Start Aktuelles Japan aktuell: Fukushima-Nachbarpräfektur soll verstrahlten Abfall lagern

Japan aktuell: Fukushima-Nachbarpräfektur soll verstrahlten Abfall lagern

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Symbolbild: Radioaktive Substanz (Foto: pd)
Zweiter Standort für Lagerung radioaktiver Abfälle vorgestellt (Grafik: pd)
Symbolbild: Radioaktive Substanz (Foto: pd)
Zweiter Standort für Lagerung radioaktiver Abfälle vorgestellt (Grafik: pd)

Aus dem AKW Fukushima heute veröffentlichte Aufnahmen zeigen Arbeiten am Sicherheitsbehälter, bleiben jedoch zunächst weitgehend unkommentiert.

Klare Aussagen sind jedoch aus einer Nachbarpräfektur von Fukushima aktuell aufgrund von Abfallentsorgungsplänen zu hören.

Zudem befassen sich japanische Medien vermehrt mit dem Thema Katastrophenschutz.

Neben Fukushima News also auch heute verschiedene Interessante Meldungen, wie üblich im Spreadnews Japan-Ticker vom 27. September 2012.

Unsere heutigen Meldungen:

  • Zweites Lager für radioaktive Abfälle vorgeschlagen
  • TEPCO rammt Zugangsöffnung in Sicherheitsbehälter von Fukushima-Reaktor 1
  • Hydranten in Tokyo sollen Trinkwasser bei Katastrophen spenden
  • Mehrheit der Bürger bereitet sich auf Katastrophe vor
  • Strengere Grenzwerte für Reis und Rindfleisch kommen
  • Tsunami-Übung mit Behelfsbrückenbau
  • Senkaku-Konflikt und Takeshima-Streit nach UN-Reden
    • China zensiert Berichte über Wasserkanonen-Duell
    • Chinesen protestieren vor UN-Gebäude
    • Premierminister Noda spricht vor der UN
    • China reagiert verärgert auf UN-Rede von Noda
    • Japan wehrt sich gegen Chinas Kritik
    • UN veröffentlicht Senkaku-Dokumente
    • China will mit Faschismuskeule Verbündete gewinnen
    • China bemüht Geschichte als Rechtfertigung
    • Japan soll Territorialkonflikt zugeben
    • UN-Rede Südkoreas wird auf Trostfrauen abzielen
    • Taiwans Präsident beglückwünscht Fischer

Zweites Lager für radioaktive Abfälle vorgeschlagen: Nach einem Nationalforst in Yaita (Präf. Tochigi) von der Regierung als erste potentielle Lagerstätte für radioaktiv belastete Abfälle ausgewählt worden war, hat man nun auch in einer zweiten Präfektur einen weiteren  möglichen Standort festgelegt. Demnach sollen im Nationalforst von Takahagi (Präf. Ibaraki) künftig ebenfalls gering belastete Abfälle gelagert werden

Der Vize-Umweltminister Katsuhiko Yokomitsu informierte bei einem Treffen Masaru Hashimoto, Gouverneur der Präfektur Ibaraki, über die Entscheidung seiner Behörde. Der stellvertretende Umweltminister sagte, man werde den Anwohnern sowohl die Wahl des Standorts erläutern, als auch Angaben machen, wie die Sicherheit gewährleistet werden soll.

Für den Standort spreche etwa, dass er sich in ausreichender Entfernung zu Ansiedlungen befinde und das Gebiet dort als geologisch stabil und weniger anfällig für Erdbeben gilt. Gouverneur Hashimoto, dessen Präfektur Ibaraki, ebenso wie Tochigi unmittelbar an die Präfektur Fukushima angrenzt, erklärte, er wolle zunächst die Meinung der Bürger einholen, bevor er eine eigene Entscheidung treffe.

Wie bereits sein Amtskollege in Yaita lehnt jedoch auch Yoshio Kusama, Bürgermeister von Takahagi, den Vorschlag der Regierung rundheraus ab.

Diese Meldungen von jiji und NHK dürften auch nicht die letzten ihrer Art gewesen sein, da jede der 47 Präfekturen die anfallende radioaktive Asche und Erdreich mit mehr als 8.000 Becquerel pro Kilogramm adäquat lagern muss. Abfälle unterhalb dieses Werts können auf Abfalldeponien entsorgt werden.

TEPCO rammt Zugangsöffnung in Sicherheitsbehälter von Fukushima-Reaktor 1: Kraftwerksbetreiber TEPCO veröffentlichte heute Informationen über die neusten Schritte, die am Sicherheitsbehälter von Fukushima-Reaktor 1 durchgeführt werden.

