Start Aktuelles Japan aktuell: IAEA-Vertreter besichtigen AKW Fukushima

Japan aktuell: IAEA-Vertreter besichtigen AKW Fukushima

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Mitglieder der IAEA auf dem Weg zum AKW Fukushima am 14. Dezember 2012 (Foto: TEPCO)
Mitglieder der IAEA auf dem Weg zum AKW Fukushima am 14. Dezember 2012 (Foto: TEPCO)
Mitglieder der IAEA auf dem Weg zum AKW Fukushima am 14. Dezember 2012 (Foto: TEPCO)
Mitglieder der IAEA auf dem Weg zum AKW Fukushima am 14. Dezember 2012 (Foto: TEPCO)

Erwartungsgemäß sind die Wahlen in Japan derzeit das Schlagzeilenthema der japanischen Presse. Dennoch gibt es im Zusammenhang mit dem AKW Fukushima aktuell neue Nachrichten. So war die gleichnamige Präfektur der Veranstaltungsort einer Atomsicherheitskonferenz.  Von anderer Stelle gab es Kritik an einer Unterschätzung der Strahlungsgefahr.

Doch auch andere Kernkraftwerke sind neben der Anlage in Fukushima heute erneut von Interesse, so dass es  sowohl neue Fukushima News, als auch weitere interessante Meldungen gibt. Alles weitere zu Wochenbeginn im Spreadnews Japan-Ticker vom 17. Dezember 2012.

Unsere heutigen Themen:

  • IAEA-Atomsicherheitskonferenz in Fukushima
  • Arzt wirft WHO Risiko-Unterschätzung vor
  • Mehrheit der Japaner befürwortet Frühwarnsystem
  • Einwohner über Neustart-Verzögerung am AKW Higashidori besorgt
  • Straßenumbenennung als Dank für US-Katastrophenhilfe
  • Senkaku-Konflikt auch mit neuer Regierung Thema
    • 18. Verletzung japanischer Hoheitsgebiete durch China
    • Japan zieht Abwehrraketen von Okinawa-Standorten ab
    • China reicht Material bei UN ein
    • Japans Wahlen sind Schlagzeilen

IAEA-Atomsicherheitskonferenz in Fukushima: Am Samstag begann in Koriyama (Präf. Fukushima) eine dreitägige internationale Expertenkonferenz zur Sicherheit von Atomkraftwerken. Am Freitag hatte der IAEA-Vorsitzende Yukiya Amano erklärt, die Situation am AKW Fukushima Daiichi habe sich gebessert, dennoch bestünden Probleme.

AKW Fukushima Daiichi: IAEA-Besichtigung am 14. Dezember 2012 (Foto: TEPCO)
AKW Fukushima Daiichi: IAEA-Besichtigung am 14. Dezember 2012 (Foto: TEPCO)

Zu seiner Besichtung der Kraftwerksanlage, gemeinsam mit 30 weiteren Personen berichtete Amano, er sei bei dem 90 Minuten dauernden Besuch in der Lage gewesen, das Gelände ohne Schutzanzug und lediglich mit Atemschutz und Handschuhen zu besichtigen.

Als Negativpunkte nannte der IAEA-Generaldirektor den Umstand, dass immer noch Gebiete existierten, in denen die Strahlungsbelastung nach wie vor „extrem hoch“ ist.

Auch die Lagerung des kontaminierten Wassers in großen Behältern bedürfe noch einer Lösung.

Dennoch wurde der Fortschritt, der nach der Fukushima-Krise erreicht worden war, von den 120 Vertretern von Staaten und internationalen Organisationen überschwenglich anerkannt und gelobt. Die IAEA werde Japan weiter unterstützen und beispielsweise durch Vertreter vor Ort technische Beratung bei der Dekontamination leisten.

Die IAEA will in der Präfektur Fukushima zudem ein Zentrum einrichten, in dem Ausbildungen erfolgen und das als Lager für Notfallausrüstung wie Schutzkleidung und Dosimeter dienen soll. Dieses IAEA-Asien-Zentrum wäre das erste seiner Art außerhalb des Stammsitzes der Organisation in Wien.

Über die Veranstaltung berichteten unter anderem die Kyodo, die Asahi Shimbun, die Yomiuri Shimbun sowie jiji und NHK.

Arzt wirft WHO Risiko-Unterschätzung vor: Doktor Alex Rosen, Arzt an der Universitätskinderklinik Düsseldorf. und Mitglied des IPPNW Deutschland (Internationale Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges) kritisiert die Weltgesundheitsorganisation WHO für ihren im Mai veröffentlichten Bericht zur Fukushima-Krise.

