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Japan aktuell: Hohe Strahlungswerte in oberen Stockwerken von Fukushima-Reaktor 2

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Fukushima-Reaktor 2: Fünfter Stock des Reaktorraums am 13. Juni 2012 (Foto: TEPCO)
Fukushima-Reaktor 2: Fünfter Stock über dem Reaktorraum am 13. Juni 2012 (Foto: TEPCO)
Fukushima-Reaktor 2: Fünfter Stock des Reaktorraums am 13. Juni 2012 (Foto: TEPCO)
Fukushima-Reaktor 2: Fünfter Stock über dem Reaktorraum am 13. Juni 2012 (Foto: TEPCO)

Was TEPCO, Betreiber des AKW Fukushima aktuell der Presse an Fotomaterial bietet, kann durchaus als umfangreich bezeichnet werden. Von besonderem Interesse sind dabei sicherlich die Aufnahmen aus dem Reaktor 2, die vom Roboter Quince vorgestern dort gemacht wurden.

Weitere Fotos gibt es von den Bauarbeiten, die in Fukushima aktuell erfolgreich am Reaktor 4 durchgeführt werden und auch ein Wasserleck ist vom Atomkraftwerk wieder einmal zu melden.

Die aktuellsten Bilder die der Presse präsentiert werden zeigen dagegen lediglich werbewirksam Einzelheiten des Equipments für Dekontaminationsarbeiten.

Mehr Fukushima News und sonstige Nachrichten gibt es jetzt im Spreadnews Japan-Ticker vom 15. Januar 2012.

Unsere heutigen Themen

  • Aufnahmen aus höheren Stockwerken von Fukushima-Reaktor 2
  • Leck am Dekontaminationssystem
  • Stahlschutzplatte auf Fukushima-Reaktor 4 gehoben
  • Testfang vor Küste von Fukushima
  • Letztes flüchtiges Mitglied der Giftgas-Sekte festgenommen
    • Erste Befragungen des gefassten Giftgas-Sektenmitglieds
    • Weitere Vorwürfe gegen das Giftgas-Sektenmitglied
    • Rechtsanwalt fordert Untersuchung der Sekten-Ermittlungen

Aufnahmen aus höheren Stockwerken von Fukushima-Reaktor 2: TEPCO, Betreiber des AKW Fukushima Daiichi, veröffentlichte am gestrigen Donnerstag Aufnahmen des Kameraroboters Quince, die das Gerät am Mittwoch gemacht hatte. Die Bilder zeigen Teile aus dem fünften Stockwerk des Reaktors 2, darunter auch das Abklingbecken.

Reaktor 2: Aufnahme des Abklingbeckens vom 5. Stock am 13. Juni 2012 (Foto: TEPCO)
Fukushima-Reaktor 2: Aufnahme des Abklingbeckens vom 5. Stock am 13. Juni 2012 (Foto: TEPCO)

TEPCO berichtet, man habe in einem Stockwerk unmittelbar über dem Reaktor, extrem hohe Strahlungswerte gemessen. Die Auswertung der Videoaufnahmen und Strahlungsmessungen die von dem Roboter durchgeführt worden waren, zeigen im fünften Stockwerk und damit 4,5 Meter über dem Sicherheitsbehälter eine Strahlung von 880 Millisievert pro Stunde.

Die genaue Verfolgung der Route des Roboters, wie sie auch auf einer Zeichnung des Pressematerials zu sehen ist, gebe keinen Aufschluss darüber, auf welchem Weg die radioaktiven Substanzen, deren Austritt aus dem Reaktor 2 vermutet wird, genommen hätten. In dem Stockwerk seien keine nennenswerten Schäden festgestellt worden.

Da die größte Menge an radioaktivem Material während der Fukushima-Katastrophe aus dem Reaktor 2 ausgetreten sein soll, ist die Lokalisation der beschädigten Reaktorteile besonders wichtig, um in Zukunft die geschmolzenen Brennelemente bergen und den Reaktor endgültig stilllegen zu können.

Solange die hohe Strahlung die Arbeiten behindert, wird die Suche nach Problemstellen im Sicherheitsbehälter einen großen Teil der Zeit in Anspruch nehmen. Neben TEPCO berichtete auch die NHK über die Situation.

Leck am Dekontaminationssystem: Am gestrigen Donnerstag ertönte um 6:58 Uhr ein Alarm des isolierten Zirkulationsbetriebs der Wasserdekontamination, die am 21. Mai in Betrieb genommen worden war. Der Alarm meldete eine „Unregelmäßigkeit beim Ausgleich des Wasserdurchflusses“.

Wasserlache an der Dekontaminationsanlage am 14. Juni 2012 (Foto: TEPCO)
Wasserlache an der Dekontaminationsanlage am 14. Juni 2012 (Foto: TEPCO)

Nachdem ein Angestellter eines Partnerunternehmens über eine Überwachungskamera ein mögliches Wasserleck ausmachte, wurde noch am selben Tag um 8:14 Uhr der isolierte Zirkulationsbetrieb des Geräts gestoppt. Bei einer Untersuchung vor Ort wurde um 12:20 Uhr eine Wasserlache auf dem Boden des Damms entdeckt, der Wasseraustritt hatte jedoch zum Zeitpunkt der Inspektion bereits gestoppt. Kein Wasser sei aus dem Damm herausgelangt.

