Start Aktuelles Japan aktuell: Hohe Radioaktivität bereits vor Fukushima-Entlüftung gemessen

Japan aktuell: Hohe Radioaktivität bereits vor Fukushima-Entlüftung gemessen

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Trefoil: Radioaktivitäts-Warnsymbol
AKW Fukushima: Strahlung an Anlagengrenze übersteigt zulässigen Wert (Grafik: pd)
Trefoil: Radioaktivitäts-Warnsymbol
AKW Fukushima: Strahlung trat offenbar früher aus als gedacht (Grafik: pd)

Die Woche beginnt mit der Meldung über massive Strahlungserhöhungen während der Akutphase der Fukushima-Krise und auch neue Schäden und Pannen werden aus Fukushima aktuell gemeldet.

Daneben sind jedoch auch ein schweres Erdbeben und die Entwicklungen in den Katastrophenpräfekturen Miyagi, Iwate und Fukushima heute Teil unserer Berichterstattung.

Einzelheiten zu den Fukushima News und weiteren Meldungen jetzt im Spreadnews Japan-Ticker vom 25. Februar 2013.

Unsere heutigen Themen:

  • Hohe Radioaktivität während Fukushima-Krise bereits vor Reaktor-Entlüftung
  • Schaden an Fukushima-Deckenkran
  • Zwei Wasserlachen in Turbinengebäude von Fukushima-Reaktor
  • Erdeben der Stärke 6,2 in Ostjapan
  • Präfektur Miyagi will beim Hausbau helfen
  • Suche nach Eigentümern von Tsunami-Fundsachen hält an
  • Annähernd Hälfte der Katastrophentrümmer beseitigt
  • Fäkalien und Provokationen um Takeshima und Senkaku
    • Chinesisches Schiff in Japans Gewässern
    • Koreaner wirft Fäkalien auf Japans Botschaft

Hohe Radioaktivität während Fukushima-Krise bereits vor Reaktor-Entlüftung:  Die Präfektur Fukushima betrieb vor der Krise insgesamt 25 Messposten um das AKW Fukushima Daiichi, von denen jedoch fünf der Tsunami mitriss und die übrigen 20 durch den Stromausfall unbrauchbar wurden. Ihre Daten enthüllen nun erstaunliches.

Seit September 2012 arbeitete die Präfekturverwaltung an der Auswertung der Daten. Diese wurden zwar auf der Webseite der Präfektur veröffentlicht – nach Angaben der Mainichi Shimbun wurde jedoch verschwiegen, dass die Strahlung sich bereits ausgebreitet hatte, bevor TEPCO die Notentlüftung zum Druckausgleich angeordnet hatte.

Keines der Untersuchungskomitees zur Fukushima-Katastrophe wurde über die Tatsache informiert, dass etwa in einem Gebiet die Strahlungswerte auf das siebenhundertfache des Normalwerts stiegen, so dass vermutlich viele Einwohner bereits kontaminiert wurden, bevor die Evakuierung angeordnet wurde.

TEPCO-Angestellte hatten erstmals am 12. März 2011 um 10:17 Uhr versucht ein Entlüftungsventil zu öffnen, ein Erfolg wurde erst nach dem vierten Entlüftungsvorgang um 14:30 Uhr bestätigt. Messposten in vier Ortsteilen der Stadt Futaba maßen jedoch bereits Stunden zuvor angestiegene Strahlungswerte.

Vor der Katastrophe betrug die Strahlung an allen vier Standorten zwischen 0,04 and 0,05 Mikrosievert pro Stunde.

Im Ortsteil Koriyama, 2,5 Kilometer nördlich des AKW stieg die Belastung

  • Um  5:00 Uhr auf 0,48 Mikrosievert pro Stunde.
  • Um 6:00 Uhr auf 2,94 Mikrosievert pro Stunde.
  • Um 9:00 Uhr, etwa eine Stunde vor Beginn der Entlüftung, stieg er auf 7,8 Mikrosievert pro Stunde.

Im Ortsteil Yama, etwa 5,5 Kilometer westlich des AKW betrug die Strahlung um 10:00 Uhr dann 32,47 Mikrosievert pro Stunde – etwa das 720-fache des Normalwerts.
Um 15:00 Uhr und damit eine halbe Stunde nach der vierten Entlüftung betrug der Wert im Ortsteil  Kamihatori  dann 1.591 Mikrosievert.

Der schnelle Anstieg in diesen einzelnen Bereichen, die deutlich über dem gesetzlichen Grenzwert von 0,23 Mikrosievert pro Stunde liegen, wird zwar auf Wechsel in der Windrichtung zurückgeführt, die genaue Leckstelle, durch die bereits so früh Radioaktivität austrat, ist jedoch bislang unbekannt.

Die Regierung erliess die ersten Evakuierungen, die zunächst nur für Personen innerhalb eines Zwei-Kilometer-Radius um das AKW galten, erst um 20:50 Uhr und erst am folgenden Tag, dem 12. März 2011 um 8:00 Uhr morgens begann die Großevakuierung von etwa 50.000 Einwohnern.