AKW Fukushima: Notfallraum am 6. September 2011 (Foto: TEPCO)
AKW Fukushima: Notfallraum am 6. September 2011 (Foto: TEPCO)

Die WHO unterschätze die Auswirkung der Radioaktivität auf die Gesundheit.

Aufgrund des Umstands, dass die Strahlungswerte von Einwohnern, die nahe der Kraftwerksanlage lebten, von Vertretern der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA und damit Atomenergie-Befürwortern ermittelt worden waren, sei in derartigen Fällen eine unabhängige Kontrolle auf wissenschaftlicher Basis nötig.

In dem WHO-Bericht wird die höchste nachgewiesene Gesamtbelastung pro Person innerhalb der ersten vier  Monaten seit Beginn der Krise, sogar in den Ortschaften Iitate und Namie, die in großer räumlicher Nähe zum AKW Fukushima Daiichi liegen, mit 50 Millisievert angegeben.

Von Dr. Rosen bemängelte Punkte sind, dass viele Menschen,, die unmittelbar nach der Reaktorkatastrophe geflohen, oder evakuiert worden waren und dabei keine Jodtabletten erhielten, bei der Erfassung der Daten ignoriert wurden.

Da die Strahlungsdosis im Trinkwasser „niedrig“ sei, wurden diese inkorportierten Belastungen ebenfalls nicht berücksichtigt.

Die Herkunft der Lebensmittel-Stichproben sei unklar und die entnommenen Mengen viel zu niedrig, so dass fragwürdige Kalkulationen entstanden seien. Da nicht klar ist, wer die Proben überhaupt entnahm, könnte sogar ein Interessenskonflikt bestehen, falls es etwa Mitarbeiter einer Atombehörde waren.

Über die Kritik des deutschen Mediziners, der seinen Bericht bereits im September zusammengestellt hatte,  berichtete die jiji am Samstag.

Mehrheit der Japaner befürwortet Frühwarnsystem: Eine zwischen Oktober und November durchgeführte Befragung von 5.490 Personen ab 20 Jahren durch die japanischer Wetterbehörde ergab, dass etwa 65 Prozent der Befragten ein landesweites öffentliches Erdbeben-Frühwarnsystem für nützlich halten.

Seit 2007 betreibt Japan ein derartiges System. Während die Befürworter angaben, der Alarm helfe dabei Schutzmaßnahmen zu ergreifen (73 Prozent) oder zumindest in der Lage seien, Risiken zu minimieren, etwa indem man unter einem Tisch Schutz sucht (45 Prozent), hielten andere es für weitgehend nutzlos.

Nach Angaben der NHK erklärten diese Personen, dass sie entweder den Alarm nicht bemerken würden (38 Prozent), oder nicht mehr in der Lage seien zu reagieren, sobald es einen ersten Erdstoß gegeben habe (34 Prozent).

Einwohner über Neustart-Verzögerung am AKW Higashidori besorgt:  Nachdem Experten aus dem Untersuchungsteam, dass im Auftrag der Atomaufsicht NRA mehrere Kernkraftwerke im Land auf ihre Sicherheit überprüft, eine Verwerfung unter dem AKW für aktiv halten, herrscht Besorgnis.

Dabei geht es jedoch nicht um die Gefährdung durch die Reaktoren, sondern um die Angst, die örtliche Wirtschaft könne schweren Schaden erleiden, wenn die Anlage noch länger heruntergefahren bliebe, oder sogar stillgelegt werden müsste.

Insbesondere Hotels und Gastgewerbe könnten ohne Kraftwerksarbeiter als regelmäßige Kunden finanziell Probleme bekommen.

Eine ähnliche Besorgnis besteht nach Angaben der Yomiuri Shimbun auch in der Ortschaft Rokkasho  (Präf. Aomori). Der Ort, sowie die gleichnamige Wiederaufarbeitungs-Anlage für radioaktive Brennelemente liegen auf der Halbinsel Shimokita.

Experten vermuten im Meeresboden vor der Halbinsel ebenfalls eine aktive geologische Formation.

Straßenumbenennung als Dank für US-Katastrophenhilfe: Als Zeichen der Dankbarkeit für die Hilfe während der Tohoku-Katastrophen vom März 2011, welche die US-Armee unter dem Namen „Operation Tomodachi“ leisteten, wurde die 500 Meter lange Hauptstraße im Stützpunkt der japanischen Selbstverteidigungsstreitkräfte in Sendai umbenannt.

