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Japan aktuell: Hohe radioaktive Belastung in Nahrungsmitteln durch AKW Fukushima

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Suzuki - Japanischer Barsch (Foto: 記者Occ-by-nd)
Barsch (Foto: 記者Occ-by-nd)
Suzuki - Japanischer Barsch (Foto: 記者Occ-by-nd)
Suzuki - Japanischer Barsch (Foto: 記者Occ-by-nd)

Die jüngsten Entdeckungen über den nur 60 Zentimeter messenden Wasserstand des Sicherheitsbehälters im AKW Fukushima Daiichi  sind ausreichend dramatisch, um die Massenmedien aufmerksam werden und über eine tödliche Strahlung von 72,9 Sievert im Inneren des Behälters berichten zu lassen.

Ein Beleg dafür, dass die Katastrophe von Fukushima aktuell auch weiterhin ganz konkrete Auswirkungen auf die Menschen hat, zeigen Meldungen über Grundnahrungsmittel, die radioaktiv kontaminiert sind. Weitere Fukushima News und Meldungen aus Japan jetzt im Spreadnews Japan-Ticker vom 28. März 2012.

Unsere heutigen Themen:

  • Hohe radioaktive Belastung in Nahrungsmitteln durch AKW Fukushima
  • Neustart des AKW Oi nächste Woche Ministerthema
  • Fukushima-Bürgermeister wehrt sich gegen Fluchtvorwurf
  • Erdbeben der Stärke 6,4 erschüttert Nordosten Japans
  • Mobilfunknetz verschickte versehentlich Tsunamiwarnung

Hohe radioaktive Belastung in Nahrungsmitteln durch AKW Fukushima: Fischer in der Präfektur Miyagi werden voraussichtlich von Fischereiverband und Präfekturleitung dazu angehalten werden, freiwillig auf den Fang von Barschen zu verzichten –  nachdem in den vergangenen zwei Monaten bis zu 360 Becquerel an radioaktivem Cäsium im Fang nachgewiesen werden konnten. Damit liegen sie deutlich über dem ab kommendem Monat geltenden verschärften Grenzwert von 100 Becquerel pro Kilogramm.

Die Präfektur Miyagi liegt nördlich von Fukushima. Die hohe Kontamination wird auf das Kraftwerksunglück zurückgeführt. Nachdem es sich bei den Barschen um die erste Gattung an Meerestieren handelt, deren Fang in der Präfektur Miyagi aufgrund von radioaktiver Belastung eingestellt wird, wurden auch in zwei anderen vor der Küste von Miyagi gefangenen Fischarten eine Überschreitung des neuen Grenzwerts festgestellt.

Takenoko - Bambussprößlinge (Foto: Joi Ito, cc-by)
Takenoko - Bambussprößlinge (Foto: Joi Ito, cc-by)

Neben dem Fisch der Präfektur Miyagi sind jedoch auch Lebensmittel in anderen Landesteilen, die weiter vom AKW Fukushima Daiichi entfernt liegen, von der radioaktiven Konamination betroffen.

So wurden etwa in den Proben von Bambussprossen von zwei Standorten in der Präfektur Chiba, etwa 200 Kilometer vom Kraftwerk entfernt, eine hohe Kontamination  mit radioaktivem Cäsium von 250 Becquerel pro Kilogramm beziehungsweise 180 Becquerel pro Kilogramm nachgewiesen.

In einer weiteren Ortschaft konnte letzte Woche 130 Becquerel in einem Bambusschößling nachgewiesen werden.

Mit diesen Werten liegen die Bambussprossen, die zum menschlichen Verzehr vorgesehen waren, bis zum zweieinhalbfachen über dem ab kommenden Monat geltenden, verschärften Grenzwert von 100 Becquerel pro Kilogramm. Die Präfekturalverwaltung Chiba ruft die Landwirte nun dazu auf, den weiteren Versand der Bambussprossen an Kunden einzustellen.

Als Ursache für die Kontamination wird vermutet, dass das radioaktive Cäsium durch die Luft dorthin gelangt und sich dort zunächst auf den Blättern des Bambus abgelagert hatte, bevor es durch die Wurzeln aufgenommen worden war. Das berichtet die NHK.

Neustart des AKW Oi nächste Woche Ministerthema: Wie die Nachrichtenagentur Kyodo unter Berufung auf mit der Angelegenheit vertraute Quellen am gestrigen Dienstag erfuhr, plant die Regierung möglicherweise bereits für die nächste Woche ein Treffen zwischen Premierminister Yoshihiko Noda und Chefkabinettssekretär Osamu Fujimura, sowie dem Minister für Wirtschaft, Handel und Industrie, Yukio Edano und dem Krisenmanagementminister Goshi Hosono geplant.

Bei diesem sollen dann die von der  Atomsicherheitskommission NSC bestätigten Beurteilungen der Atomsicherheitsbehörde NISA über die Stresstests der Reaktoren des AKW Oi diskutiert werden.

Fukushima-Bürgermeister wehrt sich gegen Fluchtvorwurf: Nachdem sowohl die Regierung als auch der Kraftwerksbetreiber sich immer wieder für die entstandenen Umstände entschuldigt haben, mag es dem europäischen Beobachter so scheinen, als sei der mit Japan oft in Verbindung gebrachte Begriff der Ehre eine Nebensache geworden.  Das dem nicht so ist, zeigt der Fall von Takanori Seto, Bürgermeister der Stadt Fukushima.

