Start Aktuelles Japan aktuell: Hohe Strahlungswerte aus Fukushima-Kiesgrube veröffentlicht

Japan aktuell: Hohe Strahlungswerte aus Fukushima-Kiesgrube veröffentlicht

1636
3
TEILEN
Trefoil: Radioaktivitäts-Warnsymbol
AKW Fukushima: Strahlung an Anlagengrenze übersteigt zulässigen Wert (Grafik: pd)
Trefoil: Radioaktivitäts-Warnsymbol
Fukushima: Hohe Radioaktivität in Kiesgrube

Die heutigen Meldungen sind ein Zeichen dafür, dass man sich in Japan bemüht, sowohl die Sicherstellung des stabilen Zustands am AKW Fukushima aktuell ebenso zu gewährleisten, als auch mehr Sicherheit zu schaffen und Probleme zu lösen. Doch trotz Katatrophenübungen, neuen Grenzwerten und Vorkehrungen gegen Stromausfälle zeigt bereits der erste Bericht, dass die Lösung der Krise noch in weiter Ferne liegt. Mehr Fukushima News und weitere Informationen aus Japan jetzt im Spreadnews Japan-Ticker vom 16. Februar 2012.

Unsere heutigen Themen sind:

  • Starke Strahlungswerte in Kiesgrube
  • Müllverbrennungstest für Katastrophenschutt
  • Extra-Lebensmittelgrenzwerte für Kinder überflüssig
  • Ausfall von Geräten am AKW Monju
  • Große Atomkatastrophenübungen für Zivilisten
  • Elektroautos als Notstrom für Ampeln
  • Sea Shepherd behindert Walfang weiterhin
  • Radioaktivität an Gesicht von Fukushima-Arbeiter

Hohe Strahlungswerte für Kiesgrube: Wie die Leitung der Präfektur Fukushima bekannt gab, wurden in Schotter und Kies einer Kiesgrube in Namie hohe Messwerte von radioaktivem Cäsium festgestellt. Proben des Gesteinsmaterials waren nach einer Inspektion des Betriebs am 20. Januar genommen worden.  Die Ergebnisse wurden nun veröffentlicht.

Die gemessene Belastung beläuft sich demnach auf bis zu 214.200 Becquerel pro Kilogramm, was deutlich über den bislang gemessenen Werten anderer Kiesgruben in der Evakuierungszone um das AKW Fukushima Daiichi liegt. Dieses Material wurde offenbar vor allem für den Unterbau von Gebäuden genutzt.

Beim Großteil der im Freien gelagerten Gesteinsmaterial waren zuvor zwischen 60.000 und 210.000 Becquerel radioaktives Cäsium nachgewiesen worden.

Hohe Strahlungswerte in Wohnkomplexen und anderen Bauprojekten, bei denen Kies aus Namie Verwendung fand, stützen dem Artikel der Mainichi Shimbun zufolge die Theorie, dass die dort verbauten Materialien stark mti Cäsium kontaminiert waren.

Unter 25 Steinbrüchen  und Kiesgruben in den Evakuierungsgebieten, wurde in einem, seit Beginn der Fukushima-Krise geschlossenen Betrieb 122.400 Becquerel nachgewiesen. In einer der 14 noch tätigen Anlagen wurde ein Wert von 5.170 Becquerel pro Kilogramm nachgewiesen.

Insgesamt wurden an 150 der etwa 1.100 Baustellen Stichproben durchgeführt, bei denen vermutet wird, dass dort Gesteinsmaterial aus Namie verbaut wurde.

Bei einem Treffen des Expertenausschusses, das durch das Ministerium für Wirtschaft, Handel und Industrie veranlasst wurde, um die Möglichkeit Rahmenbedingungen und Grenzwerte für Kiesgruben in der Präfektur einzuführen, zu diskutieren. Man empfehle jedoch die Bestimmungen vorerst nur auf Gebiete der Präfektur Fukushima anzuwenden, wo die Strahlung weiterhin hoch bleibt.

