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Japan aktuell: Honda-Roboter soll Fukushima-Arbeiten erleichtern

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Honda-Roboter für Fukushima-Einsatz (Foto: TEPCO)
Honda-Roboter für Fukushima-Einsatz (Foto: TEPCO)

Mit der Nutzung eines neuen Roboters und einer wichtigen Einschätzung zu den Schäden an der Anlage, ist die Zukunft des Kernkraftwerks Fukushima heute eines der Hauptthemen.

Thematisch interessant bleibt es jedoch auch mit den weiteren Meldungen.

So geht es neben dem AKW Fukushima aktuell etwa auch um die Pläne für Neustarts von Reaktoren an insgesamt sechs Kraftwerken.

Neben den Kernkraftwerken des Landes und den Fukushima News befasst sich der heutige Artikel auch mit gänzlich anderen Ereignissen.

Einzelheiten zu allen Meldungen jetzt im Spreadnews Japan-Ticker vom 18. Juni 2013.

Unsere heutigen Themen:

  • Moderner Honda-Roboter wird am AKW Fukushima eingesetzt
  • NRA gibt erste Einschätzung zu wichtigen Fukushima-Kondensatoren ab
  • Lüftung lief noch drei Tage nach Strahlungsleck in Forschungseinrichtung
  • Neue Sicherheitsregelungen setzen Hürden für sechs Neustarts
  • Zum Tode verurteilte Mitglieder der Giftgas-Sekte sollen aussagen

Moderner Honda-Roboter wird am AKW Fukushima eingesetzt: Die Honda Motor Corporation ist international neben ihren Automobilen auch durch den charakteristischen humanoiden Roboter Asimo bekannt geworden. Mit dem jetzt entwickelten Roboter, der bereits heute in Fukushima-Reaktor 2 in Betrieb geht, sollen dagegen die Arbeiten zur Stilllegung der Reaktoren erleichtert werden.

Fukushima-Reaktor 2 am 18. Juni 2012 (Foto: TEPCO)
Fukushima-Reaktor 2: Einsatzort des Honda-Roboters (Foto: TEPCO)

In Zusammenarbeit mit Wissenschaftlern des Forschungsinstituts für Industrietechnik, entstand der 1,76 Meter lange und 83 Zentimeter breite Roboter, dessen hervorstechendstes Merkmal der mit elf Gelenken ausgestattete Arm ist, der bis auf 7,3 Meter ausgefahren werden kann.

Durch Anbringung eines Dosimeters können Strahlungswerte an höher gelegenen Stellen, wie etwa Decken, zuverlässig gemessen werden und die Möglichkeit eine Kamera am Roboterarm zu befestigen, werden auch Einblicke in sonst unzugängliche Bereiche möglich.

Es ist nach Angaben von Honda das erste Mal, dass ein Roboter in Bereichen, die normalerweise außerhalb der Reichweite in unzugänglichen Bereichen, Strahlung messen wird.

Technologien, die von dem Asimo-Roboter übernommen worden, ist die Erkennung von Gegenständen in dreidimensionaler Form und die Ausstattung mit einer Schwingungsdämpfung, durch die Schäden beim Zusammenstoß mit einem Objekt verhindert werden sollen.

Kontrolliert wird der technische Helfer über Kabel, es ist jedoch zusätzlich eine Funksteuerung möglich.

NRA gibt erste Einschätzung zu wichtigen Fukushima-Kondensatoren ab: Es ist vielleicht eine der wichtigsten Einschätzungen in der Geschichte der japanischen Atomkraft, die von Experten der Atomaufsichtsbehörde NRA gestern bekannt gegeben wurde und so bleibt abzuwarten, in welcher Weise nachfolgende Untersuchungen das Schicksal aller Reaktoren des Landes bestimmen werden.

Fukushima-Reaktor 1: Blick auf einen Isolationskondensator am 18. Oktober 2011 (Video: TEPCO)
Fukushima-Reaktor 1: Blick auf einen Isolationskondensator am 18. Oktober 2011 (Video: TEPCO)

Am gestrigen Montag teilten die Experten der NRA den aktuellen Stand zur Einschätzung, in welchem Umfang bereits das Tohoku-Erdbeben 2011 kritische Teile der Sicherheitsstruktur der Reaktoren beschädigt habe, mit.

