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Japan aktuell: Hälfte der Testpersonen in Fukushima über Grenzwert verstrahlt

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Atomschädel
UN-Vertreter: Langfristige Risiken der Fukushima-Krise werden verharmlost (Grafik: pd)
Atomschädel
Fukushima: Hälfte der getesteten Personen überschreiten Grenzwert

Nachdem ein Tsunami, Explosionen, Brände und Überschwemmungen die unmittelbar sichtbaren Ereignisse am Kernkraftwerk darstellen, ist die Situation in der sich Japan durch die Katastrophe am AKW Fukushima aktuell befindet, auch Monate nach den ersten Höhepunkten der Krise weiterhin ernst. Trotz aller Beteuerungen, durch den Schutzmantel, den Kühlkreislauf und das Abpumpen sei eine stabile Lage geschaffen, zeigen die Folgen der Radioaktivität im Land, dass Strahlung und Kontamination immer noch ungelöste Probleme sind.

Informationen über die Auswirkungen auf den Menschen sowie weitere Fukushima News jetzt im Spreadnews Japan-Ticker vom 9. Dezember 2011.

Hälfte der getesteten Einwohner über Limit belastet: Die Präfektur Fukushima hat die bisherigen Ergebnisse für drei Gebiete veröffentlicht. In Kawamata Iitate und Namie, die innerhalb des geplanten Evakuierungsgebiets liegen sind bislang 1.730 der insgesamt 29.000 Einwohner getestet worden.

Die Studienergebnisse basieren auf den vom Wissenschaftsministeriunm und dem SPEEDI-System ermittelten Werten der Radioaktivität in der Luft und den Protokollen, in denen die Bürger ihren jeweiligen Aufenthaltsort während der vier Monate nach Beginn der Krise festhielten.  Zwei Wochen nach dem 11. März habe man noch Minutenprotokolle geführt –  zwischen Ende März und Anfang Juli waren dann allgemeinere Informationen erfasst worden.

Von den bislang ausgewerteten  1.370 Personen war etwa die Hälfte während der ersten vier Monate der Krise einer Strahlung von mehr als einem Millisievert ausgesetzt. Es ist der gesetzliche Jahresgrenzwert für Normalsituationen. Bei den Bürgern die den Grenzwert von 1 Millisievert überschritten, lag der Durchschnittswert noch unter fünf Millisievert.

Bei insgesamt 40 Personen habe der Wert höher, nämlich zwischen fünf und zehn Millisievert betragen, insgesamt 10 weitere Personen hätten Werte über zehn Millisievert aufgewiesen. Die höchste gemessene Belastung habe 37 Millisievert betragen.

Testpersonen, die eine starke radioaktive Belastung aufwiesen, hätten sich wahrscheinlich längere Zeit in der geplanten Evakuierungszone, dem Bereich unmittelbar um das 20 Kilometer Sperrgebiet oder ähnlich stark belasteten Bereichen aufgehalten, berichtet die Mainichi Shimbun. Einwohner mit Werten über 30 Millisievert hätten sich vermutlich an Arbeiten auf dem Gelände des AKW Fukushima Daiichi beteiligt.

Natürlich blieb nach diesen Zahlen auch die übliche Beschwichtigung nicht aus: Da alle Werte unterhalb von 100 Millisievert blieben, bestehe keine Gesundheitsgefahr.

Kinder in Koriyama überschreiten Jahresgrenzwert: In Koriyama wurden in einer ersten Studie bei allen 25.551 Grundschulkindern zwischen 5. Oktober und 6. November die Gesamtbelastung  durch Radioaktivität auf einer 24 Stunden-Basis ermittelt. Nicht berücksichtigt wurden dabei 0.06 Millisievert die als natürliche Aufnahme von Radioaktivität gelten.

Die durchschnittlichen Strahlungswerte lagen der am gestrigen Donnerstag bekanntgegebenen Studienergebnisse zufolge, bei 0,12 Millisievert, was auf den Zeitraum eines Jahres berechnet 1,33 Millisievert entspricht – und damit 0,33 Millisievert über dem von der Regierung festgelegten Jahresgrenzwert für Erwachsene und Kinder.

