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Japan aktuell: Gesundheitsversorgung für Kinder aus Fukushima fraglich

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Schlauchleck zwischen Turbine von Reaktor 2 und Abfallverarbeitung (FOTO: TEPCO)
Leck am Schlauch zwischen Turbinengebäude und Verarbeitungseinheit am 21. Januar 2012 (Foto: TEPCO)
Schlauchleck zwischen Turbine von Reaktor 2 und Abfallverarbeitung (FOTO: TEPCO)
Leck am Schlauch zwischen Turbinengebäude und Verarbeitungseinheit am 21. Januar 2012 (Foto: TEPCO)

Bereits über das Wochenende gab es weitere relevante Meldungen über die Situation in Japan und diese werden wir an dieser Stelle ebenso behandeln wie die Informationen, die jetzt zu Beginn der Woche aus Fukushima aktuell gemeldet werden. Neben den Fukushima News gibt es jedoch auch eine Menge weiterer Neuigkeiten, so dass wir erstmals zu Beginn eine thematische Auflistung der Nachrichten anbieten. Wie stehen unsere Leser zu dieser Idee? Ihre Meinung ist uns wichtig.

Die folgenden Informationen also nun im Spreadnews Japan-Ticker vom 23. Januar 2012.

  • Erdbeben erschüttert Küste von Fukushima
  • Mehr Gebäude mit kontaminiertem Beton
  • Fukushima-Krisenstab ohne Protokolle
  • TEPCO berichtet von weiterem Leck
  • IAEA in Japan eingetroffen
  • Start der Wiederaufbaubehörde geplant
  • Gesundheitsversorgung für Fukushima-Kinder fraglich
  • Sea Shepherd greift zu Stinkbomben
  • Halbnackter auf Gelände des Kaiserpalasts
  • Giftgas-Sektenmitglied mit Geldwäsche


Erdbeben erschüttert Küste von Fukushima:
Gegen 20:45 Uhr Ortszeit erschütterte am heutigen Montag ein Erdbeben große Teile im Nordosten und der Mitte Japans. Das Beben hatte einen Wert von 5,1 und ereignete sich in 50 Kilometer Tiefe vor der Küstenregion der Präfektur Fukushima. Wie die Wetterbehörde mitteilte, sei ein Tsunami unwahrscheinlich. Auch vom dortigen Kernkraftwerk Fukushima Daiichi wurden keine Probleme gemeldet. The Die Erschütterungen erstreckten sich an der Küste der Präfektur Miyagi zur Präfektur Niigata und der Präfektur Shizuoka, südwestlich von Tokyo. Berichte über sonstige Schäden oder Verletzte gingen zunächst nicht ein. Das melden die Nachrichtenagenturen Kyodo und jiji.

Zahl der Gebäude mit kontaminiertem Beton steigt: Nachdem am Samstag in der Kiesgrube des Unternehmens Futaba Saiseki Kogyo an acht Lagerplätzen im Freien zwischen 11 und 40 Mikrosievert pro Stunde und an drei überdachten Stellen zwischen 16 und 21 Mikrosievert in einem Abstand von einem Meter über dem Gesteinsmaterial gemessen worden waren und in dieser Woche detailliertere Berichte folgen sollten, weitet sich das Problem aus.

Einer Meldung der Nachrichtenagentur Kyodo vom heutigen Montag zufolge, hat die Regierung bereits am Sonntag den Anstieg der in der Präfektur Fukushima vom kontaminierten Baumaterial betroffenen Gebäude auf 60 bestätigt. Den Quellen zufolge könnte sich die Zahl bei weiteren Nachforschungen auf 100 erhöhen. Insgesamt waren 5.725 Tonnen zwischen dem Reaktorunglück im März und der Ausweisung von Evakuierungszonen einen Monat später von dort geliefert worden.

