Start Aktuelles Japan aktuell: Fukushima und andere Präfekturen wollen Küstenorte höher legen

Japan aktuell: Fukushima und andere Präfekturen wollen Küstenorte höher legen

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Fortgespültes Haus nach Tohoku-Tsunami 2011 (Foto: pd)
Präfekturen wollen Gebiete in Küstenlage schützen (Foto: pd)
Fortgespültes Haus nach Tohoku-Tsunami 2011 (Foto: pd)
Präfekturen wollen Gebiete in Küstenlage schützen (Foto: pd)

Ein großer Teil der erheblichen Schäden des Tohoku-Erdbebens 2011 entstanden durch den damit verbundenen Tsunami und so verwundert es nicht, wenn neben Fukushima aktuell, auch die Präfekturen Iwate und Miyagi über Möglichkeiten zum Schutz zurückkehrender Bewohner vor ähnlichen Naturkatastrophen beraten.

Dabei bleibt auch die Gefahr durch Schäden an Kernkraftwerken präsent, wobei neben dem AKW Fukushima heute auch andere Nuklearanlagen wieder Thema der Berichterstattung sind.

Einzelheiten zu Fukushima News und den weiteren Meldungen, jetzt im Spreadnews Japan-Ticker vom 13. November 2012.

Unsere heutigen Themen:

  • 12 Katastrophengemeinden wollen Standorte erhöhen
  • Wieder Anpassung der Wassereinspeisung erforderlich
  • NRA will Verwerfung unter AKW Tsuruga untersuchen
  • Anwohner klagen gegen AKW Hamaoka
  • Besuch des Dalai Lama in Tokyo führt zu Schlagabtausch mit China

12 Katastrophengemeinden wollen Standorte erhöhen: Wie eine Befragung von 37 Gemeinden in den Küstenregionen, die besonders schwer vom Tohoku-Erdbeben getroffen worden waren ergab, planen insgesamt Zwölf der betroffenen Verwaltungen eine künstliche Erhöhung der Lage des früheren Standorts, um besser vor künftigen Fluten geschützt zu sein.

Zu den Verwaltungen, die eine Anhebung ihrer Küstengebiete geplant haben, gehören (von Norden nach Süden verlaufend):

  • In der Präfektur Iwate handelt es sich um die Verwaltungen von Miyako, Yamada und Otsuchi, sowie  Kamaishi, Ofunato, Rikuzentakata und Kesennuma.
  • In der Präfektur Miyagi zählen Onagawa und Shigama, sowie Natori und Shinichi zu den betroffenen Orten
  • In der Präfektur Fukushima plant Iwaki eine derartige Maßnahme.

Bislang gibt es diesbezüglich jedoch noch keine aktiven Baumaßnahmen, was angesichts des notwendigen Aufwands wenig verwundert. Insbesondere Logistik und die große Menge an Füllmaterial zum Aufschütten der Gebiete stellen die Planer vor Herausforderungen – und diese steigen mit der Höhe der geplanten Anhebung.

Während die meisten eine Erhöhung des Standorts um bis zu sechs Meter anstreben, will die Verwaltung von Onagawa (Präf. Miyagi) ihr Gebiet bis zu 17 Metern hoch aufschütten, so dass künftige Gebäude und Anlagen 18 Meter über dem Meeresspiegel liegen würden, was nach Angaben der Yomiuri Shimbun einer fünfstöckigen Wohnanlage entspräche.

Auch die insgesamt zu bewältigende Fläche ist nur als riesig zu bezeichnen, werden doch alle Projekte insgesamt die Bearbeitung von 740 Hektar Land und die Beschaffung von 17,5 Millionen Kubikmeter Füllmaterial, das an anderer Stelle wie etwa dem Deichbau fehlen würde,  erforderlich machen.

Insbesondere Gebiete, in denen keine Hügel zur Abtragung vorhanden sind, oder deren weiches Erdreich ein Absacken der neu aufgeschütteten Masse zur Folge hätte, müssen mit noch höheren Kosten dieser Maßnahmen rechnen. Elf Gemeinden haben erste Rechnungen aufgestellt, die sich bislang auf insgesamt 300 Milliarden Yen belaufen und vom Staat getragen werden müssten.

Die Projekte könnten Arbeiten bis zum Fiskaljahr 2020 erforderlich machen.

Wieder Anpassung der Wassereinspeisung erforderlich: Am gestrigen Montag musste um 9:44 Uhr erneut der Wasserdurchfluss am Kühlsystem angepasst werden, nachdem an den Reaktoren 1 und 2 eine Abnahme festgestellt worden war und nun die Einspeisung erhöht werden musste. Die Anpassungen sehen wie folgt aus:

  • Reaktor 1: Speisewassersystem: Anstieg von 2,7 auf etwa 3,0 Kubikmeter pro Stunde. Reaktorkernsprühsystem: Bei etwa 2,0 Kubikmeter pro Stunde
  • Reaktor 2: Speisewassersystem: Anstieg von 1,8 auf etwa 2,0 Kubikmeter pro Stunde. Reaktorkernsprühsystem: Anstieg von 4,3 auf 4,5 Kubikmeter pro Stunde.

