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Japan aktuell: Hohe Strahlungswerte im Hafen des AKW Fukushima

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Schwimmende Barrieren am 6. Mai 2011. (Foto: TEPCO)
Aufnahme vom Mai 2011: Erste Barrieren gegen Kontamination von Meerwasser (Foto: TEPCO)
Schwimmende Barrieren am 6. Mai 2011. (Foto: TEPCO)
Barrieren gegen Kontamination von Meerwasser am 6. Mai 2011 (Foto: TEPCO)

Wenn im Zusammenhang mit dem Betreiber des AKW Fukushima heute bekannt wird, das bessere Sicherheitsmaßnahmen den Neustart eines Kernkraftwerks sicher stellen sollen, dürfte dies bei vielen Menschen nicht unbedingt positive Resonanz erzeugen.

Doch auch, dass Wissenschaftler vermuten, es könnte aus der Anlage in Fukushima aktuell weiterhin radioaktives Wasser austreten, ist keineswegs beruhigend. Im Vergleich hierzu, wirken die übrigen Meldungen vergleichsweise harmlos.

Welche Wirkung die Situation im Krisengebiet nach den Tohoku-Naturkatastrophen auf die Helfer hatte, erfährt man heute im dritten Teil unserer Serie: „Katastrophenhelfer in Japan: Ankunft im Krisengebiet“. Die nächste Folge lesen sie am 17. März.

Einzelheiten zu den Fukushima News sowie weitere Meldungen jetzt im Spreadnews Japan-Ticker vom 15. März 2013.

Unsere Themen zum Wochenende

  • Radioaktiv belastetes Fukushima-Wasser läuft möglicherweise ins Meer
  • TEPCO will AKW Kashiwazaki-Kariwa neustartbereit machen
  • Teilstrecke an Sanriku-Küste bald wieder betriebsbereit
  • 221.000 Tonnen an Tsunami-Trümmern an US-Küsten erwartet
  • Museum für Fukushima-Katastrophe für Mai geplant
  • Erste Kirschblüten in Tokyo

Radioaktiv belastetes Fukushima-Wasser läuft möglicherweise ins Meer: Ein Forscherteam der Ozeanographischen Hochschule Tokio (TUMSAT), hat im Rahmen einer einjährigen Untersuchung von Meerwasser-Daten unmittelbar aus dem Hafenbereich vor dem Kraftwerk, hohe Belastungen bis zu 100 Becquerel pro Liter Wasser entdeckt, was über dem Sicherheitswert liegt.

Offizielles Standardfoto des Atomkraftwerks Fukushima Daiichi (Foto: TEPCO)
AKW Fukushima: Hohe Belastung im Hafenbereich (Foto: TEPCO)

Den Berechnungen der Wissenschaftler zufolge sind demnach in einem Jahr seit Juni 2011 etwa 16,1 Billionen Becquerel an radioaktivem Cäsium-137 in das Meer gelangt. Diese Belastung, die dem 73-fachen des Einleitungsgrenzwerts vor der AKW-Katastrophe entspricht, gefährde zwar Meereslebewesen im offenen Meer nicht – jene im Hafenbereich könnten das Material jedoch in ihren Körpern anreichern.

Auch wenn TEPCO erklärt, seit den Leckdichtungen im Juni 2011 sei kein radioaktives Wasser mehr ins Meer gelangt, sei es nach Ansicht der Wissenschaftler jedoch extrem unwahrscheinlich, dass die Belastung von Niederschlag rühre, der sich erst durch das Erdreich kontaminiert hatte. Vielmehr käme Grundwasser, oder beschädigte Rohre auf dem AKW-Gelände in Betracht.

Der NHK zufolge hat der Kraftwerksbetreiber eigene Untersuchung durchgeführt und bestätigen zwar die hohen Cäsiumwerte, sind jedoch nicht der Ansicht, dass das radioaktive Material vom Gelände des AKW Fukushima Daiichi stammt. Man werde daher die Untersuchungen fortführen.

TEPCO will AKW Kashiwazaki-Kariwa neustartbereit machen: Trotz aller Finanzprobleme beabsichtigt TEPCO zusätzliche zweistellige Milliardenbeträge für die Sicherheit des AKW Kashiwazaki-Kariwa (Präf. Niigata) auszugeben, um noch im Fiskaljahr 2013 eine Neustartgenehmigung zu erhalten.

AKW Kashiwazaki-Kariwa (Foto: TEPCO)
Kernkraftwerk Kashiwazaki-Kariwa (Foto: TEPCO)

Das zumindest berichtet die Kyodo unter Berufung auf mit der Angelegenheit vertraute Quellen.

Die Kosten für die Sicherheitsmaßnahmen könnten damit über 100 Milliarden Yen steigen, hatte das Unternehmen bereits nach den Tohoku-Katastrophen versprochen, etwa 70 Milliarden Yen in die Sicherheit zu investieren.

Derzeit sind landesweit lediglich zwei Reaktoren am AKW Oi in Betrieb. Die übrigen Anlagen sind seit dem Tohoku-Erdbeben und der Reaktorkatastrophen am AKW Fukushima Daiichi aufgrund von Inspektionen, oder aus Sicherheitsbedenken heruntergefahren.

Teilstrecke an Sanriku-Küste bald wieder betriebsbereit: Der Betreiber der örtlichen Minami Rias-Linie in der Präfektur Iwate, die Sanriku Railway Corporation, führte heute einen Testlauf auf der Strecke durch, die bei den Tohoku-Katastrophen schwer beschädigt worden war.

