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Japan aktuell: Fukushima-Ratten stark radioaktiv belastet

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Eine asiatische Hausratte (Foto: Thomas Brown cc-by)
Fukushima: Ratten radioaktiv belastet (Abb. symbolisch Foto: Thomas Brown cc-by
Eine asiatische Hausratte (Foto: Thomas Brown cc-by)
Fukushima: Ratten radioaktiv belastet (Abb. symbolisch Foto: Thomas Brown cc-by

Die Berichte während des Wochenendes befassten sich weitgehend mit der unterschiedlichen Bereitschaft von Gemeinden über den Neustart von Reaktoren in ihrer Umgebung. Doch während es zuvor eine breite Ablehnung gegeben hatte, hat nun ausgerechnet die Ortschaft Oi, in der sich das gleichnamige AKW befindet, ihr Einverständnis gegeben.

Die aus Fukushima aktuell gemeldete radioaktive Belastung von Ratten,  bedurfte dagegen keiner Zustimmung der Tiere. Mehr Details, Fukushima News und Einzelheiten hierzu jetzt im aktuellen Spreadnews Japan-Ticker vom 14. Mai 2012.

Unsere heutigen Themen:

  • Radioaktiv belastete Ratten in Fukushima
  • Testweiser Reisanbau in Präfektur Fukushima
  • Gemeinde Oi stimmt für AKW-Neustart
  • Neues Tsunami-Evakuierungssystem für Mobiltelefone getestet
  • Präfektur Osaka will Katastrophentrümmer zur Verbrennung übernehmen
  • Übergangshäuser führen zu hohen Kosten und Depressionen
  • Tenno besucht Katastrophenopfer in Sendai


Radioaktiv belastete Ratten in Fukushima:
Ein geflügeltes Wort besagt, dass die Ratten das sinkende Schiff verlassen. Doch zumindest scheint dies für die Ratten der Präfektur Fukushima nicht zu gelten – entdeckten doch Wissenschaftler vom Forschungsinstitut für Forstprodukte in Ratten aus den Präfekturen Fukushima und Ibaraki hohe Werte von radioaktivem Cäsium in den Tieren.

Asiatische Hausratte, Rattus Tanezumi  (Foto: Thomas Brown cc-by)
Fukushima-Ratten stark radioaktiv belastet (Abb. symbolisch, Foto: Thomas Brown cc-by)

Die Ratten waren im Oktober und Dezember letzten Jahres in den Wäldern und entfernten Gebieten in der Nähe des AKW Fukushima gefangen und untersucht worden.

Nach Angaben des Insituts wurde die größte Menge an radioaktivem Cäsium in Ratten, die nahe der Ortschaft Kawauchi und damit etwa 30 Kilometer vom AKW Fukushima entfernt gefangen wurden, nachgewiesen.

Die Belastung der Tiere dort betrug 3.100 Becquerel Cäsium pro Kilogramm. In etwa 70 Kilometern Entfernung zum Kernkraftwerk, in der Stadt Kita-Ibaraki (Präf. Ibaraki) wurden 790 Becquerel pro Kilogramm gemessen.

Die Radioaktivitätswerte der Luft lagen in Kawauchi bei 3,11 Mikrosievert pro Stunde und betrugen in Kita-Ibaraki insgesamt 0,2 Mikrosievert pro Stunde, was nach Ansicht des Instituts dafür spricht, dass die Konzentration von Cäsium in Ratten im Verhältnis zur Umgebungsradioaktivität der Tiere stehe.

Diese Entdeckung ist nach Meinung von Yoshihisa Kubota, leitender Forscher am Nationalen Institut für Strahlungswissenschaften deshalb von Interesse, da Ratten ähnlich empfindlich auf Strahlung reagieren wie Menschen. Aus diesem Grund seien auch weiterführende Untersuchungen der Effekte von Strahlung auf wildlebende Tiere von besonderer Bedeutung. Das berichtet die NHK.

Testweiser Reisanbau in Präfektur Fukushima: Ausgerechnet in Kawauchi, dem Fundort stark kontaminierter Ratten, begannen am Sonntag etwa 50 Personen, darunter auch Freiwillige aus dem Großraum Tokyo, mit dem traditionellen Reisanbau. Die Pflanzungen vor Ort, nur 20 Kilometer vom AKW Fukushima Daiichi entfernt, soll Aufschluss darüber geben, ob der in diesem Gebiet angebaute Reis radioaktives Cäsium enthalten würde.

