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Japan aktuell: Hohe Tritium-Konzentration in Fukushima-Grundwasser

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Blauer Wassertropfen (Foto: pd)
Hohe radioaktive Belastung in Grundwasser des AKW Fukushima (Foto: pd)
Blauer Wassertropfen (Foto: pd)
Hohe radioaktive Belastung in Grundwasser des AKW Fukushima (Foto: pd)

In der Vergangenheit war bereits mehrfach radioaktives Material im Grundwasser der Kraftwerksanlage nachgewiesen worden.

Die hohen Überschreitungen der Grenzwerte bei zwei radioaktiven Substanzen, die vom AKW Fukushima heute gemeldet wurden, machen jedoch die jüngsten Fälle zu einer Besonderheit.

Die Fukushima News zeigen daher erneut, wie schwierig es für TEPCO ist, diesen Problemen zu begegnen.

Einzelheiten zu dem, was am Kernkraftwerk Fukushima aktuell geschieht, jetzt im Spreadnews Japan-Ticker vom 19. Juni 2013.

Unsere heutigen Themen:

  • Hohe Werte von Tritium und Strontium in Fukushima-Grundwasser
    • Umweltgefährdung nicht wahrscheinlich
    • Maßnahmen nach Strahlungsnachweis
    • Herkunft des Wassers
  • Präfektur Fukushima beschwert sich bei TEPCO
  • Politikerin bestreitet Todesopfer durch Fukushima-Katastrophe

Hohe Werte von Tritium und Strontium in Fukushima-Grundwasser: Im Grundwasser unterhalb der Reaktoren des AKW Fukushima wurden extrem hohe Werte an radioaktivem Strontium und Tritium erreicht, die deutlich über dem gesetzlich zugelassenen Grenzwert liegen.

Während der  Fund bereits zwischen Ende Mai und Anfang Juni 2013 gemacht und am 30. Mai bestätigt worden war, benötigte TEPCO nunmehr drei Wochen, bevor man die Entdeckung jetzt bekannt gab.

Der Nachweis von Tritium selbst ist zwar nicht neu – Spreadnews berichtete bereits am 3. Mai 2013 über einen ersten Fund – von besonderer Bedeutung sind im aktuellen Fall jedoch die hohen Strahlungswerte.

Die Wasserproben aus einem Kontrollbrunnen auf der Küstenseite der Anlage, in der Nähe des Turbinengebäudes von Fukushima-Reaktor 2, wiesen Werte von 1.000 Becquerel an radioaktivem Strontium pro Liter Wasser auf – was 30 mal über dem Grenzwert liegt.

Außerdem wurde radioaktives Tritium in Höhe von 500.000 Becquerel pro Liter nachgewiesen – was achtfach über dem Sicherheitswert liegt.

Umweltgefährdung nicht wahrscheinlich: Die Betreiberfirma TEPCO erklärte, auch wenn der Fundort sich nur 27 Meter vom Meer entfernt befinde, seien bislang keine signifikanten Veränderungen in der Konzentration an radioaktivem Material dort gemessen worden.

Maßnahmen nach Strahlungsnachweis: Als erste Schutzmaßnahme werde man jedoch eine Substanz in den Boden zwischen Entnahmepunkt und Küste einbringen, der dort den Boden versiegeln soll. Außerdem sollen in der Nähe nun vier weitere Kontrollpunkte für Grundwasserkontrollen eingerichtet werden, um eine mögliche Ausbreitung nachzuvollziehen und die Deiche der Anlage zusätzlich zu sichern.

Herkunft des Wassers: Das Unternehmen geht davon aus, dass das stark radioaktiv kontaminierte Wasser bereits unmittelbar nach Beginn der Fukushima-Krise im März 2011 durch das Rohr einer Kabelleitung in den Boden gelangt sei und sich dort, trotz der Abdichtung im April 2011, zum Teil mit dem Grundwasser vermischte, so dass es nun im Messpunkt nachgewiesen werden konnte.