Keine Aufzeichnungen von Treffen des Fukushima-Krisenstabs: Wie durch eine Anfrage der NHK im November nun bekannt wurde, hat der Krisenstab in der heißen Phase der Krise am Atomkraftwerk Fukushim Daiichi offenbar keinerlei Aufzeichnungen von ihren Treffen anlegen lassen.

Per Gesetz ist die Regierung dazu verpflichtet, Aufzeichnungen über wichtige Entscheidungen anzufertigen, um nachträglich Verantwortungen der Regierung klären und die Bürger den Entscheidungsfindungsprozess nachvollziehen können. Experten sind der Ansicht, dies sei eine schwere Nachlässigkeit, da diese Protokolle möglicherweise die Wiederholung von Fehlern hätten verhindern können.

Als Grund für das Fehlen der Prokolle über das Vorgehen des Krisenstabs, der vom damaligen Premierminister geleitet und alle Kabinettsmitglieder umfasst hatte, gab die verantwortliche Person bei der japanischen Atomsicherheitsbehörde NISA, die als Sekretariat des Krisenstabs diente gegenüber der NHK an, er sei zu beschäftigt gewesen um Protokolle anzulegen.

Die Mitschriften hätten wichtige Entscheidungen des Krisenstabs, wie die Festlegung der Evakuierungsgebiete, grundlegende Regeln für Dekontamination und Bestimmungen zur Einschränkung der Ausfuhrt landwirtschaftlicher Produkte und Informationen über die für die Maßnahmen verantwortlichen Personen enthalten.

Das Kabinettsbüro befragt jetzt den Verantwortlichen bei der NISA – und untersucht das Fehlen von Protokollen beim gemeinsamen Krisenstabs von Tokyo Electric Power (TEPCO) und der Regierung, die darüber diskutierten, wie mit dem Störfall umzugehen sei. Das berichtet die NHK.

TEPCO berichtet von weiterem Leck: TEPCO meldete am Samstag, der Arbeiter eines Tochterunternehmens habe gegen 7:00 Uhr Ortszeit am Turbinengebäude von Reaktor 4 ein Leck entdeckt, aus dem  radioaktives Wasser ausgetreten sei. Das Unternehmen nimmt an, dass das Leck in einer Leitung stammt, die schwer radioaktiv belastetes Wasser aus dem Keller des Turbinengebäudes von Reaktor 2 zur Anlage für die Aufbereitung von  Abfällen und der Verbrennungsanlage leitet. Der Wasseraustritt habe aufgehört, als man die Pumpe für den weiteren Wassertransfer unterbrochen habe.

Das Wasser sei innerhalb des Turbinengebäudes geblieben und nicht nach draussen gedrungen, oder ins Meer gelangt. Die Menge auf dem Boden des Gebäudes belaufe sich auf etwa zwei Liter.  Eine Messung der Strahlung an der Oberfläche der Flüssigkeit habe eine Belastung von 0,1 Millisievert pro Stunde ergeben. TEPCO geht davon aus, dass sich die Besorgnis, es könne sich um stark radioaktives Wasser handeln, somit nicht erfüllt habe.
Die Leitung sei am Sonntag um 14:33 Uhr Ortszeit wieder aufgenommen worden.

IAEA zur Prüfung in Japan: Wie bereits zuvor angekündigt, hat ein Team der internationalen Atomenergiebehörde IAEA heute eine neuntägige Mission in Japan angetreten. Ihre Aufgabe wird maßgeblich daraus bestehen, die von den japanischen Energiekonzernen durchgeführten Prüfungen und Beurteilungen der Atomsicherheit durchzusehen. Die Stresstests und ihre Ergebnisse sind eine Vorbedingung, um die nach dem Fukushima-Unglück abgeschalteten Kraftwerke Japans wieder hochfahren zu können.