Katsushika HokusaI: Fuji koryuu (Lizenz: Public Domain)
Drache am Berg Fuji in der präfektur Shizuoka (Foto: pd)

Müllverbrennungstest für Katastrophentrümmer: Die Stadt Shimada (Präf. Shizuoka), südwestlich von Tokyo, begann heute mit einem Testlauf für die Verbrennung von 10 Tonnen an Schutt aus der Stadt Yamada (Präf. Iwate). Ob die Stadt sich dazu bereit erklärt, weitere Überreste aus der Katastrophenregion zu entsorgen, wird von einer detaillierten Analyse der entstehenden Asche abhängig gemacht. Die Ergebnisse des Versuchs werden für den 24. März erwartet.

Wenn die Konzentration von radioaktivem Cäsium maximal 500 Becquerel pro Kilogramm betrage und weitere Bedingungen eingehalten werden, wird Katsuro Sakurai, Bürgermeister von Shimada, Ende März offiziell erklären, ob man künftig weitere Trümmerlieferungen zur Verbrennung annehmen werde.

Der Zeitpunkt für den Beginn künftiger Verbrennungen ist zudem noch unklar, da im April und Mai die Saison für das Teepflücken beginnt. Die Präfektur Shizuoka ist bekannt für die Produktion von Grüntees.

Die in fünf Containern gelieferten Trümmer werden mit 56 Tonnen örtlichen Haushaltsabfalls gemischt und am Freitag in zwei Verbrennungsöfen entsorgt.

Bei den Aufräumarbeiten nach dem schweren Erdbeben und dem Tsunami im März letzten Jahres, waren große Mengen an Abfall und Trümmern angefallen, deren Entsorgung nun ein Problem darstellt. Viele Gemeinden schrecken vor der Verbrennung des zum Großteil aus Holz bestehenden Materials zurück, da man eine starke Kontamination mit radioaktivem Material und dessen Freisetzung fürchtet.

Daher ist es auch erst das zweite Mal, dass Abfälle außerhalb der besonders stark betroffenen Region Tohoku übernommen und andernorts entsorgt werden. Im ersten Fall hatte sich die Verwaltung des Großraums Tokyo bereit erklärt, Material aus Miyako (Präf. Iwate) zu übernehmen.

Umweltminister Goshi Hosono besuchte die Holztrümmerverbrennung in Shimada und maß demonstrativ die Strahlungshöhe in der Luft um die Trümmer herum, vor der Verbrennung. Außerhalb der Anlage protestierten etwa 30 Personen, darunter auch Einwohner der Stadt, gegen die Entsorgung des Trümmerschutts.

Auch wenn sich die örtliche Verwaltung anderer Orte ebenfalls bereit erklären würden, die Entsorgung von Trümmern zu übernehmen, bestehen immer noch starke Vorbehalte und Gegenwehr in der Bevölkerung. Um die Bedenken zu zerstreuen, will die Stadt nicht nur den Gehalt von Cäsium in den Emissionen und der Asche der Müllverbrennungsanlage, sondern auch die Luftwerte in nahe gelegenen Grundschulen messen. Zudem soll die Asche dann an sieben Stellen öffentlich ausgestellt und mit Dosimetern versehen werden, so dass die Bürger selbst die  Belastung der Luft messen können.

Die Müllentsorgung war Thema für die Nachrichtenagenturen Kyodo und jiji.

Strengere Lebensmittel-Grenzwerte für Kinder überflüssig: Die vom Gesundheitsministerium angestrebten neuen Grenzwerte, auf deren Einhaltung bereits vorab Produkte getestet worden waren, wurden heute durch einen Regierungsausschuss akzeptiert. Damit steht dem Inkrafttreten der Regelung im April nichts mehr im Weg. Die Regelungen beruhen auf der Annahme, dass ein Großteil der japanischen Lebensmittel durch die Fukushima-Katastrophe mit radioaktivem Cäsium belastet sind.

