres Öl fand sich auf einer Fläche von 2 x 2 Metern vor der Sporthalle. Die dortige Ölentsorgung war um 10:20 Uhr abgeschlossen.

Abschließend, so kündigte TEPCO an, werde man nun ein Neutralisierungsmittel auf der Straße aussprühen, die der Kran gefahren war.

 Weitere Fukushima-Fischer beginnen Testfang: Nachdem die Soma-Futaba-Fischereikooperative bereits im Juni 2012 mit dem Testfang begonnen, ihn jedoch aufgrund eines schweren Lecks am AKW Fukushima bis Ende September verschoben hatte, hat heute auch eine zweite Gruppe von Fischern der Präfektur Fukushima ihren Fang nach Hause gebracht.

Fischersfrauen am 15. März 2011 an der Tohoku-Küste (Copyright: Andreas Teichert/DTRG e.V.)
Fischersfrauen am 15. März 2011 an der Tohoku-Küste (Copyright: Andreas Teichert/DTRG e.V.)

Auch wenn die Fischer aus Iwaki nur acht Sorten von Fischen fangen dürfen, so ist dies für viele von ihnen ein Zeichen der Hoffnung. Ein für den 5. September geplanter Neubeginn war aufgrund des AKW-Lecks und ein weiterer Anlauf, trotz einer Erlaubnis vom 24. September, aufgrund schlechten Wetters verschoben worden.

Nun soll zunächst für die Dauer einer Woche außerhalb der Küstengewässer und in einer Tiefe von mehr als 150 Metern gefischt werden. Sollten die Strahlungskontrollen erfolgreich verlaufen, würde der Fang frühestens Samstag in den örtlichen Handel gehen. Abhängig von der Reaktion der Kunden werde man dann auch versuchen, wieder stärker in Küstennähe zu fischen.

Das berichteten Kyodo und NHK.

Forschungsschiff für Tohoku-Katastrophenfolgen vorgestellt: Mit der „Shinsei Maru„, die den Medien am heutigen Freitag in Tokyo präsentiert wurde, wollen japanische Wissenschaftler künftig die ökologischen Veränderungen durch das Tohoku-Erdbeben und den damit verbundenen Tsunami vom März 2011 untersuchen.

Mit einem Untersuchungsroboter, einer hochauflösenden Kamera und Ultraschallgeräten sollen Daten erfasst werden, mit denen die Auswirkungen der Naturkatastrophen auf Topographie und Bewohner des Meeresbodens, sowie sonstiger Populationen in Küstennähe besser nachvollzogen werden können. Das Schiff kostete laut NHK insgesamt 110 Millionen US-Dollar.

China verärgert über Yasukuni-Besuch von Minister: Die Volksrepublik China reagierte verhältnismäßig gelassen auf die symbolische Opfergabe, die Japans Premierminister Shinzo Abe dem Yasukuni-Schrein anlässlich des jährlichen Herbstfestes überbringen ließ, ohne den umstrittenen Schrein selbst zu besuchen.

Der Yasukuni-Schrein in Tokyo
Der Yasukuni Jinja in Tokyo: Gedenkort für die Kriegstoten (Foto: Miki Yoshihito cc-by)

Der Besuch von Yoshitaka Shindo, Minister für allgemeine Angelegenheiten, und 157 Kabinettsmitglieder sorgte dagegen für Unmut beim asiatischen Nachbarn und Peking fühlte sich genötigt, den japanischen Botschafter einzubestellen, um offiziellen Protest einzulegen.

Auch wenn führende Politiker immer wieder betonen, lediglich als Privatpersonen und nicht als Regierungsvertreter das Heiligtum zu besuchen, reagieren die Nachbarstaaten gereizt. In dem Schrein werden die Kriegstoten in vergöttlichter Form (Kami) verehrt – darunter auch Personen, die von den amerikanischen Besatzern nach dem Zweiten Weltkrieg als Kriegsverbrecher hingerichtet worden waren.

Über den Schreinbesuch und die Reaktionen berichteten unter anderem auch die Kyodo, jiji und Asahi Shimbun.

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