Start Aktuelles Japan aktuell: Hohe Strahlungsbelastung bei wildlebenden Tieren nahe AKW Fukushima

Japan aktuell: Hohe Strahlungsbelastung bei wildlebenden Tieren nahe AKW Fukushima

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Japanischer Baumfrosch (Foto: pd)
Hohe Strahlungsbelastung bei Tieren nachgewiesen (Foto: pd)
Japanischer Baumfrosch (Foto: pd)
Hohe Strahlungsbelastung bei Tieren nachgewiesen (Foto: pd)

TEPCO berichtet gegenwärtig vor allem vom Fortschritt bei Reparaturarbeiten  am AKW Fukushima.

Wesentlich interessanter sind die Ergebnisse von Untersuchungen zur Strahlungsbelastung von Tieren, die im Zusammenhang mit der radioaktiven Kontamination durch die Katastrophe von Fukushima aktuell veröffentlicht wurden.

Auch im Bezug auf weitere Ereignisse ist das Kernkraftwerk Fukushima heute erneut Thema, werden doch sowohl ein neuer technischer Zwischenfall, als auch Entwicklungen zum Strahlungsniveau gemeldet.

Neben den Fukushima News gibt es weitere Neuigkeiten, etwa zum Wiederaufbau in den Katastrophengebieten , wie üblich im Spreadnews Japan-Ticker vom 4. März 2013.

  • Hohe Belastung von Tieren nahe AKW Fukushima festgestellt
  • Austritt von Grundwasser an AKW Fukushima
  • Strahlung um AKW Fukushima um 40 Prozent gesunken
  • Ministerium versorgt Gemeinden mit Wiederaufbauhelfern
  • Google Street View erfasst evakuierten Ort in Fukushima
  • Verägerung über Besteuerung von Entschädigungszahlungen
  • Mehr als 20 Millionen Japaner durch Tsunami gefährdet
  • Schwere Schneefälle fordern Todesopfer


Hohe Belastung von Tieren nahe AKW Fukushima festgestellt:
Die am Samstag veröffentlichten Ergebnisse einer Untersuchung der Universität für Landwirtschaft und Technologie, sowie der Universität Hokkaido, zeigen hohe Strahlungsbelastungen von Tieren in der Nähe des AKW Fukushima Daiichi.

Die Zahlen zur Belastung mit radioaktivem Cäsium:

  • Ein Frosch aus Nihonmatsu: über 6.700 Becquerel pro Kilogramm
  • Eine Süßwasserkrabbe: 843 Becquerel pro Kilogramm
  • Eine Gewächshausschrecke: über 4.313 Becquerel pro Kilogramm
  • Ein Laufkäfer: 957 Becquerel pro Kilogramm

Bislang gibt es, mit Ausnahme von Vögeln und einigen Tieren die zur Jagd freigegeben sind, kaum Daten über die radioaktive Kontamination von Tieren in freier Wildbahn. Die Entdeckungen legen nahe, das Tiere, die vergleichsweise hoch in der Nahrungskette stehen, auch mehr radioaktive Belastung aufweisen.

Zu den Variablen die dabei eine Rolle spielen könnten, wie hoch die Konzentration ist, könnte laut den Ergebnissen, über deren Veröffentlichung von der Mainichi Shimbun berichtet worden war, unter anderem auch die Art der Nahrungsaufnahme, sowie geographische Umgebungsvariablen gehören.

So wurden in Midori (Präf. Gunma) etwa 180 Kilometer südwestlich des Katastrophenkraftwerks, in Fröschen bis zu 903 BecquereI pro Kilogramm nachgewiesen. In den Gewächshausschrecken wiesen die Forscher 403 Becquerel pro Kilogramm nach.

Austritt von Grundwasser an AKW Fukushima: Am gestrigen Montag entdeckte ein TEPCO-Angestellter auf einem Kontrollgang gegen 11:14 Uhr den Austritt von Grundwasser aus einem Auffangbehälter der Reaktor-Wasserpumpe auf dem Hügel. Das Wasser trat dabei auf asphaltierten Boden aus.

