Start Aktuelles Japan aktuell: Illegale Subunternehmen bei Dekontamination in Fukushima eingesetzt

Japan aktuell: Illegale Subunternehmen bei Dekontamination in Fukushima eingesetzt

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Dekontamination mit Hochdruckreiniger in Fukushima am 15. Juni 2012 (Foto: TEPCO)
Dekontamination mit Hochdruckreiniger in Fukushima am 15. Juni 2012 (Foto: TEPCO)
Dekontamination mit Hochdruckreiniger in Fukushima am 15. Juni 2012 (Foto: TEPCO)
Dekontamination mit Hochdruckreiniger in Fukushima am 15. Juni 2012 (Foto: symbolisch, TEPCO)

Wird ein Problem gelöst, kommt es am AKW Fukushima heute zu einem neuen Problem, das in diesem Fall sogar die Arbeiten langfristig behindern könnte. Schwierigkeiten anderer Art gibt es in der gleichnamigen Präfektur Fukushima aktuell ebenfalls – wurden dort doch illegale Beschäftigungsstrukturen aufgedeckt.

Auch diese Meldung zeigt einmal wieder, dass die Auswirkungen der Tohoku-Katastrophe nicht auf das Kernkraftwerk beschränkt sind.

Das wird in weiteren Meldungen ebenfalls deutlich, die neben den Fukushima News auch Informationen über die heutigen Auswirkungen der Katastrophen bieten.

Hinweis: Welche Zustände in den Präfekturen zu Beginn der Krise herrschten und wie Retter vor Ort diese erlebten, wird Inhalt einer Artikelserie sein, in der ein Katastrophenhelfer sowohl von seinen Erfahrungen berichtet, als auch mit einigen Mythen zur Katastrophenhilfe aufräumen wird. Die Serie wird anlässlich des Jahrestags  am 11. März beginnen.

Einzelheiten zu den heutigen Meldungen jetzt im Spreadnews Japan-Ticker vom 7. März 2013.

Unsere aktuellen Meldungen:

  • Illegale Subunternehmen bei Fukushima-Dekontamination
  • Austritt von Gasöl auf Fukushima-Gelände geklärt
  • Reparatur wirft Zeitplan für Fukushima-Reaktor 1 zurück
  • TEPCO veröffentlicht eine Reihe weiterer Konferenzvideos
  • Japan beginnt Betrieb des neuen Tsunami-Warnsystems
  • Verlängerungsanträge der Fristen für Übergangseinrichtungen
  • Polizeibeamte fürchteten bei Fukushima-Evakuierung um ihr Leben
  • Lionel Messis Goldfuß wird für guten Zweck versteigert
  • Drei Leichen von Katastrophenopfern im Halbjahr gefunden
  • Anti-Atomprotest in Tokyo nimmt ab

Illegale Subunternehmen bei Fukushima-Dekontamination: Entgegen den geltenden Regelungen haben Vertragsunternehmen, die mit der Dekontamination in der Präfektur Fukushima beauftragt sind, nicht nur Subunternehmen, sondern sogar Sub-Subunternehmen und weitere untergeordnete Firmen in ihre Arbeit einbezogen.

Die Vorgaben für Dekontamination beschränken die Anzahl der beteiligten Organisationen auf einen einzigen Haupt-Subunternehmer. Dies soll unter anderem auch verhindern, dass sich das organisierte Verbrechen in Form der Yakuza weiter in diesem Sektor ausbreiten kann.

Doch bei einer Anfrage der Yomiuri Shimbun bei 38 Gemeinden in der Präfektur, die Dekontaminationsarbeiten an Unternehmen vermittelt hatten, räumten zumindest zwei ein, tatsächlich mehrere Schichten von Subunternehmen zu tolerieren. Aufgrund des Arbeitskräftemangels sind die vorgeschriebenen Kontrollen nur noch formal von Interesse.