Fukushima-Reaktor 1: Aufnahmen aus Öffnung am Sicherheitsbehälter, veröffentlicht am 27. September 2012 (Foto: TEPCO)
Fukushima-Reaktor 1: Aufnahmen aus Öffnung am Sicherheitsbehälter, veröffentlicht am 27. September 2012 (Foto: TEPCO)

Dort begannen am Dienstag die Arbeiten, bei denen durch Nutzung eines speziellen Geräts eine 130 Millimeter große Öffnung in die Sperrplatte aus Blei gerammt wurde.

Die so geschaffene Öffnung, die über ein Kugelventil gesichert werden kann, soll die Einführung von Untersuchungsgerät in den Sicherheitsbehälter ermöglichen und bereits jetzt zeigt TEPCO erste Kamera-Aufnahmen der Arbeiten.

Die erste Untersuchung dauerte drei Stunden und die Maximalbelastung der Arbeiter habe 1,8 Millisievert betragen. Tepco is planning to check inside of PCV with thermometer, camera, and equipment to take water sample again in October.

Für das eigentliche Einführen und die Einstellung der Geräte ist zunächst der Zeitraum vom 6. bis 8. Oktober vorgesehen. Anschliessend sollen vom 9. bis 11. Oktober eine Inspektion durch eine Kamera, sowie Strahlungsmessungen erfolgen.

Bei erfolgreichem Verlauf folgt dann am 12. Oktober die Entnahme einer Wasserprobe des angesammelten Wassers.

Schließlich werden am 13. Oktober entsprechende Geräte eingerichtet, mit denen eine dauerhafte Überwachung möglich ist. Dabei gilt dieser Zeitplan nach Angaben von TEPCO als flexibel, da die Arbeitsschritte unterschiedlich viel Zeit in Anspruch nehmen können.

Hydranten in Tokyo sollen Trinkwasser bei Katastrophen spenden: Japans Hauptstadt Tokyo verfügt über etwa 130.000 Hydranten für Löscheinsätze der Feuerwehr. Diese sollen im Katastrophenfall nun auch der Trinkwasserversorgung für Notunterkünfte dienen, teilte die Verwaltung des Großraums Tokyo mit.

Durch die Nutzung der Hydranten könnten bis zu 5.000 Notunterkünfte mit Wasser versorgt werden, so die Schätzung des Büros für Wasserwirtschaft.

Der gestern auf einer Sitzung vorgestellte Plan sieht vor, dass Schläuche und Steigleitungen, die für die Nutzung als Wasserquelle notwendig sind, bis Ende des Fiskaljahres 2012 an 49 Stadtbezirke, sowie weitere Städte und Ortschaften im Großraum Tokyo ausgeteilt werden.

Die Aktion, in dessen Rahmen die Verwaltung etwa 150 Millionen Yen ausgeben will, um 500 dieser Wasser-Sets zu kaufen, ist nach Angaben der Mainichi Shimbun eine Reaktion auf die Veröffentlichung von Untersuchungsergebnissen im April diesen Jahres, in denen erklärt wird, im Fall eines Großbebens könnten bis zu 45 Prozent der Wasserversorgung zusammenbrechen.

Zusätzlich will die Verwaltung auch Lehrgänge abhalten, um die Bürger in die Lage zu versetzen, selbst derartige Wasserversorgungen einrichten zu können. Bislang wäre eine Wasserversorgung lediglich über gelagerte Kunststoff-Flaschen und die Wassertanks der Notversorgung möglich.

Mehrheit der Bürger bereitet sich auf Katastrophe vor: Eine Online-Umfrage über Mobilfunkdienste, die zwischen dem 18. August und 5. September stattfand und etwa 20.000 gültige Antworten erzielte, zeigt, dass 78 Prozent der befragten Personen Lebensmittel, Wasser oder beides, sowie weitere Versorgungsgüter lagern.

Tokyo: Leeres Regel im "Newdays" Laden (Foto: KJ)
Tokyo: Bürger auf Erdbeben vorbereitet (Foto: KJ)

Durchschnittlich reichen diese Vorräte für dreieinhalb Tage.

Insgesamt sind die Prozentzahlen für weitere Sicherheitsmaßnahmen für den Fall eines Erdbebens gestiegen. Mehr als die Hälfte  der Befragten berichteten, zuhause Schutzmaßnahmen getroffen zu haben.

Der am meisten genannte Punkt war die Sicherung von Möbelstücken und auch die Lagerung von Gegenständen in großer Höhe wird vermieden, um Verletzungen durch herabstürzende Gegenstände zu verhindern.

