Start Aktuelles Japan aktuell: Grundwasser in Fukushima soll in den Pazifik geleitet werden

Japan aktuell: Grundwasser in Fukushima soll in den Pazifik geleitet werden

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Zweites Untergeschoss des Turbinengebäudes von Reaktor 3 am 19. März 2011
AKW Fukushima: Radioaktives Wasser im Untergeschoss des Turbinengebäudes von Reaktor 3 (Foto März 2011, TEPCO)
Zweites Untergeschoss des Turbinengebäudes von Reaktor 3 am 19. März 2011
Neue Pläne gegen Ansammlung kontaminierten Wassers in Gebäuden (Foto März 2011, TEPCO)

Nachdem die Lagerung radioaktiv kontaminierten Wassers bereits von Beginn an ein Problem bei den Arbeiten an der Anlage war, befasst sich der Betreiber des AKW Fukushima aktuell erneut mit dem Problem – und nutzt dabei einen anderen Lösungsansatz als bislang.

Andernorts sollen dagegen alte Konzepte wieder genutzt werden –  beispielsweise bei der Beurteilung der Stresstests die zuletzt ausgesetzt worden war. Einzelheiten zu den heutigen Fukushima News  jetzt im Spreadnews Japan-Ticker vom 24. April 2012.

Unsere heutigen Themen:

  • Grundwasser-Umleitung soll in den Pazifik erfolgen
  • TEPCO-Entwurf zum Wasserschutzwand-Projekt
  • NISA soll Stresstest-Beurteilungen fortführen
  • Ursache für Arbeitsunfall am AKW Fukushima Daini geklärt
  • Präfektur Fukushima wünscht IAEA-Niederlassung

Grundwasser-Umleitung soll in den Pazifik erfolgen: Grundwasser, dass sich in Turbinengebäuden, Kellern und Reaktorgebäuden ansammelt und sich dort mit stark radioaktiv kontaminiertem Wasser verbindet, ist eines der großen Probleme am AKW Fukushima Daiichi –  vergrößert das eindringende Grundwasser doch die Menge an kontaminiertem Wasser, das es abzupumpen gilt.

Nun will das Unternehmen ein Dutzend Bohrungen nutzen um einen Teil des Grundwassers – etwa 1.000 Tonnen pro Tag – in den Pazifik abzuleiten, noch bevor es in Gebäude dringen und dort radioaktiv belastet werden kann. Dabei werden man den Grad der Kontamination des Grundwassers überprüfen, bevor man es in das Meer einleite, berichtet die Nachrichtenagentur Kyodo.

In einem TEPCO-Dokument an die Regierung, das bei einem Treffen zur Überprüfung des Fortschritts bei der Stilllegung der vier Fukushima-Reaktoren ausgehändigt worden war heisst es, durch die Einrichtung einer Grundwasser-Umleitung könnte das Eindringen von Wasser in de Reaktorgebäude schätzungsweise um die Häfte verringert werden. Ein Regierungsbeamter, der die Journalisten bei dem Treffen informiert erklärte, dieser Bypass sei vermutlich im September oder Oktober einsatzbereit.

TEPCO-Entwurf zum Wasserschutzwand-Projekt: TEPCO erklärt in einem Dokument, auch wenn das Unternehmen alle Anstrengungen unternehme, um zu verhindern, dass in den Gebäuden 1 bis 4 angesammeltes und radioaktiv belastetes Wasser in das Grundwasser gelange, so wolle man den Ozean vor einer möglichen Gefährdung durch Grundwasser zusätzlich schützen.

AKW Fukushima: Grundwasser-Meeresschutzwall (Grafik: TEPCO)
AKW Fukushima: Grundwassereintritt ins Meer soll verhindert werden (Grafik: TEPCO)

So plane man den Bau einer Schutzwand aus etwa 600 Stahlpfeilern von denen jeder zwischen 18 bis 27 Metern lang ist,  vor den bereits bestehenden Ufermauern der Reaktoren 1 bis 4 um eine ausreichend sichere Wasserundurchlässigkeit gewährleisten zu können. Die Gesamtlänge der Konstruktion soll 780 Meter betragen

Sollte das angesammelte, radioaktiv belasteteWasser in das Grundwasser gelangen, so wäre auf diese Weise zumindest eine weitere Kontamination des Meeres verhindert, erklärte der Betreiber.

