Start Aktuelles Japan aktuell: Fukushima-Gemeinde will Strafanzeige wegen Strahlungs-Datenpanne erstatten

Japan aktuell: Fukushima-Gemeinde will Strafanzeige wegen Strahlungs-Datenpanne erstatten

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Ortsschild von Namie (Foto: VOA, Steve Herman, pd)
Ortsschild von Namie (Foto: VOA, Steve Herman, pd)
Ortsschild von Namie (Foto: VOA, Steve Herman, pd)
Ortsschild von Namie (Foto: VOA, Steve Herman, pd)

Chefkabinettssekretär Osamu Fujimura rief die Bevölkerung trotz der Pläne zum Raketenstart von Nordkorea und der Stationierung von Boden-Luft-Abwehreinheiten inmitten von Tokyo auf, ruhig zu bleiben. Unterdessen bereitet sich eine Gemeinde nahe des AKW Fukushima aktuell darauf vor, möglicherweise eine Klage einzureichen – Beklagter unbekannt.

Mehr Fukushima News und sonstige Nachrichten jetzt im Spreadnews Japan-Ticker vom 11. April 2012.

Unsere heutigen Themen:

  • Japan zur Vorbereitung auf schwere Nachbeben aufgefordert
  • Fukushima-Gemeinde Namie will Strafanzeige wegen SPEEDI-Datenpanne erstatten
  • 1.400 Haushalte warten auf Übergangshäuser, doch viele bleiben leer
  • Umstrittener Bürgermeister von Osaka mit Vorbedingungen für Neustart
  • Japans Walfänger klagen vor US-Gericht
  • Strahlungssicherer Betoncontainer entwickelt

Fukushima-Gemeinde Namie will Strafanzeige wegen SPEEDI-Datenpanne erstatten: Die Leitung der Ortschaft Namie in der Präfektur Fukushima zieht eine Strafanzeige aufgrund der Verzögerung bei der Veröffentlichung der Daten des SPEEDI Systems, das die wahrscheinliche Verbreitung radioaktiven Materials  errechnet hatte. Gegen welche Instanzen, etwa die Regierung in Tokyo oder Präfekturbehörden, sich die Anzeige richten wird, gab Tamotsu Baba, Bürgermeister von Namie bei seiner Ankündigung am heutigen Mittwoch jedoch nicht bekannt. Inhalt der möglichen Klage wird der Vorwurf der Fahrlässigkeit mit Todesfolge sein.

Hintergrund der Klage ist das Versäumnis der japanischen Regierung, die vom Computersystem SPEEDI errechnete Verbreitung der Radioaktivität während der Akutphase der Krise nicht öffentlicht gemacht zu haben. Bei ihrer Evakuierung hatten daher Einwohner Gebiete erhöhter Radioaktivität durchquert und etwa 8.000 Personen waren zunächst in den Ortsteil Tsushima geflohen, der wie später nachgewiesen wurde, stark von der Strahlung betroffen war. Das meldet die Nachrichtenagentur jiji.

Japanisches Mädchen bei Katastrophenübung (Foto: 星玉 cc-by)
Japanisches Mädchen am Katastrophenschutztag (Foto: 星玉 cc-by)

Japan zur Vorbereitung auf schwere Nachbeben aufgefordert: Yoshimori Honkura, neuer Vorsitzender eines Ausschusses zur Erdbebenforschung erläuterte am gestrigen Tag, dass Japan sich auch auf schwere Nachbeben des massiven Tohoku-Erdbebens vom März 2011 vorbereiten solle.

Allerdings sei man sich nicht sicher, wann und wie genau sich diese massiven Erschütterungen ereignen werden. In der Meldung der Nachrichtenagentur jiji ist von Nachbeben bis zur Magnitude 8 die Rede.

1.400 Haushalte warten auf Übergangshäuser, doch viele bleiben leer: Wie eine Untersuchung der Mainichi Shimbun vom April zeigt, warten selbst 13 Monate nach dem Tohoku-Erdbeben und des damit verbundenen Tsunami immer noch etwa 1.400 Haushalte in den drei Katastrophenregionen auf die Bereitstellung von Übergangshäusern, während immer mehr  der Betroffenen versuchen, näher an ihren alten Häusern oder in größerer Nähe zum Arbeitsplatz zu wohnen.

Von den untersuchten 41 örtlichen Verwaltungen der drei Präfekturen Fukushima, Iwate und Miyagi warten in 21 Gemeinden rund 1.400 Haushalte auf die Verfügbarkeit eines Übergangshauses.

In der Präfektur Fukushima gibt es Anzeichen für eine Diskrepanz zwischen Angebot und Nachfrage, denn während 1.600 Übergangshäuser noch leerstehen, warten etwa 1.000 Haushalte auf einen Platz. Aufgrund des angenehmeren Klimas wollen viele lieber in die verwüsteten Küstengebiete ziehen, statt im kälteren Inland zu bleiben, was zu dieser Unausgeglichenheit führt.

In Otsuchi (Präf. Iwate) befinden sich bislang 2.106 Übergangshäuser, etwa 80 Haushalte warten noch auf einen Platz. In Yamada (Präf. Iwate) sind alle 1.940 Übergangshäuser belegt, hier warten noch etwa 30 Haushalte auf einen Platz. Während in Otsuchi vor allem ältere Menschen die vorübergehend bei Verwandten unterkamen, wieder in bekannte Umgebung wollen, hat man in Yamada keinen Platz für neue Wohneinheiten, man überlegt die Verlegung ganzer Gemeinden in höher gelegene Gebiete.