Dieser Schilderung zufolge scheint eine andauernde Kontamination durch nachfliessendes radioaktives Wasser unwahrscheinlich. Über die Entdeckung berichteten neben TEPCO auch Kyodo, Asahi Shimbun, jiji und NHK.

Präfektur Fukushima beschwert sich bei TEPCO: Die Führung der Präfektur Fukushima zitierte heute den TEPCO-Manager Akio Komori in das Büro der Präfekturverwaltung und forderte, das Unternehmen müsse so schnell wie möglich herausfinden, wie es zur hohen radioaktiven Kontamination des Grundwassers gekommen war.

Außerdem müssten Maßnahmen ergriffen werden, um zu verhindern, dass die radioaktiv belastete Flüssigkeit in das Meer gelange. Komori entschuldigte sich für den Zwischenfall und versprach, sowohl die Ursache ermitteln zu lassen und die Überwachung zu verbessern, nachdem Tetsuya Hasegawa, Umweltverantwortlicher der Präfektur, seine Unzufriedenheit erklärt hatte.

Es sei sehr enttäuschend, dass derartige Dinge passierten, obwohl man mehrfach gefordert hatte, die Sicherheit bei der Handhabung radioaktiv kontaminierter Abwässer müsse von TEPCO garantiert werden. Als Folge des Zwischenfalls hat nach Angaben der NHK, die Präfektur beschlossen, ihre eigenen Kontrollen der Belastung von Meerwasser nahe der Anlage zu intensivieren.

Politikerin bestreitet Todesopfer durch Fukushima-Katastrophe: Sanae Takaichi, Politikerin der regierenden Liberaldemokratischen Partei (LDP) von Premierminister Shinzo Abe, erntete sowohl von der Opposition, als auch aus eigenen Reihen harsche Kritik für eine Äußerung zu den Folgen der Fukushima-Katastrophe.

Wahlplakate in Tokyo am 28. Mai 2013 (Foto: Copyright by KJ)
Wahlplakate in Tokyo am 28. Mai 2013 (Foto: Copyright by KJ)

Zu Beginn der Woche, hatte Takaichi bei einer Rede in der Stadt Kobe erklärt, niemand sei in Folge des Unfalls am Kernkraftwerk Fukushima Daiichi ums Leben gekommen.

Zudem habe Japan keine andere Wahl, als die Atomenergie weiterhin zur Energierzeugung zu nutzen. Diese Äußerung hatte eine Welle der Empörung ausgelöst.

Goshi Hosono, Generalsekretär der größten Oppositionspartei DPJ, nutzte die Vorlage umgehend und begründete seine gestrige Rücktrittsforderung an die Politikerin mit der Aussage, die Regierung habe bislang fast 1.400 Todesfälle in der Präfektur Fukushima als Folge der Katastrophe anerkannt. Wer diese Zahlen nicht behalte, solle keine politische Kraft darstellen.

Tatsächlich wurden Personen, die beispielsweise aufgrund der Strapazen bei der Evakuierung, oder durch mangelnde medizinische Versorgung während der Krise starben, als „Todesfälle mit Katastrophenbezug“ anerkannt, auch wenn nicht die Radioaktivität aus dem Kernkraftwerk die Todesursache war.

Heute entschuldigte sich Takaichi für ihre Äußerungen. Sie nehme diese zurück und bitte um Entschuldigung. Im Bezug auf einen möglichen Rücktritt erklärte die LDP-Politikerin,  sie werde diese Entscheidung dem Premierminister überlassen. Dieser lehnte einen Rücktritt von Takaichi jedoch ab.

Über den politischen Fehltritt, der angesichts des laufenden Wahlkampfs vor der Wahl im Großraum Tokyo am Sonntag und der für Juli anstehenden Wahlen im Oberhaus denkbar ungünstig für die LDP ist, berichteten Kyodo und jiji.

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