Nach Untersuchungen am 30. und 31. Mai 2013 kommt die NRA zu dem vorläufigen Schluss, dass das Erdbeben alleine keine wesentlichen Schäden am Kühlsystem verursacht habe.

Die Möglichkeit, dass bereits vor Eintreffen des Tsunami auf dem Reaktorgelände kritische Schäden entstanden sein könnte, war ursprünglich von einem parlamentarischen Untersuchungsausschuss ins Spiel gebracht, nach weiteren Untersuchungen eines anderen Auschusses jedoch wieder verworfen worden. Auch TEPCO bestreitet sicherheitsrelevante Erdbeben-Schäden.

Die Beobachtung von Arbeitern vor Ort, dass bereits vor Eintreffen des Tsunami Wasser in der Nähe der Isolationskondensatoren gesichtet wurde, sei möglicherweise auf ein Überlaufen aus dem Lagerbecken für abgebrannte Brennelemente zurückzuführen und nicht auf die Kondensatoren, wie bislang vermutet.

Die NRA begründet diese Einschätzung auch mit dem Fehlen von Wasserdampf in den Berichten der Augenzeugen. Wären tatsächlich die Kondensatoren beschädigt worden, wäre es zum Austritt von Wasserdampf gekommen, da in der Vorrichtung der Dampf aus dem Druckbehälter herabgekühlt wird, dann zu Wasser kondensiert und so wieder in den Reaktor fließt.

Eine gänzliche Entwarnung für den Betreiber bedeutet diese vorläufige Einschätzung jedoch nicht, erklärten die Ermittler der NRA doch, man werde den Zustand der wichtigen Isolationskondensatoren in Fukushima-Reaktor 1 noch genauer untersuchen. Insbesondere die Menge an ausgetretenem Wasser, die Rohrleitungen und Kondensatoren müssten genauer untersucht werden.

Für Ende des Jahres wird ein entsprechender Bericht an die Internationale Atomenergiebehörde IAEA angekündigt. Wann weitere Untersuchungen stattfinden werden, ist jedoch aufgrund der hohen Strahlungswerte vor Ort jedoch noch gänzlich unklar, berichtet die Asahi Shimbun.

Lüftung lief noch drei Tage nach Strahlungsleck in Forschungseinrichtung: Wie die Japanische Atomenergiebehörde JAEA heute einräumen musste, lief eine Lüftung ohne Filter für radioaktives Material noch drei Tage, nachdem es am 23. Mai 2013 im Forschungskomple J-PARC zu einem Strahlungsleck gekommen war (Spreadnews berichtete am 27. Mai 2013).

Die Lüftung wurde am 23. Mai um 17:30 Uhr gestartet, um die Strahlungswerte innerhalb des Labors zu reduzieren. Nun scheint es, als ob noch drei Tage lang die Lüftung genutzt worden war. Eine Anweisung, die Lüftung abzustellen, habe die Leiter der Einrichtung nicht erreicht, berichtet die jiji.

Das bedeutet, das selbst nach der Meldung des Zwischenfalls in der Nacht zum 24. Mai, möglicherweise weiterhin radioaktives Material durch die Lüftung aus der Einrichtung in Tokai (Präf, Ibaraki) geblasen worden war.

Neue Sicherheitsregelungen setzen Hürden für sechs Neustarts: Trotz der verschärften Sicherheitsbestimmungen, die am 8. Juli in Kraft treten werden, wollen die Betreiber von sechs Atomkraftwerken, dennoch so schnell wie möglich eine Erlaubnis zum Neustart dieser Anlagen beantragen.

Atomkraftwerk-Symbol (Grafik: Hendrik Tammen cc-by)
Neustartpläne mit Hindernissen (Grafik: Hendrik Tammen cc-by)

Die sechs Neustartkandidaten verteilen sich auf mehrere Präfekturen. Gegenwärtig sind in den landesweiten Kernkraftwerken lediglich zwei Reaktoren in Betrieb, beide befinden sich im AKW Oi und waren unter großen Protesten von Atomkraftgegner im Juli vergangenen Jahres wieder hochgefahren worden.