Als Ursache wird vermutet, dass der Ablassschlauch durch Material verengt war, was das Ablassen von Grundwasser verhindert und zum Überfliessen des Auffangbehälters geführt habe. Die als Gegenmaßnahme durchtgeführte Umlagerung des Schlauches hatte den gewünschten Erfolg, so dass um 11:33 Uhr ein Stopp des Wasseraustritts gemeldet werden konnte.

Der vom Wasseraustritt betroffene Bereich maß 2m x 4m und die Wassertiefe betrug etwa einen Millimeter. Schätzungsweise sind etwa acht Liter Wasser ausgetreten. Das Wasser konnte jedoch durch Sandsäcke aufgehalten werden und gelangte nicht aus dem Bereich heraus. Der Vorfall hat keinen Einfluss auf die Reaktorkühlung.

Strahlungsmessung vor Ort ergaben folgende Werte:

  • Luftwerte: Gammastrahlen 0,12 Millisievert pro Stunde. Gamma- und Betastrahlung gesamt: 0,15 Millisievert pro Stunde.

Ausgetretenes Wasser:

  • Cäsium-134: 4,1×10-2 Becquerel pro Kubikzentimeter
  • Cäsium-137:  9,0×10-2 Becquerel pro Kubikzentimeter
  • Stibium-125: 1,8×10-1 Becquerel pro Kubikzentimeter

Strahlung um AKW Fukushima um 40 Prozent gesunken: Aufzeichnungen des Wissenschaftsministeriums belegen, dass im vergangenen Jahr das Strahlungsniveau in Gebieten, die sich in einem 80-Kilometer-Umkreis um das Kernkraftwerk Fukushima befinden, um 40 Prozent gesunken ist.

Trefoil: Radioaktivitäts-Warnsymbol
AKW Fukushima: Strahlung im Umkreis deutlich gesunken (Grafik: pd)

Möglicherweise aufgrund von Taifunen und Dekontaminationsarbeiten liegt die Reduzierung der Strahlungshöhe deutlich über den jährlich erwarteten 21 Prozent, welche durch die Halbwertszeit von radioaktivem Cäsium entstanden wäre.

Die am Freitag veröffentlichte Strahlungskarte zeigt die Luftbelastung am 16. November 2012  in einem Abstand von einem Meter vom Boden an. Ein Vergleich mit Messungen vom 5. Novemver 2011 macht den Abfall der Strahlung deutlich. Man schätzt, das 19 der 40 Prozent Rückgang auf die genannten Umwelteinflüsse zurückgehen.

Zusätzliche Messungen außerhalb des 80-Kilometer-Radius wurden am Jahresende in acht Präfekturen durchgeführt, in denen höhere Strahlungswerte gemessen worden waren. In den meisten Fällen lagen die Messungen unter einem Mikrosievert pro Stunde. Über die Ergebnisse berichteten jiji, Yomiuri Shimbun Mainichi Shimbun und Asahi Shimbun.

Ministerium versorgt Gemeinden mit Wiederaufbauhelfern: Der Mangel an Arbeitskräften ist einer der Gründe, die den Wiederaufbau in den Katastrophenregionen verlangsamen. Nun reagiert das Ministerium für Innere Angelegenheiten und Kommunikation (MIC) auf den Bedarf an Helfern.

Das MIC versorgt die betroffenen Gemeinden nun mit Listen von 140 früheren Angestellten der lokalen Verwaltungen, die sich als freiwillige Helfer für die drei am schwersten getroffenen Präfekturen Fukushima, Iwate und Miyagi zur Verfügung stellen.

Eine vom Ministerium initiierte Anfrage von Gemeinden im ganzen Land ergab bislang 140 freiwillige Helfer. Eine im Fiskaljahr 2012 durchgeführte Ausschreibung von 840 freien Stellen im Bürobereich und Baugewerbe, hatte lediglich 551 Arbeitskräfte mobilisieren können.

Nach Angaben der jiji enthalten die jetzt bereitgestellten Listen neben dem Namen und grundlegenden Daten wie Alter und Geschlecht der freiwilligen Helfer auch die Erfahrung und Qualifikationen, sowie die bevorzugte Art der Arbeit.

Google Street View erfasst evakuierten Ort in Fukushima: Auf Bitte von Tamotsu Baba, Bürgermeister der evakuierten Kleinstadt Namie (Präf. Fukushima) begann der Internetkonzern Google heute mit der Erfassung der Stadt durch Kamerawagen. Die Aufnahmen sollen etwa zwei Wochen dauern und in einigen Monaten veröffentlicht werden.

