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Japan aktuell: Hohe Strahlungswerte in Park in Tokyo

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Mizumoto-Koen in Katsushima, Tokyo (Foto: Utsuda cc-by)
Mizumoto-Park: Hohe Werte an radioaktivem Cäsium (Foto: Utsuda cc-by)
Mizumoto-Koen in Katsushima, Tokyo (Foto: Utsuda cc-by)
Mizumoto-Park: Hohe Werte an radioaktivem Cäsium (Foto: Utsuda cc-by)

Nach der Fukushima-Katastrophe ist die Frage, wie hoch die Radioaktivität in Japans Hauptstadt Tokyo ist und ob von ihr dort eine Gesundheitsgefährdung ausgeht, sicher eine der häufigsten Fragen. Funde von radioaktiven Hot Spots, wie sie sich in der Vergangenheit ereigneten,  tragen sicher dazu bei, die Verunsicherung noch zu fördern.

Wenn nun eine Gruppe berichtet, sie habe in einem populären Landschaftspark der Stadt hohe Radioaktivitätswerte nachweisen können, dann scheint die Frage, wie groß die Auswirkungen des AKW Fukushima aktuell wirklich sind, berechtigt.

Die genaue Meldung zum Fund in Tokyo, sowie Fukushima News und weitere Nachrichten, gibt es jetzt im Spreadnews Japan-Ticker vom 21. Februar 2012.

Unsere heutigen Themen:

  • Hohe Werte von Cäsium in Tokyoter Park
  • Neue Roboter auf dem Weg zum AKW Fukushima
  • Notfallzentrum lehnte Schilddrüsenuntersuchungen bei Kind ab
  • Lediglich fünf Prozent der Katastrophentrümmer entsorgt
  • AKW Takahama runtergefahren – nur zwei Japan-AKW aktiv
  • Rätsel um Hai im Park löst sich langsam

Hohe Werte von Cäsium in Tokyoter Park gemeldet: Mitglieder der kommunistischen Partei Japans (KPJ) haben in Japans Hauptstadt Tokyo, im Boden des Mizumoto-Parks im Bezirk Katsushima hohe Werte an radioaktivem Cäsium gemessen.  Anfang des Monats hatten KPJ-Mitglieder an vier Stellen des Parks die Strahlungsbelastung in Erdreich und herabgefallenem Laub gemessen, darunter auch den Eingang zu einem Vogelschutzgebiet für Wildvögel.

Die gemessenen Werte an radioaktivem Cäsium lagen zwischen 7.770 bis 23.300 Becquerel pro Kilogramm Erdreich und zwischen 1.180 bis 8.290 beim getesteten Laub. Die Kommunisten forderten die Verwaltung des Großraums Tokyo dazu auf, ebenfalls Messungen im Park vorzunehmen und die fraglichen Bereiche zu dekontaminieren.

Die Verwaltung lehnte die Aufforderung jedoch ab und begründete dies mit den Messwerten der Luft, die im November 2011 in einem Abstand von einem Meter über dem Boden gemessen worden waren und unter dem, vom Wissenschaftsministerium festgelegten Grenzwert von einem Mikrosievert pro Stunde lagen.

Doch nicht allein, dass der Mizumoto-Park in Katsushika im Vergleich mit den Gärten anderer Bezirke, der größte Park mit  Wasseranlagen ist – im selben Bezirk liegt auch die Kläranlage Kanemachi. Diese filtert gänzlich oder teilweise das Wasser für die folgenden Stadtbezirke: Sumida , Koto und Edogawa, Adachi, Arakawa und Taito sowie  Kita und Chiyoda.

Tepcos Spezialroboter "Quince" Foto: TEPCO
Ausgefallener Spezialroboter "Quince": Nachfolger sind unterwegs (Foto: TEPCO)

Neue Roboter auf dem Weg zum AKW Fukushima: Nachdem der Kontakt zum ursprünglich im AKW Fukushima Daiichi genutzten Roboter Quince abbrach, will man nun nach der Entwicklung neuer Roboter diese ebenfalls im Kernkraftwerk einsetzten und setzt dabei auf zusätzliche Fähigkeiten und Absicherungen. (Spreadnews berichtete am 31. Januar 2012)

Jetzt wurden die beiden neuen Geräte, die auf die Namen Quince 2 und Quince 3 hören,  von einem Schulgelände in Narashino (Präf. Chiba) auf einen LKW verladen, der sie nun nach Fukushima bringen soll. Das berichtet die NHK. Eiji Koyanagi, stellvertretender Direktor des „Future Robotics Technology Center (fuRo)“ am Chiba Institute of Technology sagte, er rechne damit, dass die Roboter sehr genaue Messungen der Strahlung innerhalb der Anlage durchführen könnten.