Wie die Asahi Shimbun berichtet, war die zuvor als „Ichijo Avenue“ bekannte Straße am 13. Dezember im Rahmen einer Zeremonie in „Tomodachi Avenue“ umbenannt. Das japanische Wort „Tomodachi“ (Freund) im Namen drücke die menschliche und militärische Verbundenheit aus.

Senkaku-Konflikt auch mit neuer Regierung Thema: China wird in Zukunft nicht nur mit propagandistischen Funksprüchen auf Anordnungen der Küstenwache reagieren, sondern muss auch mit einer neuen Regierung klar kommen, deren harte Linie bereits jetzt gefürchtet wird. An dieser Stelle ktuelle Meldungen zusammengefasst.

Japan und Korea im Disput um Takeshima-Inseln (Grafik: spreadnews.de)
Lösung für Inselstreit nicht in Sicht (Grafik: spreadnews.de)

18. Verletzung japanischer Hoheitsgebiete durch China: Am Sonntagmorgen drang gegen 7:40 Uhr dieYuzheng 206, ein Patrouillenschiff der chinesischen Fischereibehörde nordöstlich von Kubajima in japanisches Hoheitsgebiet ein, um es dann etwa 50 Minuten später wieder zu verlassen.

Es ist das 18. Mal, seit dem Kauf von drei Senkaku-Inseln durch Japan, dass chinesische Schiffe in japanische Hoheitsgewässer eindringen. Zuletzt hatte auch ein Flugzeug illegal den japanischen Luftraum verletzt.

Japan zieht Abwehrraketen von Okinawa-Standorten ab: Japan begann am Samstag mit dem Abzug der Flugabwehrraketen von der Insel Okinawa. Bereits am Sonntag sollen sie wieder in anderen Landesteilen stationiert werden. Die Patriot-Einheiten waren aufgrund des Starts einer nordkoreanischen Rakete dorthin transportier worden.

China reicht Material bei UN ein: Chinas Regierung hat bei einer UN-Komission nun Kartenmaterial eingereicht, das anhand geologischer Merkmale belegen soll, dass auch das Gebiet der Senkaku-Inseln zu China gehört. Dieser Akt ist zwar provokativ, hat aber nur geringe Relevanz, da die UN-Stelle kein politische Autorität in der Angelegenheit hat.

Japans Wahlen sind Schlagzeilen:Nachdem der künftige Premierminister Shinzo Abe von den konservativen Liberaldemokraten (LDP) zusammen mit dem künftigen Koalitionspartner,

Japanische Nationalflagge (Originalfoto: Toshihiro Oimatsu cc-by)
Japanische Nationalflagge (Originalfoto: Toshihiro Oimatsu cc-by)

der Komeito bei der  jüngsten Unterhauswahl mit der geringsten Wahlbeteiligung seit Kriegsende (56,6 Prozent) mit einer Zwei-Drittel-Mehrheit den Sieg erringen konnte, herrscht insbesondere bei den Nachbarstaaten Sorge um Japans künftige Politik.

Nationalismus: Wahlversprechen wie eine Verfassungsänderung, verbunden mit der Umbenennung der „Selbstverteidigungsstreitkräfte“ in „Verteidigungsstreitkräfte“, die Stationierung von Truppen auf den Senkaku sowie die Unterstützung von Abe durch die nationalistische Nippon Ishin no Kai führten bei den Nachbarstaaten zu Sorgen über eine Militarisierung Japans.

Nationalisten drittstärkste Kraft: Die Nippon Ishin no Kai unter Leitung von Shintaro Ishihara und Toru Hashimoto wurde in der Wahl drittstärkste Kraft

Außenpolitik: Es wird erwartet, dass Abe die Verbindung zu den USA stärken wird. Allerdings betonte er auch, er wolle die Beziehungen mit China verbessern – und hatte dabei in der Vergangenheit ein glückliches Händchen gezeigt. Dennoch kündigte Abe eine Null-Toleranz-Politik bei Verhandlungen im Inselstreit um Senkaku und Takeshima an.

Atomausstieg: Der Atomausstieg Japans steht auf der Kippe, denn während der Nationalist Toru Hashimoto (Nippon Ishin no Kai) eine Unabhängigkeit von der Atomenergie befürwortet, fordern Industrievertreter bereits jetzt eine Wiederaufnahme der Atomenergie.

Die Wahlen im Japanischen Oberhaus folgen im kommenden Jahr.

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