Start Aktuelles Japan aktuell: Hydrazinleck und Wasseraustritt lösen Alarm am AKW Fukushima aus

Japan aktuell: Hydrazinleck und Wasseraustritt lösen Alarm am AKW Fukushima aus

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Offizielles Standardfoto des Atomkraftwerks Fukushima Daiichi (Foto: TEPCO)
Arbeiten an Kühlsystem des AKW Fukushima Daiichi (Symbolfoto: TEPCO)
Offizielles Standardfoto des Atomkraftwerks Fukushima Daiichi (Foto: TEPCO)
AKW Fukushima: Austritt giftiger Chemikalie (Foto: TEPCO)

Die Vorbereitungen Nordkoreas auf einen Raketenstart nehmen einen großen Teil der japanischen Berichterstattung ein und tatsächlich schien der Informationsfluss im Bezug auf die Situation am AKW Fukushima aktuell von diesem Ereignis überlagert zu werden. Doch eine Meldung aus der Anlage des Kernkraftwerks bietet dem Leser nun interessante Neuigkeiten, da neben Wasser diesmal auch eine stark giftige Substanz durch ein Leck austrat.

Daneben gibt es Meldungen über Nutzung und Lagerung sowie weitere Fukushima News und sonstige Nachrichten – im Spreadnews Japan-Ticker vom 12. April 2012.

Unsere heutigen Themen:

  • Austritt von Hydrazin und Wasser am AKW Fukushima Daiichi:
  • Präfektur Kyoto sitzt auf kontaminiertem Brennholz
  • Strahlenschutzbehälter aus Katastrophentrümmern
  • Landwirtschaft in Katastrophengebieten nimmt wieder zu
  • Kirschblüte in Japan

Austritt von Hydrazin und Wasser am AKW Fukushima Daiichi: Um 14:44 Uhr Ortszeit ertönte in der Anlage des AKW Fukushima Daiichi ein Alarm, der auf einen „übermäßigen Austritt an der Durchflussmenge der Wärmetauscheinheit“ hinwies und die Pumpen des Systems automatisch anhielt.

Eine Untersuchung der Meldung über ein Leck brachte nach Angaben der Betreiberfirma TEPCO die folgenden Ergebnisse, deren   Relevanz mit dem automatischen Stopp des Kühlsystems des Abklingbeckens man untersuchen werde. Die Wassertemperatur betrug 28°Celsius und die Temperaturanstiegsrate wird von TEPCO auf etwa 0,5 Grad Celsius pro Stunde geschätzt.

Die Überprüfung um 15:04 Uhr habe den Ausfluss von Hydrazin an einem Verschlussventil der Leitungen zur Hydrazineinleitung in das Kühlsystem mit einer Rate von einem Tropfen alle sieben Sekunden ergeben. Nach dem Schließen des Ventils habe der Ausfluss gestoppt (man hatte am selben Tag zuvor zwischen 13:35 Uhr bis 14:56 Uhr Hydrazin eingespeist). Die Menge an Hydrazin unterhalb des Kontrollventils habe etwa 20 Kubikzentimeter (etwa 10cm x 20cm x 1mm) betragen.

Gegen 15:10 Uhr wurde an der östlichen Seite im ersten Stock der Entsorgungsanlage von Reaktor 4 ein Wasserleck entdeckt. Dieses trat mit einer Geschwindigkeit von einem Tropfen alle zwei Sekunden am Leitungsflansch des alternativen Kühlleitung für das Abklingbecken aus. Gegen 15:55 Uhr habe man den Flansch nachgezogen und der Wasseraustritt stoppte. Die Menge an ausgetretenem Wasser betrug etwa 20 Liter (etwa 1m x 2m x 1-2cm).

Sowohl das giftige Hydrazin, das zur Verhinderung von Korrosion durch das Salzwasser in den Reaktor geleitet wird, als auch das Wasser seien nur innerhalb des Aufbereitungsgebäudes verblieben. Man bestätigte, es habe nach der Inspektion keine weiteren Lecks gegeben.

Präfektur Kyoto sitzt auf kontaminiertem Brennholz: Die Präfektur Kyoto steckt in einem Dilemma. Man hatte sich dazu bereit erklärt, während des traditionellen Stadtfestes „Gozan no Okuribi“  bei dem fünf riesige Feuer in Form japanischer Schriftzeichen auf den Hängen der Berge entzündet werden, die Entsorgung von Katastrophentrümmern zu unterstützen, indem man Holz aus Rikuzentakata (Präf. Iwate) verbrennen würde.

Die Verbrennung des Holzes fand jedoch nie statt, da mit 1.130 Becquerel pro Kilogramm Holz, hohe Werte an radioaktivem Cäsium gemessen wurden. Da die Verwaltung bislang noch keine definitiven Sicherheitsstandards für die Verbrennung von radioaktiv kontaminierten Abfällen erlassen hat, bleibt zunächst keine andere Möglichkeit, als die 500 Stücke Pinienholz in einem Betongebäude eines Verpackungsbetriebs zu lagern.

Jedes der Bündel enthält 10 Holzscheite,  ist in zwei Lagen von Plastiksäcken gewickelt und wird unter einer großen Abdeckplane aus PVC gelagert, so dass sie bei den gegenwärtigen Strahlungswerten weder für Mensch noch Umwelt eine Gefahr darstellen, erklärte die Behörde.

