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Japan aktuell: Heftiger Sturm fordert Tote und Verletzte

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Starke Winde in Tokyo bei Unwetter am 3. April 2012 (Foto: KJ)
Japan erneut von schweren Regenfällen betroffen (Symbolbild, Foto: KJ)
Starke Winde in Tokyo bei Unwetter am 3. April 2012 (Foto: KJ)
Heftiger Wind und Regen im Großraum Tokyo am 3. April 2012 (Foto: KJ)

Drei der „Japan Railways“ wollen mit dem Verkauf eines besonderen Zugpasses den ausländischen Reisenden ab dem 10. April vereinfachte Fahrten durch  Westjapan ermöglichen. Mit dem fünf Tage gültigen Dokument sollen Touristen angezogen werden.

Dabei dürften für Reisende die Angst vor den Auswirkungen des AKW Fukushima aktuell weniger abschreckend wirken, als die gegenwärtigen Wetterverhältnisse. Doch dennoch gibt es auch heute wieder Fukushima News, die sich mit den Folgen der Atomkatastrophe befassen – allerdings bleibt es auch hierbei nass. All dies wie üblich im Spreadnews Japan-Ticker vom 3. April 2012.

Unsere heutigen Themen

  • Schwere Frühlingsstürme fordern Tote und Verletzte
  • Zeitplan bei Aufräumarbeiten in Katastrophenregionen verfehlt
  • Radioaktives Wasser aus Fukushima erreicht Hawaii 2014
  • Starke Kontamination von Meer und Plankton nachgewiesen

Starke Sturmwinde führen zu Toten: Während in Deutschland traditionellerweise über das wechselhafte Aprilwetter geschimpft wird, hat Japan mit Wechselhaftigkeiten anderer Art zu kämpfen. Für die Hauptstadt Tokyo und nördliche Regionen des Landes wurde ein Wetterwarnung ausgegeben. Das Tiefdruckgebiet habe die Stärke eines Taifuns, hiess es.

Aus Kokubunji im Großraum Tokyo schilderte uns einer unserer freien Mitarbeiter den Eindruck, seine Wohnung habe im Wind geschwankt und erklärt, es gäbe immer wieder Momente der Windstille, bevor der nächste schwere Windstoß folge. Die NHK meldet, in einem Vorort von Tokyo seien am Dienstagabend Windstärken von bis zu 130 km/h gemessen worden, im Stadtzentrum selbst habe es Windgeschwindigkeiten bis zu 106 km/h gegeben.

Tokyo: Wartezeit im Regen am 3, April 2012 (Foto: KJ)
Tokyo: Wartezeiten im Regen am 3, April 2012 (Foto: KJ)

Verkehrseinschränkungen: Schwallartige Regenfälle und heftige Winde führten zu Verspätungen im Verkehr, von denen auch die Schnellzüge und andere öffentliche Verkehrsmittel betroffen waren.

Der Betreiber East Japan Railway (JR East) erklärte, man habe am Nachmittag die Schnellzüge zwischen dem Flughafen Tokyo-Narita und dem Stadtzentrum vollständig eingestellt. Auch andere Verbindungen, etwa zwischen Osaka und Fukuoka erlitten das gleiche Schicksal.

Die JR East habe im Großraum Tokyo auf einige örtliche Strecken den Dienst um 30 Prozent verringert. Eine weitere Verbindung zwischen Tokyo und Chiba wurde vorerst vollständig eingestellt, so die Asahi Shimbun.

Nach Angaben der NHK sind bislang mehr als 725 Inlandsflüge gestrichen worden, auch der Fährverkehr zwischen Tokyo und Inseln wurden unterbrochen. Die Yomiuri Shimbun berichtete, Japan Airlines (JAL) habe 288 Inlandsflüge gestrichen, was 35 Prozent des täglichen Flugverkehrs der Fluggesellschaft. Die All Nippon Airways (ANA) strich 40 Prozent, das entspricht 320 Flügen.

Die Kyodo berichtet, unter den gestrichenen Inlandsflügen der JAL hätten sich praktisch fast alle Starts und Landungen am Flughafen Tokyo-Haneda befunden. Die ANA strich Haneda-Flüge sowie solche an Flughäfen in Osaka vollständig.