Die Ergebnisse der Nuklidanalyse des Wassers gibt TEPCO wie folgt an:

Gesamtdichte der Gammanuklide: 4,8×10² Bequerel pro Kubikzentimer

  • Cäsium-134: 1,8×10² Bequerel Pro Kubikzentimeter
  • Cäsium-137: 2,6×10² Bequerel pro Kubikzentimeter. Bq/cm3

Als Quelle des Wassers wird die Anlage zur Flockung und Sedimentation des Dekontaminationssystems vermutet. Entsprechende Details würden derzeit untersucht heisst es.

Stahlschutzplatte auf Fukushima-Reaktor 4 gehoben:Eine schwere Stahlplatte soll verhindern, dass bei Arbeiten am Reaktor 4 Trümmerteile in das dortige Abklingbecken stürzen, so der Plan des Kraftwerksbetreibers TEPCO (Spreadnews berichtete am 8. Juni 2012).

Fukushima-Reaktor 4: Auflegen der Stahlplatte am 15. Juni 2012 (Foto: TEPCO)
Fukushima-Reaktor 4: Auflegen der Stahlschutzplatte am 15. Juni 2012 (Foto: TEPCO)

Jetzt wurden Bilder veröffentlicht, die sowohl die Arbeiten beim Heben der Platte mit einem Kran, als auch den erfolgreich aufgelegten Schutz zeigen. Zuvor war die insgesamt 11 Meter lange und 13,7 Meter breite Stahlplatte am Boden aus Einzelteilen montiert worden, bevor sie dann emporgehoben wurde.

Im Abklingbecken des Reaktors befinden sich insgesamt 1.535 abgebrannte Brennelemente, deren Beschädigung durch Trümmer, die sich bei Bauarbeiten lösen könnten, mit der Konstruktion ebenso verhindert werden soll, wie das unkontrollierte Eindringen von Regenwasser in die Anlage.

Testfang vor Küste von Fukushima: Eine Vereingung von Fischereikooperativen führte am gestrigen Donnerstag einen Testfang in den Gewässern vor der Küste von Fukushima durch. Sie erhoffen sich eine Möglichkeit zum Neustart des kommerziellen Fischfangs, sofern wiederholte Tests keine Belastungen über dem Grenzwert nachweisen.

Insgesamt sechs Fischfänger verliessen bereits früh um 1:00 Uhr den Fischereihafen Matsukawaura, um in 50 Kilometern Distanz zur Küste eine Art von Schalentieren sowie zwei Arten von Oktopus zu fangen. Ab 15:30 Uhr wurde der Fang von etwa 660 Kilogramm auf dem Fischmarkt Somaharagama entladen. Die Ware kam jedoch nicht in den Handel.

Tokyo: Traditioneller Fischhändler Foto: KJ
Fischhandel in Tokyo: Bald wieder Ware aus Fukushima? (Foto: KJ)

Die Tests zum Nachweis der radioaktiven Belastung wurden zweimal durchgeführt – einmal am rohren Fanggut und ein zweites Mal nach dem Kochen. Sollten sich bei Doppeltests keine Probleme ergeben, würde nach einem Treffen der Fischereikooperativen am 18. Juni schließlich am 20. und 27. Juni 2012 erstmals wieder Fischfang gemacht werden, der dann auch zum Verkauf angeboten wird.

Nach Meldung der Meeresprodukteteststelle der Präfektur wurde in den vergangenen drei Monaten für die jetzt testweise gefangenen Sorten lediglich Cäsiumwerte unterhalb des gesetzlichen Grenzwerts festgestellt. Die Stelle wird auch den gefangenen Fisch kontrollieren und testen.

Die Leitung der Fischereikooperative Somafutaba, welche durch das Tohoku-Erdbeben 101 Mitglieder verlor, erklärte, man habe den ersten Schritt zurück zur Normalität gemacht. Noch sei unklar ob die Verbraucher den dort gefangenen Fisch tatsächlich akzeptieren werden, doch zunächst müsse man Schritt für Schritt vorgehen.  Das berichtet die Mainichi Shimbun.

Letztes flüchtiges Mitglied der Giftgas-Sekte festgenommen: Wie die Polizei in Tokyo mitteilte, hat die fast 17 Jahre dauernde Flucht von Katsuya Takahashi am Freitagmorgen ein Ende gefunden.Nachdem es gestern noch zu einer Razzia in seinem Elternhaus gekommen war, namen die Beamten das 54 Jahre alter frühere Mitglied der Endzeit-Sekte Omu Shinrikyo in einem der  „Manga Kissa“ genannten Comic-Cafés im Tokyoter Stadtteil Ota fest.

