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Japan aktuell: Gruben in Präfektur Fukushima sollen als Zwischenlager dienen

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Laub (Foto: David Bleasdale cc-by)
Präfektur Fukushima: Gegrabene Zwischenlager sollen kontaminiertes Material aufnehmen (Symbolbild: David Bleasdale cc-by)

Die für die Präfektur Fukushima aktuell vorgestellten Pläne zur Schaffung von Zwischenlagern, dürften nicht auf große Zustimmung stoßen. Der behelfsmäßige Charakter dürfte deutlich dazu beitragen.

Allerdings hat auch der Betreiber des AKW Fukushima heute neue Probleme.

Zwar scheint die Aussicht auf Neustarts zu steigen und die Filteranlage zu funktionieren – die Probleme um radioaktives Grundwasser und Lagertanks beschäftigen TEPCO jedoch auch weiterhin. Einzelheiten zu den Fukushima News jetzt im Spreadnews Japan-Ticker vom 27. September 2013.

Unsere Themen zum Wochenende:

  • Plan für mehrere Atommüllzwischenlager in Präfektur Fukushima
  • TEPCO räumt Vernachlässigung des Gewässerschutzes ein
  • Wassertropfen an Ventil von Fukushima-Wassertank im Bereich J
  • Wassertropfen an Ventil von Fukushima-Wassertank im Bereich F
  • ALPS-Testbetrieb am AKW Fukushima gestartet
  • Mehr Fukushima-Grundwasser als vermutet gelangt in den Pazifik
  • TEPCO erhält teilweises Einverständnis für AKW Neustartpläne
  • Neuer Grundwassermesspunkt mit hohen Strahlungswerten

Plan für mehrere Atommüllzwischenlager in Präfektur Fukushima: Das Umweltministerium stellt heute einem Expertenausschuss den neusten Plan zur Beseitigung von kontaminiertem Erdreich und anderen Abfällen vor, die bei den Dekontaminationsmaßnahmen anfallen.

Präfektur Fukushima: Kontaminierte Abfälle sollen in Gruben entsorgt werden(Symbolbild, pd)
Präfektur Fukushima: Kontaminierte Abfälle sollen in Gruben entsorgt werden(Symbolbild, pd)

Demnach sollen in den Ortschaften Okuma und Naraha jeweils fünf unterirdische Lagermöglichkeiten eingerichtet werden.

Die Abfälle würden zunächst in Kategorien wie Erdreich mit Cäsiumbelastung unter 8.000 Becquerel, Erdreich mit Cäsiumbelastungen über 8.000 Becquerel und radioaktive Asche eingeteilt.

Die am stärksten belasteten Abfälle würden demnach in Gruben gelagert, die mit wasserdichten Planen ausgekleidet sind, um eine Kontamination des Grundwassers zu verhindern. Bei Erdreich mit geringerer Belastung würde ebenfalls eine Entsorgung in Gruben erfolgen.

Die Experten stimmten sowohl dem Aufbau, als auch den Sicherheitsmaßnahmen zu. Nach der Ausarbeitung genauerer Baupläne will das Umweltministerium den entsprechenden Gemeinden gegenüber erklären, berichtet die jiji. Viele Verwaltungen in der Präfektur Fukushima sprechen sich gegen die Lagerung kontaminierter Abfälle aus.

Dies führt dazu, das vielerorts das Erdreich in blauen Plastiksäcken unter Planen auf Privatgrundstücken lagert. Auch kam es bereits zur illegalen Entsorgung von kontaminiertem Laub und Erdreich in Flüssen der Präfektur (Spreadnews berichtete erstmals am 4. Januar 2013).

Angaben zur Belastung mit anderem radioaktiven Material, wie beispielsweise Tritium oder Strontium, wurden vom Ministerium offenbar nicht gemacht.

TEPCO räumt Vernachlässigung des Gewässerschutzes ein: Beim Treffen eines Komitees des japanischen Unterhauses gestand TEPCO-Präsident Naomi Hirose, das Unternehmen habe bereits sehr früh von der Möglichkeit gewusst, das radioaktives Wasser ins Meer gelangt.

AKW Fukushima: Grundwasser-Kontrollpunkt am 9. Juli 2013 (Foto: TEPCO)
AKW Fukushima: Grundwasser-Kontrollpunkt am 9. Juli 2013 (Foto: TEPCO)

Man habe den Bau unterirdischer Blockaden gegen kontaminiertes Wasser, der bereits drei Monate nach den Reaktorkatastrophen geplant war, verschieben müssen.

Als Grund hierfür gab Hirose an, dass Auftreten vieler Hot Spots (Bereiche erhöhter Strahlung), und die kontaminierten Trümmer hätten eine höhere Dringlichkeit gehabt.

Der gemeinsame Plan von Regierung und TEPCO hatte ursprünglich vorgesehen, die unterirdischen Barrieren in der Nähe zur Küste entlangzuführen und nicht um die Reaktoren herum.