Der Bürgermeister hoffe, dass die früheren Einwohner so eine Verbindung zu ihrem einstigen Wohnort behalten können und auch die Welt einen Eindruck davon erhält, dass selbst zwei Jahre nach der Katastrophe immer noch kein echter Wiederaufbau begonnen hat.

Die ersten Aufnahmen durch 360° Kameras begannen im Stadtzentrum und wurden dann entlang einer Straße an der Küste fortgesetzt, berichtet die NHK. Die Panoramabilder zeigen zerstörte Gebäude und Trümmer in einer ehemaligen Einkaufsstraße. Auch ein Fischerboot, dass vom Tsunami an Land geschleudert wurde, liegt dort noch neben der Straße.

Verägerung über Besteuerung von Entschädigungszahlungen: Bürger die aufgrund der Fukushima-Katastrophe entsprechende Entschädigungszahlungen erhielten sind verägert über den Umstand, dass Steuern auf Teile der Entschädigungszahlungen erhoben werden.

Japan: Japanische Yen-Banknoten (Foto: pd)
Steuerpflicht für Fukushima-Entschädigungszahlungen (Symbolfoto: pd)

Die Regierung vertritt den Standpunkt, dass die Abgaben, die von Erwerbstätigen und bezahlten Angestellten, sowie den Betrieben erhoben werden, sich in keiner Weise von den Steuern unterscheidet, die vor der Reaktorkatastrophe gezahlt werden mussten.

Nach Angaben der Mainichi Shimbun sehen dennoch viele Geschäftsinhaber und Landwirte der Präfektur Fukushima die Abgabe als finanzielle Belastung an und Kritiker bemängeln bereits jetzt, dieses Vorgehen sei kontraproduktiv und könne der Motivation zum Wiederaufbau schaden.

Ein Beispiel: Ein Reisbauer auf Minamisoma musste vor der Katastrophe praktisch keine Einkommenssteuer zahlen. Bei seiner Zucht auf 6.000 Quadratmetern Nutzfläche und Hühnerzucht, blieb nach Kostenabzug kaum Steuer zu zahlen. Er hatte ein jährliches Einkommen von etwa acht bis zehn Millionen Yen.

Nun, da er, aufgrund der mangelnden Dekontamination ein kleineres Feld in der Ortschaft Shinichi pachtete und eine einmalige Entschädigungs-Pauschalzahlung von einen zehn Millionen Yen erhielt, die bis 2016 reichen soll, hat er offiziell mehr Einkommen und aufgrund des um die Häfte kleineren Feldes geringere Ausgaben, so dass er nun 1,2 Millionen Einkommensstreuer zahlen muss.

Mehr als 20 Millionen Japaner durch Tsunami gefährdet: Eine Studie des Zentrums für Schadensminderung, das der Universität Nagoya untersteht, kommt zu dem Schluss, dass von den 128 Millianen Einwohnern Japans ganze 21,8 Millionen in Gebieten leben, die weniger als fünf Meter über dem Meeresspiegel liegen.

Ticket-Gate an U-Bahnstation in Tokyo (Foto: KJ)
Ballungsraum Tokyo durch Tsunami gefährdet (Foto: KJ)

Da in Japan die Menschen in großen Ballungsräumen leben, sind diese Gebiete auch besonders gefährdet.

In Tokyo leben etwa 3,43 Millionen Menschen in gefährdetem Gebiet, gefolgt von der Präfektur Osaka mit 3,06 Millionen.

Auch die Präfektur Aichi mit 1,74 Millionen und die Präfektur Chiba mit 1,44 Millionen Einwohnern sind ebenfalls gefährdet.

Insbesondere die Ost-Küstenregionen  entlang des Pazifik, könnten von Tsunami des erwarteten Nankai-Großbebens getroffen werden.