Zwar gehen Experten davon aus, dass die Strahlungsmenge vor der Entlüftung nicht gesundheitsgefährdend sei, da die stündliche Belastung noch unter der eines Thorax-Röntgens liege, dennoch müsse ermittelt werden, wieviel Strahlung die Bevölkerung tatsächlich ausgesetzt war.

Da die Abschlussberichte zur Fukushima-Katastrophe noch vor Abschluss der Messposten-Analyse vorgelegt wurden, finden sich die neu entdeckten Werte auch nicht in den Einschätzungen zu den gesundheitlichen Auswirkungen der Krise.

Schaden an Fukushima-Deckenkran: Bei einer Demontageinspektion der Räder des Deckenkrans in Reaktor 3, die Aufgrund von Geräuschen, die seit dem 21. Februar aufgetreteten waren durchgeführt wurde, entdeckte man am Freitag eine Beschädigung der Radhalterung, die auch die Bewegungsfunktion des Deckenkrans einschränkt.

Der betroffene Teil soll nun genauer untersucht werden, um die Ursache des Schadens zu ermitteln. Die Entdeckung hat keinen Einfluss auf den Austritt von Strahlung in die Umgebung.

Zwei Wasserlachen in Turbinengebäude von Fukushima-Reaktor: Am Samstag entdeckte der Angestellte eines Partnerunternehmens nahe der Mitte des Heizraumes im ersten Stock des Turbinengebäudes von Reaktor 2 eine Wasserlache von 5m x 1m, die auf herabtropfendes Wasser an einigen Teilen der Decke zurückzuführen war.

Es wurden keine undichten Stellen an Rohren und Schläuchen in der Nähe der Leckstelle gefunden. Die Strahlungsmessung einer Wasserprobe ergab folgende Werte:

  • Cäsium-134: 1,3×102 Becquerel pro Kubikzentimeter
  • Cäsium-137: 2,5×102 Becquerel pro Kubikzentimeter

Eine Messung der Kontamination des Bodens ergab folgende Werte:

  • Cäsium-134: 1,2×10Becquerel pro Kubikzentimeter
  • Cäsium-137: 2,1×102 Becquerel pro Kubikzentimeter
  • Kontaminationswerte der Luft: Gamma und Betastrahlung: 0,7 Millisieviert pro Stunde.

Außerdem wurde im Abluftfilter-Raum im zweiten Stock des gleichen Turbinengebäudes eine weitere Wasserlache von etwa 15m x 11m  festgestellt. Da sich die Stelle oberhalb der Tropfstelle im ersten Stock befindet, könnte hier die Ursache liegen. Die genauen Umstände werden nun ermittelt.

Erdeben der Stärke 6,2 in Ostjapan: Ein Erdbeben der Stärke 6,2 hat am heutigen Montag um 16:23 Uhr die Präfektur Tochigi und angrenzende Gebiete erschüttert. Das Epizentrum des Bebens befand sich im Norden der Präfektur in einer Tiefe von etwa zehn Kilometern. Eine Tsunami-Warnung wurde nicht ausgegeben.

Bislang gibt es keine Meldungen über Verletzte. Die JR East setzte kurzzeitig den Betrieb von drei Linien des Shinkansen-Schnellzugs aus. Die Regierung setzte eine Task Force im Krisenmanagementzentrum im Büro des Premierministers Shinzo Abe ein, um mögliche Folgen des Erdbebens zu ermitteln. Über das Beben berichteten etwa Kyodo, jiji und NHK.

Präfektur Miyagi will beim Hausbau helfen:  Wie Präfekturgouverneut Yoshihiro Murai heute auf einer Pressekonferenz mitteilte, will man durch die finanzielle Unterstützung von etwa 30.000 Haushalten mit Finanzmitteln in Höhe von jeweils 2,5 Millionen Yen pro Haushalt, den Wiederaufbau nach den Tohoku-Katastrophen 2011 stärker voranbringen.

Ausgenommen sind hiervon nach Angaben der jiji Haushalte in Gebieten, die nicht bereits Wiederaufbauhilfen durch die Regierung in Tokyo erhalten. Insgesamt sollen etwa 72,8 Milliarden Yen in das Unterstützungsprojekt fliessen.

Suche nach Eigentümern von Tsunami-Fundsachen hält an:  In Ofunato (Präf. Iwate) setzt die Polizei ihre Anstrengungen fort, die Eigentümer von Fundstücken aus den Trümmern der Ortschaft zu ermitteln. Fast zwei Jahre sind seit den Tohoku-Katastrophen vergangen und noch immer werden 200 Gegenstände pro Monat bei der Polizei abgegeben.

Insgesamt sieben Standorte mit Trümmergebieten befinden sich nach Angaben der Mainichi Shimbun im Zuständigkeitsbereich der Polizei Ofunato – darunter auch die völlig verwüstete Ortschaft Rikuzentakata.

