Japan aktuell: Fukushima-Kraftwerksleiter mit Gehirnblutung in Krankenhaus eingeliefert

Japan aktuell: Fukushima-Kraftwerksleiter mit Gehirnblutung in Krankenhaus eingeliefert

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Japanischer Krankenwagen (Symbolbild: pd)
Umfassende Katastrophenübung am AKW Onagawa (Foto: symbolisch pd)

Japanischer Krankenwagen (Foto: pd)
Fukushima-Kraftwerksleiter in Klinik eingeliefert (Foto: symbolisch pd)

Das Wochenende stand ganz im Zeichen der Atomgegner in Japan. Heiße Themen für die Medien waren die Gründung einer grünen Partei in Japan, sowie eine Protestaktion in Tokyo.

Hitzig war es allerdings nicht nur politisch, starb doch ein 16 Jahre alter Jugendlicher beim Training seiner Baseballmannschaft offenbar durch einen Hitzschlag.

Am heutigen Montag gab es dann im Zusammenhang mit dem AKW Fukushima aktuell alarmierende Nachrichten – mussten doch sowohl der frühere Kraftwerksleiter als auch zwei Kraftwerksarbeiter in Krankenhäuser eingeliefert werden. Mehr Details und weitere Fukushima News im Spreadnews Japan-Ticker vom 30. Juli 2012.

Unsere Themen zu Wochenbeginn:

  • Zwei Fukushima-Arbeiter in Krankenhaus eingeliefert
  • Fehlalarm am AKW Monju
  • IAEA beginnt Untersuchung am AKW Onagawa
  • Naraha stimmt Aufnahme in Radioaktivitäts-Zonenmodell zu
  • TEPCO führt große Katastrophenübung gegen Großbeben durch
  • Fukushima-Kraftwerksleiter mit Gehirnblutung im Krankenhaus
  • Bürgerbefragungen mit Mehrheit gegen Atomkraft
  • Tsunami-Katastrophenübung in Westjapan
  • Atomkraftgegner bilden Lichterkette um Parlamentsgebäude

Fukushima-Kraftwerksleiter mit Gehirnblutung im Krankenhaus: Meldungen über Nasenbluten, oder sonstige plötzliche Blutungen, werden von Atomgegnern als Hinweis auf eine starke Strahlungsbelastung gewertet.

Über eine Blutung weit dramatischer Art berichtet heute der Kraftwerksbetreiber TEPCO. Wie das Unternehmen heute mitteilte, war bereits letzte Woche bei dem ehemaligen Fukushima-Kraftwerksleiter Masao Yoshida eine Blutung im Gehirn festgestellt und Yoshida notoperiert worden.

Yoshida, der eine entscheidende Rolle während der Akutphase am Kernkraftwerk spielte, etwa indem er vorsätzlich einen Befehl zum Stopp der Kühlung mit Meerwasser ignorierte, hatte zuvor bereits an Speiseröhrenkrebs gelitten.

TEPCO-Vizepräsident Zengo Aizawa erklärte auf einer Pressekonferenz, der Zustand von Yoshida sei ernst aber nicht lebensbedrohlich. Er sei außerdem bei Bewusstsein. Yoshida habe sich am vergangenen Donnerstag nicht wohl gefühlt und war laut Aizawa  in ein Krankenhaus geliefert worden, dort sei die Blutung festgestellt worden. Weitere Angaben machte das Unternehmen nicht.

Zwei Fukushima-Arbeiter in Krankenhaus eingeliefert:
Nachdem am gestrigen Sonntag gegen 9:30 Uhr zwei Arbeiter eines Partnerunternehmens, die mit der Entfernung von Trümmern im oberen Teil des Reaktorgebäudes 3 beschäftigt waren, sich während der Arbeit nicht in guter Verfassung fühlten, wurden sie in das medizinische Notfallzentrum der Reaktoren 5 und 6 transportiert.