Die Zahl der Personen, die für den Katastrophenfall gemeinsame Treffpunkte ausmachen, stieg im Vergleich zur letzten Befragung vor zwei Jahren ebenfalls an, berichtet die Nachrichtenagentur Kyodo.

Strengere Grenzwerte für Reis und Rindfleisch kommen: Japans Regierung übernimmt ab kommendem Montag die Regelung zum allgemeinen Lebensmittelgrenzwert von 100 Becquerel pro Kilogramm auch für Rindfleisch und Reis. Bereits seit April galt dieser Grenzwert für andere Lebensmittel, allerdings waren Reis, Rindfleisch und Sojabohnen bislang ausgenommen worden, da sie sich bereits zu lange im Umlauf befanden.

Die Regelung für Sojabohnen will das Ministerium für Gesundheit, Arbeit und Soziales dann im Januar 2013 einführen, berichtet die jiji.

Tsunami-Übung mit Behelfsbrückenbau: Das Dorf Nachikatsuura (Präf. Wakayama) hat aufgrund der Befürchtung, das Nankai-Großbeben könnte zu Tsunami von bis zu 18 Metern in dem Gebiet führen, eine Übung zum Bau provisorischer Brücken durchgeführt.

Wasserfälle von Nachi: Weltkulturerbe der UNESCO (Foto: Kansai explorer cc-by)
Wasserfälle von Nachi: Weltkulturerbe der UNESCO (Foto: Kansai explorer cc-by)

In der Übung vom heutigen Donnerstag ging man von einem Katastrophenszenario aus, in dem eine Brücke der Nationalstraße, die an der Pazifikküste verläuft, durch den Tsunami fortgespült wurde.

Örtliche Unternehmen benötigten etwas mehr als eine Stunde, um aus Stahlteilen eine zehn Meter lange Brücke zu bauen.

Ein weiterer Bestandteil der Übung war nach Angaben der NHK auch die Schaffung einer Brücke aus Rohren von 1,5 Metern Durchmesser und Erdmaterial, um Hilfsfahrzeugen die Überquerung von breiteren Gewässern zu ermöglichen.

Das zuständige Ministerium kündigte an, entsprechendes Baumaterial im Ort lagern zu lassen, so dass innerhalb von zwei Tagen nach einem Erdbeben eine derartige Brücke gebaut werden kann.

Senkaku-Konflikt und Takeshima-Streit nach UN-Reden: Die Kontrahenten im Inselstreit lassen in ihren gegenseitigen Protesten nicht nach und das wird sich zunächst auch nicht ändern. An dieser Stelle die aktuellen Neuigkeiten im Überblick:

Japan und Korea im Disput um Takeshima-Inseln (Grafik: spreadnews.de)
Japan wehrt sich gegen Ansprüche auf zwei Inselketten (Grafik: spreadnews.de)

China zensiert Berichte über Wasserkanonen-Duell:  Die Propaganda-Abteilung der Regierung, wies die Medien am Dienstag an, entweder auf eine Berichterstattung gänzlich zu verzichten, oder die Wasserschlacht zumindest nicht zur Titelgeschichte zu machen.

Chinesen protestieren vor UN-Gebäude: Anlässlich der Rede von Japans Premierminister Yoshihiko Noda vor den Vereinten Nationen in New York protestierten einige hundert Chinesen vor dem Gebäude der UN. Die Demonstranten trugen chinesische Flaggen und forderten auf Schildern die Rückgabe der Inseln an China

Premierminister Noda spricht vor der UN: In seiner Rede vor der UN erklärte Japans Regierungschef Yoshihiko Noda, sein Land sei darum bemüht, territoriale Angelegenheiten friedlich zu lösen. Es sei jedoch in der Verantwortung jeder Nation sein Staatsgebiet und die eigene Souveränität zu schützen und Japan werde dieser Pflicht nachkommen. Es gebe keine keinen Territorialfall als solches, daher sei auch ein Kompromiss nicht möglich.

Länder sollten zudem der Funktion des Internationalen Gerichtshofs mehr Beachtung schenken – ein offensichtlicher Seitenhieb auf die Führung Südkoreas, die eine Lösung der Streitigkeiten um die Takeshima-Kette vor dem Gericht abgelehnt hatte.

Neben der Reform von Steuer- und Sozialsystem sprach Noda auch über die Energiepolitik des Landes und bekräftigte den Atomausstieg in den 2030ern. Diesbezüglich werde man keine Kosten und Mühen scheuen, um erneuerbare Energien zu fördern.

