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Japan aktuell: Hohe Asbestwerte bei Arbeiten in Fukushima und anderen Präfekturen

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Haustrümmer nach der Tohoku-Katastrophe (Copyright: Andreas Teichert/DTRG e.V.)
Gebäudetrümmer als Gesundheitsgefahr (Copyright: Andreas Teichert/DTRG e.V.)
Haustrümmer nach der Tohoku-Katastrophe (Copyright: Andreas Teichert/DTRG e.V.)
Gebäudetrümmer als Gesundheitsgefahr (Copyright: Andreas Teichert/DTRG e.V.)

Meldungen über die Gesundheitsgefahr durch Asbest in den Katastrophentrümmern sind nicht nur Fukushima aktuell, sondern betreffen, ebenso wie die Suche nach Vermissten, auch andere Präfekturen.

Dagegen sind Informationen über einen verletzten Kraftwerksarbeiter und eine Sitzung von TEPCO, die in Fukushima heute stattfand, ausschließlich auf diese Präfektur bezogen.

Damit ist jedoch klar; auch zum Wochenende gibt es neben den Fukushima News auch weitere interessante Meldungen. Das ganze wie üblich auch heute im Spreadnews Japan-Ticker vom 11. Januar 2013.

Unsere heutigen Themen:

  • Asbest an mehreren Stellen der Katastrophenregion über Grenzwert
  • Fukushima-Arbeiter bei Stahlarbeiten verletzt
  • Erste Sitzung im neuen TEPCO-Krisenzentrum
  • Verstärkte Suchaktion nach Tohoku-Katastrophenopfern
  • Drohungen im Senkaku-Konflikt
    • Erneut chinesisches Flugzeug nahe Senkaku
    • China will Südkorea politisch gegen Japan mobilisieren
    • Chinesische Zeitung betreibt Kriegspropaganda

Asbest an mehreren Stellen der Katastrophenregion über Grenzwert: Die Gefährdung durch Asbest und andere Stoffe aus Baumaterial ist spätestens seit den Anschlägen auf das World Trade Center in New York 2001 bekannt, als Besorgnis über die Gesundheit der Helfer aufkam, die teilweise ohne Atemschutz gearbeitet hatten.

Nun wurden an 17 Abriss-Baustellen der Katastrophenregion des Tohoku-Erdbebens 2011 Asbest in Konzentrationen festgestellt, die über dem zulässigen Grenzwert der Weltgesundheitsorganisation (WHO) liegen. Das meldet die Mainichi Shimbun unter Berufung auf Regierungsquellen.

  • Zwischen 2008 und 2010 wies das Umweltministerium lediglich an vier Stellen, etwa in den Präfekturen Aichi und Yamanashi entsprechende Überschreitungen nach.
  • Zwischen Juni 2011 und Dezember 2012 wurde dagegen an 17 Stellen in den Präfekturen Fukushima, Ibaraki, Miyagi und Tochigi Belastungen zwischen 10,6 und 783,5 Fasern pro Liter Luft festgestellt.

Das geht aus Kontrollen von Umweltministerium und Gesundheitsministerium hervor, welche die Werte an Abrissstellen und Trümmerentsorgungen überwacht hatten.

Der WHO-Sicherheitsstandard für Asbestfasern liegt bei weniger als 10 Fasern pro Liter Luft.

Asbest (Foto: pd)
Asbest: Die Gesundheitsgefahr in den Trümmern (Foto: pd)

Die höchste Belastung wurde bei Arbeiten an einem Hotel in Sendai (Präf. Miyagi) nachgewiesen. Dort wurden sogar noch an den Rändern des betroffenen Gebiets 360 Fasern pro Liter festgestellt – damit wurde ein gesetzliches Limit von 10 Fasern pro Liter an Rändern bzw. Ecken eines derartigen Bereichs verletzt.