Da die Stadt sich noch nicht auf eigene Grenzwerte festgelegt hat und somit nur die Grenzwerte der Regierung für öffentliche Müllentsorgungsanlagen bestehen, die zwischen 240 bis 480 Becquerel pro Kilogramm liegen, bleibt der Zeitpunkt der Verbrennung ungeklärt, ein Zurücksenden sei jedoch ebenfalls keine Option heisst es.

Im vergangenen Jahr war die Verbrennung einer ersten Holzlieferung an den Vorbehalten der Bevölkerung und der Organisatoren gescheitert, worauf man später versuchte eine zweite Lieferung zu verbrennen, doch auch dieses war mit über 1.000 Kilogramm belastet. Das berichtet die Yomiuri Shimbun.

Strahlenschutzbehälter aus Katastrophentrümmern: Gestern berichteten wir an dieser Stelle über besonders strahlungssichere Container und erwähnten auch Betonbehälter die aus baulichen Überresten der Katastrophengebiete hergestellt werden.  Heute macht die Mainichi Shimbun in einem Artikel weitere Angaben zu letzteren.

Die gemeinsame Forschungsgruppe der Universität Kyoto, der Nihon-Universität sowie des Unternehmens Fujita Corp nutzten Betontbruchstücke aus Trümmern in der Präfektur Miyagi und fertigten Stücke von 2 bis 4 Zentimetern Durchmesser, die als Ersatz für herkömmlichen Kies bei der Herstellung des Betons für den 20 Zentimeter dicken Betonbehälter genutzt wurden.

Der tonnenförmige Behälter ist 80 Zentimeter hoch und hat einen Durchmesser von 70 Zentimeter. Das 600 Kilo schwere Behältnis ist in der Lage 25 Kilogramm an kontaminiertem Erdreich aufzunehmen. Die vom Erdreich ausgehende Gammastrahlung die in die Atmosphäre abgegeben wird, sank durch das Behältnis auf ein Elftel des Wertes außerhalb des Containers.

Professor Yoshikazu Araki erklärte, der neuartige Behälter könne in herkömmlichen Betonmischanlagen hergestellt werden und könne seiner Ansicht nach als Aufbewahrung in Zwischenlagern für Erdreich dienen und daher wolle man künftig die Hilfe ausweiten, indem man sich mit der Regierung in Tokyo und örtlichen Behörden abspreche.

Die Verbesserung der Lagerung ist von Bedeutung, da kontaminiertes Erdreich, das etwa auf Spielplätzen in der Präfektur abgetragen wurde, um die dortige Strahlungsbelastung zu senken, teilweise unmittelbar neben den Spielplätzen und auf Schulhöfen zur Zwischenlagerung aufgeschüttet wurde (Spreadnews berichtete am 30. März 2012).

Landwirtschaft in Katastrophengebieten nimmt wieder zu: Wie das Ministerium für Landwirtschaft am heutigen Donnerstag mitteilte, haben etwa 70 Prozent der Landwirte in neun Präfekturen, die vom Tohoku-Erdbeben, dem damit verbundenen Tsunami und der daraus entstandenen Fukushima-Krise betroffen sind, wieder ihre landwirtschaftlichen Arbeiten aufgenommen. Doch auch hier sind zwei der drei als „Katastrophenpräfekturen“ bekannten Gebiete im Rückstand.

In den Präfekturen Aomori und Chiba, sowie in Ibaraki und Niigata, wurde bis zum 11. März 2012, dem Jahrestag des Tohoku-Erdbebens, der Betrieb wieder vollständig aufgenommen. In den Präfekturen Iwate und Nagano sind bereits über 90 Prozent der Landwirte wieder bei der Arbeit.

In der Präfektur Fukushima sind nur 56,0 Prozent, also etwas mehr als die Hälfte der landwirtschaftlichen Betriebe wieder aktiv. Als Grund werden die Auswirkungen der Nuklearkatastrophe von Fukushima angegeben. In Miyagi waren, aufgrund der Schäden durch den  Tsunami, bislang lediglich 54,2 Prozent der Landwirte dazu in der Lage, ihre Arbeit wieder aufzunehmen. Das meldet die Nachrichtenagentur jiji.

Kirschblüte in Japan: Weder der Sturm der vergangene Woche fünf Todesopfer forderte, noch die Besorgnis über die Pläne Nordkoreas hielten die Menschen davon ab, sich im Fernsehen über das Vorrücken der sakura senzen genannten Kirschblütenfront zu informieren und am Betrachten der Kirschblüte, dem Hanami teilzunehmen.

Kirschblüte in Kunitachi 2012 (Foto: KJ)
Kirschblüte in Kunitachi 2012 (Foto: KJ)

Besonders beliebte Plätze zur Kirschblütenschau waren überlaufen, denn wie üblich verbringen die Menschen ihre Zeit mit ausgiebigen Picknicks, an denen etwa ganze Familien, oder die Belegschaft eines Unternehmens teilnimmt.

Doch auch an Stellen die nicht in den populären Parks liegen, bieten die Blüten ein schönes Bild, wie das nebenstehende Foto aus der Stadt Kunitachi, in der Präfektur Tokyo zeigt.

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