Dort erhielten sie nach Angaben von TEPCO eine medizinische Behandlung – unter anderem durch das Legen einer Infusion. Da beide Angestellte Bewusstseinsstörungen aufwiesen und nicht mehr selbst laufen konnten, wurden sie mit dem Rettungswagen ins J-Village gebracht. Um 0.08 Uhr wurden sie in das Krankenhaus nach Iwaki transportiert und befinden sich dort derzeit in medizinischer Untersuchung und Behandlung.

Es wurde keine radioaktive Kontamination am Körper festgestellt.

Fehlalarm am AKW Monju: Wie die japanische Atomenergiebehörde JAEA heute mitteilte, gab gegen 3:40 Uhr einen Alarm in einem Nebengebäude des Experimentalreaktors am AKW Monju. Der Alarm wies auf den Austritt von Natrium hin. Eine Untersuchung habe jedoch gezeigt, dass kein Leck vorlag.

Die Alarmeinheit wird aktiv, wenn das als Kühlmittel genutzte Natrium in der Umgebungsluft von Rohren einer temporären Lager- und Kühleinrichtung für abgebrannte Brennstäbe gemessen wird. Die Ursache für den Fehlalarm wird derzeit untersucht und der Zwischenfall Atomaufsichtsbehörde NISA und der Präfekturverwaltung Fukui gemeldet. Das berichtet die Nachrichtenagentur jiji.

Seit einem Zwischenfall im Jahr 2010 ist der Reaktor nicht im Betrieb, eine Wiederaufnahme ist ungeklärt.

IAEA beginnt Untersuchung am AKW Onagawa: In der Regel findet eine Kontrolle statt, um Ursache und Ausmaß der Schäden festzustellen. Bei der heute von der Internationalen Atomenergieaufsichtsbehörde IAEA begonnenen Mission geht es jedoch gewissermaßen um das Gegenteil.

Ein Team von insgesamt 20 Experten soll ermitteln, weshalb das von Tohoku Electric betriebene Kraftwerk in der Präfektur Miyagi weitgehend von schweren Schäden durch das Tohoku-Erdbeben 2011 verschont geblieben zu sein scheint – obwohl der Standort der dortigen Küste nah am Epizentrum des Erdbebens liegt.

Am ersten Tag ihrer Mission wurden die Mitarbeiter der IAEA unter Leitung von  Sujit Samaddar, jedoch zunächst von der Betreiberfirma darüber informiert, auf welche Weise die Anlage durch die Naturkatastrophe betroffen war und welche Notfallmaßnahmen man nach der Fukushima-Katastrophe getroffen habe.

Bei der bis zum 11. August dauernden Untersuchung werde man zudem Mitarbeiter, die an der Stabilisierung der Reaktoren mitwirkten befragen, sowie Betriebsdaten des Atomkraftwerks analysieren und wichtige Sicherheitsmechanismen, darunter auch die Kühlsysteme und die Abklingbecken untersuchen.

Ziel der IAEA ist es dabei erstmals, möglicherweise Hinweise auf bauliche oder strategische Besonderheiten zu entdecken und zu prüfen, ob sich heraus auch Maßnahmen für eine Sicherung anderer Atomkraftanlagen ableiten lassen. Darüber berichteten Kyodo, NHK und jiji.

Naraha stimmt Aufnahme in Radioaktivitäts-Zonenmodell zu: Als fünfte von elf Ortschaften in der Präfektur Fukushima, hat sich nun auch Naraha bereit erklärt, das neue dreistufige Zonenmodell auf den Ort anwenden zu lassen. Naraha wird als Gebiet klassifiziert werden, in dem die Aufhebung der Evakuierungsaufforderung vorbereitet wird. Den Bewohnern ist das betreiben von Firmen, sowie Handel erlaubt. Allerdings ist dort noch keine Übernachtung möglich.

Nachdem die Ortschaft im Zuge der Fukushima-Krise praktisch vollständig evakuiert worden war, leben die meisten der 7.600 Einwohner in nahe gelegenen Städten und Orten wie etwa Iwaki. Das berichtet die jiji.