China reagiert verärgert auf UN-Rede von Noda: Am Donnerstagmorgen veröffentlichte der Sprecher von Chinas Außenministerium, Qin Gang, ein Propaganda- Schreiben, in dem Japan vorgeworfen wird, historische Fakten und internationales Recht zu ignorieren und offen die Souveränität anderer Staaten anzugreifen.

Unter dem Deckmantel internationaler Gesetze fordere Japan, dessen Namen er im gesamten Dokument nicht nannte, die internationale Ordnung der Nachkriegszeit heraus, indem es diese ignoriere. Bei seiner offiziellen Rede am Freitag wird Chinas Außenminister Yang Jiechi voraussichtlich erneut die vermeintlichen Ansprüche seiner Nation darlegen.

Japan wehrt sich gegen Chinas Kritik: Chefkabinettssekretär Osamu Fujimura beschrieb Chinas Aussagen als einen Haufen wilder Anschuldigungen. Insbesondere die Behauptung, Japan fechte die Ergebnisse der Zweiten Weltkriegs an, sei gänzlich unangebracht und verfehle das Thema.

Beide Nationen seien für Frieden und Stabilität in der Region verantwortlich und müssten ihre beiderseitig vorteilhaften Beziehungen vertiefen.

UN veröffentlicht Senkaku-Dokumente: Die Vereinten Nationen haben zwei Dokumente veröffentlicht, die Japan bzw. China zur Angelegenheit der Senkaku-Inseln eingereicht hatten. In den von China am 13. September eingereichten Dokumenten ist eine Seekarte enthalten, die zwei Basislinien an den Senkaku zeigen

Dem Seerechtsübereinkommen der Vereinten Nationen zufolge, dient eine Basislinie zur Berechnung bzw Vermessung von Territorialgewässern. Japans UN-Vertretung legte am Montag einen Widerspruch ein. Diese Karten hätten keinen rechtliche Gültigkeit, da historische Fakten und internationales Recht zweifellos die Zugehörigkeit zum japanischen Territorium belegten.

China will mit Faschismuskeule Verbündete gewinnen: China versucht offenbar seine Nachbarstaaten, die teilweise während des Zweiten Weltkriegs von Japan besetzt waren, durch eine Verknüpfung der Senkaku-Diskussion mit Japans Faschismus im 20. Jahrhundert auf seine Seite zu ziehen.

Am Rande der Vollversammlung hätten sich Chinas Außenminister Yang mit seinem südkoreanischen Kollegen Kim Sung-hwan getroffen. Südkoreanischen Quellen zufolge, wollten beide gemeinsam die Themen der Senkaku, Takeshima, und Trostfrauen nutzen, um Japan unter Druck zu setzen.

China bemüht Geschichte als Rechtfertigung: Insbesondere die Geschichte muss als Stütze für die Forderungen herhalten. Japan habe zur Zeit der chinesischen Qing-Dynastie die Inseln illegal in Besitz genommen. In der Kairoer Erklärung 1943 sei geregelt worden, dass Land aus dieser Zeit an China zurückgegeben werden müsse.

Im Potsdamer Abkommen vom Juli 1945 diktierten die USA, Großbritannien und China im Voraus die Bedingungen für eine japanischen Kapitulation. Japan hatte diese nach den Atombombenabwürfen und der Niederlage gezwungenermaßen akzeptieren müssen. Da diese auch die Kairoer Erklärung umfasse, fordert China die Rückgabe.

Japan soll Territorialkonflikt zugeben: Bei einem Treffen zwischen japanischen Rechtsanwälten und Geschäftsleuten in Peking  forderte Jia Qinglin, Vertreter der kommunistischen Partei Chinas, nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Xinhua, Japan müsse die Ernsthaftigkeit der gegenwärtigen Situation sehen und die Existenz eines Territorialkonflikts anerkennen.

UN-Rede Südkoreas wird auf Trostfrauen abzielen: Es wird erwartet, das Südkorea erstmals die Angelegenheit der koreanischen Frauen, die während des Zweiten Weltkriegs als Armeeprostituierte für die Kaiserlich Japanische Armee dienten mussten, vor die UN-Generalversammlung bringen wird.

Taiwans Präsident beglückwünscht Fischer: Am heutigen Donnerstag lud Taiwans Präsident Ma Ying-jeou einige Fischer ein, die am Dienstag an einer Aktion teilgenommen hatten, in deren Verlauf mehrere Fischerboote in japanische Hoheitsgewässer eingedrungen waren. Taiwan habe lediglich auf Japans Aktionen reagiert, man beabsichtige keinen Streit.