Filliale der Konbini-Kette Daily Yamazaki (Foto: KJ)
Japaner sollen sichere Lebensmittel kaufen können (Foto: KJ)

Für allgemeine Lebensmittel wie Reis und Fleisch soll demnach ein Grenzwert von 100 Becquerel pro Kilogramm gelten, eine Beschränkung auf 50 Becquerel für Milch und Kindernahrung, sowie ein Limit von 10 Becquerel für Trinkwasser.

Es wurde auch betont, das der Verzehr von Nahrungsmitteln die eine Belastung die lediglich geringfügig über den neuen Beschränkungen aufweisen nur wenig Auswirkung auf die menschliche Gesundheit hätten.

Ein Ausschuss des Wissenschaftsministeriums akzeptierte zwar die Vorgaben als geeignet, vertritt jedoch laut Meldung der jiji die „Ansicht“, das strengere Werte für Kindernahrung nicht notwendig seien. Auch im Fall der Ernährung von Kindern sei der Grenzwert von 100 Becquerel ausreichend. Die Sonderregelung mit einem Limit von 50 Becquerel sei überflüssig.

Das Gesundheitsministerium hatte den Ausschuss zuvor um eine Beurteilung gebeten. Kritiker sehen diese Beschränkungen als nicht ausreichend an und Bürgerrechtsgruppen fordern noch strengere Grenzwerte für Lebensmittel.

Da zudem die Verkaufszahlen von landwirtschaftlichen Produkten aus der Präfektur Fukushima unter den neuen Regelung leiden könnten, sollte die Regierung bei der Durchsetzung der Limits, die Sichtweise der produzierenden Betriebe so weit es geht berücksichtigen.

Ausfall von Einheiten im AKW Monju: Die japanische Atomenergiebehörde JAEA berichtete heute, dass es am Reaktor-Prototypen von der Art eines „schnellen Brüters“ am Kernkraftwerk Monju in Tsuruga (Präf. Fukui) zu einer Störung gekommen war. Geräte die den Austritt von Natrium überwachen sollen, waren am Nachmittag kurzzeitig ausgefallen, so die Behörde.

Funktionierende Überwachungsmechanismen hätten festgestellt, dass es weder zum Austritt von Natrium,  noch von radioaktivem Material aus dem ruhenden Reaktor gekommen sei. Die Störung sei gegen 15:00 Uhr durch ein Wartungsteam entdeckt worden, das den Stillstand einer Einheit, die Luft um die Rohre für Natrium abpumpt, bemerkte. Später sei bestätigt worden, dass alle zehn dieser Systeme ihre Arbeit eingestellt hatten, was Aufzeichnungen zufolge gegen 11:40 Uhr geschah. Nach einer Überprüfung, bei der keine Mängel an den Geräten festgestellt werden konnten, wurden sie gegen 15:30 Uhr wieder in Betrieb genommen. Dies berichteten jiji und Kyodo.

Atomunfall-Übungen in Westjapan: In zwei Präfekturen – Ehime und Shimane- fanden Katastrophenübungen für die Situation eines schweren Störfalls statt. Die Szenarien waren gleich in mehreren Punkten bemerkenswert.

Zum einen die Zahl der Teilnehmer, denn mehr als 10.00 Personen nahmen in Ehime an einer Übung teil, bei der ein Ausfall des Kühlsystems und einem möglichen Austritt von Radioaktivität im AKW Ikata, das sich in der Präfektur befindet, simuliert wurde.  Zum anderen der Umstand, das neben Helikoptern auch erstmals die Marine-Einheiten der Selbstverteidigungsstreitkräfte an einer derartigen Übung teilnahmen.

In der Ortschaft Ikata, wo sich das gleichnamige Kernkraftwerk befindet, wurden die Bürger über Durchsagen aufgefordert, sich auf das Gelände einer Realschule zu begeben, bevor sie in Bussen von dort zu Unterkünften in 50km Entfernung gebracht wurden, die sich damit außerhalb der 30km Evakuierungszone befinden. Dabei wurden erstmalig die Einwohner einer Ortschaft bei einer AKW- Katastrophenübung evakuiert. Das berichtete die NHK.

