Japan aktuell: Jahrelange Schlamperei förderte Zwischenfall in Forschungsanlage

Japan aktuell: Jahrelange Schlamperei förderte Zwischenfall in Forschungsanlage

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Artikelbild - Symbolische Darstellung von Atommüll (Grafik: pd)
Japan hat nach Fukushima ein weiteres Image-Problem für Atomkraft (Symbolgrafik: pd)

Während aus Fukushima heute keine Auffälligkeiten gemeldet werden, zieht der Kontaminations-Zwischenfall in der Präfektur Ibaraki immer weitere Kreise, denn die Erkenntnisse aus den Untersuchungen zeichnen ein Bild aus Versäumnissen und Mängeln.

Die Einzelheiten hierzu gibt es jetzt im Spreadnews Japan-Ticker vom 11. Juni 2017.

Unsere heutigen Themen im Überblick:

  • Lagerungsmängel im Forschungszentrum lange bekannt
  • Schwarze Plutoniumreste im Forschungszentrum entdeckt
  • Ibaraki-Arbeiter mussten mehrere Stunden in kontaminiertem Raum ausharren
Lagerungsmängel im Forschungszentrum lange bekannt

Nach dem jüngsten Zwischenfall an einer Nuklearforschungseinrichtung in Ibaraki, gerät eine Behörde immer weiter in die Kritik. Offenbar war jahrelange Schlamperei wesentliche Ursache für die Ereignisse vom 6. Juni.

Die fragwürdigen Lagerungsbedingungen an Einrichtungen, die von der Atombehörde JAEA betrieben werden, waren schon längerfristig bekannt und der Betreiber bereits angewiesen worden, die Methoden zur Lagerung zu verbessern.

Nachdem die Atomaufsichtsbehörde NRA im vergangenen Jahr eigene Sicherheits-Checks an mehreren Anlagen vorgenommen hatte, waren an 12 Standorten Mängel entdeckt worden – darunter auch am Nuklearforschungszentrum Oarai.

Zu den Funden an der Anlage von Oarai gehört die Entdeckung, dass 101 verschiedene radioaktive Substanzen, die nicht verwendet werden sollten, etwa 25 Jahre lang in einer Ablage aufbewahrt wurden, deren Substanzen eigentlich zu Versuchen genutzt wurden.

Die im November 2016 erfolgte Aufforderung der NRA an die JAEA, die Sicherheitsbestimmungen bei der Lagerung ernster zu nehmen, führte zur Ansammlung von 80 Stahlbehältern mit unterschiedlichen Inhalten.

Ab Februar diesen Jahres wurde mit der Öffnung der einzelnen Behälter begonnen, um ihren genauen Inhalt zu identifizieren und eine effektivere Lagerung nach Substanztyp zu ermöglichen.

Der Zwischenfall vom Dienstag erfolgte somit im Rahmen dieser Inspektionen – an einem Fass, dass seit 26 Jahren niemand mehr geöffnet und den Inhalt kontrolliert hatte. Über die neuen Hintergründe berichtete die Mainichi Shimbun.

Schwarze Pluntoniumreste im Forschungszentrum entdeckt

Wie eine heutige Untersuchung vor Ort zeigte, finden sich in dem Raum, der zum Schauplatz eines Kontaminationszwischenfalls auf der Forschungsanlage Oarai (Präf. Ibaraki)  radioaktives Material auf dem Boden.

Ersten Vermutungen zufolge handelt es sich um Plutoniumpulver, das aus dem geplatzten Vinyl-Innenbeutel eines Metallbehälters herausgeschleudert worden war. Da die Beutel sehr dick sind, rechnete niemand der Beteiligten mit einem solchen Ereignis.

Das Platzen wird damit erklärt, dass sich aufgrund der Radioaktivität im Beutel ein steigender Druck aufgebaut hatte. Da der mit sechs Bolzen gesicherte Behälter seit 1991 nicht inspiziert wurde, konnten derartige Entwicklungen auch nicht entdeckt werden.

In einem Gespräch mit Medienvertretern wurde erklärte, dass eine radioaktive Substanz mit Strahlungswerten die das 14-fache über den zulässigen Limits für Umgebungsradioaktivität lagen, im Raum nachgewiesen wurde. Das berichteten Präfekturmedien.

Ibaraki-Arbeiter mussten mehrere Stunden in kontaminiertem Raum ausharren

Nachdem es am Dienstag gegen 11:15 Uhr zu einem Arbeitsunfall in der Nuklearforschungseinrichtung Oarai gekommen war, mussten die fünf betroffenen Angestellten drei Stunden in dem kontaminierten Bereich warten.

Auch wenn dieses Vorgehen wahrscheinlich dazu diente, kein radioaktives Material unkontrolliert aus dem Analyseraum gelangen zu lassen, dürfte die Dauer des unfreiwilligen Aufenthalts zur hohen inkorporierten Strahlungsbelastung der Arbeiter beigetragen haben.

Über die neuen Angaben zum Zeitraum berichteten Präfekturmedien

Hintergründe

Bei drei der fünf Arbeiter waren als Folge zunächst Spuren des radioaktiven Materials im Nasenbereich festgestellt worden. Später stellte man bei vier der Angestellten auch eine Belastung in der Lunge fest. Beim fünften Mann scheint eine Belastung wahrscheinlich.

Bei einem Beschäftigten Mitte 50 wird eine Gesamtbelastung von 360.000 Becquerel vermutet. Was dies bedeutet, zeigt eine Umrechnung. Demnach entspricht dies einer Menge von 1,2 Sievert pro Jahr bzw. 12 Sievert in einem Zeitraum von 50 Jahren.

Wenn man dazu den Umstand in Relation zieht, dass bei Arbeitern im Nuklearbereich eine maximale Jahresbelastung von 0,05 Sievert pro Jahr, bzw. 0,1 Sievert über einen Zeitraum von fünf Jahren zulässig ist, zeigt dies den Umfang der vorhandenen Kontamination.

Allerdings wurde auch bereits die Vermutung geäußert, bei der Untersuchung sei nicht nur die inkorporierte, sondern auch die externe Strahlungsbelastung des Mannes mitgemessen worden, so dass die tatsächliche Belastung auch niedriger sein könnte.

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