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Japan aktuell: Großer Stromausfall am AKW Fukushima

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Symbol: Hochspannung (Grafik: pd)
AKW Fukushima: Erneut Alarm an Stromversorgung (Grafik: pd)
Symbol: Hochspannung (Grafik: pd)
Großer Stromausfall am AKW Fukushima (Grafik: pd)

Wie der Betreiber des AKW Fukushima heute mitteilte, kam es an der Anlage zu einem Stromausfall, von dem auch die Kühlsysteme mehrerer Reaktoren betroffen sind.

Angesichts des aktuellen Zwischenfalls treten Meldungen über stark radioaktiv kontaminierten Fisch am AKW Fukushima aktuell zurück.

In der morgigen Folge unserer Serie „Katastrophenhelfer in Japan“ erfahren Sie, auf welche Weise sich die Erdbeben auf den Einsatz der Rettungskräfte auswirkten.

Weitere Fukushima News, sowie sonstige Meldungen jetzt im Spreadnews Japan-Ticker vom 18. März 2013.

 

Unsere heutigen Themen

  • Großer Stromausfall am AKW Fukushima
  • Fukushima-Fisch erreicht neuen Strahlungsrekord
  • Japans neuster Super-Schnellzug in Katastrophen-Region unterwegs
  • Atomkraftgegner-Demonstrationen kämpfen gegen Teilnehmerschwund
  • Regierung will effektivere Dekontaminationsmaßnahmen vermitteln
  • AKW Hamaoka bis Dezember mit neuem Damm
  • Mangelnde Erdbebenvorbereitung im Großraum Tokyo
  • Offizieller Beginn der Kirschblüte in Tokyo
  • Senkaku-Provokation auch unter Chinas neuer Regierung
    • China räumt Waffenzielradar auf japanischen Zerstörer ein
    • Drei chinesische Schiffe in japanische Gewässer eingedrungen
    • Japan entdeckt Atomwaffenzubehör für Nordkorea

Großer Stromausfall am AKW Fukushima: Ersten Berichten zufolge ist es am Kernkraftwerk Fukushima Daiichi gegen 18:57 Uhr zu einem großen Stromausfall gekommen. Das Kühlsystem für die Abklingbecken der Reaktoren 1, 3 und 4 seien bereits seit mehreren Stunden außer Betrieb, ebenso ein Lagerbecken außerhalb von Reaktor 4, sowie die Cäsiumfilteranlage.

Auch das erdbebensichere Hauptgebäude sei ohne Elektrizität und die Wasserdekontaminationsanlage betroffen. Zu den Anlagen die nicht betroffen sind, gehören die Reaktorkühlsysteme der Reaktor 1 bis 3, sowie das Kühlsystem für das Abklingbecken von Reaktor 2. TEPCO meldete den Zwischenfall erst nach drei Stunden.

Fukuichi-Livecam am 19. März 2013 um 00:45:47 Ortszeit (Foto: TEPCO)
Fukuichi-Livecam am 19. März 2013 um 00:45:47 Ortszeit (Foto: TEPCO)

Der Zwischenfall habe bislang jedoch keinen Einfluss auf die Wassereinspeisung in die Reaktoren 1 bis 3 gehabt, auch sei kein Anstieg der Strahlungswerte in der Nähe des Kernkraftwerks festgestellt worden. TEPCO meldete den Zwischenfall an die Atomaufsichtsbehörde NRA und untersuche  die Ursache des Zwischenfalls.

TEPCO bezieht derzeit Elektrizität durch das Unternehmen Tohoku Electric, unbestätigten Berichten zufolge gebe es jedoch Probleme mit der Einspeisung des Stroms in das Kühlsystem der Abklingbecken. Die japanische Wetterbehörde gab zudem für die Region eine Sturmwarnung aus.

Gegen 16:00 Uhr betrug die Temperatur im Abklingbecken von Reaktor 4 nach offiziellen Angaben bis zu 25 Grad Celsius. Der Anstieg liege zwischen 0,1 und 0,3 Grad pro Stunde.

Dennoch bestehe kein Grund zur Beunruhigung, da es bei diesen Anstiegsraten bis zu vier Tage dauern würde, bis der kritische Wert von 65 Grad in Reaktor 4 erreicht ist. Dort lagern 1.533 Brennelemente.

Bis 7:41 Uhr Orstzeit (Dienstag) konnte die Stromversorgung für Abklingbecken und die Wasserverarbeitung noch nicht wiederhergestellt werden. Die Versorgung der Notfallzentrale funktioniert dagegen wieder.

Als potentielle Ursache gelten seit Dienstagmorgen Probleme am Verteiler, oder den daran angeschlossenen Kabeln.

Fukushima-Fisch erreicht neuen Strahlungsrekord: Ein Grünling, (Hexagrammos otakii) der in der Nähe des Wasserzulaufs für die Reaktoren 1 bis 4 im Hafenbereich des Kernkraftwerks Fukushima Daiichi gefangen wurde, hat  einen neuen Strahlungsrekord aufgestellt.