In der Präfektur Miyagi stehen noch 215 Haushalte auf den Wartelisten, allerdings gibt es hier ebenfalls noch unbewohnte Übergangshäuser.

Umstrittener Bürgermeister von Osaka mit Vorbedingungen für Neustart: Der geplante Neustart des AKW Oi wird von angrenzenden Präfekturen misstrauisch beäugt und ein Katalog von acht Forderungen ausgearbeitet, deren Erfüllung durch die Regierung in Tokyo und die Betreiberfirma Kansai Electric als Vorbedingung für eine Zustimmung angesehen wird (Spreadnews berichtete).

Auch wenn es sich als eigentlich um eine Angelegenheit zwischen den Präfekturleitungen von Osaka, Shiga, Kyoto und Hyogo,sowie Gifu, Nara und Mie handelt, lässt es sich Toru Hashimoto, Bürgermeister der Stadt Osaka nicht nehmen, ebenfalls die acht Bedingungen zu stellen, sind doch auch Teile seiner Stadt von der geforderten 100 Kilometer Regelung betroffen. Doch zumindest theoretisch ist seine Position irrelevant für Präfekturalentscheidungen.

Toru Hashimoto, Bürgermeister von Osaka im Jahr 2008 (Foto: pd)
Toru Hashimoto, Bürgermeister von Osaka im Jahr 2008 (Foto: pd)

Toru Hashimoto, der praktisch kaum eine Möglichkeit auslässt um Unterstützung für seine Regionalpartei Ishin no Kai zu schaffen, ist eine umstrittene Person. Sowohl seine Entscheidung, Lehrer in seiner Stadt zum Mitsingen der Nationalhymne während Schulfeierlichkeiten zu verpflichten, als auch seine Forderung nach einer Änderung von Absatz neun der, von den USA nach dem Zweiten Weltkrieg veranlassten, japanischen Verfassung, die der Nation das Führen von Kriegen  verbietet, lassen vor allem Kritiker von „Hashismus“ in Anlehnung an den Begriff des Faschismus, sprechen.

Da der Gouverneur der Präfektur Osaka, ebenfalls Mitglied der Ishin no Kai ist und als Vertrauter von Hashimoto gilt, könnte dieser seinen Einfluss dennoch geltend machen und so auch mit dieser Forderung, die Popularität seiner rasch wachsenden politischen Bewegung steigern, berichtet die Asahi Shimbun.

In einer Pressekonferenz am gestrigen Dienstag hatte Premierminister Yoshihiko Noda erklärt, die Zustimmung örtlicher Behörden sei gesetzlich nicht erforderlich, um den Neustart des AKW Oi zu beschließen und Chefkabinettssekretär Osamu Fujimura liess erkennen, dass die Regierung in Tokyo nicht geneigt sei, die Forderungen von Hashimoto in den Entscheidungsfindungsprozess mit einzubeziehen.

Japans Walfänger klagen vor US-Gericht: Das japanische Walforschunsinstitut hat am gestrigen Dienstag zusammen mit dem Eigentümer eines Walfangschiffes vor einem Berufungsgericht in den USA erneut auf ein Verbot der Aktionen der radikalen Umweltschutzorganisation Sea Shepherd gedrängt. Im Februar war der Antrag eine einstweilige Verfügung zu erwirken von einem US-Gericht im Bundesstaat Washington, wo das Hauptquartier der Walfanggegner liegt, abgelehnt worden.

Die Walfänger erklärten, insgesamt hätten die militanten Umweltaktivisten bei insgesamt 11 Gelegenheiten den Walfang, der offiziell nur wissenschaftlichen Zwecken dient, behindert. Man habe die Gerichtsentscheidung angefochten, da es rechtlicher Schritte bedürfe, um eine ungestörte Walfangsaison gewährleisten zu können. Die diesjährige Saison endete vergangenen Monat. Das berichtet die NHK.

Strahlungssicherer Betoncontainer entwickelt: Ein Forscherteam der Universität Kyoto unter Leitung von Yoshikazu Araki hat nach eigenen Angaben, den Betonbehälter mit der weltweit stärksten Abschirmungsfähigkeit gegen Strahlung entwickelt. Der von ihnen vorgestellte Beispielcontainier, mit einer Höhe von 60 Zentimeter, einem Durchmesser von 50 Zentimeter und einer Dicke von lediglich 10 Zentimeter, besteht aus einem Beton, dem statt Kies Eisenpulver zugesetzt wurde, um die Abschirmung zu verbessern.

Der Meldung der jiji zufolge ist die Strahlungsabschirmung doppelt so hoch, als dies bei normalen Betoncontainern der Fall ist – und das bei 30 Prozent weniger Gewicht. Nach Angaben von Professor Araki wir der neuartige Behälter sowohl Transport als auch die Lagerung von radioaktiv kontaminiertem Erdreich deutlich vereinfachen. Bei einem weiteren von den Wissenschaftler präsentiertem Objekt, handelt es sich um einen Behälter, der aus Betontrümmern des Tohoku-Erdbebens und des Tsunami gefertigt wurde.

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