Im Rahmen des Versuchs werden auf insgesamt 30 Reisfeldern, die jeweils einen 1.000 Quadratmeter großen Testbereich aufweisen, auf denen der Reis in unterschiedlicher Tiefe und mit variierenden Mengen verschiedener Mineralien die radioaktives Material aufnehmen sollen besprüht wird, Testpflanzungen durchgeführt. Am Beginn der Bewässerungsgräben wurden zudem Planen aus Radioaktivität absorbierenden Stoffen ausgelegt. Der später geerntete Reis wird nicht im Handel vertrieben, sondern zu Strahlungsmessungen genutzt.

Während dem Ort im vergangenen Jahr noch durch die Regierungsbestimmungen Anbau und Ausfuhr von Reis untersagt worden waren, hatte man in diesem Jahr freiwillig auf die großflächigen Pflanzungen verzichtet. Abhängig von den Ergebnissen des nun erfolgten Testanbaus, bemüht sich der Ort, ab kommenden Jahr wieder Reis produzieren zu können, so die NHK, die Mainichi Shimbun und die Nachrichtenagentur jiji.

Gemeinde Oi stimmt für AKW-Neustart: Die Gemeindeversammlung von Oi (Präf. Fukui) hat am heutigen Montag der Bitte der Regierung in Tokyo, einem Neustart der beiden Reaktoren am Atomkraftwerk Oi zuzustimmen entsprochen und den Neustart gebilligt. Bei einer Abstimmung hatte sich die Mehrheit der Stimmen für die Maßnahme ausgesprochen. Bürgermeister Shinobu Tokioka reagierte auf die Bekanntgabe des Ergebnisses mit der Aussage, nun müsse man sich vermutlich bis Ende des Monats entscheiden. Hierüber berichteten die NHK, sowie die Nachrichtenagenturen Kyodo und jiji.

Nach Meldung der Asahi Shimbun wird eine Zustimmung des Bürgermeisters bereits bei einem Treffen mit Issei Nishikawa, Gouverneur der Präfektur Fukui, im Laufe der Woche erwartet. Die endgültige Genehmigung durch Nishikawa macht dieser von den Maßnahmen der Regierung in Tokyo, auch die angrenzenden Präfekturen Kyoto und Shiga überzeugen, abhängig.

Viele Mitglieder begründeten ihre Unterstützung mit der Notwendigkeit einer stabilen Energieversorgung während der Sommermonate und der Tatsache, dass die Sicherheit des AKW Oi bereits ausreichend bestätigt sei. Kritiker bestreiten dies und führen an, vor Abschluss der Untersuchungen am AKW Fukushima Daiichi könnten nicht alle sicherheitsrelevanten Punkte abgedeckt werden. Dennoch konnte der Einwand, die Gesamtheit der Bürger von Oi selbst müsste den Neustart erlauben, keine mehrheitliche Unterstützung erzielen.

Neues Tsunami-Evakuierungssystem für Mobiltelefone getestet: In der Küstenstadt Natori (Präf. Miyagi) wurde ein neues, an der Universität von Tohoku entwickeltes Tsunami-Evakuierungssystem getestet, mit dem die Evakuierungszeiten verkürzt werden sollen. Die Besitzer der Mobilgeräte werden per Textnachricht über den Tsunami informiert und angewiesen, sich in Sicherheit zu bringen. Professor Fumihiko Imamura, der an dem Projekt mitwirkte hofft, das Gruppen wie etwa örtliche Gemeinden, das System einsetzen werden.

Einmal an dem  System angeschlossen, erhält der Nutzer zunächst die Warnung über das ereignete Erdbeben, gefolgt von einer weiteren Nachricht, in der ein nahe gelegener Evakuierungspunkt empfohlen und auf einer Karte angezeigt wird. Zudem sind Rückmeldungen an die Leitung des jeweiligen Systems möglich, so dass man diesen über eine geglückte Evakuierung in Kenntnis setzen kann.

Präfektur Osaka will Katastrophentrümmer zur Verbrennung übernehmen: Wie die Mainichi Shimbun am Sonntag berichtete, erklärten sich sowohl die Verwaltung der Präfektur Osaka, als auch die Stadtverwaltungen dazu bereit, insgesamt 180.000 Tonnen an Trümmern und Abfällen aus der Präfektur Iwate, die durch das Tohoku-Erdbeben und den Tsunami entstanden waren, zur Lagerung zu übernehmen.

Dabei sollen die Überreste zunächst verbrannt und die Asche dann auf der künstlich geschaffenen Insel Yumeshima  gelagert werden. Zunächst wird jedoch erwartet, dass das Umweltministerium gegen Ende des Monats genaue Bestimmungen und Anweisungen geben wird, wie eine Kontamination der Bucht von Osaka durch radioktiv belastete Asche zu verhindern ist. Im Anschluss daran sollen eine Anhörung von Sicherheitsexperten und die Entscheidung durch die Präfekturleitung folgen.