Aufgrund des Arbeitskräftemangels stellen die vorgeschriebenen Kontrollen oft nur eine reine Formalität dar, erklärte doch etwa der Vertreter einer der geständigen Gemeinden, man erhalte einfach nicht ausreichend Arbeitskräfte über einen einzigen Vertragspartner, so dass man bis zum vierten Glied Subunternehmen beschäftige, hätte diesen Umstand jedoch dem Umweltministerium gemeldet.

Auch von anderer Stelle heisst es, die Beschäftigung von Subunternehmen sei zwar bekannt, man überwache die Situation aufgrund des Bedarfs an Arbeitskräften nicht allzu genau. Eine mögliche Beteiligung durch die Yakuza sei zwar ein Problem, allerdings müsse man auch die Dekontamination voranbringen.

Erst im Januar war bekannt geworden, dass eine Yakuza-Gruppe aus der Präfektur Yamagata illegal Arbeiter in Date (Präf. Fukushima) eingesetzt und dabei einen großen Teil der ausgezahlten Gehälter eingestrichen hatte.

Austritt von Gasöl auf Fukushima-Gelände geklärt:Am 5. März hatte ein TEPCO-Angestellter festgestellt, das auf einer Straße des Krafwerksgeländes Gasöl aus einem Tanklaster tropfte und TEPCO hatte eine Ermittlung der Ursache angekündigt (Spreadnews berichtete am selben Tag). Nun erklärt der AKW-Betreiber, man habe die Ursache gefunden.

Eine Untersuchung habe ergeben, dass die Sicherung des Tankdeckels am Oberteil des Tanklasters lose gewesen sei. Da man eine Ansammlung von Regenwasser im Rahmen der Tanköffnung gefunden habe, geht man nun davon aus, dass es sich bei der während der Fahrt ausgetretenen Flüssigkeit um eine Mischung aus Gasöl und Regenwasser handelt.

Insgesamt sollen etwa acht Liter Flüssigkeit ausgetreten sein. Bei fünf Litern habe es sich um Gasöl gehandelt, der Rest sei Regenwasser gewesen, teilte TEPCO mit.

Reparatur wirft Zeitplan für Fukushima-Reaktor 1 zurück: Bei den Arbeiten zum Austausch einer Berstscheibe an der Anlage zur Restwärmekühlung des Meerwasserkühlsystems, die seit dem 26. Februar 2013 laufen, wurde entdeckt, dass sich ein Teil des Polyethylen-Auskleidung von etwa 1,2 x 0,9 Metern an der Scheibe verklemmt hatte.

Diese Berstscheibe dient dazu, im Fall einer Verstopfung der Rückflussleitung ins Meer und einem damit verbundenen Druckaufbau aus Sicherheitsgründen zu bersten und dadurch einen alternativen Weg zur Kühlung der Anlage zu schaffen.

Als Reaktion auf das neue Probleme wurde eine Zustandsprüfung des Gebiets durchgeführt und erste Gedanken zu einer möglichen Reparatur gemacht. TEPCO kam zu dem Schluss, dass die Reparatur dieser Art von Ummantelung etwa zwei Monate in Anspruch nehmen wird und damit den Zeitplan für die Fertigstellung der Instandsetzung verschiebt.

Nach Angaben des Kraftwerksbetreiber hat der neuste Zwischenfall keinen Einfluss auf den stabilen Zustand des „Cold Shutdown“ und auch Radioaktivität sei nicht in die Umwelt gelangt, zumal die Dicke des nicht mehr vollständig isolierten Bereichs immer noch den Bestimmungen entspreche.

TEPCO veröffentlicht eine Reihe weiterer Konferenzvideos: Der Elektrizitätskonzern TEPCO hat, mit Datum vom gestrigen Mittwoch, weiteres Videomaterial aus den Konferenzschaltungen veröffentlicht, begleitet diese Veröffentlichung jedoch lediglich mit Listen in japanischer Sprache, auf denen zeitlich gegliedert die Einzelszenen erklärt werden.

