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Japan aktuell: Fukushima-Reis 2012 über Grenzwert belastet

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Radioaktiver Reis (Foto: Kushi Institute cc-by)
Radioaktive Reisvorräte immer noch problematisch (Reis-Foto: Kushi Institute cc-by)
Radioaktiver Reis (Foto: Kushi Institute cc-by)
Stichprobe von Fukushima-Reis 2012 radioaktiv belastet (Reis-Foto: Kushi Institute cc-by)

Die gestern angekündigten neuen Berechnungen der Strahlungsverbreitung an AKW im Katastrophenfall, scheinen eine Ausweitung der bislang anvisierten Evakuierungszonen erforderlich zu machen und tatsächlich gibt es heute hierzu weiterführende Informationen.

Für die Bevölkerung dürfte eine andere, aus Fukushima heute gemeldete Strahlungsbelastung, von größerem Interesse sein.

Somit bleibt das Problem kontaminierter Lebensmittel nach der Katastrophe von Fukushima aktuell. Neben diesen reinen Fukushima News gibt es heute auch weitere Meldungen, wie üblich im Spreadnews Japan-Ticker vom 24. Oktober 2012.

Unsere heutigen Themen:

  • Fukushima-Reis 2012 überschreitet Grenzwert
  • Forderung nach neuen Kriterien für aktive Verwerfungen
  • Geplante Reaktor-Sicherheitszonen möglicherweise unzureichend
  • Spannungen mit China und Korea weiterhin Thema
    • Chinesische Schiffe wiederholt in Grenzzone
    • China führt möglicherweise Unterschungen durch
    • Geheime Treffen zwischen China und Japan
    • Angebliche Zwangsarbeiterinnen klagen gegen Japan
Eine Reis-Rispe
Proben aus erstem Jahrgangsreis 2012 kontaminiert (Foto: pd)

Fukushima-Reis 2012 überschreitet Grenzwert: Erstmals wurde bei Reis, der in diesem Jahr geerntet wurde, eine Überschreitung des gesetzlichen Strahlungsgrenzwertes festgestellt.

Nach Angaben der jiji wurden in der Stadt Sukagawa insgesamt 110 Becquerel an radioaktivem Cäsium pro Kilogramm gemessen.

Damit wird der seit 1. Oktober 2012 geltende Grenzwert für Reis in Höhe von 100 Becquerel pro Kilogramm überschritten, teilte die Präfekturleitung am heutigen Mittwoch mit.

Die Überschreitung in einem 30 Kilogramm-Reissack waren bei einer Kontrolle von 320 Säcken Reis entdeckt worden. Die Ware ist nach Präfekturangaben noch nicht in den Handel gelangt, ein Lieferstopp des Betriebs wird so schnell wie möglich ausgesprochen werden.

Forderung nach neuen Kriterien für aktive Verwerfungen: Kunihiko Shimazaki, stellvertretender Vorsitzender von Japans Atomsicherheitsaufsicht NRA, fordert eine Ausweitung der Definition einer „aktiven Verwerfung“. Auch geologische Formationen die älter sind, als der bisherige Bemessungszeitraum, müssten als „aktiv“ eingestuft werden.

Bislang gilt in der Erdbebensicherheits-Regelung eine Verwerfung dann als aktiv, wenn es Hinweise darauf gibt, dass sie sich in den letzten 120.000 to 130.000 Jahren bewegt habe. Shimazaki fordert eine Ausweitung dieses Zeitraums auf die letzten 400.000 Jahre, hätte es doch innerhalb dieser Zeiträume oftmals keine Änderungen gegeben – und teilt damit Ansichten von vielen Experten.

Sollte man tatsächlich die Regelungen über den Zeitraum ändern, so könnten sich einige, bislang als inaktiv geltende Verwerfungen, plötzlich auf der Liste von Faktoren finden, die bei künftigen Richtlinien zur Erdbebensicherheit eine Rolle spielen, berichtet die Asahi Shimbun.

Gegenwärtig ist der Bau von Kernkraftanlagen auf aktiven Verwerfungen verboten und die Feststellung eines solchen geologischen Merkmals kann zur Stilllegung eines Atomkraftwerks führen. Eine Neuregelung könnte so zumindest die Anpassung bestehender AKW erforderlich machen.

Geplante Reaktor-Sicherheitszonen möglicherweise unzureichend: Bereits gestern berichteten wir über die neuen Einschätzungen der Atomsicherheitsbehörde NRA, dass die bisherigen Pläne zu Sicherheitszonen von 30 Kilometern möglicherweise unzureichend sind, um die Anwohner im Fall einer Reaktorkatastrophe ausreichend vor Strahlung zu schützen.

Nun nehmen sich mehrere japanische Medien dieser Meldung an.

Bei den veröffentlichten Daten handelt es sich um die ersten Prognosen einer Strahlungsverbreitung im Katastrophenfall an 16 AKW in ganz Japan. Neben den gestern bereits gemachten allgemeinen Angaben, gibt es nun mehr Einzelheiten im Bezug auf die unterschiedlichen Kraftwerksanlagen.