  • Gefahrengebiete der Pazifikküste: So leben etwa in der Präfektur Shizuoka insgesamt 490.000 Menschen in weniger als fünf Metern über dem Meeresspiegel. In der Präfektur Mie sind es 380.000 und in der Präfektur Kochi 140.000. Gemeinsam ist all diesen Gebieten: Dort werden Tsunami von mehr als 20 Metern Höhe erwartet.
  • Gefahrengebiete am Japanischen Meer: Auch Gebiete, die entlang der Küste des japanischen Meeres liegen, sind beispielsweise durch aktive Verwerfungen vor der Küste gefährdet. Dort gibt es ebenfalls Bereiche mit geringer Höhe zum Meeresspiegel. In der Präfektur Niigata sind 630.000 Menschen dieser Gefahr ausgesetzt. In der Präfektur Ishikawa sind es 250.000.
  • Gebiete mit noch größerem Risiko: 2,63 Millionen Menschen leben in Gebieten mit zusätzlicher Gefährdung, da sie weniger als einen Meter über den Meeresspiegel liegen. Insgesamt machen die Präfekturen Tokyo, Osaka und Nagoya mehr als 76 Prozent dieser Bereiche aus.

Diese Zahlen machen nach Ansicht des Leiters der Studie, Nobuo Fukuwa, Professor für Umwelt- und Sicherheitsmanagament, sehr deutlich, dass von der Regierung dringend Maßnahmen erforderlich sind, um insbesondere diese Gebiete zu schützen. Über die Studie berichtete die Asahi Shimbun.

Schwere Schneefälle fordern neun Todesopfer: Sowohl die nörlichste Hauptinsel Hokkaido, als auch die Region Tohoku, in der die drei Präfekturen Fukushima, Iwate und Miyagi liegen, wurden am Wochenende von den schwersten Schneestürmen seit Beginn der Aufzeichnungen heimgesucht.

Erster Schnee in Tokyo 2013 (Foto: KJ)
Hier wirkte er idyllisch: Erster Schnee in Tokyo 2013 (Foto: KJ)

Wie die Polizei am heutigen Montag mitteilte, sind bereits neun Personen im Schneechaos ums Leben gekommen. Zu den Toten zählen eine Frau (67), die von ihrem Sohn unter den Schneemassen einer Straße entdeckt und ins Krankenhaus transportiert wurde. Dort konnte nur noch ihr Tod festgestellt werden.

Bei weiteren Todesfällen handelt es sich um Personen, die in ihren Autos unter den Schneemassen verschüttet wurden, oder anderweitig auf Straßen unterwegs gewesen waren Zu ihnen gehört auch eine Mutter (40) mit drei Kindern (17,14,11), die in Nakashibetsu an einer Kohlenmonoxid-Vergiftung starben, da die Frau den Motor des Wagens hatte laufen lassen, um das Innere zu wärmen.

Ebenfalls in Nakashibetsu starb eine Teilzeitbeschäftigte (23), die tot in der Nähe ihres Autos entdeckt wurde. Zuvor hatte sie noch bei ihrer Familie angerufen und mitgeteilt, dass sie mit ihrem Wagen im Schnee steckengeblieben war.

In Yubetsu rief ein Fischer (53) der mit seiner Tochter (9) unterwegs war, einen Angehörigen an und teilte mit, er sei mit dem Wagen im Schnee stecken geblieben. Später wurden beide aufgefunden. Während der Vater starb, überlebte die Tochter mit Erfrierungen.

In Abashiri wurde ein Mann tot neben der Straße aufgefunden und in Furano wurde eine Person entdeckt, die offenbar dort auf einem Feld erfroren war.

Premierminister Shinzo Abe entsandte zwei Vertreter nach Hokkaido um den Schaden dort einzuschätzen. Am Dienstag wollen sich die Regierungsvertreter mit den Behörden vor Ort verständigen und die betroffenen Gebiete besichtigen. Auch eine weitere Unterstützung der örtlichen Verwaltungen zur Handhabung der Schäden wird erwogen.

Bei der Entgleisung eines Shinkansen-Schnellzugs in der Präfektur Akita am Samstag gab es keine Verletzten –  die Zugreisenden saßen sechs Stunden im Zug fest. Nachdem der Betrieb auf der Verbindung aufgrund des Unfalls zeitweise ausgesetzt worden war, wurde der Regelbetrieb heute wieder aufgenommen.

Über diese Ereignisse berichteten etwa die Yomiuri Shimbun, jiji, Mainichi Shimbun, Asahi Shimbun und Kyodo.

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