Hier bleibt wohl zunächst abzuwarten, wann TEPCO dann Material liefert, dass neben einer reinen Auflistung von 155 neuen Szenen, auch detailliertere Informationen verrät.

Japan beginnt Betrieb des neuen Tsunami-Warnsystems: Nach einer Änderung des bisherigen Systems, indem man Erkenntnisse aus dem Tohoku-Erdbeben berücksichtigte, ist Japans neues Tsunami-Warnsystem heute in Betrieb gegangen und unterscheidet die Riesenwellen nur noch in fünf statt wie bislang acht Kategorien.

Statt zunächst nur eine reine Tsunami-Information herauszugeben, wird künftig gleich auf Tsunami von mindestens einem Meter hingewiesen. Bei allgemeinen „Warnungen“ ist künftig ein drei Meter hoher Tsunami gemeint und ein „großer“ Tsunami bedeutet Höhen zwischen fünf und mehr als zehn Metern.

Bei einem Großbeben dessen Tsunami auf die Schnelle nicht abzuschätzen ist, wird pauschal vor „großen“ oder „hohen“ Tsunami gewarnt. Um den Menschen einen Vergleich zu bieten, werden Tsunami über zehn Metern  künftig als „mindestens so groß wie 2011“ bezeichnet, berichtet etwa die NHK.

Verlängerungsanträge der Fristen für Übergangseinrichtungen: Nachdem Übergangseinrichtungen wie Geschäfte, Betriebe und Schulen im Normalfall nur 27 Monate am Stück genutzt werden dürften, wollen die Präfekturverwaltung Miyagi, sowie die Leitung der Städte Ishinomaki und Osaki noch in diesem Monat eine Verlängerung beantragen.

Mindestens 100 Einrichtungen wären vom Antrag betroffen, dessen Genehmigung in Ermangelung von Alternativen als wahrscheinlich gilt.

Übergangshaussiedlung (Copyright: Andreas Teichert/DTRG e.V.)
Übergangshaussiedlung (Copyright: Andreas Teichert/DTRG e.V.)

Die Anträge der Präfektur Miyagi betreffen mehr als 50 Einrichtungen in Minamisanriku, Kesennuma, Onagawa und weiteren Gemeinden. Der Antrag der Stadt Ishinomaki wird 40 bis 50 Einrichtungen auf drei temporär erstellten Einkaufssstraßen betreffen, in Osaki sind es deutlich weniger.

Alle drei Verwaltungen gehen davon aus, dass aufgrund des gegenwärtigen Standes der Wiederaufbauarbeiten, noch weitere Verlängerungen um etwa fünf Jahre notwendig sein werden – verbunden mit der Vorschrift zum jährlichen Neuantrag.

Die Präfekturverwaltung von Iwate führt derweil Gespräche mit dem Ministerium für Wiederaufbau, um im kommenden Monat Anträge für 170 Übergangseinrichtungen in acht Küstengemeinden zu stellen. Die Verlängerung ist im Wesentlichen möglich, so lange keine Sicherheitsbedenken bestehen, meldet die Mainichi Shimbun.

Die Verwaltungen der Präfektur Fukushima und der Stadt Sendai holen diesbezüglich Meinungen aus den Verwaltungen ein, bevor man den Antrag stellt. Der Ort Minamisoma in der Präfektur hat bereits eine entsprechende genehmigung erhalten, jedoch nur für wenige Einrichtungen. Ähnlich sieht es mit den genehmigten Anträgen der Präfektur Ibaraki, sowie in Takanezawa (Präf. Tochigi) aus.

Polizeibeamte fürchteten bei Fukushima-Evakuierung um ihr Leben: Eine heute vorgestellte Befragung von Polizeibeamten der Präfektur Fukushima durch einen Professor der Keio Universität zeigt, dass viele von ihnen während ihrer Hilfestellungen, die sie Einwohnern bei der Evakuierung aus der Nähe des AKW Fukushima Daiichi im März 2011  leisteten, selbst Todesangst hatten, oder darüber nachdachten zu fliehen.

