Start Aktuelles Japan aktuell: Hohe Strahlenbelastung in Tokyo und Umgebung gemessen

Japan aktuell: Hohe Strahlenbelastung in Tokyo und Umgebung gemessen

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Bereits gestern in den japanischen Medien präsent, erreicht die Meldung über den Fund mindestens eines Hot Spots in Tokyos Bezirk Setagaya nun auch die internationale Presse.

Zur Wahrung journalistischer Qualität ist es sicher sinnvoll zunächst verfügbare Informationen zusammenzutragen und auszuwerten – bei Spreadnews geschieht dies ebenfalls – allerdings ist es bezeichnend, das es wieder einmal einer dramatischen Meldung bedarf, um die Berichterstattung ausländischer Medien auf die Fukushima-Krise zu lenken.

Nachdem der gestern gemeldete Nachweis von Strontium in Yokohama, das sich ebenfalls im Ballungsraum Tokyo befindet, die bisherigen Behauptungen, dieses Material werde vom AKW Fukushim Daiichi  niemals bis dort durch die Luft transportiert werden Lügen gestraft hat, muss die Regierung nun auch einen Hot Spot in Tokyo eingestehen – über weitere gibt es zumindest keine offiziellen Angaben.

Mehr Informationen zu den Auswirkungen die Fukushima aktuell auf Tokyo hat sowie weitere Fukushima-News nun im Spreadnews Japan-Ticker vom 13. Oktober 2011.

Tokyo: Hot Spot im Bezirk Setagaya nachgewiesen: Werte die sogar das Strahlungsniveau in einigen der Evakuierungsgebiete um das AKW Fukushima übersteigen, wurden nun in Japans Hauptstadt Tokyo gemessen.

Bereits vor einer Woche hatten Messungen im Bezirk Setagaya einen Wert von 2,707 Mikrosieviert pro Stunde ergeben, der in einem 1x10m großen Bereich festgestellt wurde, wie die Bezirksverwaltung am Mittwoch mitteilte.  Heutige Kontrollen durch Experten bestätigten an einer Stelle im Ortsteil Tsurumaki Höchstwerte bis zu  3,35 Mikrosievert pro Stunden in einer Höhe von einem Meter über dem Boden.

Der Bezirk Setagaya ist ein Wohnviertel und der Bürgersteig dort wird regelmäßig von Grundschülern genutzt. Schulen, Kindergärten und weitere Einrichtungen in und am Ortsteil Tsurumaki wollen nun Schutzmaßnahmen treffen. Setagaya liegt etwa 230 Kilometer vom AKW Fukushima Daiichi entfernt.

Fund und weiteres Vorgehen

Zunächst waren sich Bezirks- und Stadtverwaltung noch nicht klar darüber, welche Art von radioaktivem Material zu dem Hot Spot geführt hat, zur Analyse wurden Blätter von Bäumen aus dem Bereich gesammelt. Als fast schon verzweifelter Versuch einer möglichen Erklärung wurde eine Ansammlung von Regenwasser an der leicht tiefer gelegenen Stelle angeführt, allerdings erklärt dies nicht, wieso die Strahlung in höherer Distanz stärker ist, als direkt am Boden.

Aus Sicherheitsgründen wurde der Bereich vorsorglich abgesperrt. Der kritische Bereich war entdeckt worden, als Bürger dort mit ihren eigenen Geräten eine ungewöhnlich hohe Belastung festgestellt und die Behörden informiert hatten.

Strahlung stammt angeblich nicht vom AKW Fukushima

Nobuto Hosaka, Bürgermeister von Setagaya erklärte jedoch mittlerweile, dass die Strahlungsquelle nicht das Atomkraftwerk Fukushima Daiichi sei. Vielmehr habe man bei der Suche nach der Ursache der Belastung, auf einem Nachbargrundstück einen Pappkarton mit mehreren schmutzigen Flaschen gefunden. Diese seien verdreckt und von schwarzer Farbe gewesen sowie eine Länge von acht und einen Durchmesser von sechs Zentimetern aufgewiesen.  Später korrigierte man die Angaben und sprach von einer Holzkiste.

Das Kuriose: Die Flaschen  hätten sich unter den Dielen eines leerstehenden Hauses befunden, das mit Erlaubnis des Besitzers untersucht worden war. Von diesen Flaschen sei eine Strahlung von mehr als 30 Mikrosievert pro Stunde ausgegangen. Auf dem Gelände seien zudem weitere Bereiche mit radioaktiver Belastung entdeckt worden. Dort betrage die Dosis mehr als 10 Mikrosievert.

Inhalt der Flaschen offenbar geklärt

Der Inhalt der Flaschen war zunächst unklar,  das Wissenschaftsministerium teilte jedoch mit, es handele sich um pulverförmiges radioaktives Material mit einer Strahlung von 600 Mikrosievert pro Stunde. Nach einer Analyse erklärte das Wissenschaftsministerium, es handele sich um Radium 226, das etwa vor 60 Jahren für die Herstellung von fluoreszierender Farbe verwendet wurde.

Angeblich keine Gefahr für die Bevölkerung

Die Anwohner seien besorgt, da der Bürgersteig als Schulweg dient, doch die Verantwortlichen beschwichtigen und erklärten es werde keine ernsthaften Folgen für die menschliche Gesundheit haben, wenn man durch einen derartigen Hot Spot geht. Dennoch habe man nun den Bereich gesperrt und Personen angewiesen, die Kinder sicher um den Bereich herumzuleiten.

Die Verwaltung des Stadteils kündigte an, nun würden auch Überprüfungen an 258 Parks des Bezirks durchführen, die über Sandkästen für Kinder verfügen.

Hot Spot in Nachbarpräfektur Chiba gemeldet: Auch aus der Präfektur Chiba, die an die Präfektur Tokyo grenzt werden Hot Spots gemeldet. Eine Bürgerinitiative entdeckte auf dem Gelände eines Freizeitparks für Kinder in Funabashi einen Bereich mit einer Belastung von 5,82 Mikrosievert pro Stunde in Bodennähe. Die Distanz zwischen Funabashi und dem Kernkraftwerk Fukushima 1 beträgt 210 Kilometer.

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