TEPCO führt große Katastrophenübung gegen Großbeben durch: An einer vom Betreiber des AKW Fukushima heute durchgeführte Katastrophenübung nahmen 300 Personen, darunter auch die neue Unternehmensführung teil. Dabei ging es jedoch keineswegs um das fragliche Kernkraftwerk. Vielmehr handelte es sich um eine Vorbereitung auf das erwartete Großbeben von Tokyo.

Das Katastrophenszenario ging von einem Erdbeben der Stärke 7,3 aus, dass sich unter dem Tokyoter Bezirk Koto ereignete. Das entspricht auf der siebenstufigen japanischen Skala einer Stärke von hoher sechs, oder sechs plus. Durch das hypothetische Erdbeben wurden Stromversorgung und Umspannwerke im Großraum Tokyo beschädigt.

Die Führung des Unternehmens prüfte die Situation an fünf nahe gelegenen Wärmekraftwerken und trafen dann Voraussagen über die Stromversorgung nach dem möglichen Aufall von Kraftwerken an. Außerdem wurde ein Videokonferenz-System genutzt, um die möglichen Auswirkungen des Erdbebens auf die beiden Kernkraftwerke in der Präfektur Fukushima einschätzen zu können.

Nachdem das öffentliche Ansehen und das Vertrauen in TEPCO durch die Informationspolitik und das Vorgehen im Bezug auf die Fukushima-Krise starken Schaden genommen hatte, erklärte das Unternehmen, man hoffe mit der Durchführung derartiger Übungen das Vertrauen der Öffentlichkeit in die Fähigkeiten des Krisenmanagements wiedergewinnen zu können. Das berichtet die NHK.

Bürgerbefragungen mit Mehrheit gegen Atomkraft: Die Asahi Shimbun berichtet über die Ergebnisse der acht Bürgeranhörungen zwischen dem 14. und 29. Juli 2012 zur Entwicklung der Atomenergie im Jahr 2030. Dabei konnten die Bürger zwischen drei Optionen der künftigen Atomkraftnutzung gewählt werden.

  • Atomenergienutzung von 0 Prozent/Atomausstieg
  • Atomenergienutzung von 15 Prozent
  • Atomenergienutzung von 20-25 Prozent.

Bei den Veranstaltungen hatte der Verdacht der versuchten Einflussnahme der Atomlobby durch die Teilnahme von Mitarbeitern bestanden, was als Reaktion ein Teilnahmeverbot für derartige Personen zur Folge hatte (Spreadnews berichtete). Die Ergebnisse sprechen aber eine deutliche Sprache.

Unter den Personen, die sich als Redner beworben hatten, sah die Verteilung wie folgt aus:

  • 70 Prozent fordern den gänzlichen Verzicht
  • 11 Prozent befürworten 15 Prozent Atomenergie
  • 17 Prozent unterstützen 20-25 Prozent
  • 2 Prozent gaben andere Antworten

Von diesen Beantragern wurden die Sprecher ausgelost. Bei der ersten Bürgeranhörung durften Redner nur zwischen den drei Optionen wählen. Nach Vorwürfen einer Manipulation waren Bestimmungen zur Anzahl der Redner und die Freiheit zur Äußerung abweichender Standpunkte gelockert worden um eine breitere Meinung einzuholen.

Bei der jüngsten Anhörung am gestrigen Sonntag in Hiroshima forderten 62 Prozent der Personen, die sich als Redner beworben hatten, einen völligen Atomenergie-Verzicht.

Tsunami-Katastrophenübung in Westjapan: Am Sonntag fanden in Westjapan mehrere Katastrophenübungen statt.