NRA will Verwerfung unter AKW Tsuruga untersuchen: Nachdem die Experten bei der Beurteilung einer Verwerfung unter Japans derzeit einzig aktivem AKW Oi keine Einigung erzielten und daher weitere Untersuchungen durch den Betreiber anordneten, hat die Atomaufsicht NRA nun angekündigt, geologische Besonderheiten unter dem AKW Tsuruga (Präf. Fukui) untersuchen zu wollen.

Auch in diesem Fall geht es um die Bestimmung aktiver Verwerfungen, da insbesondere eine unter Reaktor 2 verlaufende Bruchregion eine aktive Verwerfung sein könnte.

Eine im April durchgeführte Untersuchung hatte in einem anderen Fall eine Formation entdeckt, die möglicherweise mit einer aktiven Verwerfung in Verbindung stehen und so bei einem Großbeben ebenfalls in Bewegung geraten könnte. Wie die NHK meldet, will die NRA im weiteren Verlauf des Monats das AKW Tsuruga für Kontrollen besuchen.

Nachdem es im Fall des AKW Oi zu Kritik an der kurzen Kontrolle von nur einem Tag gekommen war, plane man nun zwei Tage für die Einschätzungen aufzuwenden, heisst es von der jiji.

Der Betreiber der Kraftwerks, Japan Atomic Power Company (JAPCO), erklärte bereits an sechs Bruchstellen selbst Untersuchungen durchgeführt zu haben, die Veröffentlichung der Testergebnisse wird aufgrund von Verzögerungen noch auf sich warten lassen.

In der Vergangenheit hatte JAPCO es mit der Wahrheit nicht allzu genau genommen und vorige Untersuchungsergebnisse ignoriert, oder vor der damaligen Atomaufsicht NISA verschwiegen und etwa im Fall der vermutlich aktiven Urazoko-Verwerfung unter der Anlage, erst später eingeräumt.

Anwohner klagen gegen AKW Hamaoka: Insgesamt 181 Personen, die gerichtlich eine Stilllegung des AKW Hamaoka (Präf. Shizuoka) fordern, kamen gestern darin überein, zusätzlich gegen Ende Januar des kommenden Jahres auch eine Klage gegen die Regierung in Tokyo einzureichen.

Atomkraftwerk Hamaoka (Foto: Yasunobu Hiraoka cc-by-nd)
Das AKW Hamaoka (Foto: Yasunobu Hiraoka cc-by-nd)

Auch wenn die jetzige Stilllegungsforderung die fünfte ihrer Art ist und Klagen vor mehreren Gerichten in der Angelegenheit vorliegen, so ist es nach Angaben der Mainichi Shimbun das erste Mal, dass die Regierung des Landes in diesem Fall verklagt wird.

Die Argumentation der Kläger basiert auf der Feststellung, dass die Fukushima-Krise die Gefahr von Kernkraftwerken aufgezeigt habe und der Betrieb des AKW Hamoka unter anderem, das in der Verfassung garantierte Recht zum „Streben nach Glück“ verletze. Daher sei eine Stilllegung ausreichend begründet.

Besuch des Dalai Lama in Tokyo führt zu Schlagabtausch mit China: Nachdem der 14. Dalai Lama bei seinem Besuch in Japan eine friedliche Lösung des Inselstreits empfohlen hatte, verurteilte er bei einer Rede in Tokyo heute die Menschenrechtsverletzungen Chinas.

Der 14. Dalai Lama im Oktober 2012 (Foto: Christopher Michel Photography cc-by)
Der 14. Dalai Lama im Oktober 2012 (Foto: Christopher Michel Photography cc-by)

Nach seinem Vortrag vor etwa 130 Regierungsvertretern erklärte Shinzo Abe, Vorsitzender der Liberaldemokraten (LDP), die Vertreter würden die universellen Werte von Freiheit und Demokratie, sowie Menschenrechte unterstützen und bereit, alles ihnen mögliche zu unternehmen, um die Unterdrückung der Menschenrechte in Tibet zu beenden.

Hong Lei, Sprecher des chinesischen Außenministeriums sprach im bereits bekannten Propaganda-Vokabular im Bezug auf die japanischen Äußerungen von der „Einmischung in innere Angelegenheiten“ Chinas. Zudem würden rechtsgerichtete politische Kräfte in Japan öffentlich die anti-chinesischen Aktivitäten des Dalai Lama unterstützten.

Bei seiner Rede in Japan habe er zudem den japanischen Namen „Senkaku“ statt des chinesischen „Diayou“ genutzt, was seine reaktionären Ansichten verdeutliche. Eine Aufnahme eines westlichen Journalisten der AP belegt jedoch, dass der Lama lediglich von „den Inseln“ gesprochen hatte.

In der jüngeren Vergangenheit hatten sich immer wieder Tibeter selbst verbrannt. Allein in diesem Monat haben sich bislang zehn Personen selbst angezündet. Während der Dalai Lama dies auf die Verzweiflung der Bevölkerung zurückführt, wirft China ihm vor, derartige Handlungen zu motivieren.

Über den Besuch in Japan berichteten mehrere japanische Medien wie etwa die Kyodo, NHK und Asahi Shimbun.

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