Tote und Verletzte: Neben Ausfällen der Elektrizität gab es bereits erste Todesfälle. Wie die Nachrichtenagentur Kyodo berichtet, starb in Nomi (Präf. Ishikawa) an Japans Küste eine 82 Jahre alte  Radfahrerin an ihren Kopfverletzungen, nachdem sie gestürzt war. Die Polizei vermutet, dass sie aufgrund der starken Windböen gestürzt sei. In der Stadt Toyama wurde ein Mann unter einer Scheune begraben, die unter den heftigen Winden zusammenbrach.

Die Nachrichtenagenturen berichteten später von drei Toten. Nach Angaben der jiji handelt es sich um einen 81 Jahre alten Mann in der Stadt Toyama, der beim Zusammenbruch einer Scheune starb. In Miyoto (Präf. Kagawa) in Westjapan starb eine 69 Jahre alte Frau nach dem Zusammenbruch eines Schuppens. Bei dem dritten Todesopfer handele sich um einen 96 Jahre alten Mann. Er war in Oshu (Präf. Iwate) durch den starken Wind vom Dach seines Hauses gerissen worden.

Die Asahi Shimbun berichtet, in Tonami (Präf Toyama) seien auf einer Brücke zwei LKW gegen das Geländer gestürzt. Mindestens einer der Fahrer wurde verletzt. Die Windgeschwindigkeiten hätten hier 123 Km/h betragen. In Ono (Präf. Fukui) wurde ein 89 Jahre alter Mann vom Wind umgerissen und erlitt dabei Verletzungen.
Die NHK spricht von drei Todesfällen und bislang mindestens 249 Verletzten in 32 Präfekturen.

Tokyo: Ausfälle und Verspätungen durch Unwetter am 3. April 2012 (Foto: KJ)
Großraum Tokyo: Ausfälle und Verspätungen am 3. April 2012 (Foto: KJ)

Wetterlage: Meldungen der NHK zufolge kam es in Westjapan zu starken Regenfällen. In Kobe wurden zwischen 13:30 Uhr und 14:30 Uhr insgesamt 50,5 Millimeter Regen gemessen. Nach Angaben der Wetterbehörde werde das Tiefdruckgebiet ostwärts ziehen und über Nacht auch Nordjapan erreichen. Für die Regionen Kanto und Tohoku wird ab Dienstagabend mit Windstärken bis zu 90 km/h gerechnet.

Besonders an Teilen der Pazifikküste in von Westjapan bis Nordjapan soll es zu schweren Regenfällen kommen. Auch Warnungen vor heftigen Winden, Gewittern und Wirbelstürmen wuden ausgegeben.

Schäden: Insgesamt sind laut NHK 136 Fälle von Gebäudeschäden  aus 23 Präfekturen gemeldet worden. Von den genannten Stromausfällen seien 20.000 Fälle in sieben Präfekturen gemeldet. In der Präfektur Fukui seien zwei Lagerhäuser einer Grundschule vom Wind weggeblasen worden. Ein 10.000 Tonnen Frachtschiff lief bei der Stadt Imabari auf Grund.

Zeitplan bei Aufräumarbeiten in Katastrophenregionen verfehlt: Bei einer Pressekonferenz am heutigen Dienstag, erklärte Goshi Hosono, das gesetzte Ziel, bis Ende März alle Katastrophentrümmer in den drei am härtesten getroffenen Präfekturen in Zwischenlager entsorgt zu haben, sei gescheitert. Es sei zwar bis zum Montag gelungen, insgesamt 97 Prozent der Trümmer wegzuräumen, nun gelte es diesen Umstand besonders ernst zu nehmen und die  verlorene Zeit aufzuholen.

Denn auch wenn diese Zahl zunächst beeindruckend wirken mag, so sind etwa in der Präfektur Fukushima bislang lediglich 70 Prozent der Trümmer geräumt worden – vermutlich nicht zuletzt auch während der Sorge über eine mögliche Kontamination des Materials durch das Reaktorunglück am Atomkraftwerk Fukushima Daiichi. Das berichtet die Nachrichtenagentur jiji.