Ofunato: Bahnhof Sakari der Sanriku Railway Co. vor den Tohoku-Katastrophen (Foto: pd)
Ofunato: Bahnhof Sakari der Sanriku Railway Co. vor den Tohoku-Katastrophen (Foto: pd)

Das in Miyako ansässige Unternehmen will am 3. April einen Teil der 36,6 Kilometer langen Strecke zwischen Ofunato und Kamaishi wieder in Betrieb nehmen. Damit wäre der 21,6 Kilometer lange Streckenabschnitt innerhalb der Stadt zwischen den Bahnhöfen Sakari und Yoshihama wieder betriebsfähig.

Wie die Mainichi Shimbun berichtet, wurden die Kosten in Höhe von 1,3 Milliarden Yen,  für die Ersetzung der drei Züge, die im Verlauf der Naturkatastrophen vom März 2011 verloren gegangen waren, durch eine Spende aus Kuwait abgedeckt.

Dennoch dürfen auch solche Erfolgsmeldungen nicht darüber hinwegtäuschen, dass nicht nur die Präfektur Iwate, sondern die gesammte Region nach wie vor noch vor großen Problemen beim Wiederaufbau steht.

221.000 Tonnen an Tsunami-Trümmern an US-Küsten erwartet: Die heute veröffentlichten Berechnungen einer genaueren Computersimulation des japanischen Umweltministeriums legen nahe, dass Trümmer, die vom Tsunami des Tohoku-Erdbebens im März 2011 fortgespült wurden nun im April 2013, vier Monate später als zunächst berechnet, die Küsten der USA erreichen werden.

Trümmer in Rikuzentakata (Foto: Mitsukuni Sato cc-by)
Trümmer in Rikuzentakata (Foto: Mitsukuni Sato cc-by)

Die Naturkatastrophen hatten nach Angaben der NHK etwa 1,5 Millionen Trümmer fortgespült, die jiji spricht von 1.33 Millionen Tonnen. Allerdings werden sie nicht in vollem Umfang angespült, da damit zu rechnen sei, dass ein nicht unwesentlicher Teil im Pazifik versinke.

Nun werden etwa 221.000 Tonnen an Trümmern, der Großteil davon aus Holz, an den Nordamerikanischen Küsten erwartet. Bis Juni sollen zunächst 105.000 Tonnen angeschwemmt werden, bis Oktober wird dann mit 221.000 Tonnen gerechnet.

Erste Katastrophenüberreste – darunter ein Geisterschiff und zwei Docks – waren bereits vor Nordamerika und dem US-Bundeststaat Hawaii gesichtet worden.

Die Japanische Regierung hat den USA bereits fünf Millionen US-Dollar zur Beseitigung des Materials bereitgestellt. Für Kanada wurden bislang eine Million kanadische Dollar gezahlt, so dass sich bereits jetzt die Entsorgungskosten an diesen Küsten auf mehrere Millionen belaufen. Hierüber berichteten jiji und NHK.

Museum für Fukushima-Katastrophe geplant: Zum Gedenken an die Nuklearkatastrophe von Fukushima will eine Nonprofit-Organisation am 19. Mai ein Museum eröffnen – auf dem Gelände des 2003 von der Organisation eröffneten „Auschwitz Peace Museum Japan“ in Fukushima.

Die Mitglieder der Gruppe hoffen, dass Einrichtung in Fukushima  eine ähnliche Rolle spielen werde, wie die beiden Atombomben-Friedensmuseen in Hiroshima und Nagasaki.

Es sei wichtig, dass auch die zivile Atomkatastrophe von Fukushima nicht in Vergessenheit gerate, erklärte die Museumsleitung nach Angaben der Asahi Shimbun. Das neue Gebäude soll aus Holz bestehen und auf etwa 200 Quadratmetern zunächst Dokumente zur Strahlung präsentieren. Die Elektrizitätserzeugung erfolge über Solarzellen.

Die Organisation plant für die Zukunft eine Zusammenarbeit mit weiteren Einrichtungen. Auch soll neben den Dokumenten eine Liste mit vergleichsweise gering belasteten Gebieten in der Präfektur verfügbar gemacht werden, die von Kindern an Wochenenden besucht werden können. Auch wenn die Organisation weiter um Spenden bittet, ist der Eröffnungstermin offenbar sicher.

Erste Kirschblüten in Tokyo: Bereits am gestrigen Donnerstag konnte sich Japans Hauptstadt Tokyo am ersten Erblühen der Blüten erfreuen. Dennoch ist die offizielle Saison für die Kirschblütenschauen (Hanami) noch nicht eröffnet, denn auch wenn an anderen Stellen der Stadt bereits erste Blüten zu sehen sind, gilt dies noch nicht für die hierfür ausgewiesenen Bäume am Yasukuni-Schrein.

Kirschblüte in Kunitachi 2012 (Foto: KJ)
Bereits im letzten Jahr sehenswert: Kirschblüte in Kunitachi 2012 (Foto: KJ)

Tokyo erblüht damit nur einen Tag später als die ersten offiziell gesichteten Blüten, die am Mittwoch aus Fukuoka gemeldet wurden.

Der etwas frühere Beginn in diesem Jahr wird auf die höheren Märztemperaturen zurückgeführt, die teilweise sogar über 20°Celsius lagen. Der Frühling kann also theoretisch kommen.

 

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