Auch wenn beim Großteil der Kinder, nämlich 94 Prozent die Belastung unter 0,2 Millisievert betrug, so wurde bei vier Kindern eine auf ein Jahr gerechneter Wert von 4.98 Millisievert gemessen und der gesetzliche Grenzwert um das fünffache überschritten, berichtet die Mainichi Shimbun.

Ex-Leiter des AKW Fukushima hat Speiseröhrenkrebs: Masao Yoshida (56), Leiter des AKW Fukushima Daiichi während der Krise war am 1. Dezember aus gesundheitlichen Gründen offiziell von seinem Amt zurückgetreten, jedoch zuvor bereits am 24. November in ein Krankenhaus eingeliefert wurde . Nun gab TEPCO mit Einverstädnis des Ex-Leiters bekannt, dass Yoshida, der eine gewisse Sympathie geniesst, an Speiseröhrenkrebs leidet.

Der frühere Kraftwerksleiter hatte bislang auf die Frage nach dem Umfang der persönlichen Strahlenbelastung unter Verweis auf seine Privatsphäre lediglich angegeben, es habe sich „um ein gewisses Maß“ gehandelt. Nun wurde bekannt, dass die kummulative Gesamtbelastung aus interner und externer Belastung, welche vor dem Ausbruch der Fukushima-Krise bei 6 Millisievert gelegen hatte, nun insgesamt 70 Millisievert betrage. Damit liegt sie unter dem zulässigen Grenzwert von 100 Milisievert.

Sowohl aus diesem Grund, als auch aufgrund der Wachstumsrate bei Speiseröhrenkrebs von mehreren Jahren, bestehe kein kausaler Zusammenhang zu seiner Arbeit, erklärte der Energiekonzern TEPCO und beruft sich dabei auf das Nationale Institut für Radiologiewissenschaften. Auch seine Ärzte sprächen von einem etwa fünfjährigen Krebswachstum ihres Patienten.

Masao Yoshida besuchte am heutigen Freitag seine früheren Untergebenen, um sie persönlich über seine Krankheit zu informieren. Gleichzeitig entschuldige er sich für die Sorgen die man sich über seinen Gesundheitszustand gemacht hatte und dankte den Arbeitern für ihre Anstrengungen zur Bewältigung der Krise. Entsprechende Meldungen fanden sich bei der NHK und japanischen Nachrichtenagenturen.

Japan verschiebt vorerst Verklappung radioaktiver Abwässer: Nach zahlreichen Protesten, vor allem des japanischen Fischereiverbandes erklärte der Betreiber des AKW Fukushima Daiichi nun, man werde die Entscheidung über eine mögliche Entsorgung schwach radioaktiv belasteten Wassers aus dem Kernkraftwerk aufschieben, berichten japanische Medien, wie die Mainichi Shimbun. In dem der NISA übermittelten Plan zum mittelfristigen Vorgehen von TEPCO, sei die entsprechende Option nicht länger aufgeführt, jedoch sei sie keineswegs vollständig vom Tisch, wie der Energiekonzern betonte.

Japan will Kontrollen von Babynahrung verbessern: Nach Anbietern von Milchpulver zieht nun auch die japanische Regierung nach –  und Japan will Milchnahrung für Säuglinge und Kleinkinder, sowie Babynahrung nun alle paar Monate auf radioaktive Belastung überprüfen, teilte heute des Ministerium für Gesundheit, Arbeit und Soziales mit. Die Maßnahmen, von denen etwa die NHK berichtet, sind eine Reaktion auf den Fund von radioaktivem Cäsium in Höhe von bis zu 30,8 Becquerel pro Kilogramm in Milchpulver für Säuglingsnahrung der Firma Meiji. Durch die Verdünnung mit Wasser werde der Wert jedoch weiter gesenkt, so dass keine Gesundheitsgefahr bestehe.

Japans Walfänger klagen gegen Sea Shepherd: Erst am Mittwoch hatte die offizielle Bestätigung, Japan wende einen Teil der Gelder für den Wiederaufbau der durch die Naturkatastrophen zerstörten Gebiete für den Schutz der Walfänger vor Umweltaktivisten auf, für Empörung gesorgt, gibt es weitere Verstimmungen. Zwei japanische „Walforschungsgruppen“ reichen in den USA Klage gegen die militanten Umweltschützer der Organisation Sea Shepherd ein, berichten etwa die Nachrichtenagenturen Kyodo und jiji, sowie die NHK. Da man sich an die geltenden gesetzlichen Vorgaben halte, seien die Angriffe und Sabotageversuche der Aktivisten illegal. Es ist das erste Mal, dass die Walfänger eine derartige Klage anstreben.

