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Japan aktuell: Fukushima-Pressematerial sollte zensiert werden

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Bereits am Wochenende war zu hören, auch ausländischen Journalisten werde das Gelände am AKW Fukushima Daiichi im Rahmen einer Führung gezeigt und auch die Möglichkeit das erste Mal seit dem Unglück mit dem Leiter des AKW Fukushima aktuell reden und Fragen stellen zu können, passen zum Image der Transparenz, welche sowohl TEPCO als auch die neue Regierung pflegen.

Das unter eben jener Transparenz jedoch womöglich die des japanischen Washi-Papiers verstanden wird, durch das sich, wie etwa bei der Verwendung in den Shoji-Raumteilern, nur schemenhafte Umrisse erkennen lassen, wurde offenbar nicht einkalkuliert.

Mehr Klarheit soll nun folgen – im Spreadnews Japan-Ticker vom 14. November 2011.

Anti-Atomkraft- Großdemonstration in Fukuoka: In Fukuoka fand am Sonntag eine Großdemonstration gegen den Weiterbetrieb von Kernkraftwerken und die fortlaufende Nutzung von Atomenergie. Die Veranstalter sprechen von 15.000 Teilnehmern, darunter auch solche aus Südkorea, die Folgen für ihr Land bei weiteren Unglücken fürchten.

Rechtsgerichtete Gruppierungen in Japan (Uyoku) die typischerweise Gegendemonstrationen veranstalten,  werden diesen Umstand wahrscheinlich nutzen, um die friedlichen Proteste als „anti-japanisch“ darzustellen (zu den Uyoku siehe die Spreadnews-Meldung vom 7. November 2011).

Bereits vor dem großen Protestmarsch der Atomkraftgegner haben sich die Teilnehmer der Demonstration in einem Park versammelt, wo Reden gehalten und ein Taiko-Trommelkonzert stattgefunden habe. Sollten die Angaben zur Teilnehmerzahl korrekt sein, dürfte es sich um eine der größten Aktionen von Atomkraftgegnern in Japan handeln. Es handelte sich im Übrigen um kein reines Jugendevent, denn auch viele Menschen mittleren und höheren Alters waren Teil der Demonstration. Entsprechende Berichte gibt es etwa von den Nachrichtenagenturen Kyodo und jiji.

Zensurversuch bei Fukushima-Besichtigung durch Journalisten: Erstmalig seit dem Unglück vom 11. März wurde es einer ausgesuchten Gruppe von Journalisten am Wochenende gestattet, dass so genannte „J-Village“, in dem die Fukushima-Arbeiter leben zu besichtigen und sich einen visuellen Überblick über die Anlage zu verschaffen. Begleitet wurde die Gruppe vom Minister für das Fukushima Krisenmanagement Goshi Hosono.

Die Besuche im „J-Village“ zeigten dabei offenbar das typische Bild: Aufenthaltsräume mit Ermutigungsschreiben an den Wänden. Im Gespräch mit dem Leiter des Atomkraftwerks erklärte dieser, neben neuen Kräften würden immer noch Angestellte der ersten Stunde dort arbeiten und er überlege wie man sie „revitalisieren“ könne.

Zudem hätten sich die Arbeitsbedingungen und Versorgungslage für die Arbeiter stetig gebessert. Waren zur Akutzeit der Krise lediglich Notrationen wie Zwieback vorhanden gewesen, habe es später Mikrowellen zum Aufwärmen von Mahlzeit und nun eine Kantine gegeben. Auch die Arbeitsmoral der Arbeiter sei hoch.

Während die  Bilder der Anlage, die von einem Aussichtspunkt gemacht werden konnten, zwar die Folgen des Reaktorunglücks dokumentieren, jedoch  ein vergleichsweise harmloses Bild zeigen, ist die Realität für Arbeiter, die sich stetig der unsichtbaren Gefahr der Radioaktivität gegenüber sehen eine andere.

Das durften dann auch Journalisten selbst erfahren: Als sich die Busse dem Reaktor 3 näherten, lösten einige der Dosimeter einen Alarm wegen der Strahlungswerte aus. Eine Nachmessung durch einen Angestellten von TEPCO ergab eine Belastung von einem Milisievert (1000 Mikrosievert) pro Stunde.