Radioaktives Wasser aus Fukushima erreicht Hawaii 2014: Wasser das mit radioaktivem Material aus dem AKW Fukushima Daiichi kontaminiert ist, wird die Inseln von Hawaii voraussichtlich im März 2014 erreichen. Das ist das Ergebnis einer Untersuchung, die von einem Team der japanischen Atomenergiebehörde JAEA durchgeführt wurde.

Hawaii: Waikiki Beach (Foto: Cumulus Clouds cc-by)
Hawaii: Waikiki Beach (Original-Foto: Cumulus Clouds cc-by)

Grundlage für die Computersimulation waren Daten über kontaminiertes Wasser im Bereich der Abflusskanäle des AKW Fukushima Daiichi. Schätzungen der Forscher, in welcher Menge radioaktives Material nach dem 26. März vergangenen Jahres in das Meer gelangten, ergaben, dass etwa  18.000 Trillionen Becquerel an radioaktivem Cäsium und radioaktivem Jod ins Meer gelangt waren. Das berichtet die Asahi Shimbun.

Das kontaminierte Wasser werde duch Meeresströmungen transportiert und dabei auf sehr geringe Werte verdünnt werden. Die Menge an radioaktivem Cäsium-137, die tatsächlich nach einer Distanz von 5.300 Kilometern Hawaii erreiche, werde lediglich 0,04 Becquerel pro Liter betragen.

Starke Kontamination von Meer und Plankton nachgewiesen: Ebenfalls mit den Auswirkungen von Meeresströmungen hat sich ein gemeinsames Forschungsteam der USA und Japan befasst. Demnach hat das AKW Fukushima zu einer schweren Belastung des Meeres geführt, gleichzeitig habe die Kuroshio genannte Meeresströmung zumindest teilweise eine südwestliche Ausbreitung des radioaktiven CäsiumFukushima verhindert.

Die Ergebnisse der Zusammenarbeit des „Atmosphere and Ocean Research Institute“ der Universität Tokyo mit der US-amerikanischen „Woods Hole Oceanographic Institution“ (WHOI) wurden in der Fachzeitschrift der Akademie der Wissenschaften der Vereinigten Staaten (PNAS)  am 3. April 2012 veröffentlicht.

Drei Monate nach Beginn der Krise am Kernkraftwerk, im Juni 2011, hatten die Wissenschaftler Proben von Meerwasser und Meereslebewesen genommen und die Menge an radioaktiven Cäsium in Wasserproben, die  aus Abständen zwischen 30 und 600 Kilometern zur Küste entnommen worden waren, analysiviert.

Den Ergebnissen zufolge betrug die Belastung mit radioaktivem Cäsium-134 bis zu 3.900 Becquerel pro Quadramtmeter was mehrere tausend mal höher ist, als vor der Fukushima-Katastrophe. Selbst in einer Entfernung von 600 Kilometern zur Küste, habe man noch 325 Becquerel nachweisen können, meldet die Nachrichtenagentur jiji

Der Artikel der Mainichi Shimbun geht ins Detail berichtet, die größte Menge an radioaktivem Cäsium in tierischem Plankton wurde in einer Probe, 300 Kilometer vom AKW Fukushima entfernt nachgewiesen. Dort habe man 102 Becquerel an Cäsium-134 und Cäsium-137 pro Kilogramm Trockengewicht festgestellt.
Vor der Fukushima-Katastrophe habe man lediglich Cäsium-137 mit einem Durchschnittswert von 0,1 bis 1 Becquerel nachweisen können.

Die geringste Menge an Cäsium in Plankton der nun gemessen wurde, betrug 0,3 Becquerel pro Kilogramm und wurde in einer Entfernung von 600 Kilometern zur Kernkraftanlage festgestellt.

Die größte Menge an Cäsium in Meerwasser wurde dagegen in 100 Kilometer Distanz zum AKW gemessen und betrug dem Artikel zufolge 7.733 Becquerel pro Kubikmeter.

Doch im Bereich der auch als „Japanstrom“ bekannten Kuroshio und den Gebieten südlich davon, oder vor der Boso-Halbinsel im Osten Japans wurden Werte unterhalb von drei Becquerel nachgewiesen. Daher gehen die Wissenschaftler davon aus, dass die Meeresströmung die Ausbreitung in südliche Richtung behindert.

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