Dieser wehrt sich in einem Schreiben gegen die Aussage eines Professors, der im Rahmen eines Vortrags impliziert habe, der Bürgermeister sei geflohen und kehre nur für seine Amtsgeschäfte in die Stadt zurück.

Stadt Fukushima (Foto: pd)
Stadt Fukushima (Foto: pd)

Seines Zeichens Professor für Strahlungsmesstechnik, hielt Tomoya Yamauchi am 18. Februar 2012 in Osaka einen Vortrag, bei dem er sich gegen die Übernahme von Katastrophentrümmern aussprach.

Dabei hatte er erklärt, die Stadt Fukushima sei zu evakuieren.  Während die übrige Stadtverwaltung praktisch kaum etwas mache, sei der Bürgermeister die einzige Person, der richtig handele.

Dieser lebe jetzt außerhalb der Stadt in Yamagata und würde jeden Morgen mit dem Dienstwagen in die Stadt Fukushima fahren.

Bürgermeister Seto verwehrt sich gegen diese Behauptung, er sei aus seiner Stadt geflohen. In einer schriftlichen Stellungnahme erklärt er, diese Behauptungen seien unwahr und hätten seine Ehre befleckt. Die Einwohner seiner Stadt litten aufgrund des Problems der radioaktiven Kontamination und die Äußerungen hätten dem Vertrauen, dass sie in ihren Bürgermeister setzen, geschadet.  Er lebe weiterhin in der Stadt.

In seinem Schreiben vom 26. März 2012 verlangte er nun eine Entschuldigung des Professors. Dieser räumte gegenüber der Mainichi Shimbun seine Aussagen ein und erklärte, er werde eine Antwort überdenken, sobald ihn das Schreiben erreicht habe.

Erdbeben der Stärke 6,4 erschüttert Nordosten Japans: Am gestrigen Abend ereignete sich um 20:00 Uhr Ortszeit ein Erdbeben der Stärke 6,4 das den Nordosten von Japans Hauptinsel Honshu erschütterte. Das Epizentrum befand sich vor der Küste der Präfektur Iwate. Auch die Präfektur Miyagi war von dem Beben betroffen. Eine Tsunamiwarnung wurde nicht ausgesprochen.

Energiekonzern Tohoku Electric meldete weder vom AKW Onagawa (Präf. Miyagi) noch dem AKW Higashidori (Präf. Aomori) irgendwelche Auffälligkeiten. Auch die Aufbereitungsanlage Rokkasho (Präf. Aomori) wies keine Störungen auf, erklärte die Japan Nuclear Fuel Ltd. .

Auch an den beiden Fukushima-Kraftwerken konnten keine Auswirkungen festgestellt werden, teilte der Betreiber TEPCO mit.

Mobilfunknetz verschickte versehentlich Tsunamiwarnung: Gestern berichteten wir über die Entschuldigung, die von der Bezirksleitung Bunkyo in Japans Hauptstadt Tokyo ausgesprochen worden war, als ein drahtloses Warnsystem zwei Fehlalarme über starke Erdbeben auslöste. Es wurden allerdings auch die Bewohner der Präfektur durch irrtümliche Erdbebenwarnungen verunsichert.

Stand von NTT Docomo auf der CEATEC 2008 (Foto: (c) by Nihon Denki)
Stand von NTT Docomo auf der CEATEC 2008 (Foto: (c) by Nihon Denki)

Am gestrigen Abend schickte das Frühwarnsystem von Japans größtem Mobilfunkanbieter NTT Docomo um 20:10 Uhr eine E-Mail Warnung an die Nutzer des Netzes und rief Personen in Küstennähe dazu auf, sich aufgrund der Tsunamigefahr in höher gelegene Gebiete in Sicherheit zu bringen. Etwa 35 Minuten später folgte die Entwarnungsnachricht, nachdem ein Präfekturangestellter den Fehler bemerkt hatte.

Ursache war offenbar eine Fehleinschätzung durch das System, da sich gegen 20:00 Uhr ein Erdbeben der Stärke 6,4 vor der Küste der Präfektur Iwate ereignete. Man arbeite nun daran den Fehler zu finden und zu korrigieren.

Das automatische Warnsystem war von der Präfektur Kanagawa am 15. März in Betrieb genommen worden. Bei dem gestrigen Fehlalarm handelte es sich um den ersten aktiven Einsatz in der Präfektur, so die Nachrichtenagentur Kyodo.

2 KOMMENTARE

  1. Die von Ihnen kolportierten „hohen“ Werte sollten Sie im Vergleich zu den noch viele Jahre nach Chernobyl in Bayern aufgetretenen Caesiumbelastungen (4000 Bq/kg in Pilzen) relativieren. Nicht um das Problem klein zureden, sondern um der Rationalität Genüge zu tun. D.h. Münschen wurde auch nicht evakuiert …

    • Wenn man die im Artikel genannten Messwerte und das Limit von 100Bq/kg ansieht ist es von der Redaktion hier trotzdem nicht falsch, von hohen Werten zu reden. Es ist zumindest keine Panikmache. Trotzdem ist der Tschernobyl-Vergleich interessant, Danke!

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