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Japan aktuell: Hohe Radioaktivität in Luftschleusenraum von Fukushima-Reaktor 1

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AKW Fukushima: Luftschleusenraum am Sicherheitsbehälter von Reaktor 1 am 9. April 2013 (Foto: TEPCO)
AKW Fukushima: Luftschleusenraum am Sicherheitsbehälter von Reaktor 1 am 9. April 2013 (Foto: TEPCO)
AKW Fukushima: Luftschleusenraum am Sicherheitsbehälter von Reaktor 1 am 9. April 2013 (Foto: TEPCO)
AKW Fukushima: Luftschleusenraum am Sicherheitsbehälter von Reaktor 1 am 9. April 2013 (Foto: TEPCO)

Das am AKW Fukushima aktuell auch andere Dinge eine Rolle spielen, als der Zustand der unterirdischen Wassertanks auf dem Gelände, zeigen die Meldungen über den Transport eines einzelnen Sicherheitsbehälters, sowie Strahlungsmessungen in einem Reaktor, die vom Betreiber der AKW Fukushima heute veröffentlicht wurden.

Weitere Fukushima News und sonstige Nachrichten mit Japanbezug gibt es jetzt wie gewohnt in unserem Spreadnews Japan-Ticker vom 10. April 2013.

Unsere heutigen Themen:

  • Hohe Radioaktivität im Luftschleusenraum von Fukushima-Reaktor 1
  • Austausch eines Sicherheitsbehälters am AKW Fukushima
  • Fukushima-Lagertanks bleiben Thema für TEPCO und Regierung
    • Radioaktivität in Erdreich nahe Fukushima-Lagertank Nr. 1 nachgewiesen
    • Industrieminister will unterirdische Lagertanks stoppen
    • Die genaue Ursache der Lecks bleibt weiterhin unklar
  • Toyota hilft Katastrophenregion bei Wiederaufbau
  • Amnesty International rügt Japan für Todesstrafe

Hohe Radioaktivität im Luftschleusenraum von Fukushima-Reaktor 1: Am gestrigen Dienstag führte Kraftwerksbetreiber TEPCO eine Untersuchung im ersten Stock von Fukushima-Reaktor 1 durch.

AKW Fukushima: Blick in den Schleusenraum am 9. April 2013 (Foto: TEPCO)
AKW Fukushima: Blick in den Schleusenraum am 9. April 2013 (Foto: TEPCO)

Ziel der Maßnahme war die Messung der Strahlungsdosis der Luft im Bereich der Luftschleuse am Zugang zum Sicherheitsbehälter, sowie eine Zustandskontrolle der Umgebung und Temperaturmessungen.

Bei dem Einsatz der um 11:29 Uhr begann und um 14:21 Uhr abgeschlossen wurde, kamen zwei bereits bekannte Roboter – der „FRIGO-MA“, sowie der „Packbot“ zum Einsatz. Die durch die Geräte erfassten Daten sollen als Basis für künftige Untersuchungen des Sicherheitsbehälters und mögliche Reparaturmaßnahmen dienen.

TEPCO ergänzt seinen Bericht durch eine Reihe von Aufnahmen, die den Zugang, sowie Decken, Boden und Konstruktionen in der Umgebung zeigen und daher wenig spektakulär wirken.

Abgesehen von Daten zu Temperatur (14 Grad Celsius) und Luftfeuchtigkeit (50 Prozent) sind vor allem die Strahlungswerte interessant – wurde doch an einem der Messpunkte in einem Abstand von 35 Zentimetern zum Boden 2,1 Sievert pro Stunde gemessen.

An den Arbeiten waren insgesamt acht TEPCO-Angestellte, sowie drei Beschäftigte eines Partnerunternehmens beteiligt. Während sich vier der TEPCO-Arbeiter vor Ort befanden, agierten die übrigen Beschäftigten vom erdbebensicheren Gebäude aus. Die Maximalbelastung der Arbeiter betrug  0,72 Millisievert, die der Roboter 57 (FRIGO-MA) bzw. 210 Millisievert (Packbot).

Austausch eines Sicherheitsbehälters am AKW Fukushima: Gestern wurde zwischen 8:15 Uhr und 13:57 Uhr erstmals einer der als „High Integrity Container“ (HIC) bezeichneten Sicherheitsbehälter ausgetauscht.