Nach Angaben der Präfekturpolizei vom 10. Februar 2013 sind noch etwa 30.100 Gegenstände aus den Trümmergebieten abgegeben worden. Darunter befinden sich neben Brieftaschen und Führerscheinen auch Geldschränke und Bargeld in Höhe von 1.616 Milliarden Yen. Bislang konnte 87 Prozent des Geldes un 44 Prozent der übrigen Objekte den Besitzern übergeben werden.

Annähernd Hälfte der Katastrophentrümmer beseitigt: Wie das Umweltministerium am Freitag bekannt gab, ist fast die Hälfte der Trümmer der Tohoku-Katastrophen in den drei am schwersten getroffenen Präfekturen nun beseitigt.

Zerstörung nach den Tohoku-Katastrophen 2011 (Copyright: Andreas Teichert/DTRG e.V.)
Zerstörung nach den Tohoku-Katastrophen 2011 (Copyright: Andreas Teichert/DTRG e.V.)

Insgesamt 16.280.000 Tonnen an Überresten waren durch das Erdbeben und den dadurch ausgelösten Tsunami angefallen. Schätzungsweise 47 Prozent, oder 7.540.000 Tonnen wurden bis Ende Januar mittlerweile eingelagert, oder verbrannt.

Die Erfolge bei der Erfüllung der selbstgesetzen Entsorgungensziele fallen jedoch sehr unterschiedlich aus, auch wenn im Vergleich zum Zeitraum bis 31. August 2012 fast die doppelte Menge an Trümmern entsorgten wurde.

  • Die Präfektur Miyagi entsorgte 51 Prozent (5.630.000 Tonnen) der insgesamt 11.030.000 Tonnen der Präfektur und wird voraussichtlich bis Ende März ihr Ziel von 59 Prozent entsorgter Abfälle erreichen.
  • Die Präfektur Iwate hat dagegen bislang nur 39 Prozent ihrer Trümmern entsorgen können, das Erreichen des Ziels von 58 Prozent bis Ende März ist fraglich.
  • Die Präfektur Fukushima setzte sich kein Ziel und liegt mit nur 31 Prozent entsorgter Katastrophentrümmer hinter den beiden anderen.

Die Entsorgung von Katastrophentrümmern sieht sich immer wieder mit Hindernissen konfrontiert. Gegenwärtig haben sich lediglich 15 Präfekturen zur Übernahme der Abfälle bereit erklärt 620.000 Tonnen zu übernehmen. Bis  Ende März will man weitere Gemeinden gefunden haben, welche die verbleibenden 70.000 Tonnen übernehmen.

Aufgrund der Fertigstellung aller 31 temporären Verbrennungsanlagen Ende Januar und der Entsorgung außerhalb der drei Präfekturen, will man bis März 2014 den Entsorgungsprozess abschließen können. Problematisch bleibt die Entsorgung radioaktiver Asche in der Präfektur Fukushima, berichtet die Asahi Shimbun.

Fäkalien und Provokationen um Takeshima und Senkaku: Am Wochenende setzte sich die Serie chinesischer Provokationen in japanischen Gewässern fort. Ungewöhnlich war dagegen der Protest eines Koreaners. Die aktuellen Meldungen zum Thema für Sie zusammengefasst:

Japanische Nationalflagge (Originalfoto: Toshihiro Oimatsu cc-by)
Japanische Nationalflagge (Originalfoto: Toshihiro Oimatsu cc-by)

Chinesisches Schiff in Japans Gewässern: Nachdem bereits am Samstag chinesische Schiffe in japanische Hoheitsgewässer eingedrungen waren, folgte bereits am Sonntag die zweite Verletzung des Hoheitsgebiets. Von etwa 8:20 Uhr an, blieb das Schiff 15 Minuten dort. Auf Warnungen der Küstenwache folgte die Behauptung, es handele sich um Chinas Territorium.

Es ist der 30. illegale Grenzübertritt, seit die japanische Regierung im vergangenen September drei der Senkaku-Inseln von einem privaten japanischen Eigentümer erworben hatte.

Koreaner wirft Fäkalien auf Japans Botschaft: Am Freitag warf ein 49 Jahre alter Tagelöhner anlässlich des Takeshima-Tags eine Flasche mit seinen eigenen Exkrementen gegen die Wand der japanischen Botschaft in Südkoreas Hauptstadt Seoul.

Bereits im August hatte er einen ähnlichen Angriff mit zwei Flaschen voller Fäkalien ausgeführt.

Im Jahr 2010 hatte er der Botschaft aus Protest gegen Änderung in japanischen Schulbüchern, in denen die Takeshima als Teil von Japans Territorium bezeichnet werden, eines seiner Kleinfingerglieder zukommen lassen. Trotz seines Vorgehens als Wiederholungstäter wurde er nicht festgenommen.

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