Die Demontage der Reaktoren mache den Einsatz von menschlichen Arbeitern notwendig, er hoffe jedoch, dass die Roboter in der Lage sein werden, jene strahlungsärmeren Bereiche auszumachen, in denen die Angestellten dann arbeiten können, ohne sich zusätzlicher starker Strahlung aussetzen zu müssen.

Die neuen Roboter, die mit Klingen zur möglichen Durchtrennung der Kabel des ersten Roboters, drahtlose Verbindung und in einem Fall mit einer höher befestigten Kamera für Aufnahmen aus einem Abklingbecken für abgebrannte Brennelemente ausgestattet sind, sollen noch vor Ende des Monats ihre Arbeit aufnehmen.

Notfallzentrum lehnte Schilddrüsenuntersuchungen bei Kind ab: Das „Nuclear Emergency Response Headquarters“, das zuständig für die Durchführung von Maßnahmen während des Fukushima-Störfalls war, ignorierte offenbar die Anfragen der Atomsicherheitskommission (NSC), bei Kindern, deren interne Belastung durch Radioaktivität zwar noch innerhalb des maximal zulässigen Wertes lag, jedoch immer noch sehr hoch war, weitere Überprüfungen der Schilddrüsen durchzuführen.

Zwischen dem 26. und 30. März vergangenen Jahres hatte das Notfallzentrum einfache Strahlungsmessgeräte genutzt, um bei 1.080 Kindern zwischen 0 und 5 Jahren die Schwere der Schilddrüsenbelastung durch die Strahlung zu überprüfen. Alle Kinder lebten in Gebieten außerhalb des 30 Kilometer Radius um das AKW Fukushima Daiichi.

In keinem der Fälle wurde der von der NSC festgesetze Wert von 0,2 Mikrosievert pro Stunde überschritten, bei dem andernfalls eine genauere Untersuchung erforderlich gewesen wäre. Bei einem Kind aus Iwaki (Präf. Fukushima) habe man jedoch eine Belastung von 0,1 Mikrosievert gemessen, so dass man eine mögliche Gesamtbelastung der Schilddrüse von Werten um, oder über 30 Millisievert berechnete.

Nachdem die NSC am 30. März über die Ergebnisse informiert worden war, bat die NSC um weitergehende Tests mit einem Schilddrüsenmonitor, da mit diesem genauere Messungen möglich sind. Da radioaktives Jod eine geringe Halbwertszeit hat, ist eine Einschätzung schwierig, wenn nicht von Beginn an Messungen vorgenommen werden, so die NSC.

Auch wenn es wie ein Aprilscherz klingen mag, so entschied sich das Notfallzentrum am 1. April 2011 gegen die Durchführung weiterer Tests. Als Begründung verwies man auf die Schwierigkeiten, einen Schilddrüsenmonitor mit einem Gewicht von einer Tonne zu transportieren, den Umstand, dass das Kind für die Tests lange Reisen unternehmen müsse und das Risiko eine Panik auszulösen, die sowohl das Kind, seine Eltern und die örtliche Gemeinschaft zum Ziel von Diskriminierungen machen würde.

Rückblickend räumt man beim Notfallzentrum ein, wären weitere Tests durchaus sinnvoll gewesen, während die NSC als Bilanz zog, man hätte bei der Wortwahl zur Anfrage zusätzlicher Checks möglicherweise deutlich fordernder sein müssen. Das berichtet die Mainichi Shimbun.

Lediglich fünf Prozent der Katastrophentrümmer entsorgt: In einer Pressekonferenz am heutigen Dienstag erklärte der Umweltminister Goshi Hosono, bislang seien lediglich fünf Prozent der Trümmer, die durch das Tohoku-Erdbeben und den Tsunami entstanden, verbrannt oder anderweitig entsorgt worden. Er rief die Verwaltungen von Präfekturen und Gemeinden dazu auf, bei der Bewältigung des Problems zu helfen.

Insgesamt sind schätzungsweise 22,53 Millionen Tonnen dieser Abfälle in den Katastrophenpräfekturen Fukushima, Iwate und Miyagi angefallen. Viele Präfekturen und Ortschaften fürchten jedoch die Freisetzung von Radioaktivität, wenn sie Trümmer aus diesen Gebieten zur Entsorgung übernehmen. Bei den bisher entsorgten Trümmern handelt es sich nicht um Material aus der Präfektur Fukushima.