Elektroautos sollen im Notfall Ampeln versorgen: Die Yomiuri Shimbun berichtet von einem gemeinsamen Experiment der nationalen Polizeibehörde und Mitsubishi Motors. Im Rahmen des Versuchs wurde ein umgebautes Elektroauto als Stromquelle für Ampeln genutzt. Diese Entwicklung könnte im Fall eines Stromausfalls durch eine Naturkatastrophe dabei helfen, die öffentliche Ordnung aufrecht zu erhalten. Das Auto war nach dem Anschluss an die Ampel in der Lage 20 Ampeln für Fahrzeuge und Fußgänger über etwa zwei Stunden mit Elektrizität zu versorgen..

Sea Shepherd bewirft japanisches Schiff: Die letzte Störaktion der militanten Umweltaktivisten hatte am Sonntag stattgefunden – nun versuchten am gestrigen Mittwoch erneut Mitglieder der Organisation, den Walfang der Japaner zu behindern. Nach Angaben der japanischen Fischereibehörde warfen die Umweltschützern von drei kleinen Boten mehrere Gegenstände – darunter ein Tau, sowie Nebelkerzen und Flaschen mit Farbe und Buttersäure auf die Daisan Yushin Maru (Yushin Maru 3). Mit der Wicklung des Taus in die Schiffsschraube sollte das Vorankommen des Harpunenschiffes behindert werden.

Wie die Nachrichtenagentur Kyodo berichtet, habe es der Behörde zufolge keine Verletzten auf Seiten der Japaner gegeben, den Aktivisten habe man Warnungen zugerufen und dann Wasserkanonen eingesetzt.

Gesicht von Fukushima-Arbeiter wies Strahlung auf: Am gestrigen Mittwoch wurde gegen 20:30 Uhr Ortszeit am Gesicht eines Beschäftigten bei einem Partnerunternehmen, Strahlung gemessen, berichtet der Betreiber des AKW Fukushima Daiichi, der Energiekonzern TEPCO, in einer Pressemeldung.

Der betroffene Arbeiter war mit der Sammlung und Ablieferung von Trümmern um den Reaktor 3 und den Abfallbehältern für Feststoffe bei einem Kontaminationstest am J-Village beschäftigt. Nach der Dekontamination des Gesichtes sei eine weitere Prüfungen über einen Ganzkörperscanner erfolgt. Den Ergebnissen zufolge wurde kein radioaktives Material aufgenommen – wie TEPCO meldet unter 2 Millisievert.

Man geht davon aus, dass die Anhaftung des radioaktiven Materials beim Ablegen der Ausrüstung erfolgt war, da weder an anderen Angestellten in diesem Gebiet, noch Schäden an der Ausrüstung festgestellt werden konnten, so der Betreiber.

3 KOMMENTARE

  1. „Strengere Lebensmittel-Grenzwerte für Kinder überflüssig“

    … man man man… da fragt man sich, was noch verstrahlt wurde… können die nicht mehr klar denken?

    • stooop…. stooop.. waehrend in Japan daran gedacht wird „nicht von 100 auf 50 bzw 10 Becquerel/kg“ runterzugehen befindet sich der Grenzwert fuer Babynahrung im hiesigen Land der Dichter und „Denker“ fuer diesen Fall immer noch auf 370 Becquerel/kg für Babynahrung… also… wer hier nicht klar denken kann wird sich noch rausstellen fuerchte ich… so ganz dumm sind die Japaner nicht.. die durchschnittliche Schulbildung liegt durchs ganze Land auf Bachelour-Niveau und das Durchschnittseinkommen eines Arbeiters liegt bei 5300,- Euro (bei 5%iger Mehrwertsteuer dort)… und…die sind sich der Gefahren die auf sie Zukommen viel besser bewusst als man hier in Euroland glaubt. Da ich wechselseitig hier und drueben lebe, maße ich mir an, die Situation ein klein wenig ausgewogener zu betrachten..

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here