NISA soll Stresstest-Beurteilungen fortführen: Längst sollte die Zeit der Atomsicherheitsbehörde NISA und der Atomsicherheitskommission NSC abgelaufen sein, doch die Einführung der neuen Kontrollinstanz, die unter Leitung des Umweltministeriums größere Unabhängigkeit haben soll lässt weiter auf sich warten – und mit ihr die Kontrolle von Ergebnissen der Reaktor-Stresstests der AKW-Betreiber.

Nun soll die NISA die Beurteilung der Stresstests an derzeit ruhenden Reaktoren fortführen, erklärte Yukio Edano, Minister für Wirtschaft, Handel und Industrie am heutigen Dienstag und sagte gegenüber Reportern, dass die Behörde, welche dem von ihm geleiteten Industrieministerium untersteht, prüfe, ob sie die Arbeit fortsetzen kann, da die geplante neue Kontrollinstanz noch nicht aufgestellt sei.

Bislang hat die NISA Testergebnisse für die Reaktoren 3 und 4 des AKW Oi bestätigt, sowie die für Reaktor 3 am AKW Ikata, dann jedoch diese Tätigkeit eingestellt. Nach Angaben von Edano habe er von Goshi Hosono, Minister für die Bewältigung  von Atomkrisen grünes Licht mit der Weiterführung erhalten. Das berichtet die Nachrichtenagentur jiji.

Ursache für Arbeitsunfall am AKW Fukushima Daini geklärt: Am  18. April 2012 berichtete Spreadnews über den schweren Arbeitsunfall des Angestellten eines TEPCO-Partnerunternehmens am AKW Fukushima Daini (Fukushima 2). Dieser war zwischen einem Schiff und dem Pier eingeklemmt worden und hatte sich dabei schwere Verletzungen zugezogen. Nun hat TEPCO genauere Informationen über die Hintergründe des Unfalls veröffentlicht.

Als vermutliche Ursache gilt zum einen, dass der Arbeiter diesen Arbeitsschritt nicht rückgemeldet und offenbar das Risiko der Arbeit falsch eingeschätzt hatte, da das Lösen einer verwickelten Halteleine eine einfache Handlung zu sein schien. Zum anderen hatte der Vorgesetzte der Arbeiter den Hauptauftragnehmer nicht über das verwickelte Seil und die notwendige Entwirrung informiert. Aus diesem Grund sei TEPCO diese Information zunächst auch nicht zugänglich gewesen.

Um derartige Zwischenfälle in Zukunft vermeiden, habe man durch eine Sicherheitsanweisung vor der Arbeit die Angestellten angewiesen, die Bereiche zwischen einem Schiff und dem Pier nicht zu betreten und den Hauptauftragnehmer instruiert, Warnschilder in diesen Bereichen anzubringen.

Wenn ein Bauleiter von TEPCO einen ensprechenden Bericht von einem der Hauptaufragnehmer erhalte, unternehme man Anstrengungen um solche Unfälle zu verhindern, indem man die Art und die Risiken der Arbeit untersuche und falls notwendig, auch eine Besichtigung der Baustelle durchführe.

Präfektur Fukushima wünscht IAEA-Niederlassung: Der Gouverneur der Präfektur Fukushima will offenbar den Sitz der Internationalen Atomenergieaufsichtsbehörde IAEA aufsuchen, um die Einrichtung eines Büros in der Präfektur zu erbitten. Unter Berufung auf Quellen berichtet die NHK, Gouverneur Yuhei Sato wolle das Hauptbüro der IAEA in Wien im August besuchen und sich dort mit Yukuya Amano, Generaldirektor der IAEA zu besprechen.

Sitz der IAEA im Vienna International Centre (Foto: pd)
Sitz der IAEA im Vienna International Centre (Foto: pd)

Bereits im Oktober vergangenen Jahres hatte er sich mit Experten in der Stadt Fukushima getroffen und wünscht sich die Einrichtung eines Büros vor Ort, um die Präfekturleitung bei Katastrophenhilfe und Dekontaminationsarbeiten zu unterstützen. Zudem sei eine Hilfe durch Experten der IAEA bei der endgültigen Stilllegung des AKW Fukushima Daiichi unbedingt erforderlich.

Ein weiteres Anliegen von Gouverneur Sato ist eine internationale Konferenz, die durch Zusammenarbeit der IAEA und der japanischen Regierung realisiert und im Dezember diesen Jahres stattfinden soll. Der Leitung der Präfektur Fukushima ist daran gelegen, zur Schaffung einer Gesellschaft, die unabhängig von Atomkraft ist, beizutragen, heisst es in der Meldung.