Start Aktuelles Japan aktuell: Fukushima-Betreiber wirft Regierung Behinderung von Medienberichten vor

Japan aktuell: Fukushima-Betreiber wirft Regierung Behinderung von Medienberichten vor

872
0
TEILEN
Gebäude des Kabinettsbüros
Regierung soll TEPCO-Krisenmanagment behinder haben (Foto: っ cc-by)
Gebäude des Kabinettsbüros
Regierung soll TEPCO-Krisenmanagment behindert haben (Foto: っ cc-by)

Die Einwohner des Großraums Tokyo leben in der Gewissheit, dass sich in nicht allzu ferner Zukunft  „The Big One“ – das große Erdbeben – ereignen wird, das für Japans Hauptstadt und angrenzende Gebiete prognostiziert ist.

Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen nun, wo es zumindest theoretisch sicherer ist, als in anderen Teilen des Großraums.

Groß und umfassend sind aber auch die Vorwürfe die TEPCO erhebt und im Bezug auf die Krise von Fukushima aktuell indirekt eine Zensur durch die Regierung unterstellt. Neuigkeiten und weitere Fukushima-News jetzt im Spreadnews Japan-Ticker vom 12. Juni 2012.

Unsere heutigen Themen:

  • TEPCO wirft Regierung Behinderung der Medienberichte vor
  • Riesenbeben in Tokyo könnte mittelgroße Gebäude zum Einsturz bringen
  • Präfektur Miyagi führt erstmals wieder Katastrophenübung durch
  • Osaka-Mörder wollte noch mehr Menschen töten

TEPCO wirft Regierung  Behinderung der Medienberichte vor: Der Zwischenbericht von TEPCOs eigenem Untersuchungsausschuss zur Fukushima-Krise legt nahe, dass das Unternehmen nicht in der Lage gewesen sei, sofort brauchbare Informationen an die Öffentlichkeit weiterzuleiten, da die Regierung angeblich die Öffentlichkeitsarbeit des Betreibers „eingeschränkt“ habe. Das meldet die Nachrichtenagentur Kyodo am heutigen Dienstag unter Berufung auf mit der Angelegenheit vertraute Quellen.

Nach Angaben dieser Quellen wird sich in dem Entwurf auch eine Formulierung finden lassen, in der erklärt wird, da man für eine Veröffentlichung von Öffentlichkeitsmaterial die Genehmigung des Premierministerbüros und der Atomsicherheitsbehörde NISA benötige, seien sowohl der Zeitpunkt der Bekanntgabe verzögert, als auch dessen Inhalt beschränkt worden.

Mit der Behauptung, die Regierung habe die Öffentlichkeitsarbeit des Konzerns eingeschränkt, nachdem sich am 12. März 2011 die Wasserstoffexplosion an Fukushima-Reaktor 1 ereignet habe, versucht TEPCO offenbar sich gegen die Kritik zu wehren, man habe zu langsam gehandelt und nicht ausreichend Informationen geliefert.

Tatsächlich räumt TEPCO in dem Bericht ein, dass man bereitwillig Kritik gegen die mangelhaften Antworten während der Pressekonferenz der damaligen Führung akzeptiere. Das Unternehmen habe jedoch in keinem Fall die Absicht gehabt, Informationen zurückzuhalten oder diese zu verfälschen.

Als Beispiel für die Einflussnahme der Regierung wird die Ausstrahlung einer Szene genannt,  in der Vertreter von TEPCO der Präfekturverwaltung Fukushima ein Foto des Reaktorgebäudes gezeigt hatten und in Folge der damalige Chefkabinettssekretär Yukio Edano eine Entschuldigung des TEPCO-Präsidenten forderte, da die Veröffentlichung dem Büro des Premierministers nicht bekannt gemacht worden war.

Aufgrund dieser Warnung erliess Masataka Shimizu, zu diesem Zeitpunkt Präsident des Konzerns die Anordnung, in keinem Fall irgendwelche Informationen preiszugeben, solange es keine Erlaubnis des Premierministerbüros gebe. Auch eine Bekanntgabe über den steigenden Druck im Sicherheitsbehälter von Reaktor 3 am 14. März 2011 sei verzögert worden, da man zunächst keine Erlaubnis der NISA erhalten habe. Später hätten die Behörde und das Unternehmen versucht, ihre Ankündigungen besser aufeinander abzustimmen. Dennoch wären diese häufig durch die Notwendigkeit einer Erlaubnis verzögert gewesen.