Takahashi stand aufgrund des Verdachts, an dem Anschlag mit dem Nervengas Sarin auf die U-Bahn von Tokyo im Jahr 1995 beteiligt gewesen zu sein. Landesweit auf den Sonderfahndungslisten, schaffte es jedoch unterzutauchen. Die heutige Festnahme erfolgte, nachdem um 8:30 Uhr ein Anrufer den Hinweis auf einen Mann gegeben hatte, der sich in einem Manga-Café in Kamata, eine Teil des Bezirks Ota. aufhalte und Ähnlichkeit mit den aktuellen Fahndungsfotos habe.

Katsuya Takahashi, Mitglied der Omu Shinrikyo (Foto: original by KJ)
Letztes flüchtiges Mitglied der Sekte gefasst (Foto: original by KJ)

Beim Verlassen des Cafés um 9:20 Uhr wurde er von den Beamten angesprochen und nannte auf die Frage , ob er der Gesuchte sei, seinen wahren Vor- und Familiennamen. Seine Identität wurde später durch die Abnahme von Fingerabdrücken bestätigt. Angestellte des Lokals teilten mit, Takahashi sei um 6:00 Uhr in das Café gekommen und habe sich in eine der privaten Kabinen gesetzt, wo er bis zum Zugriff der Polizei vor dem Café geblieben sei. Das Lokal ist nur 4,5 Kilometer vom Wohnheim seines früheren Arbeitgebers entfernt.

Nachdem der Terrorist ihnen am 4. Juni 2012 nur knapp einer Hausdurchsuchung entkommen war, führt die Polizei die schnelle Festnahme auf die zügige veröffentlichung aktueller Aufnahmen von Überwachungskameras zurück.

Möglicherweise wurde der Kultist  Opfer einer Leidenschaft, die er mit dem Sektenführer Chizuo Matsumoto (Aliasname Shoko Asahara) teilt. Da der Polizei bekannt war, dass es sich bei Takahashi um einen Fan der Manga genannten japanischen Comics handelt, hatten Beamte bereits Manga-Cafés in der Umgebung kontrolliert.

Erste Befragungen des gefassten Giftgas-Sektenmitglieds: Katsuya Takahashi erklärte den Beamten zunächst, dass er eine Tasche mit Kleidung, Büchern und einem Handy in einem Münzschließfach am JR-Bahnhof Tsurumi in Yokohama aufbewahre. In einem Verhör zu seiner Beteiligung an dem Gasanschlag von 1995, bei dem 13 Menschen starben und mehr als 6.000 verletzt worden waren gab er zu an den Anschlägen beteiligt gewesen zu sein.

Die Mainichi Shimbun zitiert den jetzt gefassten Takahashi mit der Erklärung, er habe  auf Anweisung hochrangigeer Sektenmitglieder gehandelt. Über den Zwecks des Anschlags befragt räumte er ein, es gebe einige Aspekte des Geschehens, die ihm nicht bekannt gewesen seien.

Weitere Vorwürfe gegen das Giftgas-Sektenmitglied: Als Mitglied des „Geheimdienstes“ der Sekte, der unter der Leitung von Yoshihiro Inoue (42) stand, soll er das Sektenmitglied Toru Toyota (44) zu einem U-Bahnhof gefahren haben, wo dieser seinen Sarin-Anschlag beginnen konnte. Sowohl Inoue als auch Toyota sitzen aufgrund ihrer Beteiligung bereits in der Todeszelle.

Takahashi wird auch versuchter Mord durch ein Sprengstoffpaket im Mai 1995, bei dessen Öffnung ein Angestellter der Tokyoter Verwaltung schwer verletzt wurde, sowie der Vorwurf des Mordes und des versuchten Mordes in den Jahren 1994 und 1995 bei denen der chemische Kampfstoff VX zum Tod einer und zu Gesundheitsschäden bei zwei weiteren Personen führte, zur Last gelegt.

Über die verhaftung berichteten NHK, Mainichi Shimbun, Kyodo und jiji.

Rechtsanwalt fordert Untersuchung der Sekten-Ermittlungen: Taro Takimoto, ein Rechtsanwalt der Opfer der Sekte Omu Shinrikyo unterstützt und 1994 aufgrund dieser Bemühungen selbst Opfer eines Sarin-Anschlags wurde, hat eine vollständige Prüfung der polizeilichen Ermittlungsarbeit gefordert, berichtet die NHK. Die Festnahme von Takahashi sei ein wichtiger Punkt und er hoffe, dass nun der Öffentlichkeit das gesamte Ausmaß des Falls bewusst werde. Dennoch gilt es nach Ansicht von Takimoto zu klären, weshalb das gesuchte Sektenmitglied 17 Jahre lang unerkannt bleiben konnte und an welcher Stelle die Ermittler versagt hätten.

Die Giftgas-Sekte heute: Die Sekte ist weiterhin aktiv, seit 2000 jedoch unter dem neuen Namen „Aleph“. Die Organisation, sowie die Splittergruppe „Hikari no Wa“ steht unter Beobachtung von Geheimdienst und Polizei, für die Sonderbefugnisse eingeräumt wurden. Auch wenn sich die Gruppierung für die Taten entschuldigte und finanzielle Entschädigung leistet, so folgen sie nach wie vor den Endzeit-Lehren ihres früheren Gurus, den sie unter dem Namen Shoko Asahara verehren.

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