In der Stadt Tanabe (Präf. Wakayama) nahmen 2.000 Personen an einer Tsunami-Katastrophenübung teil. Das fiktive Katastrophenszenario bestand aus einem 12 Meter hohen Tsunami. Etwa 30 Personen flohen auf ein höher gelegenes Gelände eines Shinto-Schreins und 70 weitere Teilnehmer kletterten über Feuerleitern auf das Dach eines dreistöckigen Gebäudes.

In Komatsushima (Präf. Tokushima) fand eine Katastrophenübung für Fischerboote statt. Ein Schiff der Küstenwache wies die Besitzer von Fischereischiffen, die vor der Küste lagen an, sich schnell etwa fünf Kilometer von der Küste zu entfernen. An diesem Punkt sei die Wassertiefe von 30 Metern ausreichend, um die Auswirkung von Tsunami auf Boote zu verringern. Es dauerte etwa eine halbe Stunde, bis die Fischerboote die bezeichnete Stelle erreichten, so die NHK in ihrer Berichterstattung.

Atomkraftgegner bilden Menschenkette um Parlamentsgebäude: Neben den Protesten die jeden Freitag stattfinden, kam es gestern in Japans Hauptstadt Tokyo zu einem Massenprotest gegen die erfolgten Neustarts am AKW Oi. Bei Temperaturen über 30°Celsius fanden versammelten sich die Demonstranten zunächst im Hibiya-Park, im Tokyoter Stadteil Chiyoda. Unter ihnen befanden sich erneut Eltern mit ihren Kindern, sowie Senioren.

Der jiji zufolge setzte sich der Demonstrationszug kurz nach 16:00 Uhr in Bewegung. Die Mainichi Shimbun spricht von 15:30 Uhr.

Die Protestler zogen vor den Firmensitz des Elektrizitätskonzerns TEPCO, sowie das Gebäude des Industrieministerums. Bei ihrem Marsch wiederholten sie lautstark ihre Slogans – “Genpatsu iranai” und “Saikado Hantai” mit denen sie die Notwendigkeit von Atomkraftwerken verneinten und ihre Haltung gegen den Neustart von Reaktoren zum Ausdruck brachten.

Während des Demonstrationszuges in der Dunkelheit begleiteten sie ihre Forderungen mit Kerzen und Stablampen.

Japanische Bereitschaftspolizei (Foto: pd)
Tokyo: Großaufgebot bei Protesten vor dem Parlament (Abb. symbolisch, Foto: pd)

Vor dem Parlamentsgebäude, sprachen verschiedene Abgeordnete von Regierungs- und Oppositionsparteien.

Der Nachrichtenagentur Kyodo zufolge forderten auch Mitglieder der deutschen Partei “Bündnis 90/Die Grüne” vor dem Haupttor des Parlamentsgebäudes die Schließung aller Atomkraftwerke.

Dort kam es auch zu einem Zusammenstoß zwischen Atomgegnern und Staatsmacht.

Auf der Hauptstraße zum Parlamentsgebäude durchbrach die Masse die Absperrungen und strömte auf die Straßen, was die Polizei dazu zwang Verstärkung anzufordern und gepanzerte Polizeifahrzeuge aufzustellen, um das Haupttor zum Parlament zu schützen.

Die NHK berichtete offiziell, es habe kleinere Handgemenge zwischen Aktivisten und Polizeibeamten gegeben. Laut Mainichi Shimbun gab es zwei Festnahmen, vermutlich von Demonstranten.

Die Teilnehmerzahlen wurden wie zuvor auch sehr unterschiedlich bewertet. Diesmal war die Diskrepanz jedoch besonders groß.

Während der Organisator, die Metropolitan Coalition Against Nukes, welche im Internet zur Teilnahme aufgerufen hatten, von 200.000 Teilnehmern sprach, gab die Polizei laut NHK gestern die Zahl der Demonstranten mit lediglich 14.000 an. Die Mainich Shimbun gab heute als polizeilich bestätigte Zahl 17.000 Personen an.

Über die Proteste berichteten etwa NHK, jiji, Kyodo, Mainichi Shimbun und Asahi Shimbun.