Start Aktuelles Japan aktuell: Fukushima-Flüchtlinge wurden durch verstrahlte Gebiete evakuiert

Japan aktuell: Fukushima-Flüchtlinge wurden durch verstrahlte Gebiete evakuiert

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Japan-Karte: Radioaktivität in Japan (Foto:pd)
Fukushima-Sperrzone: Langzeitbetroffene planen erstmals Klage (Symbolfoto: pd)
Japan-Karte: Präfektur-Fukushima radioaktiv (Foto: pd)
Fukushima: Evakuierung durch verstrahlte Gebiete (Foto: pd)

Auch wenn 2011 in Japan zum ersten Mal seit 19 Jahren keine Hinrichtung, die in Japan durch Erhängen erfolgt durchgeführt wurde, so hat die Krise durch das Tohoku-Erdbeben, den damit verbundenen Tsunami und das Reaktorunglück am Kernkraftwerk Fukushima Daiichi nicht nur Todesopfer und Folgeschäden verursacht, sondern vor allem dem Verständnis der Atomkraft als vermeintlich sichere Energiequelle das Genick gebrochen.

Was der Zwischenbericht der unabhängigen Untersuchungskommission aufzeigt, macht allerdings auch deutlich, dass die Situation für den Einzelnen, wie sie sich nach der Katastrophe von Fukushima aktuell darstellt, durchaus anders hätte entwickeln können, wenn die Regierung und der Betreiber die richtigen Entscheidungen getroffen hätten. Detailliertere Fukushima News jetzt im Spreadnews Japan-Ticker vom 28. Dezember 2011.

Fukushima-Flüchtlinge flohen in verstrahlte Gebiete: Im aktuellen Zwischenbericht des Untersuchungsausschusses, wird die Einschätzung getroffen, durch Verwendung von SPEEDI (System for Prediction of Environmental Emergency Dose Information), mit dem sich die Ausbreitung der Radioaktivität nach einem Reaktorunglück vorausberechnen lässt, hätte die Evakuierung der Einwohner von Ortschaften in der Nähe des AKW Fukushima Daiichi koordinierter erfolgen können.

Stattdessen, so der Bericht, hätten die Evakuierungsanordnungen die Flüchtenden teilweise sogar in Gebiete getrieben, in denen sich wenig später hohe Strahlungswerte ausbreiten würden.

Die Asahi Shimbun berichtet, es habe am 15. März eine Anordnung für Einwohner von Namie gegeben, sich in den Ortsteil Tsushima in Sicherheit zu bringen. Eine Berechnung mit SPEEDI hätte jedoch gezeigt, dass auch dieser Ortsteil von hoher Strahlung aus dem Kraftwerk betroffen sein könnte.

Am 14. März ereignete sich eine Explosion an Reaktor 3 des Kraftwerks. Am 15. März entschied der Bürgermeister von Namie, die Bürger in nordwestlicher Richtung nach Nihonmatsu zu evakuieren – und damit ebenfalls durch Gebiete, in die sich radioaktives Material ausbreitete.

In Minamisoma wurden Bürger aus dem 20 Kilometer-Umkreis des Kraftwerks, darunter auch dem Südteil der Stadt, in die Stadtmitte, des Bezirks Haramachi evakuiert. Am 15. März wurde Haramachi ein Teil des Gebiets, in dem die Einwohner angewiesen wurden, ihre Häuser  aufgrund der radioaktiven Belastung nicht zu verlassen.

Bürger, die die Stadt über Iitate und Kawamata verließen, um besonders zerstörte Gebiete und den Bereich um das AKW Fukushima Daiichi zu meiden, begaben sich dabei ohne es zu wissen, in den Weg, den auch das freigesetzte radioaktive Material nahm. Die Einwohner von Iitate erhielten am 22. April eine Evakuierungsaufforderung.

Die Regierung in Tokyo hatte dem Bericht zufolge bei ihren Evakuierungsaufforderungen nicht auf SPEEDI zurückgegriffen sondern letztlich lediglich den Einwohnern empfohlen zu fliehen.

