Start Aktuelles Japan aktuell: Fukushima-Fisch weist extrem hohe radioaktive Belastung auf

Japan aktuell: Fukushima-Fisch weist extrem hohe radioaktive Belastung auf

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Radioaktiv belasteter Fukushima-Fisch (Grünling) vom 1. August 2012 (Foto; TEPCO)
Radioaktiv belasteter Fukushima-Fisch (Grünling) vom 1. August 2012 (Foto; TEPCO)
Radioaktiv belasteter Fukushima-Fisch (Grünling) vom 1. August 2012 (Foto; TEPCO)
Fukushima-Fisch: Grünlinge erneut stark radioaktiv belastet (Foto vom 1. August, TEPCO)

Ist die radioaktive Belastung von Fisch vor der Küste von Fukushima heute auch unser Titelthema, so sind auch weitere Neuigkeiten zum Thema Atomenergie veröffentlicht worden.

Sonstige Fukushima News, wie etwa ein Beispiel: welche Auswirkungen die Katastrophe am AKW Fukushima aktuell auf die Umwelt hat, stellen wir heute ebenfalls vor.

Einzelheiten und weitere Neuigkeiten jetzt wie üblich im Spreadnews Japan-Ticker vom 20. September 2012

. Unsere heutigen Themen:

  • Extrem hohe Belastung mit radioaktivem Cäsium in Fukushima-Fisch
  • Keine AKW-Neustarts ohne Neuregelung
  • Fertigstellung der Wiederaufarbeitungsanlage Rokkasho verschoben
  • Japaner verklagt Google wegen Vergewaltigungs-Suchergebnissen
  • Über 60 Prozent der Japaner haben Probleme mit Schreiben von Kanji-Schriftzeichen
  • Aktuelle Entwicklungen um Senkaku-Inseln
    • Weiterhin 10 chinesische Schiffe nahe Senkaku-Inseln
    • China bedauert Angriff auf Fahrzeug von US-Botschafter
    • Premierminister Noda erwägt Gesandten für China
    • Pekinger Verwaltung fordert Ende der Proteste in der Stadt
    • Chinesen hinterfragen Proteste
    • Chinas Vize-Minister wirft Japan Provokation vor

Extrem hohe Belastung mit radioaktivem Cäsium in Fukushima-Fisch:  Wie TEPCO in einem Bericht vom gestrigen Mittwoch offenlegte, wurde in neun Fischarten, die zwischen dem 20. August und 5. September in einem Umkreis von 20 Kilometern um das AKW Fukushima Daiichi gefangen worden waren, extrem hohe Werte an radioaktivem Cäsium nachgewiesen.

Der gesetzliche Grenzwert von 100 Becquerel pro Kilogramm für Lebensmittel wurde in alle Fällen deutlich überschritten. So wiesen etwa Grünlinge, die am 5. September einen Kilometer vor der Küste von Minamisoma gefangen worden waren, bis zu 1.350 Becquerel pro Kilogramm auf. Auch bei weiteren Fischarten gab es Überschreitungen des Grenzwerts.

Nach Angaben von TEPCO wurden in Rochen, sowie einer weiteren Fischart, Belastungen von 390 und 540 Becquerel pro Kilogramm auf. Da die Fischerei in dem Gebiet jedoch bis auf Testfänge einzelner Meerestiere freiwillig eingeschränkt wurde, bestehe kein Risiko, dass die Fische in den Handel gelangen könnten, heisst es von der Präfekturverwaltung.

Den höchsten bislang gemessenen Wert bei Fischen aus diesem Gebiet war bereits zuvor am 1. August  bei Grünlingen, die aus 15 Kilometern Tiefe stammten, nachgewiesen worden. Damals hatte man eine Belastung von 25.800 Becquerel pro Kilogramm nachweisen können.

Keine AKW-Neustarts ohne Neuregelung: Shunichi Tanaka, Vorsitzender der neuen Atomaufsicht NRA erklärte nach Amtsantritt gestern auf einer Pressekonferenz, es werde keine weiteren Reaktor-Neustarts geben, solange die neuen Bestimmungen und Sicherheitsstandards nicht ausformuliert und festgelegt sind.

Da mit einem Abschluss frühestens im Frühling kommenden Jahres gerechnet werden kann, würde dies bedeuten, dass innerhalb des Fiskaljahres 2012 kein einziger der 48 derzeit heruntergefahrenen Reaktoren wieder ans Netz geht. abgeschlossen. Vorher könne kein grünes Licht gegeben werden, erklärte Tanaka.

Er kritisierte den Neustart von zwei Reaktoren am AKW Oi. In diesem Fall hätten politische Entscheidungen den Neustart veranlasst und der Sicherheitsgedanke sei vernachlässigt worden

Zu weiteren Fragen äußerte sich Tanaka vorsichtig. Sowohl die generelle Möglichkeit einer Laufzeitverlängerung über den gerade erst anvisierten Grenzwert von 40 Jahren hinaus, als auch die Frage, ob die Reaktoren 1 und 2 am AKW Mihama und Reaktor 1 am AKW Tsuruga, welche über 40 Jahre alt sind, abgeschaltet werden, wollte Tanaka nicht rundheraus beantworten.