Zu den sechs Kraftwerken, für die eine Neustartgenehmigung beantragt werden soll, gehören:

  • AKW Genkai (Präf. Saga)
  • AKW Ikata (Präf. Ehime)
  • AKW Oi (Präf. Fukui)
  • AKW Sendai (Präf. Kagoshima)
  • AKW Takahama (Präf. Fukui)
  • AKW Tomari (Präf. Hokkaido)

Gemeinsam ist allen sechs Kraftwerken, dass sie im Gegensatz zu den alten Siedewasserreaktoren des AKW Fukushima Daiichi die vergleichsweise neuen Druckwasserreaktoren betreiben. Doch das alleine ist kein Garant für einen Neustart.

Tokyo: Anti-Atomkraft-Banner im Juni 2013 (Foto: Copyright by KJ)
Tokyo: Anti-Atomkraft-Banner im Juni 2013 (Foto: Copyright by KJ)

Die Betreiber müssen die Erfüllung mehrerer verschärfter Kriterien erzielen. So muss etwa jede Anlage über Maßnahmen verfügen, die im Fall schwerer Naturkatastrophen, oder sonstiger Zwischenfälle greifen. Dazu gehören auch bauliche Maßnahmen, wie etwa externe Notfallzentren außerhalb des Reaktors und die Schaffung höherer Dämme gegen Tsunami.

Für einige Anlagen ist die Prüfung, ob sich die Gebäude auf aktiven Verwerfungen befinden von besonderer Wichtigkeit, da im Zweifelsfall nicht nur ein Neustart untersagt, sondern die Stilllegung der Reaktoren erforderlich werden würde.

Die Prüfung der Anträge wird nach Meldung der NHK etwa sechs Monate in Anspruch nehmen.

Eines der größten Hindernisse dürfte jedoch die Zustimmung der Bevölkerung sein, denn während einerseits die Bewohner einiger Gemeinden praktisch von der Atomkraft leben, da sie Kraftwerksarbeiter mit Waren versorgen, ist der Wiederstand gegen Neustarts an anderer Stelle immer noch stark ausgeprägt.

Zum Tode verurteilte Mitglieder der Giftgas-Sekte sollen aussagen: Im Prozess gegen Makoto Hirata, früheres Führungsmitglied der Gruppierung Omu Shinriyo, sollen drei Ex-Mitglieder, die zum Tode verurteilt wurden, als Zeugen aussagen.

Fahndungsplakat nach Mitgliedern der Aum-Sekte in Tokyo Shinjuku (Foto: KJ)
Fahndungsplakat nach Mitgliedern der Sekte an einer Polizeistation in Tokyo Shinjuku, (Foto: KJ)

Selbst in einem Prozess gegen eine derartige Gruppierung, die unter der irreführenden Bezeichnung „Aum-Sekte“ durch ihre Giftgas-Anschläge international Aufmerksamkeit erregte, ist diese Maßnahme außergewöhnlich und erst das zweite Mal in der japanischen Justizgeschichte, dass „Todeskandidaten“ befragt werden.

Das Gericht widersprach dem Antrag der Staatsanwaltschaft, die Häftlinge aus Sicherheitsgründen im Gefängnis zu vernehmen und so sind erstmals auch Laienrichter/Schöffen bei einer derartigen Befragung anwesend.

Dem Angeklagten Makoto Hirata (48) wird vorgeworfen, an der Entführung und rechtswidrigen Freiheitsberaubung eines Juristen beteiligt gewesen zu sein. Der Rechtsanwalt war nach Injektion einer „Wahrheitsdrogen“ an den Folgen gestorben. Hirata soll bei der Entführung Schmiere gestanden haben.

Bei den drei Zeugen die nun befragt werden sollen, handelt es sich ebenfalls um frühere Führungsmitglieder der Sekte – Yoshihiro Inoue (43), Tomomasa Nakagawaa (50) und Yasuo Koike (55).

Die Entscheidung zur ungewöhnlichen Zeugenbefragung, deren genauer Zeitpunkt und die zu treffenden Maßnahmen bislang noch ungeklärt sind, berichteten Kyodo und Asahi Shimbun.

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