Die künstliche Insel Yumeshima dient bereits als Endlager für die Abfälle der Stadt. Bislang werden 730.000 der insgesamt 3,85 Millionen Quadratmeter der Insel zur Abfalllagerung genutzt. Aufgrund der Platzbeschränkung denke man jedoch auch über weitere mögliche Lagerstätten für radioaktive Asche nach.

Die Bitte der Regierung an Gemeinden mit Müllverbrennungen, Trümmer mit einer Belastung von 100 Becquerel oder niedriger, zur Verbrennung und Lagerung zu übernehmen, stieß aus Angst vor Kontamination und Bürgerprotesten weitgehend auf taube Ohren. Lediglich die Leitung von Osaka wies das Umweltministerium an, zuvor die Sicherheit der Lagerstatt zu überprüfen, um dann Abfälle zu übernehmen.

Übergangshäuser führen zu hohen Kosten und Depressionen:  Die Baukosten für Übergangshäuser haben die bisher anvisierten Beträge bereits überschritten. Das Ministerium hatte die Baukosten auf 2.387.000 Yen pro Einheit berechnet – doch die tatsächlichen Kosten sind an die sechs Millionen Yen gestiegen. Ursächlich hierfür ist, dass die Vorbereitung der Bauflächen und die Versorgung mit Strom und Wasser ebenso wenig berücksichtigt wurde, wie Maßnahmen zum Kälteschutz wie etwa Dämmstoffe oder Doppelglasfenster.

Während diese finanziellen Gesichtspunkte vor allem für die Verwaltungen betrüblich sind, die sich um die bislang etwa 52.000 Übergangshäuser kümmern müssen, sorgen andere Zahlen für ernsthafte Besorgnis.

Eine Umfrage der Tohoku-Universität, die zwischen Februar und März 2012 gemeinsam mit anderen Einrichtungen, durch Befragung von 548 Personen von 40 Jahren oder älter in Übergangshaussiedlungen durchgeführt worden war ergab, dass Männer in den Vierzigern das höchste Risiko für Depressionen aufwiesen. Insgesamt gab es 396 gültige Stimmen. Das Durchschnittsalter der Befragten lag bei 64,7 Jahren.

Über 30 Prozent der Befragten, die in Iwanuma (Präf. Iwate) leben gaben an, ein Hobby nach den Naturkatastrophen  aufgegeben zu haben und weniger unter Menschen zu gehen als zuvor. Insgesamt 36 Prozent aller befragten Personen wiesen eine depressive Tendenz auf.

Bei den männlichen Befragten wiesen 61 Prozent der Personen in den Vierzigern den größten Anteil auf –  gefolgt von den 50 Jahre alten Männern Mitte 50. Die Zahl nahm mit zunehmendem Alter ab. Sie lag bei Menschen von 60, 70 und 80 Jahren bei maximal 25 Prozent. Bei den befragten Frauen lag der geringste Anteil der depressiv Veranlagten von 30 Prozent bei den 60ern. In den anderen weiblichen Altersgruppen schwankten die Zahlen zwischen 36 und 44 Prozent.

Tenno besucht Katastrophenopfer in Sendai: Bei einem Besuch am Sonntag sprachen der Tenno und seine Gemahlin den Opfern der Tohoku-Katastrophen, die nach wie vor in den 194 Haushalten der Übergangshäuser von Sendai leben, ihr Mitgefühl aus und ermutigten die betroffenen Menschen.

Heisei Tenno Akihito am 17. April 2011 (Foto: pd)
Der Tenno im April 2011 (Foto: pd)

Bei diesem Besuch handelt es sich um den ersten öffentlichen Auftritt des Tenno außerhalb von Tokyo, seitdem er sich im Februar diesen Jahres einer Bypass-Operationen unterzogen hatte.

Bei ihrem Besuch des Komplexes im Bezirk Wakabayashi, in dem 381 Personen leben, liessen sie sich die persönlichen Schicksale Einzelner erzählen und fragten sie nach ihren Lebensumständen und den erfolgten Hilfsmaßnahmen. Das berichteten Kyodo, NHK und jiji

Etwa 70 Prozent der Bewohner der Übergangshäuser stammen aus dem Ortsteil Arahama, dessen Häuser vom Tsunami 2011 fast vollständig verwüstet worden waren.

Seine nächste Reise wird das kaiserliche Paar nach Großbritannien führen, um dort den Feierlichkeiten anlässlich des 60. Thronjubiläums von Queen Elisabeth II. beizuwohnen.

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