Riesenbeben in Tokyo könnte mittelgroße Gebäude zum Einsturz bringen: Eine Forschungsgruppe aus Wissenschaftlern und Bauunternehmern kommt zu dem Schluss, dass bei einem schweren Erdbeben der Stärke 7,3 bestimmte Standortbedingungen auch Gebäude mittlerer Größe von 10 bis 15 Stockwerken zum Einsturz bringen könnten.

Feuer in Tokyo (Odaiba) nach dem Tohoku-Erdbeben 2011 (Foto: Hikosaemon cc-by)
Feuer in Tokyo (Odaiba) nach dem Tohoku-Erdbeben 2011 (Foto: Hikosaemon cc-by)

Bei den Erdbebensimulationen waren Gebiete mit festem Untergrund – die beiden Tokyoter Stadtteile Shinjuku und Kasumigaseki – mit drei Gebieten auf vergleichsweisem weichen Untergrund – die Städte  Chiba, Urayasu und Yokohama  – verglichen worden.

Unter Berücksichtigung der überarbeiteten Fassung von Daten des Bildungsministeriums zur Intensitätsverteilung bei schweren Erdbeben, und der Berücksichtigung unterschiedlicher Bodenverhältnisse kam die Forschungsgruppe zu dem Schluss, dass kleinere und mittlere Stahlbetongebäude in Yokohama und Urayasa schwere Erschütterungen mit einer Schwingungsfrequenz von ein bis zwei Sekunden hinnehmen müssten.

Diese Art der Bewegung könnte zu Verformungen in der tragenden Struktur, dem Zusammenbruch von Innen- und Außenwänden, sowie von Decken und Schäden an Türen und Fenstern führen. Ein Mitglied der Teams wies darauf hin, dass es im Bereich von Tokyo mehrere Gebiete mit weichem Untergrund gibt und dass es für Bewohner dieser Gebiete wichtig sei, dass die Gebäudestrukturen dort einer Überprüfung auf Erdbebensicherheit unterzogen werden. Das berichtet die Yomiuri Shimbun.

Präfektur Miyagi führt erstmals wieder Katastrophenübung durch: Erstmals seit den heftigen Schäden durch das Tohoku-Erdbeben und den damit verbundenen Tsunami, führte die Präfekturverwaltung Miyagi am heutigen Dienstag wieder eine Katastrophenübung durch. Dabei war die Verbesserung der Kommunikation von besonderer Bedeutung, hatte es doch bei der schnellen Übertragung von Katastropheninformationen  an örtliche Gemeinden Mängel gegeben.

Das Szenario der Übung orientierte sich daher auch an der Situation des Unglücks und beinhaltete die Übertragung von Berichten über die hypothetischen Schäden von 18 Stellen aus, per Satellitentelefon. Neben den Präfekturleitungen der Tohoku-Region beteiligten sich auch Bodeneinheiten der Selbstverteidigungsstreitkräfte an der Übung. Erstmals waren auch die Ärztekammer und
die Vereinigung der Logistikbetriebe an der Maßnahme beteiligt.

Seit einem schweren Erdbeben vor der Küste von Miyagi im Jahr 1978 werden jährlich am 12. Juni Katastrophenübungen durchgeführt, doch im vergangenen Jahr hatte das Tohoku-Erdbeben zum Ausfall der Übung geführt. Das berichtet die Nachrichtenagentur jiji.

Bildungsministerium bedauert Grenzwert-Hickhack für Schulkinder: In einem Berichtsentwurf in dem das Bildungsministerium seine Maßnahmen auf die Fukushima-Krise darlegt, findet sich auch eine Entscheidung vom April, den Grenzwert für Schulaktivitäten im Freien auf 20 Millisievert pro Jahr festzulegen. Für eben jene Entscheidung hat sich das Ministerium nun entschuldigt.

MEXT: Kultus- und Wissenschaftsministerium (Foto: っ cc-by)
MEXT: Bildungsministerium entschuldigt sich für Grenzwerte (Foto: っ cc-by)

Wie das Ministerium mitteilte, sei man mit dem Wert damals den Empfehlungen der internationalen Strahlenschutzkommission (ICRP) gefolgt. Diese sehen für den Zeitraum nach einer derartigen Katastrophe eine Begrenzung der Belastung von Menschen zwischen einem und 20 Millisievert pro Jahr vor.