Hosono merkte an, die Wiederverwendung von Trümmern aus Beton und Gestein sei vergleichsweise einfach. Das Hauptprobleme stellten die Abfallhölzer dar, deren Verbrennung gescheut wird. Etwa vier Millionen Tonnen dieses Materials müssten von anderen lokalen Verwaltungen übernommen werden, berichtet die Nachrichtenagentur Kyodo.

Der Nachrichtenagentur jiji zufolge, hätten sich nach den Naturkatastrophen zunächst  22.528.000 Tonnen Trümmer in den Küstenregionen der drei Präfekturen gesammelt. Insgesamt 1.176.000 Tonnen wären bislang auf Müllkippen gelagert, wiederverwendet, oder anderweitig entsorgt worden. Ausgenommen davon sind Abfälle aus dem Sperrgebiet um das Atomkraftwerk Fukushima Daiichi.

Im Vergleich hätte die Präfektur Iwate jetzt ihre Trümmer und Abfälle um acht Prozent, die Präfektur Miyagi um fünf Prozent und die Präfektur Fukushima um vier Prozent verringern können.

AKW Takahama heruntergefahren – nur zwei Japan-AKW aktiv: Nachdem Kansai Electrics Anfang Dienstag den Reaktor 3 am AKW Takahama in der Präfektur Fukui für die alle 13 Monate stattfindenden Routinekontrollen  herunterfuhr, sind insgesamt nur noch zwei der insgesamt 54 Kernreaktoren in Japan aktiv. Bei ihnen handelt es sich um den  Reaktor 6 am AKW Kashiwazaki-Kariwa, der dem Elektrizitätsanbieter TEPCO gehört, sowie den Reaktor 3 am AKW Tomari (Präf. Hokkaido), das von Hokkaido Electrics betrieben wird.

Wenn beide Anlage am 26. März bzw. Ende April ebenfalls vom Netz gehen, ist damit zu rechnen, dass bereits im Frühling diesen Jahres kein Atomkraftwerk in Japan in Betrieb sein wird, berichtet die Nachrichtenagentur Kyodo.

Die jiji berichtet dagegen, nach dem heutigen Herunterfahren des 870.000 Kilowatt liefernden Takahama-Reaktors, würden die verbleibenden beide Ende April abgeschaltet. Nach dem Herunterfahren aller Kraftwerke zur Wartung, oder aus Sicherheitsgründen, wird für den Sommer eine Versorgungsengpass von sieben Prozent erwartet. Schätzungen zufolge werden  die Engpässe bis zu 25 Prozent bei Kansai Electrics betragen. Der Anbieter versorgt die Stadt Osaka, die gleichnamige Präfektur, sowie angrenzende Präfekturen.

Bild eines Lachshais (Foto: Public Domain)
Ein solcher Lachshai gibt Rätsel auf (Abb. symbolisch)

Rätsel um Hai im Park löst sich langsam: Mit einer Meldung der Mainichi Shimbun kommt langsam Dunkel in den Fund eines 1,5 Meter langen Lachshais, der am 19. Februar auf dem Parkplatz des Yoyogi-Parks in Tokyo von einem Wachmann entdeckt worden war.

Aussagen von Zeugen nachgehend, die sagten, sie hätten diesen, oder einen ähnlichen Hai als Dekoration eines Sushi-Lokals gesehen, führten die Ermittlungsbeamten zum Betreiber des Lokals. Dieser erklärte, er habe den Fisch am 14. Februar, direkt nach dem Fang gekauft. Da der Hai mit seinen Maßen und dem Gewicht von 102 Kilogramm nicht in die Küche geschafft werden konnte, habe er sich beschlossen, den Fisch auszustellen.

Ein bislang nicht identifizierter Mann, der sich selbst als Künstler bezeichnet hatte, habe dann gegen Mitternacht das Restaurant betreten und gefragt, ob er den Fisch haben könne, anstatt ihn wie sonst üblich zu entsorgen. Gegen 5:00 Uhr des Folgetages, habe der Unbekannte den Hai dann in einem Karren abgeholt. Der Inhaber der Restaurants hatte dann nach Schilderung der Zeitung, jedoch ein ungutes Gefühl über den Verbleib des Haifischs, so dass er einen Zettel an die Fassade seines Lokals klebte, auf dem er um Hinweise bat.