Japans Regierung will Lager in Präfektur Fukushima: Wie Umweltminister Goshi Hosono am heutigen Mittwoch mitteilte, hat die Regierung nun offiziell um Erlaubnis für die Einrichtung von Zwischenlagern für radioaktiv belastetes Erdreich und anderes Material in acht Gemeinden der Präfektur Fukushima gebeten. Entsprechende Gespräche mit Yuhei Sato, dem Gouverneur der Präfektur, sowie separate Gespräche mit den den Bürgermeistern der betroffenen Gemeinden im Landkreis Futaba, fanden heute statt.

Die Regierung erklärte zum einen ihr Vorgehen – man werde die entsprechenden Landstücke entweder aufkaufen oder langfristig pachten, als auch die Gründe weshalb der Landkreis Futaba ausgewählt worden sei. Demnach wäre es die hohe Belastung von über 100 Millisievert pro Jahr, welche die üblichen Dekontaminationsmethoden unmöglich machen würden, die zur Wahl der Gebiete geführt habe.

Der Gouverneur erklärte, man werde das Anliegen prüfen und eine Entscheidung treffen, sobald man die Haltung der Gemeinden hierzu habe. Bei ihren Versuchen der Bevölkerung ihr Anliegen nahe zu bringen, sollte die Regierung zudem sehr höflich vorgehen, da es eine sehr schmerzliche Entscheidung sei. Meldungen hierzu gab es von der NHK, sowie der Nachrichtenagentur jiji.

Präfekturleitung fordert vollständige Reaktorabschaltungen: In einem gestrigen Treffen mit dem Präsidenten der AKW-Betreiberfirma TEPCO, forderte Yuhei Sato, Gouverneur der Präfektur Fukushima, die vollständige Stilllegung aller Kernkraftwerke und der damit verbundenen 10 Reaktoren in der Präfektur, wie etwa die Mainichi Shimbun berichtete. TEPCO-Präsident Toshio Nishizawa antwortete kurz, man ergreife Maßnahmen, um die Sicherheit zu  gewährleisten, werde die Dekontaminationsarbeiten fortführen und weitere Entschädigungszahlungen leisten.

Er habe das AKW Fukushima Daiichi am Montag besucht und die Angestellten vor Ort angewiesen, den stabilen Zustand der Reaktoren sicherzustellen und den Austritt weiteren radioaktiven Materials zu verhindern. Zu den Forderungen von Gouverneur Sato äußerte er sich nicht, auch auf Fragen von Reportern ging er nicht ein, sondern verliess den Sitz der Präfekturverwaltung kommentarlos.

Landwirtschaftliche Dekontamination für Iitate im März: Während die Präfektur Fukushima voraussichtlich bis Ende des Jahres die Schließung aller Evakuierungslager abgeschlossen für beendet erklären wird und heute die letzten Personen aus Auffangzentren in Minamisoma  und Aizu-Wakamatsu geschlossen wurden, versucht man in anderen Orten der Präfektur bereits einen Neuanfang, so die Nachrichtenagentur jiji.

Wie das Ministerium für Landwirtschaft bereits gestern bekannt gab, will man mit der Dekontamination landwirtschaftlicher Nutzflächen der Dorfgemeinschaft Iitate im kommenden März beginnen. Der Abschluss der Arbeiten wird für den Juni geplant. Zuvor soll im Januar ein Vertrag mit einem Dekontaminations-Unternehmen abgeschlossen werden, das vor dem Beginn der vollständigen Dekontamination dort zunächst das Gras mähen und die Höhe der Strahlung ermitteln wird.

Insgesamt umfasst das Projekt, dessen Plan bei einem Meinungsaustausch zwischen Landwirtschaftsminister Michihiko Kano und Norio Kanno, Bürgermeister von Iitate, vorgestellt worden war, eine Landfläche von 30 Hektar.

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