Die Barrieren auf der Seeseite wurden schließlich durch die chemische Aushärtung von Aufschüttungen erreicht worden.

Das Komitee war eingeführt worden, um die starke Kontamination des Grundwassers in den Griff zu bekommen. Dennoch wurde in der Befragung letztlich auch auf die Äußerung von Premierminister Shinzo Abe vor dem Internationalen Olympischen Komitee (IOC), die Situation am AKW Fukushima Daiichi sei „unter Kontrolle“, eingegangen.

Nach Meldung der NHK vertritt TEPCO-Präsident Hirose die Ansicht, Premier Abe habe damit offensichtlich sagen wollen, dass das radioaktive Wasser im Hafenbereich der Anlage bleibe und nicht ins offene Meer gelangt sei. Hinsichtlich dieser Einschätzung stimme er mit dem Premierminister überein.

Japans Premierminister war für seine Äußerung massiv kritisiert worden und auch die Arbeiter am Kernkraftwerk werfen dem Politiker nicht nur im Bezug auf die Grundwasserproblematik Schönfärberei vor.

So hatte sich beispielsweise die Asahi Shimbun am 20. September auf einen namentlich ungenannten Arbeiter berufen, der die Bedingungen aus seiner Sicht schilderte.

Demnach habe TEPCO das Herausspritzen von radioaktivem Wasser aus einem Behälter vor den Medien verschwiegen. Auch führe die Arbeiten in Schutzkleidung während der Sommerhitze zu Symptomen wie Zittern der Extremitäten. Zudem herrsche selbst in den Pausenbereichen, wo die Arbeiter ihre Mahlzeit zu sich nehmen, hohe Strahlung.

Wassertropfen an Ventil von Fukushima-Wassertank im Bereich J: Am heutigen Morgen entdeckte der Angestellte eines Partnerunternehmens gegen 9:52 Uhr auf einem Kontrollgang im Wassertank-Bereich F, nördlich von Reaktor 6, dass Wasser aus dem Isolationsmaterial der Verbindungsrohre der Wassertanks J3 und J4 tropfte.

Offizielles Standardfoto des Atomkraftwerks Fukushima Daiichi (Foto: TEPCO)
Wassertropfen an Tanks machen Fukushima-Betreiber nervös (Symbolfoto: TEPCO)

Die Tropfen, die auf der Seite des Behälters J4 fielen, hatten eine Frequenz von einem Tropfen alle 50 Sekunden. In beiden Behältern wird Grundwasser gelagert, dass sich in den Untergeschossen der Turbinengebäude 5 und 6 angesammelt hat.

Das tropfende Wasser verblieb innerhalb der Betonbarriere und bildete auf einer Metallplatte eine Lache von etwa 2,5m x 2,5m. Nachdem das Isolationsmaterial entfernt wurde, konnte an dem Verbindungsrohr kein Schaden festgestellt werden. Nach Angaben von TEPCO handelt es sich entweder um Regenwasser oder angesammelten Tau.

Wassertropfen an Ventil von Fukushima-Wassertank im Bereich F: Nachdem es am Morgen bereits zu einem ähnlichen Fund gekommen war, entdeckte ein anderer Angestellter eines Partnerunternehmens auf seinem Kontrollgang im Gebiet F, nördlich von Reaktor 6, dass Wasser tropfenweise in der Nähe des Ablassventils von Tank A7 austrat. Die Tropfen fielen mit einer Frequenz von etwa einem Tropfen alle 20 Sekunden.

Nach der Entdeckung gegen 12:20 Uhr wurde in der Nähe des Ablassventils von Tank A9 eine kleine Pfütze von 3cm x 3cm entdeckt, die möglicherweise auf die Tropfen an Tank A7 zurückzuführen sind. In beiden Behältern – A7 und A9 – wird Grundwasser gelagert, dass aus den Turbinengebäuden der Reaktoren 5 und 6 herausgepumpt wurde.

Das Wasser blieb innerhalb der niedrigen Betonbarrieren um die Behälter. Gegenwärtig bringt man einen Behälter an, um das heraustropfende Wasser aufzufangen. Da der Bereich dort vergleichsweise dunkel ist und die Sicherheit bei Untersuchungen nicht ohne weiteres gewährleistet werden kann, meldete TEPCO zunächst, man werde weitere Informationen veröffentlichen, sobald diese bekannt seien.

Später machte das Unternehmen weitere Angaben. Demnach habe man das Wärmeisolationsmaterial in dem Bereich des Abflussventils der Tanks A7 und A9 entfernt, jedoch keine Leckstelle, oder weiteren Wasseraustritt festgestellt. Aus diesem Grund gehe man davon aus, dass es sich um Regen, oder Tauwasser handelt.

ALPS-Testbetrieb am AKW Fukushima gestartet: Wie bereits gestern angekündigt, wurde am heutigen Freitag um 12:04 Uhr der Betrieb eines ersten Teils des Multinuklid-Filtersystems ALPS wieder aufgenommen.