Doch nicht nur die Aufnahme wirken harmlos – auch die scheinbare Medienfreundlichkeit von Regierung und Unternehmen könnte aus mehr Schein als Sein bestehen, berichtet die Asahi Shimbun.

Keine freien Journalisten: Lediglich 36 Reportern war eine entsprechende Erlaubnis erteilt worden. 19 der zugelassenen Gruppen gehörten dabei regulär dem Presseclub des Parlaments an und sieben dem Presseclub der Präfekturverwaltung Fukushima. In den zehn verbliebenen Journalistengruppen waren auch Reporter aus dem Ausland vertreten.  Freie Journalisten und Internet-Berichterstattern waren für die Besichtigung nicht zugelassen worden.

Zensurversuch gegen Medien: Ursprünglich hatte das Kabinettssekretariat mitgeteilt, werde TEPCO die dort von den Journalisten gemachten Foto- und Videoaufnahmen sichten und falls nötig, um Löschung des Materials bitten, falls eine Terrorismusgefahr durch die Aufnahmen bestehe.

Dies stelle einen absoluten Sonderfall dar, erklärte die Asahi Shimbun, denn üblicherweise werde bei der Besichtigung von Nuklearanlagen lediglich die Aufnahme  bestimmter Bereiche untersagt. Dass dagegen die Medien im Nachhinein gesichtet würden, sei ein Novum und stelle Zensur dar, was einen Verstoß gegen die japanische Verfassung bedeuten würde. Schliesslich gab das Kabinettssekretariat nach und folgte der üblichen Regelung, lediglich ein Verbot für bestimmte Bereiche zu ermöglichen.

Leiter des AKW Fukushima stellt sich Fragen: Verbunden mit der Besichtigung der Anlage war es Journalisten am Samstag erstmals möglich, Fragen an Masao Yoshida, Leiter des Unglückskraftwerks Fukushima Daiichi zu stellen. Dabei wurde auch die Frage nach der für ihn belastendsten Situation während der Fukushima-Krise gestellt.

Seine Antwort bezog sich erwartungsgemäß auf die erste Woche nach dem Unglück. Er hatte, so seine Aussage, zu diesem Zeitpunkt „keine Ahnung was als nächstes passieren würde“ und man habe alles nur vorstellbare getan. „Um es wirklich sehr freimütig zu sagen: Wir dachten mehrmals, dass wir nun sterben würden„.

Der Bitte, die Umstände der Wasserstoffverpuffung und der damit verbundenen Explosion sowie seine persönlichen Gefühle hierzu zu schildern kam Herr Yoshida nach. Zuerst habe man ein Geräusch gehört, das man nicht habe einordnen können. Dann erst habe man von zurückkehrenden Personen erfahren, es sehe so aus, als ob Reaktor 1 explodiert wäre. Die folgenden Explosionen der Reaktoren 3 und 4 habe man ebenfalls gehört jedoch selbst nicht ausmachen können, ob sich die Detonationen an Reaktor 2 oder Reaktor 4 ereignet hätten

Zu den nächsten Problemen die es in naher Zukunft zu klären gilt, nannte Yoshida die Strahlung, der die Arbeiter ausgesetzt seien und auch ein besserer Rotationssystem der Arbeitsschichten sei besonders wichtig.

Befragt, wie er die momentane Situation einschätze führte Yoshida – fast erwartungsgemäß – aus, er sei der Ansicht, dass die Reaktoren stabil seien. Allerdings, so schränkte er ein, stabil bedeute nicht, dass sie sicher wären. Die Strahlung sei nach wie vor hoch und die tägliche Arbeit weiter gefährlich. Der Status der Reaktoren sei jedoch soweit stabilisiert, dass sich Personen die in der Umgebung wohnen, nun entspannter fühlen könnten.

Eine Antwort auf die Frage der Dosis welche er selbst insgesamt ausgesetzt gewesen sei, wollte er unter Verweis auf die persönliche Art der Information nicht geben, sie habe jedoch „ein gewisses Maß erreicht„.

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