Start Aktuelles Japan aktuell: Fukushima zwischen Reaktorkühlung und Tsunami-Sushi

Japan aktuell: Fukushima zwischen Reaktorkühlung und Tsunami-Sushi

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Auch heute riss die Zahl der Meldungen um die Nuklearanlage Fukushima Daiichi in Japan nicht ab. Manches, wie die hohe Zunahme an Radioaktivität im Meer ist bedenklich, anderes, wie das Verhalten eines Ministers empörend – doch in jedem Fall berichtet Spreadnews über die aktuellen Entwicklungen in Japan.

Kühlarbeiten: Zwischenzeitlich sollen alle sechs Reaktoren wieder an das reguläre Stromnetz angebunden sein, da die Pumpen jedoch nicht arbeiten, wird auf die Anlieferung neuer Geräte gewartet. Mittlerweile unterstützt auch eine Betonpumpe aus Deutschland die Kühlung von Reaktor 4.

Temperaturproblme und Wasserauffüllung: Der Betreiber meldete einen problematischen Temperaturanstieg in Block 1, allerdings konnte nach Angaben der japanischen Atomaufsichtsbehörde dagegen das Abklingbecken von Reaktor 2 wieder mit zusätzlichem Wasser aufgefüllt werden. Dort hatte aufsteigender Wasserdampf ebenfalls auf eine erhöhte Temperatur hingewiesen.

Rauch und Dampf: Der von den Reaktorblöcken 2 und 3 aufsteigende Dampf und Rauch hat offenbar unterschiedliche Ursachen. Während es sich bei den aufsteigenden Wolken  von Reaktor 2 lediglich um Wasserdampf handelt, der aus dem Abklingbecken aufsteigt, wird vermutet, dass der graue Rauch aus Reaktor 3 von glimmenden Trümmern im Gebäude stammt.

Strahlenbelastung im Meer: Waren bereits gestern erhöhte Werte von Radioaktivität im Küstenbereich der Reaktoranlage Fukushima Daiichi gemessen worden, so meldete der Betreiber TEPCO heute alarmierende Zahlen: Bei Tests habe man Mengen von  Jod-131 und Cäsium-134 festgestellt, welche die zulässigen Höchstwerte deutlich übersteigen.

Strahlenbelastung von Lebensmitteln: Nach Milch, Spinat und Brokkoli meldete die Nachrichtenagentur Kyodo um 19:20 MEZ auch für Brokkoli aus der Region Fukushima eine Überschreitung der Grenzwerte.

Zahlen zu Toten und Vermissten:Die offizielle Zahl der Todesopfer liegt nun bei über 9000, etwa 10.000 Personen werden noch vermisst. Insgesamt sei mit einer Gesamtzahl von 20.000 Opfern zu rechnen.

Politisches: Während sich die Betreiberfirma TEPCO für die „Mühen“ entschuldigt, die den Betroffenen hieraus entstehen, kam es zu einem kleinen Skandal, als bekannt wurde, dass ein (namentlich ungenannter) Minister Feuerwehrmänner  mit den Worten gedroht hatte „sofort an die Arbeit zu gehen“ denn „sonst würden sie bestraft

Japans Ministerpräsident Naoto Kan entschuldigte sich förmlich für das Fehlverhalten seines Ministers, nachdem Shintaro Ishihara, Gouverneur von Tokyo, sich über dessen Auftreten beschwert hatte.

Sushi-Hersteller ändert Namen: Offenbar aufgrund der jüngsten Ereignisse in Japan hat sich der Betreiber des Unternehmens „Tsunami Sushi Bars„, das nach Unternehmensangaben umsatzstärkster Sushi-Produzent in Deutschland ist, dazu entschlossen, den Namen in „Natsu Asian Foods“ zu ändern, die juristischen Schritte sind bereits erfolgt. Das japanische Wort „Natsu“ bedeutet „Sommer“.

Sonstiges: Um 19:16 gab es Berichte, die IAEA befürchte ein Strahlenleck im Reaktor 1 der Anlage, eine entsprechende Stelle wurde aber bislang nicht gefunden.