Dennoch stellten nach Angaben eines Experten die jüngsten Entdeckungen vermutlich lediglich die Spitze eines Eisberges dar, da wahrscheinlich eine ganze Reihe von Abriss-Standorten übersehen worden war und es zudem keine Beweise dafür existierten, das Asbestbelastungen unterhalb des WHO-Grenzwerts keine besonderen Gesundheitsgefahren bergen würden.

Sowohl Umweltministerium als auch Gesundheitsministerium warnten Anwohner und führten mehrere Kontrollen der Asbestwerte durch, allerdings sei keiner der Werte hoch genug, um eine Gesundheitsgefährdung darzustellen.

Experten kritisieren jedoch die unzureichende Aussagekraft von Luftkonzentrationsmessungen in Katastrophengebieten. Da es sich nicht um geschlossene Industrieanlagen handele, verbreite sich Asbest dort schnell. Hier sind stattdessen Gesundheitskontrollen an Einzelpersonen erforderlich, heisst es.

Darüber hinaus gibt es auch bürokratische Probleme. So ist etwa die Weitergabe einiger Informationen bei Gebäudeabrissen nicht gesetzlich vorgeschrieben, was zu verzerrten Bildern bei den Behörden führe.

Auch gäbe es in Japan zwar die technologischen Kenntnisse zur sicheren Handhabung von Asbest – Bauunternehmen werden jedoch nicht systematisch auf ihre Fähigkeiten geprüft.

Fukushima-Arbeiter bei Stahlarbeiten verletzt: Am Freitag verletzte sich gegen 14:30 Uhr der Angestellte eines Partnerunternehmens, der auf dem Industriegelände von Naraha, außerhalb des AKW Fukushima Daiichi mit der Härtung von Stahlrohren beschäftigt war, als die Finger seiner rechten Hand zwischen Stahlrohren eingeklemmt wurden.

Eine erste Untersuchung im Medical Center des J-Village ergab eine Verletzung von Mittel- und Ringfinger. Im Anschluss wurde gegen 15:00 Uhr ein Krankenwagen gerufen und der Arbeiter kurz darauf, um 15:14 Uhr in das Krankenhaus in Iwaki gebracht.

Erste Sitzung im neuen TEPCO-Krisenzentrum: Nachdem die Betreiberfirma TEPCO vor einer Woche offiziell den Betrieb im wenige Tage zuvor eröffneten Krisenzentrum für die Bewältigung der Krise und den Wiederaufbau von Fukushima in Naraha aufgenommen hatte, fand am heutigen Freitag dort die erste offizielle Sitzung statt.

TEPCO-Zentrale in Tokyo (Foto: Yusuke Kawasaki cc-by)
TEPCO-Hauptsitz in Tokyo (Foto: Yusuke Kawasaki cc-by)

Unter den etwa 30 Personen befanden sich auch der Vorsitzende Kazuhiko Shimokoba, sowie der Präsident des Unternehmens, Naomi Hirose. Beschlossen wurde, innerhalb der nächsten zwei Jahre entscheidende Aufgaben vom Firmensitz in Tokyo in das Fukushima-Wiederaufbauzentrum zu verlegen

Trotz der zuvor versprochenen Erleichterungen bei den Entschädigungszahlungen, wurden weder zu dieser Maßnahme, noch  zur Dekontamination der Präfektur irgendwelche Entschlüsse gefasst. Man sei sich der Bedeutung beider Punkte bewusst, jedoch noch zu keiner einstimmigen Entscheidung gelangt.

Die Angelegenheit würde unter Einbeziehung örtlicher Behörden jedoch weiter diskutiert

Bereits geplant ist dagegen, etwa ab April schätzungsweise zehn Personen aus der Präfektur einzustellen und damit zur Schaffung von Arbeitsplätzen in der Region beizutragen, berichtete die NHK. Entsprechende Treffen im Krisenbewältigungszentrum sollen künftig alle drei Monate stattfinden.