Nachdem es in der Folgephase der Fukushima-Krise  zu Protesten von Eltern gegen diesen hohen Grenzwert bei Schulkindern gekommen war, hatte das Ministerium den zulässigen Maximalwert für die Belastung durch den Aufenthalt unter freiem Himmel für Schulkinder auf ein Millisievert pro Jahr gesenkt. Auch japanische Atomexperten hatten den ersten Grenzwert als zu hoch angesehen.

In dem Berichtsentwurf heisst es, dass der zuerst gesetzte Wert den Eltern den falschen Eindruck vermittelt habe, Die Belastung werde geduldet und die Behörde zudem nicht ernsthaft auf ihre Besorgnis eingegangen sei. Unklar bleibt in dem bisherigen Berichtsentwurf sowohl, ob das Ministerium die Meinung von Atomexperten eingeholt hat, als auch die Frage, warum nicht von Beginn an der niedrigste Wert als Limit gesetzt worden war. Das berichtet die NHK.

Die ICRP sieht einen Wert von einem Millisievert pro Jahr als den Maßstab für Belastung unter normalen Bedingungen an.

Osaka-Mörder wollte noch mehr Menschen töten: Kyozo Isohi (36) tötete in Osaka zwei Menschen und erklärte gegenüber der Polizei, er habe dies getan, weil er die Todesstrafe erhalten wolle (Spreadnews berichtete). Nun legen die Schilderung von Artikeln der Mainichi Shimbun und der Yomiuri Shimbun nahe, dass er offenbar noch mehr Menschen töten wollte. Auch weitere Informationen zu der Vorgeschichte der Tat wurden nun bekannt.

Kaufhaus Daimaru in Osaka (Shinsaibashi) (Foto: Bakkai cc-by)
Kaufhaus Daimaru: Hier kaufte der Täter das Messer (Foto: Bakkai cc-by)

Isohi war am 24. Mai aus dem Gefängnis in Niigata entlassen worden, nachdem er in der Vergangenheit bereits mehrfach wegen verstößen gegen das Betäubungsmittelgesetz festgenommen worden war.

Er habe dann einige Tage in einer Einrichtung für Drogenabhängige in der Präfektur Tochigi verbracht, bevor er von Hotel zu Hotel zog. Am 8. Juni, zwei Tage vor dem Angriff, besuchte er Verwandte in der Präfektur und bat um Geld. Von ihnen habe er 30.000 Yen erhalten. Am nächsten Tag besuchte er einen Bekannten und fragte ihn nach Arbeit, sei jedoch abgewiesen worden, erklärte er gegenüber den Ermittlern.

Am Tag seiner Tat kaufte er sich in der örtlichen Zweigstelle der Kaufhauskette Odaiba um 12:44 Uhr das Küchenmesser, das zur Tatwaffe werden sollte. Der genaue Zeitpunkt des Kaufs gehe aus einem Kaufbeleg hervor. Anschließend sei er vom Kaufhaus aus mit der Waffe in den Hand unmittelbar in die belebte Einkaufsstraße von Higashishinsaibashi, das zum Stadtbezirk Chuo gehört gegangen, und habe dort seine Opfer attackiert.

Nach seinem ersten Angriff  auf den Musikproduzenten Shingo Minamino (42) gegen 13:00 Uhr und die Lokalbesitzerin Toshi Sasaki (66), habe er sich umgedreht und sei dann auch andere Passanten hinterhergelaufen, offenbar in dem Versuch sie ebenfalls anzugreifen, werden entsprechende Quellen zitiert.  Doch unmittelbar bevor er Sasaki endgültig tötete, rief jemand „Ein Messerstecher! Laufen Sie weg!“ Das daraufhin die Fußgänger schnell flohen, gab er es auf, ihnen hinterher zu rennen.

Die Yomiuri Shimbun berichtet, der Täter habe die Waffe eine Stunde vor dem Angriff gekauft und schildert Zeugenaussagen. Ein Mann habe mehrmals Hilferufe gehört, bevor er die Szenerie des ersten Angriffs sah. Mehrere Käufer auf der Straße hätten geschrien. Als Isohi dann seinen Kopf gehoben und in seine Richtung geblickt habe, als sei er auf der Suche nach einem weiteren Opfer, sei er selbst in östliche Richtung davongerannt berichtet der Zeuge.

Als ihm Frau Sasaki auf dem Fahrrad entgegenkam habe er sie mit dem Zuruf „Nein! Dort ist eine Killer! Laufen sie weg!“ gewarnt. Diese war jedoch offenbar zunächst zu verblüfft um zu handeln, so dass der Täter sie beim späteren Versuch das Fahrrad zu wenden, von hinten attackieren konnte.

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here