Um 23:35 erschütterte ein schweres Beben die bereits stark zerstörten gebiete im Nordosten Japans, eine Tsunami-Warnung wurde von der Wetterbehörde jedoch nicht ausgegeben.

5 KOMMENTARE

  1. Die Lage ist leider viel zu offentsichtlich um ueberhaupt noch den Gedanken zu erwaehnen Kernkraft bzw. Atomstrom zu benutzen. Wir werden aber wie die Geschichte der Menschheit und dessen Gier zeigt sicher nicht rechtzeitig dieses Selbstmord Energie System beenden (wollen oder koennen).
    Wenn schon so gefaehrlich und weitreichend, warum dann nicht die Atommeiler wenn in der Naehe des Meeres wie in Japan, einfach in einen sogenannten Keller der auch tiefer als der Meeresspiegel liegt sersenken? Natuerlich mit Schleusen fuer einen solchen Notfall zum fluten des Reaktorkerns. Das alles verbunden mit einem Kanalsystem zum Meer und bei richtiger Planung kann im Notfall eventuell ohne solche massiven Verseuchungen das abgeleitete Wasser ins Meer eingedaemmt werden.
    Als Abschluss, um den ganzen Wahnsinn dann auch noch zu sichern, koennte man ja grosse Schiebetueren aus stabilem Material so anbringen, dass sie sich auch ohne Elektrizitaet bewegen lassen und somit als Verschluss dienen. (Schraeganordnung)

    Das bringt sicher viel wenn z.B. ein sunami ueber das in der Erde gebaute Kraftwerk
    zieht und durch die dachklappen nicht wesentlich beschaedigt werden kann.
    Des weiteren duerfte dann auch erstens der Untergrund und zweitens die direkte Umgebung des Reaktors sicherer sein, da er ja sozusagen nochmals von einer Kellerwand und Erdschicht umgeben ist.

    Ich bin absolut kein Kernkraft Spezialist und versuche die Sache sozusagen phys. logisch zu sehen. Und von den zusaetzlichen Kosten mal abgesehen. Warum in aller Welt wird beim Bau (wenn es sich schon nicht vermeiden laesst) nicht sowas in der Art gemacht? Und selbst wenn es nicht am Meer ist kann man mit Planung und genuegend Vorsorge ein Super Gau Grab integrieren, das sicher viel Schaden eindaemmen kann.
    Wenn wir nicht gemeinsam wirklich umdenken und umkehren nuetzt uns auch unsere tolle Technology nicht mehr viel, – Weil wir dann alle verstrahlt sind …..

  2. „Die Gier weniger ist das Leid Vieler!“

    Das Problem ist weniger die Technik, sondern vielmehr der Mangel an Verantwortungsbewußtsein. Die Sicherheitsstandards für Atomkraftwerke wurden in Deutschland gelockert. Damit wird es Möglich, dass veraltete Atomkraftwerke wie Biblis am Netz bleiben dürfen. Ein kritischer Unfall wird dadurch sehr wahrscheinlich und wäre kein unvorhersehbares Unglück. Wenn es dann irgendwann zu dem „provozierten“ Unfall kommt, wird von einem nicht vermeidbaren „Restrisiko“ gesprochen (Betreiber/Politik).

    In Japan konnte man natürlich auch nicht damit rechnen das ein Tsunamis jemals höher als 5,7m werden könnte! Die Höhe von 23m war das „Restrisiko“. Nur zum Nachdenken: Selbst ein Tsunami von 7m hätte die Generatoren zur Notstromerzeugung zerstört.

    Den Managern der Energiekonzerne, wie auch der Politik, gerade auch in Deutschland sind wohl ein paar Millionen Strahlentote egal, Hauptsache der Profit stimmt und die Spenden fließen in die Parteikassen. Sollte das „Restrisiko“ mal zuschlagen – nun ja, dann entschuldigt man sich (TEPCO hat das schon getan!) und kehrt zur Tagesordnung zurück (TEPCO: „Wir brauchen einen Kredit“). Und das wichtigste von allem: „Ruhe bewahren – es wird schon nicht so schlimm“.

    Lösung?! Wie war das nochmal beim dem Sturm auf die Bastille in Frankreich 1789?

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