Kronprinzessin Masako hat Geburtstag: Japans Kronprinzessin Masako, Ehefrau von Kronprinz Naruhito feiert heute ihren 48. Geburtstag – und während das Kaiserliche Hofamt ihre Ärzte von den Fortschritten bei der Behandlung ihrer euphemistisch „Anpassungsstörungen“ genannten psychisch  bedingten Beschwerden berichten liess  – zeigte die Kronprinzessin in einem offiziellen Schreiben ihr Mitgefühl für die Leiden anderer Menschen.

Es vergehe kein Tag, so das Schreiben, in dem sie nicht an die zahlreichen Opfer denken würde, welche das Tohoku-Erdbeben und der Tsunami gefordert haben. Sie erinnere sich an die Gesichter und Geschichten aller Personen, die sie getroffen habe. Auch dankte sie den Betroffenen für die zahlreichen Genesungswünsche, welche ihr die Menschen trotz ihrer eigenen schwierigen Umstände ausgesprochen hätten.

Atombombendom wird auf Erdbebensicherheit überprüft: Das Gebäude der früheren Handelskammer von Hiroshima, heute das Friedensdenkmal der Stadt, dürfte den meisten Menschen unter der Bezeichung „Atombombenkuppel“ bzw. „Atomic Bomb Dome“ bekannt sein.

Damit das Gebäude nach der Atombombe in Zukunft auch weiteren Erdbeben standthält, will die Stadtverwaltung, einer Meldung der Yomiuri Shimbun zufolge, frühestens Anfang Frühling kommenden Jahres durch den Einsatz von moderner Technik, dessen statische Stabilität von Fundament und Gebäudeteilen ermitteln, um anhand der gewonnenen Daten weitere Maßnahmen planen zu können.

Es ist nicht nur das erste Mal, dass neben anderen historischen Gebäuden jetzt auch das Friedensdenkmal untersucht wird, sondern auch ein seltener Fall, ein Gebäude zu überprüfen, dass nicht mehr seine ursprüngliche Gestalt aufweist, erklärte die Stadtverwaltung.

2 KOMMENTARE

  1. Die Japaner wollen ja nur von der Katastrophe Fukushima ablenken die sie der ganzen Welt zumuten, den wir alle leiden aus verschiedenen Gründen darunter! Das ist keine nationale sondern eine internationale Angelegenheit und die UNO sollte endlich eine Reisewarnung für diese Nation herausgeben!!!! Die Japaner haben kein Verantwortungsbewußtsein und schon gar kein Umweltbewußtsein! Sie sind zu einem Großteil Zenbuddisten aber verstehen tun sie gar nichts! Sie haben eine versteckte Diktatur und verhalten sich alle dümmer und gehorsamer wie die Schafe, anstatt endlich sich auf die Beine zu stellen, sich zu wehren und eine eigene Meinung zu vertreten, lassen sie sich immer nur alles vorgeben, was zu sagen und zu tun ist! Was muß noch passieren?! Nicht die Japaner sollten verantwortungsvolle und umweltbewußte Menschen klagen, sondern nach US-Amerikanischen Recht nur umgekehrt!!! Falls die Japaner es noch nicht wissen, Wale sind intelligent und selbst denkende Tiere die vom aussterben bedroht sind – die einzige Gefahr für die Wale ist nur diese Nation!! Aber Gott sei Dank gibt es Greenpeace!!!!!!!!!!!

  2. Also entweder hab ich das „Greenpeace“ gleich sofort unbewusst gelesen, oder der Kommentar ist wirklich so übertrieben klischeehaft geschrieben, dass man das schon nach wenigen Sätzen automatisch bemerkt von welchem Klientel er stammt …

    Naja, weitere Kommentierung halte ich für nicht notwendig.
    Wäre ja fast so, als würde man sich bemühen auf einen Artikel der Bild zu antworten.

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