Eine Laufzeitverlängerung um 20 Jahre wäre laut Tanaka außerordentlich schwierig und im Bezug auf die überalteten Kernkraftwerke könne er noch keine Angaben machen. Gegenwärtig ist vor allem die Entscheidung, ob die bereits im Bau befindlichen Reaktoren den neuen Sicherheitsstandards entsprechen, oder sie möglicherweise ebenso wie andere, abgeschaltet werden müssen.

Fertigstellung der Wiederaufarbeitungsanlage Rokkasho verschoben: Der Betreiber der Anlage im Dorf Rokkasho (Präf. Aomori), die Japan Nuclear Fuel Ltd. hat sich nach Angaben seines Präsidenten Yoshihiko Kawai zu einer Verschiebung der Fertigstellung bis zum Oktober 2013 entschieden. Es handelt sich bereits um die 19. Verzögerung.

Kawai habe dies in einem Gespräch mit Ikuo Sasaki, Vizegouverneur der Präfektur erläutert und werde der Regierung in Tokyo in Kürze einen Bericht zukommen lassen. Nach Angaben der jiji erklärte Kawai in einer Pressekonferenz, die Kosten des mehrfach verzögerten Gesamtprojekts würden auf etwa 110 Milliarden Yen steigen.

Gefährdete Blumenart wächst in Präfektur Fukushima: Neben dem „Baum der Hoffnung“, der zum Symbol des Wiederaufbaus wurde, gibt es offenbar auch kleinere Botschafter der Natur, die das Überleben nach den Katastrophen vom März 2011 verdeutlichen.

"Mizuaoi" wächst in Tsunami-Flutgebiet (Originalfoto by Show_ryu cc-by)

So berichtet etwa die Asahi Shimbun, dass dort, wo der Tsunami Reisfelder verwüstete, nun eine gefährdete Blumenart wächst.

Die Blume mit den blauen Blüten, die den Japanern als „Mizuaoi“  bekannt ist und auf den botanischen Namen   Monochoria korsakowii hört, blüht nun in der Ortschaft Naraha, die fast gänzlich zum Teil  der Sperrzone ernannt wurde.

Da der Boden dort durch den Tsunami absackte, entstanden dort Sümpfe, die nun einer Blume Lebensraum bieten, die dort vorher nicht gesichtet wurde und beispielsweise bereits vom Dichter  Yayu Yokoi in einem Gedicht über den Kamo-Fluss verewigt wurde.

Auch in verschiedenen Küstengebieten sei die Pflanze nun aufgetaucht, erklärte Yoshiyuki Nagahata, Autor eines Buches über die Veränderung des Ökosystems durch den Tsunami.

Japaner verklagt Google wegen Vergewaltigungs-Suchergebnissen: Während in Deutschland die Frau des früheren Bundespräsidenten wegen der Verbindung ihres Namens mit Begriffen aus dem Bereich der Prostitution gegen Google vorgeht, hat ein Mann aus Tokyo aufgrund der Nennung seines Namens im Fall einer Vergewaltigung Klage eingereicht.

Unter Bezug auf Quellen berichtet die Mainichi Shimbun, während seiner Studentenzeit sei der Kläger Mitglied des Clubs „Super Free“ gewesen, der nach einem Fall von Massenvergewaltigung im Jahr 2003 geschlossen worden war. Der Mann habe keine Verbindung zur Straftat und gehört auch nicht zu den 14 Personen, die zu Haftstrafen zwischen 28 Monaten und 14 Jahren verurteilt worden waren.

Dennoch taucht sein Name sowohl in Suchergebnissen auf, deren Inhalt eine Verbindung zwischen ihm und der Vergewaltigung nahe legen, sondern auch die Vorschlagsfunktion Google Suggest nennt entsprechende Begriffe im Zusammenhang mit seinem Namen und dem „Super Free Club“.

Nach Angaben seines Anwalts hat Google signalisiert, man werde der Aufforderung nicht Folge leisten und werde versuchen diese abweisen zu lassen. An der damaligen Tat waren Studenten von Eliteuniversitäten – der Universität von Tokyo und der Waseda-Universität – beteiligt.

Über 60 Prozent der befragten Japaner haben Probleme mit Schreiben von Kanji-Schriftzeichen: Deutschland will mit einer aktuellen Kampagne gegen Analphabetismus den 7,5 Millionen Bundesbürgern zwischen 18 und 65 Jahren helfen, die nicht richtig lesen und schreiben können. Dies entspricht 14 Prozent der erwachsenen Bevölkerung. Einer Meldung der jiji zufolge, hat Japan dagegen vor allem Schreibprobleme.