AKW Fukushima: Sicherheitsbehälter (HIC) im temporären Lagerbereich am 9. April 2013 (Foto: TEPCO)
AKW Fukushima: Sicherheitsbehälter (HIC) im temporären Lagerbereich am 9. April 2013 (Foto: TEPCO)

Der HIC enthält Flüssigschlamm, der in der Verarbeitungseinheit für Karbonatfällung angefallen war.

TEPCO begleitet diese Erklärung durch Fotos, auf denen zum einen das Gebiet um die Multinuklid-Entfernungseinheit, als auch der Bereich zur temporären Lagerung zu sehen sind.

Weitere Angaben zum Hintergrund der Maßnahme machte das Unternehmen zunächst nicht.

Radioaktivität in Erdreich nahe Fukushima-Lagertank Nr. 1 nachgewiesen: Gestern hatte TEPCO erklärt, man habe Wasser mit einem Gehalt von radioaktivem Material von 10.000 Becquerel pro Kubikzentimeter, zwischen der äußeren und mittleren Schichten der Hülle an Lagertank Nr. 1 nachgewiesen.

Heute meldet das Unternehmen nun, im Erdreich um den Behälter habe man eine Belastung mit radioaktiven Substanzen in Höhe von 0,11 Becquerel pro Kubikzentimeter Wasser im Erdreich entdeckt. Daher müsse davon ausgegangen werden, dass das Wasser außerhalb des Behälters gelangt sei. Über die mögliche Menge des Wassers gab es keine Angaben.

Industrieminister will unterirdische Lagertanks stoppen: Bei einer Sitzung des Unterhauses drückte Industrieminister Toshimitsu Motegi sein Bedauern für die langsame Reaktion von TEPCO auf das Leckproblem aus und erklärte, er wolle die Nutzung unterirdischer Tanks stoppen und das stark radioaktive Wasser stattdessen so schnell wie möglich in oberirdische Stahltanks umlagern lassen.

Nach Angaben der NHK will der Minister den Energiekonzern anweisen, den Bau zusätzlicher oberirdischer Lagertanks zu beschleunigen und sie bis Ende Mai fertig zu stellen, so dass sie für die Aufnahme des kontaminierten Wassers aus den unterirdischen Behältern zur Verfügung stehen.

TEPCO bezweifelt schnellen Wassertransfer: TEPCO dürfte diesen Plänen skeptisch gegenüberstehen, da ein derartiger Tank lediglich eine Kapazität von 7.000 Tonnen aufweist, während fünf der insgesamt sieben unterirdischen Lagertanks bereits 27.000 Tonnen Wasser enthalten, meldet die Asahi Shimbun.

AKW Fukushima: Unterirdischer Lagertank (Foto: TEPCO)
AKW Fukushima: Unterirdischer Lagertank (Foto: TEPCO)

Aus diesem Grund sollen, wenn es nach TEPCO geht, fünf der Behälter zunächst weiterhin genutzt werden, darunter auch Tank Nr. 3 der bereits ein kleines Leck aufweist, das jedoch bislang als ungefährlich eingestuft wird. Bis auf weiteres wird nun Wasser aus Tank Nr. 2 in Tank Nr. 6 transferiert. Später soll auch Wasser aus Tank Nr. 3 dorthin gepumpt werden.

Auf der Suche nach Lagerkapazitäten für das kontaminierte Wasser in Tank Nr. 2 sieht TEPCO zunächst zwei Möglichkeiten. Zum einen die Lagertanks der Kondensationsanlage nahe der Turbinengebäuude an der Küste, als zum anderen auch einen der Lagertanks für bereits gefiltertes Wasser. Diese Behälter verfügen über eine Kapazität von 7.300 Tonnen.

Die Lagerung der verbleibenden 2.000 Tonnen wäre jedoch auch dann noch problematisch, denn auch wenn man auf dem Gelände des AKW Fukushima Daiichi noch Lagertanks an der Oberfläche hat, die etwa 21.900 Tonnen Wasser aufnehmen könnten, benötigt TEPCO sie für die täglich anfallenden 400 Tonnen Wasser aus den Kellern.

Auch hier wird man also vermutlich erst einmal in andere, bislang unbeschädigte unterirdische Tanks umfüllen.