  • Das AKW Kashiwazaki-Kariwa, das über die höchste Kapazität verfügt, weist mit eine mögliche Verbreitung von 40,2 Kilometern bis zur Stadt Uonuma, die größte mögliche Verbreitung aller getesteten Kraftwerke auf. Für diesen Bereich würde innerhalb einer einwöchigen Aktuphase eine Evakuierungsaufforderung erfolgen.
  • Das AKW Oi, gegenwärtig Japans einzig aktives Kernkraftwerk, würde radioaktives Material in süd-südwestliche Richtung tragen, so dass noch in Nantan (Präf. Kyoto), das 32,2 Kilometer südlich  der Anlage liegt, über 100 Millisievert gemessen werden würden.
  • Im Fall des AKW Takahama wird der kumulative Effekt deutlich. Sollte es hier zu einer Reaktorkatastrophe kommen, müsste auch das Gebiet um das AKW Oi aufgrund der hohen Strahlung ebenfalls evakuiert werden.
  • Beim AKW Hamaoka würde sich das Material auch über das Meer verbreiten.

Im Fall der 12 weiteren getesteten Kernkraftwerke lag die Verbreitung stark radioaktiven Materials nach einem Kraftwerksunfall noch innerhalb der geplanten Sicherheitszone von 30 Kilometern.

Die nochmalige Ausweitung der Evakuierungszone – geplant war eine Vergrößerung von bislang 10 auf 30 Kilometer – würde die Gemeinden vor neue Herausforderungen stellen. Doch eine derartige weitere Ausdehnung wird es aller Wahrscheinlichkeit nach nicht geben.

Die NRA wies darauf hin, dass diese Berechnungen lediglich hypothetischer Natur seien und es daher nur eine begrenzte  Zuverlässigkeit gebe. Die auf diesen Daten basierenden Strahlungskarten wurden von der NRA und Japans Atomenergiesicherheitsorganisation (JNES) zusammengestellt, um Gemeinden bei der Erstellung von Katastrophenschutzplänen zu helfen.

Tatsächlich verteidigte der Vorsitzende der NRA, Shunichi Tanaka, die geplante 30-Kilometer-Zone. Selbst im Fall eines schweren Reaktorunglücks sei es für Gemeinden außerhalb dieser Zone nicht zu spät Einwohner zu evakuieren sofern die Strahlungswerte dies erforderlich machten.

Die Organisation will zudem im Rahmen ihrer Sicherheitskontrollen an AKW, auch in Gemeinden unmittelbar außerhalb von Kernkraftwerken entsprechende Ausrüstung wie Dosimeter und den Zustand von Evakuierungsmöglichkeiten  überprüfen.

Über die neuen Risikoeinschätzung der Radioaktivitätsverbreitung berichteten heute Kyodo, Asahi Shimbun, jiji, NHK und weitere Medien.

Spannungen mit China und Korea weiterhin Thema: Wieder beginnen Chinas Schiffe im Grenzgebiet zu japanischen Gewässern zu kreuzen und auch sonst gibt es weitere Wiederholungen in Konflikten mit den Nachbarstaaten. Die aktuellen Entwicklungen in Kurzübersicht:

Japanische Nationalflagge (Originalfoto: Toshihiro Oimatsu cc-by)
Japanische Nationalflagge (Originalfoto: Toshihiro Oimatsu cc-by)

Japans Küstenwache und MSDF üben Abfang von Spionageschiff: Bei einer gemeinsamen Übung von Meeresselbstverteidigungsstreitkräften und Küstenwache in der Wakasa-Bucht an der zwei MSDF-Schiffe, vier Küstenwachboote und zwei Helikopter teilnahmen, wurde unter anderem die Verfolgung eines unidentifizierten Schiffs und die Betankung eines Helikopters auf einem Zerstörer geübt.

Chinesische Schiffe wiederholt in Grenzzone: Am heutigen Mittwoch wurden erneut fünf chinesische Schiffe in Gebieten knapp außerhalb japanischer Gewässer gesichtet. Die vier Marineschiffe sind bereits seit Samstag dabei, abwechselnd die Grenzzone zu betreten und wieder zu verlassen. Seit gestern beteiligt sich auch ein Forschungsschiff an der Aktion.

China führt möglicherweise Untersuchungen durch: Das chinesische Forschungsschiff hat nach Sichtung der japanischen Küstenwache, ein nicht näher genanntes Untersuchungsinstrument an einem Seil in das Meer hinabgelassen und dies etwa eine Stunde beibehalten und später ein Gerät zur Sammlung von Meeresbodenproben genutzt. Gegen 18:30 hätten die vier Beobachtungsschiffe die Grenzzone verlassen.

Geheime Treffen zwischen China und Japan: Vize-Außenminister Chikao Kawai und sein chinesischer Amtskollege Zhang Zhijun, sollen sich am vergangenen Wochenende in Shanghai getroffen und über die bilateralen Beziehungen beider Staaten gesprochen haben. Auch am 11. Oktober habe es Treffen gegeben. Einzelheiten wurden jedoch nicht bekannt.

Angebliche Zwangsarbeiterinnen klagen gegen Japan: Südkoreanische Frauen die behaupten, während des Zweiten Weltkriegs zu Zwangsarbeiten in einer Firma gezwungen worden zu sein, haben nun Klage eingereicht und verlangen von ihrem einstigen Arbeitgeber eine Entschädigung.

Insgesamt fordern die fünf Kläger, darunter Angehörige früherer Arbeiter, eine Summe von 500 Millionen Won und behaupten, unter unangemessenen Bedingungen in einer Munitionsfabrik in Nagoya gearbeitet zu haben. Der Fall wurde nun vor ein Gericht in Gwanju (Südkorea) gebracht. Eine ähnliche Klage war zuvor  in Japan verloren worden.

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