Verstärkte Suchaktion nach Tohoku-Katastrophenopfern:  Helikopter, Schiffe und Taucher der japanischen Küstenwache haben sich in einer weiteren Großaktion auf die Suche nach Menschen gemacht, die nach Angaben der Nationalen Polizeibehörde seit den Katastrophen vom 3/11 weiterhin als vermisst gelten.

Bei ihrer Suche konzentrierten sich die Kräfte auf sieben Buchten der Präfektur Miyagi, doch auch in Gebieten der Präfektur Iwate wurde nach Vermissten gesucht. Nach Angaben der Kyodo werden in beiden Präfekturen 2.485 Personen als vermisst gemeldet, davon stammen laut NHK 1.314 Personen aus der Präfektur Miyagi.

Insgesamt gelten in Miyagi und fünf weiteren Präfekturen noch 2.700 Personen offiziell als vermisst, so die Zahlen der Nationalen Polizeibehörde.

An der Aktion in der Präfektur Miyagi waren etwa 140 Mitarbeiter der Küstenwache beteiligt. In der Präfektur Iwate wurde ein Strand nahe der Ortschaft Rikuzentakata umgegraben. Dort waren im vergangenen Monat menschliche Knochen entdeckt worden.

Für den 18. Januar ist in der Präfektur Fukushima der Einsatz von 400 Polizeibeamten, Feuerwehrleuten und Mitgliedern der Küstenwache geplant.

Drohungen im Senkaku-Konflikt: Die Führung der Volksrepublik China hat ihr politisches Repertoir nach diversen Provokationsaktionen durch Schiffe und Flugzeuge nun über die staatlichen Medien um recht deutliche Drohungen erweitert. Die aktuellen Meldungen im Senkaku-Streit jetzt für Sie zusammengefasst:

Japanische Nationalflagge (Originalfoto: Toshihiro Oimatsu cc-by)
Japanische Nationalflagge (Originalfoto: Toshihiro Oimatsu cc-by)

Erneut chinesisches Flugzeug nahe Senkaku: Am heutigen Freitagmittag wurde eine Y-12 Propellermaschine der chinesischen Meeresaufsichtsbehörde in der Nähe der Senkaku auf dem Radar gesichtet. Japan entsandte F-15 Abfangjäger. Die Maschine drang jedoch nicht in japanischen Luftraum ein, sondern entfernte sich in nordwestlicher Richtung..

China will Südkorea politisch gegen Japan mobilisieren: Chinas Vize-Außenminister Zhang Zhijun rief bei einem Besuch in Südkorea dazu auf, beide Staaten müssten gemeinsam gegen Japans angeblich revisionistische Haltung vorgehen.

Südkorea will zwar seine Beziehungen zu Japan verbessern, die Ansprüche Koreas auf die Takeshima-Inseln und das politische Druckmittel der koreanischen Armeeprostituierten während des Zweiten Weltkriegs stellen jedoch immer noch Konfliktpotential dar – ein Umstand den China nun offenbar für seine Zwecke ausnutzen will.

Chinesische Zeitung betreibt Kriegspropaganda: Die staatlichen Medien in China warnen vor der Wahrscheinlichkeit eines militärischen Konflikts. Da Japan sich unbeeindruckt von Chinas Haltung zeige und die chinesische Bevölkerung der rein verbalen Proteste gegen die „japanische Provokation“ durch F-15 Kampfjets müde sei, hoffe man nun auf Aktionen der chinesischen Regierung.

Diese Aussagen entstammen einem Editorial der staatlichen „Global Times“ und münden nach der Erklärung, man wolle nicht der Initiator des Krieges sein in der Aussage, die Entsendung chinesischer Kampfjets zu den Inseln entspreche der öffentlichen Meinung.

Man werde doch nicht zögern militärische Vergeltung zu üben, sofern dies erforderlich werden würde.

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