Umfüllung aus Wassertanks bis Ende Juni: Abweichend von bisherigen Berichten meldet die Kyodo heute, TEPCO habe einen Plan vorgestellt, bis Ende Juni das gesamte radioaktive Wasser in sicherere Behälter zu transferieren, um der Gefahr weiterer Lecks entgegenzuwirken.

TEPCO will nicht nur die drei bereits beschädigten Tanks leeren, sondern auch einen weiteren Tank. Insgesamt würden bis Ende Juni 23.600 Tonnen Wasser herausgepumpt werden. Zwei der insgesamt sieben Behälter werden derzeit nicht genutzt und so erwäge man, die etwa 3.000 Tonnen im letzten Tank, die eine geringere Kontamination als die 23.600 Tonnen aufweisen, ebenfalls herauszupumpen.

Die genaue Ursache der Lecks bleibt weiterhin unklar. Da man zunächst davon ausgegangen war, ausschließlich aufgrund einer hohen Füllung von bis zu 95 Prozent der Kapazität sei das Wasser über ein schlampig angebrachtes Metallrohr zur Leckkontrolle nach oben ausgetreten, hatte man sich entschlossen, den Wasserstand auf 80 Prozent der Gesamtkapazität zu senken.

Jetzt wurden zudem temporäre Pumpen aufgebaut, die das durch die Rohre nach oben gedrungene Wasser wieder in die Behälter zurückführen. Man habe an Tank Nr. 2 damit begonnen das Erdreich, das dort Bereiche bedeckt, abzutragen. Die Arbeiten sollen ab morgen fortgesetzt und weitere Bohrungen, sowohl an den Behältern, als auch Richtung Meer durchgeführt werden, um Analysen des Wassers im Erdboden durchzuführen.

Toyota hilft Katastrophenregion bei Wiederaufbau: Der  Automobilkonzern Toyota Motor Corp. hat eine Reihe von Projekten ins Leben gerufen, welche den Wiederaufbau und die Revitalisierung der Tohoku-Region fördern sollen. Neben Maßnahmen wie der Elektrizitätsversorgung und Beheizung durch eine Toyota-Fabrik an andere Standorte, ist auch die Ausbildung von Interesse für das Unternehmen.

Haupsitz der Toyota Motor Corporation in Japan (Foto: pd)
Haupsitz der Toyota Motor Corporation in Japan (Foto: pd)

Bei seiner Rede anlässlich der Eröffnung eines Ausbildungszentrums des Unternehmens in der Präfektur Miyagi erklärte Toyota-Präsident Akio Toyoda, man werde langfristig mit den betroffenen Gemeinden zusammenarbeiten und sich für Talentförderung, den Wiederaufbau der Gemeinden und die Produktion vor Ort einsetzen.

Nach Angaben der NHK gehört zu den Plänen auch der Betrieb eines Generators an einem Fertigungswerk, um sowohl Elektrizität als auch Heizkraft zur Verfügung zu stellen und im Fall einer Naturkatastrophe das Gemeindehaus mit Energie zu versorgen

Amnesty International rügt Japan für Todesstrafe: In ihrem Jahresbericht 2012 kritisiert die Menschenrechtsorganisation Amnesty International dafür, nach einer 20 Monate dauernden Pause im Jahr 2012, die Hinrichtung von Gefangenen wieder aufgenommen zu haben. Im vergangenen Jahr hatte Japan vier Straftäter exekutiert.

Das japanische Strafsystem kann zudem einen Rekord im Guiness-Buch vorweisen. Der jetzt 77 Jahre alte Iwao Hakamada, der am 11. September 1968 wegen vierfachen Mordes zum Tode verurteilt wurde, konnte anlässlich seines 75. Geburtstags am 10. März 2011 den Rekord als weltweit am längsten inhaftierter Todeszelleninsasse vorweisen.

Laut Amnesty International Bericht 2012 wurden mindestens 682 Menschen hingerichtet und 1.722 Todesurteile in 58 Ländern ausgesprochen. Weltweit warten 23.386 Personen auf ihre Hinrichtung. Dabei dürfte die Zahl tatsächlicher Hinrichtungen deutlich höher sein, da etwa China – das seine Hinrichtungszahlen geheim hält – vermutlich schon mehrere tausend Menschen hinrichten liess.

Weltweit führen China, Iran, der Irak, S, Saudi-Arabien und die USA die Länder mit den meisten Todesstrafen an.

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