Der 38 Zentimeter lange und 564 Gramm schwere Fisch war am 21. Februar in der Nähe der Wasserzulaufs für die Reaktoren 1 bis 4 im abgeschirmten Hafenbereich der Kernkraftsanlage Fukushima Daiichi gefangen worden.

Mit einer radioaktiven Belastung von 740.000 Becquerel weist der Fisch nicht nur eine Überschreitung des zulässigen Lebensmittelgrenzwerts um das 7400-fache auf, sondern stellt den bisherigen Rekord von 510.000 Becquerel in den Schatten – dieser war bei einem Fisch aus dem selben Gebiet nachgewiesen worden.

Fischer verzichten freiwillig auf den Fang nach Speisefischen in der Nähe des Kraftwerks. Lediglich für wissenschaftliche Zwecke wird dort gefischt. Über die Entdeckung des Fischs, der den neuen Strahlungsrekord aufstellte, berichteten unter anderem Kyodo, jiji, NHK und Asahi Shimbun.

Japans neuster Super-Schnellzug in Katastrophen-Region unterwegs: Seit Samstag ist zwischen Tokyo und Akita mit dem „Super Komachi E6“ nun eine neue Serie des Shinkansen-Schnellzugs unterwegs.

Schnellzug Super Komachi E6 (Foto: zre154@ cc-by)
Schnellzug Super Komachi E6 (Foto: zre154@ cc-by)

Der Zug der JR East erreicht eine Spitzengeschwindigkeit von 320 Kilometern pro Stunde und ist damit nicht nur schnellster Zug Japans, sondern gemeinsam mit dem französischen TGV Weltrekordhalter.

Reisende können die 674,9 Kilometer lange Strecke zwischen Japans Haupststadt Tokyo und Shin-Aomori im nördlichsten Bereich von Japans größter Hauptinsel Honshu  innerhalb von zwei Stunden und 59 Minuten zurücklegen.

Das sind 11 Minuten schneller als bislang mit der E5-Baureihe.

Chinesische Hochgeschwindigkeitszüge erreichten zwar bereits Geschwindigkeiten von 350 Kilometern pro Stunde, die Geschwindigkeit wurde nach einem schweren Unfall 2011 jedoch gedrosselt. Über Japans neuen Rekordzug berichteten Yomiuri Shimbun, NHK.

Atomkraftgegner-Demonstrationen kämpfen gegen Teilnehmerschwund: Anlässlich der Anti-Atomproteste vor dem Büro des Premierministers, die vergangene Woche zum 46. Mal stattfanden, überlegen die Aktivisten, wie sie den sinkenden Teilnehmerzahlen begegnen können. Seit März 2012 finden die Aktionen an jedem Freitag statt.

Tokyo: Demonstration von Atomkraftgegnern am 11.06.2011 (Foto: KJ)
Atomkraftgegner-Demonstration im Jahr 2011 (Foto: KJ)

Nachdem im vergangenen Juni anlässlich der Neustarts am AKW Oi die Teilnehmerzahlen auf 200.000 Personen gestiegen waren, betrug die Zahl der Aktivisten zuletzt nur noch 3.000 Personen. In diesem Jahr schwankten die Zahl der beteiligten Bürger zwischen 2.500 und 13.000. Am Freitag vergangener Woche waren es nur noch 300 Personen

Als Ursache nennen Organisatoren den Umstand, dass Radioaktivität als Bedrohung nur schwer zu erfassen sei und arbeiten mit Twitter-Nachrichten und der Veröffentlichung von Magazinen und Flugblättern gegen den Trend an. Wenig verblüffend waren die offiziellen Zahlen der Polizei immer niedriger. Nach Angaben der Asahi Shimbun bestätigen sie jedoch den Abwärtstrend.

Regierung will effektivere Dekontaminationsmaßnahmen vermitteln: Seit der Fukushima-Katastrophe arbeitete Japans Umweltministerium mit betroffenen Gemeinden zusammen, allerdings sind einige Experten der Ansicht, die Arbeiten würden aufgrund von mangelndem Wissen nicht effektiv genug arbeiten.

Aus diesem Grund soll laut Meldung der NHK nun ein Expertenausschuss aus verschiedenen Methoden privater Unternehmen die effektivsten Methoden auswählen und dann auf der Webseite des Umweltministeriums der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Das neue System soll dann im Fiskaljahr 2013 beginnen und auch als Anreiz für weitere Entwicklungen dienen.

AKW Hamaoka bis Dezember mit neuem Damm: Chubu Electric, Betreiber des AKW Hamaoka will bis Dezember einen 22 Meter hohen Damm am Kernkraftwerk in der Präfektur Shizuoka fertiggestellt haben. Das 1,6 Meter lange Konstrukt, soll ausreichend  vor einem möglichen Tsunami des erwarteten Nankai-Großbebens schützen.