Atomsybol
IAEA: Kontrollen in Japan

Sogar bei Atomkraftwerken, die bereits in der Vergangenheit Probleme aufwiesen und in tektonisch riskanten Gebieten stehen, wie etwa das AKW Hamaoka zeigen sich die Betreiber demonstrativ zuversichtlich, durch die neuen Sicherheitsmaßnahmen eine Erlaubnis zum Neustart zu erhalten.

Zunächst wird die IAEA jedoch die Methoden und Beurteilungsverfahren der Betreiber die bei den Stresstests Anwendung fanden, auf ihre tatsächliche Aussagekraft bezüglich der Wiederstandsfähigkeit und Ausfallsicherheit der Atomkraftwerke gegen schwerwiegende Störfälle zu prüfen. Das erste Treffen fand mit Vertretern von Japans Atomsicherheitsbehörde NISA statt. Hierüber berichteten mehrere japanische Medien.

Kostenlose Gesundheitsversorgung für Fukushima-Kinder auf Kippe: Japans Premierminister Yoshihiko Noda wird vermutlich den Plan, Kindern in der Präfektur Fukushima kostenlose gesundheitliche Versorgung anzubieten kippen. Quellen aus seinem direkten Umfeld zufolge habe er als Grund die mangelnde Fairness gegenüber Einwohnern anderer Präfekturen angeführt. Bislang war der Premierminister sehr bedacht darauf, eine kostenlose Gesundheitsversorgung bis zum 18. Lebensjahr zu ermöglichen, wie sie auch von Yuhei Sato, Gouverneur der Präfektur Fukushima gefordert worden war.

Nach Gesprächen mit dem Gouverneur am 8. Januar erklärte Noda Reportern, dass die Regierung dieses „sehr wichtige“ Anliegen überdenken werde, seine Vorentscheidung scheint jedoch bereits jetzt festzustehen. Chefkabinettssekretär Osamu Fujimura führte auf einer Pressekonferenz am heutigen Montag aus, es gäbe hierzu „verschiedene Meinungen innerhalb der Regierung„.

Start der Behörde für Wiederaufbau im Februar: Die Regierung beschloss am heutigen Montag, am 10. Februar 2012 eine neue Behörde einzusetzen, die eine Schlüsselrolle beim Wiederaufbau spielen soll. Die neue Einheit soll über insgesamt sechs Ortsstellen in den am drei am schwersten getroffenen Präfekturen verfügen: In Iwaki und Minamisoma  (Präf. Fukushima),  Miyako and Kamaishi (Präf. Iwate) und Kesennuma and Ishinomaki (Präf. Miyagi).  Weitere Büros solllen zudem in Mito (Präf. Ibaraki) und Hachinohe (Präf. Aomori) eröffnet werden.

Sea Shepherd attackiert Walfänger mit Stinkbomben: Die Aktivisten der militanten Umweltschutzorganisation Sea Shepherd haben in der Nacht von Freitag auf Samstag erneut die japanische Walfangflotte attackiert. Wie die japanische Fischereibehörde meldet, warfen die Mitglieder der Gruppierung insgesamt etwa 40 Stinkbomben auf die Daini Yushin Maru. Es habe keine Verletzten oder Schäden an Bord gegeben. Die Behörde teilte jedoch mit, man werde versuchen die Boote der Walfanggegner in Zukunft besser aufzuspüren, um weitere Behinderungen des Walfangs, der offiziell wissenschaftlichen Zwecken dient, zu verhindern.

Kaiserpalast Tokyo: Nijubashi Brücke (Foto: Sébastien Bertrand, Lizenz: cc-by)
Kaiserpalast Tokyo (Foto: Sébastien Bertrand, Lizenz: cc-by)

Halbnackter Mann auf Gelände des Kaiserpalasts gefasst: Am Sonntag nahmen die Sicherheitskräfte gegen 4:30 Uhr Ortszeit am Kaiserpalast in Tokyo einen nur rudimentär bekleideten Mann fest. Der etwa 30 Jahre alte Mann war lediglich mit Unterwäsche bekleidet und teilte den Sicherheitskräften mit, er habe „den Herrscher treffen wollen„.