Eine Umfrage von Japans Kultusministerium im Februar und März bei japanischen Staatsbürgern ab 16 Jahren ergab 2.069 statistisch verwertbare Angaben. Demnach gaben 66,5 Prozent der Befragten an, sie hätten den Eindruck durch elektronische Kommunikation habe sich ihr Vermögen, die Kanji genannten Schriftzeichen chinesischen Ursprungs zu schreiben, verschlechtert.

Unter den Personen in den 40ern gaben 79,5 Prozent an, durch den Einfluss von elektronischer Kommunikation im Alltag hätten sich ihre Fähigkeiten verschlechtert, die teils komplexen Ideogramme zu schreiben. Zur Verwendung der beiden japanischen Silbenschriften machte die Umfrage dagegen offenbar keine Angaben.

Aktuelle Entwicklungen um Senkaku-Inseln: Neben Vorwürfen und gewalttätigen Protesten, könnte in Teilen Chinas langsam etwas Ruhe einkehren, auch wenn sich China weiterhin offensiv verhält. Die neusten Meldungen zum Inselstreit jetzt in Kurzform:

Schiff der japanischen Küstenwache (Foto: pd)
Japans Küstenwache sichtet chinesische Schiffe (Foto: pd)

Weiterhin zehn chinesische Schiffe nahe Senkaku-Inseln: Am heutigen Donnerstag wurden insgesamt 10 chinesische Patrouillenschiffe im Grenzgebiet zu japanischen Gewässern beobachtet. Seit Dienstag waren bislang 16 offizielle Patrouillenschiffe, darunter zehn der Marine und sechs der Fischereiflotte im Grenzgebiet, oder in japanischen Hoheitsgewässern aktiv.

Mittwochnacht hatten nach Angaben der japanischen Küstenwache sechs der Schiffe das Gebiet verlassen und auch die angekündigte Armada der Fischerboote blieb weiterhin aus. Gleichzeitig stelle man nun einen Bericht über die Befragung der beiden Japaner zusammen, die unerlaubt auf der Insel Uotsurijima an Land gegangen waren. Ihnen droht Klage wegen einer Ordnungswidrigkeit.

China hatte zuvor angekündigt, routinemäßig Patroullienfahrten im Gebiet der Inseln zu machen, um Chinas Interessen zu Vertreten und auch die Meeresverwaltung erklärte, man werde mehr Kontrollfahrten durchführen.

China bedauert Angriff auf Fahrzeug von US-Botschafter: China drückte sein Bedauern aus, nachdem der Wagen von US-Botschafter Gary Locke in Peking von 50 Demonstranten eingekreist und leicht beschädigt worden war. Sowohl China, als auch die USA gehen von einer Verknüpfung unglücklicher Umstände aus, da sich die diplomatischen Niederlassungen der USA und Japan in räumlicher Nähe befanden und die Protestler Antijapanische Parolen gerufen hatten.

Premierminister Noda erwägt Gesandten für China:
Bei einem Fernsehauftritt bei TV Asahi am Mittwoch erklärt Japans Premier Noda, man habe im Voraus auf verschiedene Weise auf den Kauf hingewiesen, dies wäre jedoch offenbar nicht verstanden worden. Auch liege das Ausmaß der Proteste über dem der erwarteten Spannungen. Nun erwäge er die Entsendung einer persönlichen Gesandten zum Spannungsabbau.

Pekinger Verwaltung fordert Ende der Proteste in der Stadt: Das Büro für öffentliche Sicherheit für die Stadt Peking forderte gestern die Bürger der Stadt über eine SMS auf, die Proteste zu beenden. Der Verkehr im Botschaftsviertel habe sich normalisiert, weitere Proteste vor Ort solle es nicht geben.

Chinesen hinterfragen Proteste: Neben dem fanatischen, von der Regierung geschürten Patriotismus, finden sich zunehmend kritische Stimmen, etwa im Mikrobloggingdienst Sina Weibo. Vandalismus, Sachbeschädigung und Angriffe auf unbescholtene japanische und chinesische Bürger seien nicht patriotisch, zudem vermittelten sie der Welt ein schlechtes Bild von China.

Chinas Vize-Minister wirft Japan Provokation vor: Chinas Vizepräsident Xi Jinping warf Japans Regierung gestern vor, man heize den Konflikt an. Gegenüber US Außenminister Leon Panetta sagte Xi, er hoffe, das Washington sich aus den Differenzen heraushalten werde.

Auch wenn Panetta gegenüber Xi betonte, man ergreife keine Partei, hatte er zuvor bei einem Treffen in Tokyo erklärt, da die von der japanischen Regierung verwalteten Senkaku-Inseln durch ein gemeinsames Abkommen gedeckt würden, wäre Washington im Falle eines bewaffneten Übergriffs zur Verteidigung Japans verpflichtet.

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