Atomkraftwerk Hamaoka (Foto: Yasunobu Hiraoka cc-by-nd)
Das AKW Hamaoka (Foto: Yasunobu Hiraoka cc-by-nd)

Der Damm hatte bislang eine Höhe von 18 Metern, nach Angaben der Regierung vom August 2012, ein dortiger Tsunami könnte Wellen bis zu 19 Metern verursachen, hatte man sich dann jedoch an eine stärkere Sicherung der Anlage gemacht, berichtet die jiji.

Dem betreibenden Energiekonzern zufolge lagern in den Reaktoren 2 bis 5 insgesamt 1.570 abgebrannte Brennelemente.

Mangelnde Erdbebenvorbereitung im Großraum Tokyo: Eine Umfrage der Polizei des Großraums Tokyo die zwischen September und Oktober 2012 unter 4.000 Tokyotern und Pendlern durchgeführt worden war und 1.483 Antworten erhielt macht deutlich, dass Gemeinden im Großraum Tokyo nicht gut auf Erdbeben vorbereitet sind.

Wohnen in Tokyo (Foto: KJ)
Wohnen in Tokyo (Foto: KJ)

Obwohl über 90 Prozent der Befragten antworteten, sie befürchteten ein Großbeben für Japans Hauptstadt und sich seit dem Tohoku-Erdbeben noch besser auf Erdbeben vorbereitet hätten – 62 Prozent verfügen über Notausrüstung wie Taschenlampen und Radioempfänger, 61 Prozent horten Lebensmittel – ist die Zusammenarbeit mit den örtlichen Stellen nicht zufriedenstellend.

Lediglich 26 Prozent gaben an, regelmäßig in Katastrophenvorsorge-Veranstaltungen der Gemeinden teilzunehmen. Ganze 54 Prozent der Befragten erklärten, noch nie an derartigen Aktivitäten teilgenommen zu haben. Die Hausverwaltungen führen nach eigenen Angaben regelmäßig Katastrophenübungen durch, verfügten jedoch über keine Notvorräte.

Wohnkomplexe mit weniger als zehn Stockwerken führen demnach praktisch gar keine Katastrophenübungen durch.

Die Bürger müssten, dem Bericht der Mainichi Shimbun zufolge, auch stärker auf die Möglichkeiten hingewiesen werden, im Katastrophenfall notwendige Informationen über soziale Netzwerke wie Twitter zu erhalten. Diese Möglichkeit ziehen derzeit nur zwei Prozent der Befragten in Betracht.

Die Telefonnetze sind mit 36 Prozent noch die bevorzugte Kontaktmöglichkeit, gefolgt von Textnachrichten mit 29 Prozent – beides Systeme die bei einer Katastrophe dauerbesetzt, oder überlastet sein können. Hier sei stärkeres Engagement der Behörden gefragt um Twitter und Internetangebote populärer zu machen.

Offizieller Beginn der Kirschblüte in Tokyo: Mit dem Erblühen der Somei-yoshino Kirschblüten im Yasukuni-Schrein am Samstag, ist nun auch die offizielle Kirschblütensaison eröffnet.

Die Blüten sind damit 15 Tage früher als im Vorjahr erblüht und stellen die frühste Blüte seit Beginn der Aufzeichnungen 1953 dar. In einer Woche ist mit der Gänze der Blütenpracht zu rechnen. Hierüber berichtete unter anderem die NHK und die Asahi Shimbun.

Senkaku-Provokation auch unter Chinas neuer Regierung: Auch wenn die neue Regierung in China sich zunächst diplomatischer zeigte, macht der neuste Zwischenfall deutlich, dass sich die grundlegende Linie der kommunistischen Partei in dieser Hinsicht nicht geändert hat. Die aktuellen Meldungen für Sie zusammengefasst:

JS Kurama: Zerstörer der Shirane-Klasse (Foto: pd)
China räumt Erfassung durch Waffenradar ein (Foto: symbolisch, pd)

China räumt Waffenzielradar auf japanischen Zerstörer ein: Erstmals hat China zugegeben, bei einem Zwischenfall im Januar keinen Orientierungsradar, sondern ein Waffenzielsystem auf ein japanisches Schiff gerichtet zu haben. Die alleinige Schuld wird dem Kommandanten zugeschoben.

Drei chinesische Schiffe in japanische Gewässer eingedrungen: Zum 35. Mal seit dem Ankauf der Senkaku-Inseln durch Japans Regierung drangen drei chinesische Schiffe – die Haijian 15, 17 und 8002 gegen 18:30 Uhr in Japans Gewässer nahe der Senkaku ein.

Japan entdeckt Atomwaffenzubehör für Nordkorea: Wie Japans Regierung heute mitteilte, hatte Japan im vergangenen Jahr bei der Kontrolle eines in Singapur registrierten Schiffs, Stäbe aus einer Aluminiumlegierung entdeckt, die zur Atomwaffenproduktion genutzt werden könne.

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