Die übrigen Kleidungsstücke des Mannes wurden im Norden des Geländes in einem Park gefunden, wo er sich dieser vermutlich freiwillig entledigt hatte. Man geht davon aus, dass der Eindringling zunächst den 45 Meter breiten Palastgraben durchschwommen und dann eine sechs Meter hohe Steinmauer erklettert hatte, um auf das Gelände des Kaiserpalastes zu gelangen.

Giftgas-Sektenmitglied wusch Geld während der Flucht: Wie die Yomiuri Shimbun heute berichtet, steht das frühere Sektenmitglied Makoto Hirata, der sich zu Neujahr selbst der Polizei stellte, weiter stärker unter Einfluss des Kults als bislang angenommen. So habe er selber gegenüber den Behörden erklärt, während seiner 19 Jahre dauernden Flucht weiterhin meditiert, Räucherwerk geopfert und ein Mantra (ein heiliges Wort, oder eine Wortfolge) rezitiert zu haben.

Zudem sei er immer dann in Schweigen verfallen, wenn während der Verhöre die Sprache auf die Sekte kam, die besonders durch ihren Giftgas-Anschlag mit dem Nervengift Sarin auf die U-Bahn von Tokyo 1995 bekannt wurde.

Hirata behauptet selber, vom Kult enttäuscht gewesen zu sein und sich schließlich während der Flucht von ihm distanziert zu haben. Besonders aufgrund heftiger Reaktionen auf die Nennung des Namens des Sektenführers Chizuo Matsumoto gehen die Behörden jedoch davon aus, dass er weiterhin unter einer Gehirnwäsche der Sekte steht.

Zudem blieben mehrere bereits inhaftierte frühere Mitglieder Sekte bei ihre Meinung, Hirata und seine Begleiterin Akemi Saito, die sich wenige Zeit nach ihm ebenfalls der Polizei stellte, hätten sich ohne Unterstützung nicht so lange der Strafverfolgung entziehen können.

Zentrum der Sekte Omu Shinrikyo 1994 in Tokyo (Foto: pd)
Früheres Zentrum der Omu Shinrikyo in Tokyo (Foto: pd)

Die Mainichi Shimbun berief sich in einer Meldung vom Samstag erneut auf mit den Ermittlungen vertraute Quellen, als sie berichtete, Hirata habe Geldmittel, die er zum Antritt seiner Flucht von einem anderen Kultisten erhalten habe, im Laufe der Jahre langsam mit anderen Banknoten  gewechselt, vermutlich um Spuren zu verwischen.

Mit dem Geld hätten er und seine Begleiterin Akemi Saito, einen Teil ihrer Lebenserhaltungskosten bestritten und durch den Wechsel zwischen dem 20.000 Yen betragenden Monatslohn, den Saito durch ihre unter Falschnamen geführte Beschäftigung in einer osteopathischen Klinik erhielt, die Herkunft des Geldes verschleiern können.

Zu den Gründen, weshalb er schließlich seine Flucht aufgegeben habe, soll Hirata der Zeitung zufolge neben den Eindrücken des Tohoku-Erdbebens der Polizei gesagt haben, er wollte „bei seinem Kaninchen sein, als es starb“. Quellen berichten, bei seiner Festnahme habe er ein Bild von sich und einem Kaninchen bei sich gehabt, dieses sei jedoch bereits im August gestorben.

Unterdessen habe sich Saito sehr gut ihrem Umfeld angepasst –  Freundschaften mit Arbeitskollegen in der Klinik geknüpft und mit ihnen gemeinsam zum Ski-Urlaub auf Japans nördlichste Hauptinsel Hokkaido gereist. Hirata habe dagegen den Großteil der 15 Jahre in der Stadt Higashi-Osaka in der gemeinsamen Wohnung verbracht und sei nur selten vor die Tür gegangen.

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