Von 125 Polizisten die zur Akutphase der Krise in der Nähe des Kernkraftwerks halfen, erklärten laut Kyodo, die Mehrheit von 68 Prozent, sie hätten Angst vor dem Tod gehabt und 41 Prozent, sie hätten aus Sorge um ihre eigene Sicherheit und die ihrer Familie darüber nachgedacht, ihre Pflichten zu vernachlässigen.

Lionel Messis Goldfuß wird für guten Zweck versteigert: Während der Aktienhändler auf sein goldenes Händchen setzt, ist es bei Profi-Fußballern wohl der goldene Fuß, der sie zum Erfolg trägt. Zumindest das Modell eines solchen Fußes soll nun zugunsten der Tohoku-Katastrophenopfer versteigert werden.

Die „Leo Messi Foundation“, die vom Weltfußballer Lionel Messi 2007 zur Unterstützung von Kindern ins Leben gerufen worden war, beauftragte das Tokyoter Unternehmen Tanaka Kikinzoku Jewelry KK mit der Fertigung des Goldmodells. Der Goldfuß hat ein Gewicht von 25 Kilogramm und besteht aus purem Gold. Sein Wert beträgt 486,5 Millionen Yen.

Neben dem Fuß werden auch weitere Stücke versteigert, darunter ein kleineres Modell des Fußes aus hundert Gramm purem Gold, sowie eine Platte mit einem Abdruck des Fußrückens des linken Fußes – ebenfalls aus reinem Gold. Die Erlöse kommen Messis Organisation und damit auch teilweise den Tohoku-Opfern zu. Über die Aktion berichteten etwa jiji und Asahi Shimbun.

Drei Leichen von Katastrophenopfern im Halbjahr gefunden: In den vergangenen sechs Monaten bis Februar wurden die Leichen von drei Personen in den Katastrophenpräfekturen geborgen. Doch immer noch werden mehr als 2.600 Personen vermisst. Die letzten Leichenfunde waren von Arbeitern und Fischern in einem Kanal, bzw an der Küste gemacht worden.

Über 90 Prozent der geborgenen Leichen konnten aufgrund körperlicher Merkmale, Gegenständen und Zahnnabdrücken identifiziert werden. Die Veröffentlichung von Bildern im vergangenen Mai hatte zur Identifikation von 72 weiteren Leichen geführt. Bislang sind 132 der Leichen noch nicht zweifelsfrei identifiziert, berichtet die jiji.

Anti-Atomprotest in Tokyo nimmt ab: Die lautstark wiederholten Parolen  “Genpatsu iranai” und “Saikado Hantai” mit denen Japans Bürger die Notwendigkeit von Atomkraftwerken verneinten und sich gegen den Neustart von Atomkraftwerken aussprechen, werden offenbar leiser.

Tokyo: Demonstration von Atomkraftgegnern am 11.06.2011 (Foto: KJ)
Große Zahl an Atomkraftgegner im Jahr 2011 (Foto: KJ)

Das gehe aus der sinkenden Zahl von Protestlern in der Nähe des Büros von Premierminister Shinzo Abe hervor. Bei der am jeden Freitag stattfindenden Protestkundgebung hätten sich nach Angaben der Asahi Shimbun nur noch 200 bis 300 Personen beteiligt.

Doch die Verbleibenden Atomkraftgegner geben den Geist der „Ajisai Kakumei“ (Hortensien-Revolution) nicht so schnell auf.

Auch wenn sie Angst vor einem sinkenden öffentlichen Interesse habe, sagte die aus Hiroshima stammende und in Tokyo arbeitende Illustratorin Misao Redwolf, müsse man die Menschen in der Regierung daran erinnern, dass es etwas gibt, dass man niemals vergessen sollte. Inwiefern sich die Pro-Atom-Partei LDP von diesen Protesten beindrucken lässt, bleibt abzuwarten.

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