AKW Fukushima: Adsorptionsturm der Multinuklid-Filteranlage ALPS am 27. März 2013 (Foto: TEPCO)
AKW Fukushima: Adsorptionsturm der Multinuklid-Filteranlage ALPS am 27. März 2013 (Foto: TEPCO)

Durch die Fähigkeit, mehrere radioaktive Nuklide zu filtern, gilt die Anlage als wichtiger Baustein bei der Entsorgung des radioaktiven Wassers.

Nach Angaben von TEPCO werde der Test von Einheit C unter Betriebsbedingungen verlaufen und kontinuierlich überwacht. Sollte sich das ALPS als stabil erweisen, will der Kraftwerksbetreiber Einheit A schon gegen Ende Oktober und  Einheit B Mitte November ebenfalls neu starten.

Ein erster Testlauf der Einheiten A und B vom Juli musste abgebrochen werden, nachdem es durch Chemikalien zur Korrosion im ALPS gekommen war.

Mehr Fukushima-Grundwasser als vermutet gelangt in den Pazifik: Der Kraftwerksbetreiber TEPCO korrigierte am Freitag seine Schätzungen zur Wassermenge die täglich in den Pazifik gelangt, nach oben.

Demnach dringen täglich zwar nur 800 statt bislang vermutet 1.000 Tonnen an Grundwasser unter das Gelände der Kraftwerksanlage. Allerdings gelangt die Hälfte davon in den Pazifik.

Damit beträgt die tägliche Belastung des Meeres nunmehr 400 Tonnen, nachdem man bislang von 300 Tonnen täglich ausgegangen war. Allerdings geht der Betreiber nicht davon aus, das die gesamte Menge tatsächlich kontaminiert wurde.

Die verbleibenden 400 Tonnen gelangen dagegen in die Untergeschosse der Reaktoren 1 bis 4 und werden dort radioaktiv kontaminiert. Das meldet die Japan Times.

TEPCO erhält teilweises Einverständnis für AKW Neustartpläne: Nach dem Gespräch zwischen TEPCO-Präsident Naomi Hirose und dem Gouverneur der Präfektur Niigata, hat die Verwaltung dem Atomkonzern unter Auflagen eine Genehmigung erteilt. Diese erlaubt es dem Unternehmen, bei der Atomaufsicht einen Antrag auf Prüfung der Betriebstauglichkeit eines AKW zu stellen.

Das AKW Kashiwazaki-Kariwa im April 2011 (Original: Daisuke Yamagishi cc-by)
Das AKW Kashiwazaki-Kariwa im April 2011 (Original: Daisuke Yamagishi cc-by)

Der Antrag bezieht sich auf das AKW Kashiwazaki-Kariwa, das sich auf dem Gelände der Präfektur befindet. Nur wenn die Sicherheitsüberprüfung ergibt, dass die Anlage auch den verschärften Bestimmungen entspricht, besteht Aussicht auf eine Neustartgenehmigung für die Reaktoren 6 und 7.

Bei ihnen handelt es sich um Siedewasserreaktoren, wie sie auch am AKW Fukushima Daiichi im Betrieb waren.

Bei den getroffenen Bedingungen handelt es sich um die Umsetzung der ohnehin bestehenden neuen Vorschrift, Filter an den Entlüftungen der Anlage anzubringen. Diese sollen, falls im Notfall ein Druckausgleich erforderlich wird, die Freisetzung von radioaktivem Material reduzieren.

Außerdem fordert der Gouverneur der Präfektur als eigenständige Bedingung, dass das Unternehmen mit Präfekturleitung und Gemeindeverwaltungen klärt, wie die Strahlungsbelastung der Einwohner, die durch die Entlüftung entstehen würde, reduziert werden kann.

TEPCO reichte den Antrag auf Sicherheitsprüfung noch am heutigen Freitag bei der NRA ein. Insgesamt 80 Experten sind mit der Prüfung der Anträge für sechs Kraftwerke mit Druckwasserreaktoren befasst. Es ist noch nicht bekannt gegeben, wie sie die Kontrolle an den Siedewasserreaktoren handhaben werden.

Über die Genehmigung und die Einrichtung des Antrags zur Sicherheitsprüfung, berichteten Kyodo, jiji, Asahi Shimbun und NHK.

Neuer Grundwassermesspunkt mit hohen Strahlungswerten: Nach Angaben von TEPCO wurden in einem neu geschaffenen Messpunkt auf der Küstenseite der Anlage hohe Werte an Betastrahlern, wie etwa Strontium nachgewiesen.

Es ist das erste Mal, dass an dem kürzlich geschaffenen Messpunkt radioaktives Material nachgewiesen wurde.  Der Betreiber erklärte, man habe in Proben etwa 400.000 Becquerel pro Liter festgestellt.

Die aktuellen Daten deuten nach Meldung der Asahi Shimbun darauf hin, dass sich das radioaktive Wasser aus den unterirdischen Tunneln im umgebenden Erdreich ausbreitet.

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